'schmalziger' Honig

  • Hallo Imkers! Ich habe eine Frage, die sich zugegebenermaßen aus der Ferne schlecht beantworten lässt, ich stelle sie trotzdem mal: Meine 1. Schleuderung ist im Glas und es ist dasselbe wie die letzten beiden Frühjahre herausgekommen- Ein ziemlich heller, gut streichbarer und quietschsüßer Honig, der eine eher ungewöhnliche Sensorik hat; ich würde es am ehesten mit 'schmalzig' umschreiben. Rundherum gibt's bei mir Wald, (Kuh-) Wiesen, Obstbäume, den einen oder anderen Rapsacker und Felder von einem Gemüsegärtner. Letzten Herbst auf einem Honiglehrgang bei der Verkostung fiel niemandem so recht etwas zu diesem Honig ein, die Experten meinten, Raps wäre eher wenig drin. Und zu diesem schmelzigen Gefühl hatte auch niemand eine Idee...Ich müßte mal eine Pollenanalyse machen lassen, aber das ist ja ganz schön teuer! (70 Euronen?) Hat von euch jemand jemals so einen Honig gehabt? Was könnte da überwiegend drin sein?!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hm, mir war er zu süß...Ob der noch fester wird, weiß ich nicht, ich glaube, ich habe gar keine Chance das festzustellen- der ging immer weg wie warme Semmeln! Die Konsistenz ist auch schon relativ fest, es ist die....ich finde nicht das passende Wort, sagt man Textur?- Samtig, buttrig, schmalzig.

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    Terence McKenna

  • Hallo Zonia!


    Meiner Meinung nach ist die "Schmalzigkeit" ein Ergebnis des Rührens. Bei mir ist dieses Art der Konsistenz Ziel meines Rührens. Wenn ich beim Rühren übertreibe, bekomme ich schaumigen Honig. Wenn ich zuwenig rühre oder zu früh abfülle, wird er körnig oder hart. Ihn zart und streichfähig wie Schmalz zu bekommen, ist bei meinen Kunden sehr beliebt und meist gelingt es mir auch.


    Gruß vom Sammler

  • Hallo Zonia!
     
    Meiner Meinung nach ist die "Schmalzigkeit" ein Ergebnis des Rührens.
     
    Gruß vom Sammler


     
    Ja, dann mache ich's wohl richtig! :-D Die folgenden Schleuderungen waren aber immer anders vom Gefühl auf der Zunge, es muß wirklich etwas mit der Pflanzenart zu tun haben!

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    Terence McKenna

  • Ja, dann mache ich's wohl richtig! :-D Die folgenden Schleuderungen waren aber immer anders vom Gefühl auf der Zunge, es muß wirklich etwas mit der Pflanzenart zu tun haben!


    Jeder Honig schmeckt jedes Jahr anders, es gibt keinen, der immer wieder gleich ist,
    oder schmeckt.
    Das hängt auch damit zusammen , weil sich auch jedes Jahr das Blütenspektrum ändert.

  • Jeder Honig schmeckt jedes Jahr anders, es gibt keinen, der immer wieder gleich ist,
    oder schmeckt.
    Das hängt auch damit zusammen , weil sich auch jedes Jahr das Blütenspektrum ändert.


     
    Das ist doch klar! :wink: Ich rätsele ja nur über meine Frühtracht, die seit 3 Jahren ziemlich ähnlich schmeckt und so ist wie oben beschrieben...

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    Terence McKenna

  • Letzten Herbst auf einem Honiglehrgang bei der Verkostung fiel niemandem so recht etwas zu diesem Honig ein, die Experten meinten, Raps wäre eher wenig drin. Und zu diesem schmelzigen Gefühl hatte auch niemand eine Idee...


