Habt Ihr auch Sauerbrut?

  • Hallo miteinander
     
    Ich lese schon seit geraumer Zeit Eure Forumsbeiträge, hatte aber bis jetzt noch keine Fragen oder Antworten beizusteuern. Ich bin ursprünglich aus Berlin, lebe aber seit 25 Jahren in der Schweiz und habe dieses Jahr mit der Imkerei begonnen. Wie es hier üblich ist, haben wir ein Bienenhaus erstellt für ca 20 Völker mit den typischen Schweizerkästen. Unseren ersten Schwarm, der nach 2 Wochen bereits auf 8 Waben sass, mussten wir wegen der Sauerbrut abschwefeln. Es war schrecklich. Die Sauerbrut ist das Thema in der Schweiz. es gibt Kantone, die bereits völlig entvölkert sind. Jetzt meine Frage: Habt Ihr das in Deutschland auch und wie geht Ihr damit um? Hier war diese Krankheit in den 60iger Jahren bereits ein Thama, damals wurde sie mit Antibiotika behandelt. Das ist jetzt verboten. Wie handhabt Ihr das?
    Ich danke Euch herzlich für Eure Antworten
     
    Susanne

  • Hallo Susanne,


    ohne den Beitrag gelesen zu haben dachte ich mir: der Beitrag muss aus der Schweiz kommen. In keinem mir bekannten Land gibt es solche Probleme damit, quasi an der Tagesordnung. In D ist nur die Faulbrut ein Thema, und das glücklicherweise auch nur immer sehr eingeschränkt, örtlich bezogen. Sauerbrut hatte ich als Gesundheitswart noch nie.

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Detti07.


    Im Kurs zum Bieneninspektor haben sie uns drei Faktoren genannt, die massgeblich an der Verbreitung von Sauerbrut schuld sind
    -Verflug --> ein Problem der Bienenhäuser
    -Räuberei
    -und letztlich der Imker und seine Betriebsweise


    War's ein gekaufter Schwarm?


    Ich wechsle unter anderem wegen der Sauerbrut auf Magazine und Naturbau.
    Peter Neumann vom Bienenforschungszentrum Liebefeld sagte klar:
    Beim Auftreten von Sauerbrut auf einem Stand , sollen alle Völker abgeschwefelt werden, auch wenn nur eines betroffen ist. Ich würde es so handhaben, habe aber auch mehrere Stände à 4 Magazine:wink:.
    Der Bieneninspektor Max Tschumi aus Solothurn hatte im Frühling 06 1 Volk von 22 im Bienenwagen mit Sauerbrut. Dieses wurde abgeschwefelt.
    Von den anderen 21 wurde von jedem Volk vom Flugloch eine Bienenprobe von Adulten Tieren genommen , und auf Sauerbrut untersucht , davon waren 12 Völker positiv (die Brut war in Ordnung--> also nur klinische Symptome).
    Bis im Herbst musste er nach und nach die Vöker dieses Wagens abschwefeln, bis im Herbst waren alle akut betroffen.


    Sauberkeit, eine gute Völkerführung und keine Schwächlinge ist das was ich dir ans Herz legen kann.


    Viele Grüsse von Melli...!


    Mich würde deine Bienenrasse noch interessieren, denn m.E. ist die Landrasse doch eher anfällig für Sauerbrut (Steinigt mich bitte nicht gleich, lese gerade Bruder Adam und die Züchtung der Honigbiene!)

    Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft. [v. Ehrenfels.]

  • Hallo Melli,
     
    Erst mal vielen Dank für Deine Antwort.
    Der Schwarm war ein Geschenk aus Kloten. Wir haben uns vorher vergewissert, dass in diesem Bezirk keine Sauerbrut vorhanden war. Es war unser erstes und einziges Volk. Das Bienenhaus war 3 Wochen alt mit neuen ungebrauchten Kästen.
    Ca 1 Woche nach dem Einlogieren trat bei uns im Dorf die SB auf. Unsere Bienen müssen sich sehr schnell angesteckt haben, ich vermute, durch heimatlos gewordene Bienen (durch die Abschwefelung).
    Unser Bieneninspektor schickt die Proben nach St Gallen. Er sagte, die Liebefelder sind zwar genauer, dafür hätte man natürlich viel mehr stumme Infektionen ohne klinische Symptomatik. Das Fazit hast Du schon vorweggenommen, die Beseitigung des ganzen Standes.
    Wir haben übrigens die dunkle Landrasse, wie alle aus der Gegend.
     
    Kann man eigentlich auch im CH-Kasten Naturwabenbau betreiben?
    Nachdem, was ich hier im Forum gelesen habe, ist das eine tolle Sache.
     
    Danke für Eure Antwort.
    Susanne

  • Der Schwarm war ein Geschenk aus Kloten. Wir haben uns vorher vergewissert, dass in diesem Bezirk keine Sauerbrut vorhanden war.


