• Gerne würde der Drohn mal das Thema Keller und Schwarm und Bien ausdiskutieren:Biene:
     
    Wieso soll der Keller oder die Gruft für einen Schwarm,
    Bienenvolk,
    Tierquälerei sein?
    Das wird hier immer wieder behauptet!
    Bittet um fundierte Antworten,
     
    der
    Drohn

  • Hallo Drohn,
    ich wende die Methode des dunklen Abstellen auch an. Habe dieses Jahr auch mal Meister Fehrenbach jun. dazu befragt. Er meinte, dass dies für Ableger ein wichtiger Prozeß sei. Er stellt seine in einen dunklen Kühlraum.
    Seiner Meinung nach sei die Dunkelheit aber wichtiger als die Kälte.
    Diese Erfahrung habe ich bei mir auch gemacht. Die Bienen finden sich während dieser Zeit als Einheit und nehmen auch die Weisel besser an.
    Vielleicht kannst du aus deiner speziellen Betrachtungsweise ja mal einige Bemerkungen dazu machen.
     
    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Du kannst es ja mal im Selbstversuch prüfen:
     
    3 Tage Hausarrest ohne Essen und ohne Toilettenbesuch.
     
    Warum ist der im anderen Thread diskutierte Schwarm nach wohl überwiegender Meinung verbraust? Doch sicherlich nicht, weil die Bienen sich im Keller so rundum wohl gefühlt haben.
     
    Es ist nun einmal nicht artgerecht, ein Wildtier wie den Bien daran zu hindern, seiner Art entsprechend durch die Lande zu fliegen, Nektar, Pollen und Wasser zu suchen, mal eben den Darm zu entleeren, tote Artgenossen zu entsorgen, am Nest weiterzubauen.......
     
    Kellerhaft ist und bleibt ein Notbehelf, der einzig dazu dienen sollte Krankheiten zu kurieren (Faulbrutsanierung) oder allenfalls bei Kunstschwärmen das Zurückfliegen zu verhindern. Wobei letzteres nach meiner eigenen (zugegebenermaßen noch sehr geringen) Erfahrung eigentlich überflüssig ist. Ein ausreichend stark gebildeter oder außerhalb des Flugkreises aufgestellte Kunstschwarm verliert durch Rückflug nicht so viele Bienen, dass er davon zu klein wird.
     
    Honigbienenhaltung ist da natürlich immer und in beinahe jeder Hinsicht ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen und Zielen des Imkers und denen des Biens. Kellerhaft ist aber im Grunde immer für den Imker kaum von Nutzen und für den Bien ein unnatürlicher Zustand, der Stress auslöst, das Wohlbefinden beeinträchtigt und damit auch ein Quälen des Biens darstellt.

  • Was tut der Bien in der Natur ? :
    er schwärmt aus, sammelt sich in einer Traube . ... Und beginnt von dort aus den Platz seiner neuen Behausung zu sondieren. Dies kann je nach Angebot mal schneller mal langsamer geschehen.
    Ist man sich einig, bewegt sich die ganze Gesellschaft in Richtung Behausung.
    Dort angekommen richtet man sich häuslich ein, man reinigt ( nach Bedarf). und beginnt zu bauen um die mitgebrachten Vorräte unterzubringen.


    Zum Sinn der "Dunkelhaft" : Ich habe nie erlebt das ein Schwarm beim Auszug die Dunkelheit gesucht hätte. Alle Schwärme die ich gefangen habe hingen in der Sonne bis max. Halbschatten.
    Alle Schwärme die ich sofort eingeschlagen habe begannen bereits am gleichen, oder spätestens am darauffolgenden Tag mit Sammel und Orientierungsflügen.
    Warum wohl ? : Die mitgebrachten Vorräte sollen ja eine Notration und Starthilfe sein. Würden diese erst prinzipiell aufgebraucht bevor das Volk aktiv wird, wären die meisten der Bienenvölker in der Natur verhungert. Denn was ist wenn nach den drei Tagen plötzlich Schlechtwetter ist. Eine solche "Risikostrategie" wäre geradezu selbstmörderisch.
    Zum Sinn der Mittelwabenzunge : Die sollte in der Beute gebaut werden , und nicht im Schwarmfangkasten. Jeder Imker hat wohl schon erlebt das die erste Wabe schon im Fangkasten gebaut, sauber bestiftet und mit mitgebrachtem Futter versehen wurde, ... WARUM WOHL ???


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Die Gruft.


    Ein Hilfsmittel, der nur demjenigen hilft, der nicht mit dem Bien arbeitet, sondern ihm gebieten will?