    Liebe Zonia, ich vermute, die Experten irren sich. Du hast es zwar nicht explizit geschrieben, aber Dein Beitrag klingt nach einer ultrafeinen Kandierung, bei der sich die Kristallgröße nahe am Rande des wahrnehmbaren bewegt. Das geht nur mit viel Glucose und funktioniert in dieser extremen Form fast nur, wenn die Frühtracht rapsdominiert ist. Daß die Experten meinen, Raps wäre wenig drin, könnte daran liegen (jetzt spekuliere ich), daß der Raps nicht unmittelbar vor Deinem Flugloch wächst, sondern einen angemessenen Abstand hatte. Der Raps-Einheitsgeschmack wird dann durch die übrige Frühtracht manchmal so bereichert, daß man ihn kaum noch wiedererkennt. Ich strebe genau das gezielt an. Solche Standorte sind eine sehr gute Voraussetzung für einen satt überdurchschnittlichen Frühtrachthonig (auch, wenn Du ihn nicht magst... :wink:).


    Wenn Du dann noch konsequent keine bebrüteten Waben im Honigraum hast (die sind der zuverlässigste Killer jeder Frühtrachtqualität), klingt das richtig vielversprechend. Ich würde den gern mal probieren.


    Die Textur des Honigs setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, der Viskosität und der Körnung (oder Kandierung, Kristallisation).


    Rühren wirkt vor allem auf die Viskosität des Honigs - statt hart wird er halbfest, streich- oder fließfähig, je nach Dauer und Intensität des Rührens und (fast am wichtigsten!) je nachdem, wie früh mit dem Rühren aufgehört wurde. Je früher, desto härter. Auf die Körnung wirkt das Rühren leider nur wenig, die hängt vor allem von der Zuckerzusammensetzung und etwas weniger auch vom Wassergehalt ab.


    Für eine ultrafein kandierte Frühtracht, die ich bei Dir vermute, finde ich subjektiv den besten Wassergehalt zwischen 17,7 und 18,2% - auch, wenn nassauer hier die Stirn runzeln wird :). Mit jedem Zehntel über 18,2% geht m. E. die Qualität in Riesenschritten bergab Richtung Plörrigkeit; zu trockene Frühtrachthonige hingegen sind oft zu phlegmatisch in der Preisgabe des Buketts - das ist ja meist sehr zart und will schnell 'raus auf die Zunge und in die Nase.

  • Hallo !
     


     
    Danke Dir Johannes für Deine Überlegungen und die damit einhergehende Einschätzung.
     
    Gruß
    B.K. A.l.e.x.

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Mein Rapshonig ist ganz weiß und hat auch so eine schmalzartige Konsistenz. Mein Imkerpate meinte er wäre überrührt.
     
    Ich wollte übers Wochenende weg fahren und hatte vor meiner Abfahrt am Freitag nochmal gerührt, da fiel mir auf, dass der Honig anfängt sich zu verändern... also bat ich meine Familie doch bitte 2x am Tag vorsichtig zu rühren. Bereits am Samstag mittag war nix mehr mit vorsichtig, der Honig war ganz dick geworden. Welche Farbe er bis dahin hatte, weiß ich nicht. Bei meiner Rückkehr am Sonntag war er bereits unrührbar geworden, sodass ich ihn in Gläser "gelöffelt" habe.
    Inzwischen bin ich schlauer: entweder hätte ich ihn übers WE einfach fest werden lassen müssen und wieder "auftauen" oder schnell noch abfüllen, sobald ich bemerkt habe, dass sich was tut. Geschmacklich ist er ganz fein, nur aufs Brot schmiert er sich komisch. So lernt man wohl als Anfänger :wink:
    Grüße Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Zusammen,
    Johannes : Danke für den Beitrag. Das ist mal eine gute Darstellung der verschiedenen Einflüsse - von einem ausgesprochenen Experten. :)
     

    Johannes schrieb:

    Für eine ultrafein kandierte Frühtracht, die ich bei Dir vermute, finde ich subjektiv den besten Wassergehalt zwischen 17,7 und 18,2% - auch, wenn nassauer hier die Stirn runzeln wird.

    Tut er nicht, er hat ja Deine Honige probiert! :) 
    Das waren überzeugende Argumente.
     