    In der Bienenzeitung 06/2009 ist jetzt aber auch ein Fall Rümlang erwähnt. Zur Rassenfrage möchte ich nur anfügen, dass auch Dadantimker mit Carnica von der Sauerbrut nicht verschont bleiben.


    Bei mir ist die Sauerbrut dieses Frühjahr bis auf 2km herangekommen. Ich habe jedes Mal ein mulmiges Gefühl wenn ich diesen Stand kontrolliere.

  • scheint aber trotzdem ein hausgemachtes schweizer Problem zu sein


    Das bestreite ich gar nicht. Nach meiner Vermutung tragen Warmbau, Bienenhäuser und das dulden von Serbeln* stark dazu bei, dass die Sauerbrut hier wütet wie sonst nirgends.


    Starke Völker räubern die Serbel aus und im nächsten Jahr haben die am stärksten ausgewinterten Völker auch offene Sauerbrut.


    Warmbau deshalb weil die Völker oft stäker brüten als das Aussenklima eigentlich der Volksstärke entsprechend zulassen würde.


    Das Bienenhaus fördert ja nicht nur den Verflug, es gibt auch viele Flächen die nicht der direkten Sonne ausgesetzt sind und auf denen Sauerbrutbakterien eben länger überleben und vermutlich so auch weitergetragen werden.


    * http://de.wiktionary.org/wiki/serbeln

  • In der Bienenzeitung 06/2009 ist jetzt aber auch ein Fall Rümlang erwähnt. Zur Rassenfrage möchte ich nur anfügen, dass auch Dadantimker mit Carnica von der Sauerbrut nicht verschont bleiben.
     
    Bei mir ist die Sauerbrut dieses Frühjahr bis auf 2km herangekommen. Ich habe jedes Mal ein mulmiges Gefühl wenn ich diesen Stand kontrolliere.


     
    Hallo Nigra
     
    Was mich am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass diese Krankheit auch bei "vollständiger Sanierung" der Stände im nächsten Frühjahr wieder auftreten kann. Mit anderen Worten, die effizienteste aber auch die am unmöglichsten durchführbare Massnahme ist offenbar die Vernichtung aller Bienen eines betroffenen Standes, kannst Du Dir das vorstellen?
     
    Die Frage nach der Rasse stellt sich mir erst in zweiter Linie. Wir haben hier sehr viele Standbegattungen und ich werde sicher nicht Carnica oder Buckfast einführen.
    Der Bieneninspektor vom Bezirk Bülach hat in Kloten alle Stände kontrolliert. Bis jetzt ist alles sauber.
    Ich hoffe sehr, dass das so bleibt.
     
    Gruss, Susanne

  • Vielen Dank für den Tip Günther


    Ich werde mir diese Lektüre besorgen. Da wir neu anfangen, lohnt es sich auf jeden Fall, von Anfang an auf eine artgerechte Bienenhaltung zu achten. Habe auch mit grossem Interesse den Artikel über die unterschiedlich grossen bzw. kleinen Bienenwaben gelesen. Sehr wertvolle Hinweise.


    Susanne


  • Was mich am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass diese Krankheit auch bei "vollständiger Sanierung" der Stände im nächsten Frühjahr wieder auftreten kann. Mit anderen Worten, die effizienteste aber auch die am unmöglichsten durchführbare Massnahme ist offenbar die Vernichtung aller Bienen eines betroffenen Standes, kannst Du Dir das vorstellen?


    Da gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Die einen wollen die Sauerbrut zur auszurottenden Seuche erklären und rigoros in grossem Umkreis alles abschwefeln. Mit einem Stand ist es da nicht getan! Da die Sauerbrut, auch europäische oder gutartige Faulbrut genannt, im Gegensatz zur bösartigen (amerikanischen) Faulbrut keine ausdauernden Sporen bildet, könnte dies gelingen.


    Andererseits werden durch dieses Vorgehen auch alle Völker vernichtet, die eine höhere Infektionsschwelle, sprich eine sehr gute Bruthygiene haben. Wertvolles Zuchtmaterial ginge also verloren.


    Deshalb bin ich im Moment auch noch der Ansicht, man sollte versuchen, diese Seuche durch Verbesserung in Zucht (Bruthygiene) und Betriebsweise (Hygiene) in den Griff zu bekommen.


    Das kann bedeuten, dass man sämtliche Waben codieren muss, damit möglichst keine Waben in andere Völker umgehängt werden. Und wenn, dass ich noch nachvollziehen kann wohin. Also keine Sammelbrutableger und für jedes Wirtschaftsvolk einen separaten Satz Honigwaben. Futterwaben von Leichen müssten genauso in den Dampfwachsschmelzer wandern wie die dazugehörigen Honigwaben.