    Bisher hat sich bei mir noch kein Naturschwarm verabschiedet, wenn ich ihn eingesammelt habe, habe einlaufen lassen (= nicht einschlagen) und ihn in Ruhe gelassen habe. Kann sein, dass es Glück war? :confused:



    So wie eine Organtransplantation zwischen zwei Lebewesen eine chemische Immunreaktion-Unterdrückung durch Medikamente erfordert, die ein Abstossen des fremden Organs durch den Empfängerorgansimus verhindern sollen. (immunsuppressiven Therapie, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Transplantation#Immunreaktionen )


    Genau diese Funktion, die Immunreaktionunterdrückung von etwas, was nicht zusammengehört, diese Funktion erfüllt die Gruft.




    Zitat

    Wieso soll der Keller oder die Gruft für einen Schwarm, Bienenvolk, Tierquälerei sein?


    Die Gruft ist deswegen "Tierquälerei" (übertrieben?), weil ihr ein Zerschneiden des Organismus des Biens vorausgeht. Der Wille des Bien wird durch die Gruft gelöscht und mit dem Willen des Immenwärters gefüllt. Brainwash.




    to be continued... :p



    Ich bin mittlerweile überzeugt, dass viel Übel in dem Teilen, Vorwegnehmen und so weiter steckt. Ich bin weiter überzeugt, dass es keinen Weg am Naturschwarm vorbei zur Bienengesundheit gibt, wie auch immer man dies in seine Betriebsweise und Umstände (Stadtgebiet, Abwesenheit durch Bürotätigkeit, Trachten etc.) einbinden mag.


    Heutzutage sind es die widernatürlichen Umstände, die widernatürliche Maßnahmen produzieren. Vermutlich gibt es trotz dieser Umstände auch viele andere Möglichkeiten, trotzdem mit Naturschwärmen zu arbeiten. Man muss sich nur darum bemühen.


    Also lieber Drohn, für mich ist die Gruft eher ein moralisches/ethisches, als ein funktionelles Problem.


    Ganz nach Fukuoka (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Fukuoka_Masanobu) bin ich der Meinung, dass man nach A auch B sagen muss, woraus C folgt und dann D.


    Also wer mit einer Maßnahme beginnt, landet in der nächsten, woraus wieder eine Maßnahme erfolgt. Also praktisch: Wer mit Kunsteingriffen wie der Vorwegnahme beginnt, landet unweigerlich bei der Gruft, landet bei der Fütterung, ... usw. usf.


    Eine Eigendynamik beginnt. Eine Maßnahme macht weitere erforderlich. Am Ende hat man nicht Arbeit gespart, sondern man erzeugt immer weitere Arbeiten. Vorwegnahme mag vielleicht im ersten Augenblick das Einfangen des Schwarms ersparen, aber es erzeugt auch Folgearbeiten, die wohl insgesamt mehr Arbeit verursachen?


    Fukuoka fragt in solchen Fällen immer: Was kann man weglassen? Je mehr man weglässt, desto weniger Arbeit und Folgemaßnahmen. Wenn man nicht zu viel weglässt (man kann es auch überreizen), dann steht man am Ende mit wenig Arbeit da bei gleichen Ergebnissen. Was kann ich weglassen und erreiche trotzdem mein Ziel?



    Bernhard

  • Ich wende die "dunkelhaft" nicht nur bei Schwärmen sondern auch bei meinen firsch erstellten Ablegern und Begattungsvölkchen an. Ich habe hier leider nicht die Möglichkeit meine "Jungvölker" 5 KM vom Standort wegzustellen, um einen Rückflug zum Herkunftssvolk zu verhindern.
     
    Bis jetzt habe ich damit keine schlechten Erfahrungen gemacht.
     
    Es sind dabei einige wichtige Dinge zu beachten:
     
    Genügend/Ausreichend Luftzufur und ausreichend Wasser (Dieses über Sprüher auf die Bienen geben) ich spreche hier von 100 - 200 ml.
     
    Meißt reicht auch schon eine Dunkelhaft von 2 Tagen aus. Ideal ist es natürlch, wenn schlechtes Wetter ist, und die Bienen eh nicht aus dem Stock hätten gehen können.
     
    Kalt muss es in der Tat nicht sein, es reicht Dunkelheit und vorallem Ruhe.
     
    Das Verbrausen von Völkern / Schwärmen kann m.E. mehrere Gründe haben:
     
    1.) Königin ist nicht mit im Kasten
    2.) nicht genügend Luft / Wasser
    3.) Ruhestörung (damit meine ich dass im Keller öfters mal das Licht an gemacht wird, und die Bienen meinen, dass Sie jetzt los können....