    Ich hab's - ebenfalls völlig subjektiv - gerne etwas trockener und ich akzeptiere und genieße, dass die Aromen etwas langsamer frei werden.
    Hauptsache, sie sind erst mal in den Honig reingekommen. Und zweite Hauptsache, sie sind beim Verkosten überhaupt noch drin und nicht durch irgendwelche Auftauaktionen rausgeheizt worden. :)
     
    Apropos Wassergehaltsmessung: Du sprichst von einer Bandbreite von einem halben Prozent. Haben wir wirklich die Messinstrumente, die uns zuverlässig diese Präzision zeigen und sind wir uns einig, zu welchem Zeitpunkt und wie wir den verbindlichen Wert ermitteln?
    Ich habe da meine Zweifel und es wäre mal ein lustiger Zeitvertreib auf einem Forumstreffen, den Wassergehalt von einigen Referenzhonigen reihum bestimmen zu lassen. Jeder mit seiner Methode.
     
    Ihr kennt doch den alten Laborspruch: Wer misst , misst Mist. Wer viel misst, misst viel Mist... :)
     
    Deine Sinnenprüfung ist ein zuverlässigeres Messinstrument als jeder Refraktometer. Oder nicht?
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hauptsache, sie sind erst mal in den Honig reingekommen. Und zweite Hauptsache, sie sind beim Verkosten überhaupt noch drin und nicht durch irgendwelche Auftauaktionen rausgeheizt worden. :)

    Ja! Ja! Ja!
     

    Zitat

    Apropos Wassergehaltsmessung: Du sprichst von einer Bandbreite von einem halben Prozent. Haben wir wirklich die Messinstrumente, die uns zuverlässig diese Präzision zeigen und sind wir uns einig, zu welchem Zeitpunkt und wie wir den verbindlichen Wert ermitteln?

    Ein halbes Prozent Bandbreite ist eine ganze Menge. Jeder, der sich ein bißchen ins Honigverkosten einübt und ein bißchen aufmerksam ist, wird irgendwann Differenzen von zwei Zehnteln wahrnehmen, ganz ohne Refraktometer. Mit ein bißchen mehr Übung geht auch ein Zehntel. Und auch dazu braucht es kein sensorisches Genie; ich behaupte, das kann jeder lernen, der es ernsthaft will. "Erst schätzen, dann messen" kann ein regelrechter Sport werden (bei dem einen thixotrope Heidehonige ganz schön an der Nase herumführen können...).


    Ob die gemessen 17,8% meiner diesjährigen Frühtracht echte 17,8% sind, weiß ich natürlich nicht. Zahlenmäßig bin ich halt auf mein Refraktometer getrimmt und orientiere mich an seiner Skala, die ich bestmöglich auf die Referenzlösung geeicht habe. Keine Ahnung, ob es trotzdem 1 oder 2 Zehntel Fehler hat - das ist mir auch nicht wirklich wichtig.


    Mir sind durch das Messen aber viele Augen aufgegangen. Das "je trockener, desto besser", das in der Bepunktung der DIB-Honigprämierung steckt, halte ich jedenfalls inzwischen für völlig abwegig. M. E. verliert eine feinkandierte Frühtracht mit 15,5% gegenüber einer mit 17,5% enorm, obwohl sie höher bepunktet würde. Ein dunkler Waldhonig wiederum kann mit 17,5% für meinen Geschmack schon zu naß sein. Einer der besten Honige, den ich je gegessen habe, war eine Spättracht aus den Baltrumer Salzwiesen, strandfliederdominiert, von Christian Salau. Der Honig war ein einziges Erleuchtungserlebnis. Ungeheuerlich. Gemessen: 18,2%. Der flöge gleich 'raus beim DIB.

  • Hallo Zonia,
    wenn Du an der Honigprämierung Deines Landesverbandes teilnimmst, ist vermutlich die Pollenanalyse preisgestützt mit eingeschlossen. Mal nachfragen.


    Ich nehme gerne teil, im Saarland, und habe über die letzten acht Jahre Pollen aus 42 verschiedenen Herkünften nachgewiesen bekommen. Wir zahlen insgesamt für die Teilnahme 26 Euro, den Rest tragen andere, wie die EU und das Bundesland.


    Das freut mich. Meine Lage: Laubwald und viele Hausgärten, Streuobstwiesen, keine Landwirtschaft.


    Gruß Bienen-Freund


  • Sie wohnt in Niedersachsen, da werden die Untersuchungen auch bezuschusst (wenn man in einem Imkerverein ist).
    Dann bezahlt man pro Untersuchung auch nur knapp über 30 Euro, falls sie nichts am Zuschiss verändert haben.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"