• Moin mittenander!
    Ich habe gestern geschleudert und vermutlich einen Raps-Robinie-Honig gewonnen.
    Ich tippe auf ein Verhältnis von Raps zu Robinie von 50:50 bis 30:70.
    Wie verhält sich so ein Honig im Gegensatz zum reinen Raps? Die beiden Honige haben ja ziemlich konträre Kristallisationsneigungen und ich überlege jetzt ob, wann und wie dieser Mischhonig auskristallisieren wird.
    Und wie muss der "gepflegt", sprich gerührt werden, wenn überhaupt?
    Hat da jemand von euch vielleicht schon Erfahrungen gemacht?


    Dank und Gruß
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Patrick,


    Du wirst Dich überraschen lassen müssen. Robinie empfinde ich persönlich fast schon als Problemtracht, wenn man richtig guten Honig ernten will. Durch den hohen Fructosegehalt wirkt sie auf die Kandierung des Honigs wie eine Schlaftablette, wenn der Robinienanteil darin zu groß wird. Kandierter, stark robinienlastiger Honig hat fast eine Textur wie Schneematsch - je mehr Robinie, desto sulziger und körniger. Hinzu kommt noch, daß sie dem Honig kaum aromatische Ideen mitgibt; ein bißchen konfektiger Grundton, das war's.


    Mir ist in einem Jahr, in dem der Raps verregnete, eine eigentlich wunderbare, zart löwenzahnbetonte Frühtracht von der Robinie texturmäßig richtig versaut worden. Im Folgejahr schleuderte ich dann bewußt vor der Robinie, wurde dadurch aber mit der Sommertracht nicht glücklich. Inzwischen laß' ich sie wieder in die Frühtracht, was, wenn genügend Raps und Wildobst drin ist, vom Honig gut weggesteckt wird und der Viskosität des fertig gerührten Honigs fast guttut, ohne, daß die Kandierung grober würde. Aber der Honig braucht dann den Raps, um richtig gut zu werden - die letzten 2 Jahre (und 2009 wohl auch) ist das bei mir gut gegangen, die Frühtrachten waren qualitative Volltreffer.


    Also wie üblich - rühren, wenn er beginnt anzuziehen, und warten, was passiert. Ich bin gespannt, was Du berichtest.

  • Hallo Patrick


    Ich lasse die Robinie ganz gezielt dieses Jahr in die 2. Rapsernte fliessen, um die Konsistenz des Rapshonigs zu verbessern.


    Bei uns hat es seit Woche nicht mehr geregnet und die erste Rapsernte ist bei 16% Wassergehalt knochenhart in den Gläsern.
    Die ist also erst nach dem "Weihnachtswunder" wieder verkaufsfähig.
    Die 2. Ernte, die ich kommenden Samstag einfahren werde, wird immer noch sehr Rapslastig, aber mit Robinie und der ersten Kornblume denke ich mal doch wieder recht nett.


    Also freu Dich ob der später besseren Konsistenz.


    Gruß
    Patrick ;-)

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hi "Freund" !:wink:
    Das mit dem sehr trockenen Rapshonig kenne ich, den habe ich dieses Jahr auch gehabt.
    Ich bin mal gespannt, wie sich der neue Honig macht, bisher isser immer noch fast wie Wasser...also abwarten und Tee mit Honig trinken.
    Wie würdest denn du diesen Mischhonig geschmacklich und konsistenziell (gibt`s das Wort überhaupt?) beschreiben?


    Gespannten Gruß vom
    Patrick


    P.S.: Wie komme ich zu der Ehre?

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo Patrick


    Wir laufen uns ja im Forum immer wieder über den Weg und es ist immer lustig jemandem mit seinem eigenen Namen anzusprechen ;-)


    Der Geschmack wird sich nur sehr wenig vom "reinen" Rapshonig unterscheiden. Es tut der Konsistenz nur recht gut.


    Wichtig ist wie bei vielen Honigen: rühren, sonst wird es eher grob auf der Zunge und der Geschmack leidet.


    Wann mit dem rühren beginnen??? Tja dieser Honig kann lange brauchen bis er erste Kristallisations Anzeichen zeigt.
    Aber dann geht es...... langsam weiter ;-)
    Es kann sein, das der Honig - wie bei mir vor 2 oder 3 Jahren bis August flüssig ist. Sonst verkauf ihn Glasweise flüssig bis dahin?


    Ich "benutze" diesen Honig um die Waben vom richtigen Raps zu "spülen" und hoffe auf eine gute Spättracht.
    Je weniger Anteile Raps jetzt noch in den Waben ist, desto dunkler wird der kommende Honig.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo Patrick!


    Danke für die ausführliche Antwort. Ich werde dann abwarten, beobachten und den Honig zumindest an die ganz ungeduldige Kundschaft glasweise verkaufen.
    Den Nebeneffekt des Robinienhonigs als "Wabenspüler" zwischen Raps und jetzt noch folgenden Trachten werde ich genau beobachten, da in den vergangenen Jahren in meinem Spättrachthonig noch einiges an Raps festzustellen war.
    Bin gespannt ob und wie sich dieser "Zwischenspülgang" auf Farbe, Geschmack und Konsistenz des kommenden Honigs auswirkt.


    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Tach zusammen!
    Mein Raps-Robinie-Honig hat dann ca. eine Woche nach der Schleuderung doch schon angefangen zu kristallisieren. Allerdings völlig anders als der reine Rapshonig. Er kandiert logischerweise langsamer, sprich er ist auch eine Woche nach dem Einsetzen der Kristallisation noch gut fließfähig, hat aber seine Farbe in ein sehr dezentes Hellgelb verändert.
    Geschmacklich ähnelt er dem Rapshonig, hat aber m.E. eine deutliche Nuance mehr Eigengeschmack und scheint mir fast fruchtig-konfektig, (s.a. Johannes` Beitrag).
    Die Konsistenz kann ich nur schwer beschreiben. Wie gesagt, flüssiger als Raps, feinkristallin und bisher fließfreudiger. Ich werde berichten wie er sich noch verändert.


    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Moin,


    Raps macht Robinie trübe und flockig. :-(
    Robinie macht Raps grün. :-(


    Robinienhonig soll flüssig, klar und hellgrün sein.
    Rapshonig weiß und cremig oder schmalzig oder steinhart.


    Die Mischung kandiert immer und gibt einen sehr undifferenzierten Honig. Also nicht einen mit vielen tollen Geschmackserlebnissen in einem Glase sondern, - drastisch ausgedrückt - langweiliger Raps plus langweilige Robinie. Also was fürs Müsli und den Obstsalat, dafür aber nicht flüssig genug. :-(


    Bißchen Robinie im Raps schadet weniger als Bißchen Raps in der Robinie.


    Fällt die Robinientracht flach oder ungenügend aus, dann verträgt sich Robinie super mit Linde flüssig und wird regelrecht zum Verkaufsschlager, weil flüssig und aromatisch und schnell ausverkauftisch.


    Raps/Obst/Robinie würde ich als milde Frühtracht anbieten und in kleinen Mengen flüssig anbieten. Dabei muß ich riskieren, daß die Gläser trübe werden, wenn ich sie nicht los bring. Es hat sich schon mancher todgerührt dadran. :-(

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder