Vergiftungsschaden jetzt auch bei uns?

  • Hallo liebe Imker,


    habe bei einem unserer Stände Verdacht auf einen Vergiftungsschaden. Aufgefallen ist es mir bei einem (von 8) Wirtschaftsvölkern. Es wollte und wollte nach der Frühjahrsschleuderung den erneut aufgesetzten Honigraum nicht mehr annehmen. Ich dachte vielleicht ist ja unbemerkt doch ein Schwarm abgegangen und habe jetzt mal nachgeschaut. Relativ wenig Bienen in der Beute, dem entsprechend kleines Brutnest, aber (auf den ersten Blick) nichts Auffälliges. Aber im Boden das (wie ich meine typische) Bild einer Vergiftung. Tote und sterbende und zuckende Bienen mit rausgestrecktem Rüssel. Ungefär eine gute Handvoll, also nicht ganz so viel. Vor der Beute auf dem Anflugbrett (bzw. der Gewebefolie, die als Anflugbrett dient) relativ viel Totenfall, aber nicht sterbend, sondern vermatscht, verregnet, schon länger tot, nichts Genaues zu erkennen. Wie bei allen anderen Völker auf diesem Stand. Das war mit schon letzte Woche aufgefallen, aber da alle anderen Völker an diesem Stand sehr stark sind, wachsen und viel Honig bringen, habe ich mich zwar gewundert, aber nichts weiter unternommen.


    Jetzt habe ich auch bei einigen der anderen Völker den Boden kontrolliert und hier auch das Gleiche gefunden. Ungefär eine Handvoll gerade tote oder sterbende und zuckende Bienen.


    Alle Völker sind schon seit Wochen auffällig aggressiv. Hatte mich auch deshalb schon gewundert, weil Geschwisterkönniginnen auf den anderen Ständen sich normal benehmen. Habe es aber auf den Raps und danach auf die Trachtlücke geschoben.


    Wie gesagt an der Volksstärke erkennt man es nur an einem von 8 Völkern, aber es scheint alle zu betreffen; die einen kompensieren halt den Verlust und räumen die Toten auch schneller vors Flugloch.


    Was mir noch aufgefallen ist, das einige der toten Bienen orange Pollenhöschen hatten. Was kann das um diese Jahreszeit sein? Wo kommen die her?


    Wir sind vorhin die ganze Umgebung des Standes abgefahren. Da gibt es viel Raps, der natürlich schon seit Wochen abgeblüht ist. Roggen und Zuckerrüben und (erntereife) Erdbeeren. Und Mais. Soviel Mais wie nie in den Jahren davor. Der ist je nach Feld ungefär 20-50cm hoch. Zur Aussaatzeit habe ich nichts Auffälliges an den Bienen bemerkt.


    Habe die Handvoll Bienen aus dem ersten Volk als Probe genommen und einige Maisblätter von einem Feld. (Sind ganz viele verschiedene, relativ kleine Felder.) Liegt jetzt alles im Kühlschrank. Wir haben mit dem Verein des betreffenden Kreises telefoniert (ist der Nachbarkreis). Die wissen nicht mal wer ihr BSV ist. Unser eigener BSV (Berufsimker, sehr kompetent) ist leider bis Ende Juni in Urlaub. Werde morgen mit dem Amtsveterinär des betreffenden Kreises telefonieren. Vielleicht kann der ja etwas unternehmen. (Habe da aber wenig Hoffnung.)


    Wenn irgendjemand einen Tip hat, was es sein könnte, oder wie ich den Bienenvölkern jetzt helfen kann, wäre ich sehr froh. Abwandern ist aber schwierig bis unmöglich. Mit den schweren Honigräumen kriege ich die Völker nicht transportiert und auf den anderen Ständen ist kein Platz mehr für 8 Völker (und 3 Ableger; die dort auch noch stehen). Aber das am stärksten befallene Volk wandere ich ab, einen kriege ich noch irgendwo unter!


    Wenn es allerdings wirklich der Mais ist, dann nutzt das nicht viel, weil unsere Stände dieses Jahr alle mehr oder weniger vom Mais umzingelt sind.


    Bin für jeden Hinweis dankbar.


    Viele (traurige) Grüße


    Brigitta

  • Tut mir leid für die Bienen, kann dazu nicht viel sagen.


    Orange Pollenhöschen: Bei mir z. Z. von Habichtskraut, Wiesenbocksbart und Margerite.


    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Hallo Brigitta, ich lese gerade Deine Geschichte mit dem Vergiftungsverdacht. Ich glaube, der Mais ist bestimmt nicht die Ursache für eine mögliche Vergiftung, Du solltest Dich mal den von Dir erwähnten Erdbeeren widmen.
    Erdbeeren werden üblicherweise intensiv mit Fungiziden und Insektiziden gespritzt, darüberhinaus wird die Blüte intensiv von Bienen beflogen. Dass Du erntereife Erdbeerfelder findest, die ja nicht mehr gespritzt werden dürfen bedeutet gar nichts. Jeder Erdbeeranbauer pflanzt mehrere Serien Jungpflanzen im Abstand von 10-20 Tagen, um so durch die jeweils spätere
    Blüte eine über den Sommer bis zum Herbst andauernde Ernte zu haben.
    Falls es also reichlich Erdbeerfelder im Flugbereich der Bienen gibt würde ich vermuten, dass eine Vergiftung eher hierher rührt. Viele Grüße Roland.