  • Hierzu würde ich auch gerne meine bescheidene Erfahrung kundtun.


    Ich sehe einen Nutzen in der Kellerhaft bzw. im ruhig Abdunkeln in folgenden Punkten.


    - In der Faulbrutsanierung in der Hungerphase um den Bienen dass abkoten ohne Nahrungszufuhr und unnötigen Stress zu ermöglichen.


    - Zum Finden als Schwarm, wenn ein zusammengewürfeltes Volk sich als neue Gemeinschaft finden soll


    - Zum "Rückstellen" der alten Orientierung in Bezug auf Duft, Ort, Raum


    In der Überlegung ob Sinn oder Unsinn kam ich zu folgenden Fragen und Antworten:


    Warum Dunkel?


    Die bei uns heimischen Bienen bevorzugen die Dunkelheit für das Volk und die Königin sonst würden sie ja nicht freiwillig durch ein kleines Loch in eine Beute wandern um dort in Dunkelheit Ihren Bau zu formen sondern wie andere Arten sich fröhlich an einen Ast hängen und dort den Wabenbau errichten. Die Grenzgängerei als "Sonnenvogel" resultiert aus der Tatsache, dass sie als Nahrungsspezialisten Nektar benötigen, der bei uns überwiegend in den Sonnenstunden produziert wird.


    Warum kühl?


    Dies resultiert meiner Meinung nach aus dem Gedanken, dass durch die Aufregung die Gefahr eines Verbrausens entsteht, die durch die kühle gemindert werden soll. Ist meiner Meinung nach aber eher sekundär, da eine gute Belüftung dies Risko stärker reduziert als Kühle allein.


    Warum Keller?


    Der Keller bietet neben der Dunkelheit und Kühle einen wesentlich größeren Vorteil, nämlich Ruhe. Die gesamte Situation verursacht für die Bienen Stress (wenn es so etwas bei Insekten gibt). Zur Reduktion des Stresses ist es hilfreich soviel Ausseneinflüsse zu reduzieren wie möglich um die Chancen des Gelingens zu erhöhen.


    Ein Teil dieser Antworten resultiert aus der Erfahrung, dass allein Lärm dass Ergebnis des Schwarmgelingens schon zunichte machen kann. Und Opa sagte immer: um wirkliche Einigkeit in ein Volk zu bringen braucht man Not oder eine eindeutige Gefahr!
    Ob Bienengemäß oder nicht möchte ich nicht diskutieren, da ich meine Betriebsweise daran orientiere welches Ziel ich verfolge, ob sie handhabbar ist und ob der Bien einen nachhaltigen Schaden erleidet der einem optimales Fortbestehen im Wege steht. Tatsächlich Bienengemäß kann ich nur zu 95% handeln und dass musste ich für mich akzeptieren!


    Gruß Tom


  •  
    Darf ich das so verstehen, dass Du die Kellerhaft eigentlich nur für Sinnvoll erachtest, wenn eines dieser Ziele angestrebt ist, sprich bei Faulbrut und Kunstschwärmen?
    Oder hältst Du es für Sinnvoll, jeden Schwarm vorsichtshalber als Faulbrut-infiziert anzusehen und dementsprechend vorbeugend zu sanieren?

  • Hallo Zusammen,
    für meine Zwecke bringe ich das mal auf einen Nenner:
    Natürliche Schwärme brauchen keine Dunkelhaft, was nicht ausschließt, das man dies doch macht.
    Imkerliche Schwärme brauchen eine Dunkelhaft zur Volksfindung.
    Ausnahme: Freiluftkunstschwarm, Fluglinge.
    Wie so oft im Leben, kann man das halten wie die Dachdecker...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Darf ich das so verstehen, dass Du die Kellerhaft eigentlich nur für Sinnvoll erachtest, wenn eines dieser Ziele angestrebt ist, sprich bei Faulbrut und Kunstschwärmen?


    Ja, - ich halte mich aber nicht für beratungsresistent, wenn ich eine andere Sichtweise durch mehr Wissen oder vernünftige Argumente erhalte.



    Oder hältst Du es für Sinnvoll, jeden Schwarm vorsichtshalber als Faulbrut-infiziert anzusehen und dementsprechend vorbeugend zu sanieren?


    Diese Frage stelle ich mir schon länger und habe sie hier auch schon gestellt. Bisher habe ich bei echten Schwärmen keine Maßnahmen ergriffen. Also keine Dunkelhaft, kein Hungern, keine Quarantäne etc.


    Gruß Tom