    "Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewußt, daß der Mensch überhaupt unendlich mehr empfängt, als er gibt, und daß Dankbarkeit das Leben erst reich macht" D. Bonhoeffer

  • Hallo Brigitta,
     
    orange Pollenhöschen um diese Jahreszeit kommen hier bei mir von den Spargelfeldern. Nicht die Felder, wo noch gestochen wird, sondern die Neuanpflanzungen.
    Die stehen zur Zeit in voller Blüte. Und werden gespritzt! Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, womit.
     
    Gruß, Heike

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo,


    wollte nur mal erzählen, was wir bis jetzt rausgefunden haben. Es scheint wirklich der Spargel zu sein. Mayen hat die Pollenhöschen einiger toter Bienen analysiert. Daraufhin sind wir gestern den ganzen Nachmittag mit dem Fahrrad herumgefahren und haben tatsächlich ein Spargelfeld gefunden (ca 1,1 km Luftlinie vom Bienenstand entfernt). Nicht mal besonders gross. Es ist eine Neuanpflanzung, die fast verblüht ist. Es waren nur noch einige Hummeln unterwegs. Ich hoffe denen geht es nicht genauso wie unseren Bienen.


    Wir haben natürlich sofort eine Pflanzenprobe genommen (ich hoffe es war noch nicht zu spät). Spargel und tote Bienen sind jetzt unterwegs zum Julius Kühn Institut nach Braunschweig. Vielleicht können die noch etwas herausfinden.


    Das am stärksten betroffene Volk trägt seit 3-4 Tagen keine orangen Pollen mehr ein, sondern hat jetzt wahrscheinlich auch die Linde gefunden. Als Wirtschaftsvolk ist es jetzt jedoch viel zu schwach, aber ich hoffe es erholt sich wieder und übersteht den Winter einigermaßen. Man hat mir zwar geraten es abzufegen, aber ich versuche es doch über den Winter zu kriegen. Ich finde sie haben eine zweite Chance verdient, außerdem will ich wissen ob es auch Langzeitschäden gibt oder ob es "nur" Flugbienenverluste waren.


    Vielen Dank für Eure Tips. Ich melde mich wieder, wenn ich ein Ergebnis aus Braunschweig habe.


    Brigitta

  • Hallo brigitta, hallo Harald,
     
    danke für die Info.
    Würde mich freuen, wenn ihr das Ergebnis hier einstellt.
     
    Hier werden die Spargelfelder nämlich immer mehr, bislang konnte ich zwar noch keine Schäden an den Bienen entdecken, daß könnte aber auch an meiner mangelnden Erfahrung liegen.
     
    Gruß, Heike

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Heike,


    habe jetzt eine mail zum JKI geschickt, um mal nach den Analyseergebnissen nachzufragen. Bin gespannt auf die Antwort und schreibe sie dann auf jeden Fall hier rein.


    Ich mache mir auch Sorgen für nächstes Jahr. Die Anlage wird ja bestimmt noch einige Jahre bestehen und wahrscheinlich im nächsten Jahr auch wieder gespritzt werden. Ich hoffe ich kann weitere Bienenschäden verhindern.


    Viele Grüße


    Brigitta

  • Hallo,


    habe gerade eine Email vom JKI bekommen. Die Untersuchungen laufen noch, erste Ergebnisse deuten auf das Vorhandensein eines Kontaktgiftes im Spargel hin. Endgültige Ergebnisse gibt es in 2-3 Wochen.


    Melde mich wenn ich mehr weiß.


    Viele Grüße


    Brigitta

  • Hallo,


    wollte nur mal den neusten Stand durchgeben. Wir haben mittlerweile das Ergebnis der biologischen Untersuchung vom JKI. Sowohl in den Bienen als auch im Spargel wurde ein Kontaktgift gefunden. Die Bienen sind schwach positiv, der Spargel positiv getestet worden. Es wir davon ausgegangen, das der getestete Spargel Ursache der Bienenvergiftung ist. Daraufhin wurde eine chemische Untersuchung veranlasst, dieses Ergebnis steht aber noch aus.


    Auch mit dem "zugehörigen" Landwirt haben wir jetzt gesprochen. Er sagt, er hat zur fraglichen Zeit noch gar nichts gespritzt und später dann das zugelassene "Dimethoat". Dimethoat ist nach meinen Infos bienengefährlich (B1) aber er sagt, er hat sich an alle Vorschriften gehalten und nur abends nach Einstellen des Bienenflugs, bzw. morgens ganz früh gespritzt.


    Er vermutet die Ursache in einer Kartoffelspritzung auf dem Nachbarfeld, da er davon auch Spritzschäden auf den Randreihen hatte :-(.


    Ich hoffe jetzt auf die chemische Untersuchung und darauf, dass der Wirkostoff vielleicht noch gefunden wird.


    Viele Grüße


    Brigitta