Naturschwarm in Karton - wie in die Warré?

  • Hallo,
     
    ich bin noch ganz aufgeregt, da ich vor einer halben Stunde gerade meinen ersten Naturschwarm eingefangen habe. Hat super geklappt,
    allerdings habe ich sie nun in einem mit Flies abgedeckten Karton im kühlen Keller stehen.
     
    Ich würde sie gerne in meine Warrébeute geben, muss aber morgen arbeiten.
     
    1. Frage: Stimmt es, dass ich sie 2 Tage lang im Karton lassen kann? (So hat es mein Vereinsvorsitzender gesagt!)
     
    2. Wenn ich die Königin finde, dann setze ich sie in den Eingang der Beute und lasse das Volk folgen. Aber was mache ich, wenn ich sie nicht finde?
     
    Danke für Eure Hilfe,
     
    Markus

  • Hallo Markus,
    ich würde sie nicht zwei Tage im Keller lassen. Es kann sicher gut gehen aber der Schwarm sollte bald möglichst in die Beut eingeschlagen werden oder natürlich einlaufen können.
    Zur zweiten Frage: Suche bitte keine Kg sondern lass sie einfach einlaufen. In der Hecktik einer Suche kannst Du mehr Schaden anrichten als Dir lieb ist. Das Bienenvolk hat und braucht keinen der vorrausläuft und der Rest folgt wie eine bei einer Hammelherde.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Ich hab immer gehört, dass die Vorräte für 3 Tage dabei haben. (Siehe auch Faulbrutsanierung)
    Wenn also gesichert ist, dass der Schwarm von heute ist: was spricht gegen 2 Tage Kellerhaft?


    Andererseits: was spricht für überhaupt Kellerhaft? Die sind doch schon eine Volkseinheit? Kann man die nicht jetzt schon in die Beute einlaufen lassen?

  • Zunächst einmal danke für die Antworten.
     
    Oliver: die Leute, in deren Garten der Schwarm landete, meldeten sich bei mir gegen halb neun Uhr abends. Ausgerechnet heute habe ich die selbst gebaute Beute gestrichen! Den Boden könnte ich eventuell morgen einfach nochmal bauen. Den Rest habe ich außen gestrichen. Das müsste morgen ausreichend trocken sein. Heute konnte ich sie nicht reintun.
     
    Eisvogel: Danke für die Einschätzung. Als Anfänger habe ich da einfach keine Erfahrung. Dann werde ich versuchen, sie morgen rein zu tun. Wie lasse ich einen Schwarm "reinlaufen", woher wissen die, wie sie zu laufen haben? Reicht da der Trieb des "Nachobenlaufens"? Dann würde ich einfach ein Brett in Richtung Eingang aufstellen und den Karton auf die Seite legen? Die Bienen vorher nochmals mit Wasser einstäuben?
     
    Fragen über Fragen, aber ich habs halt noch nie gemacht und die Tücke steckt im Detail....
     
    Grüße,
     
    markus

  • Nochwas: hatten die Spürbienen des Schwarms schon eine andere Behausung gefunden wird er Dir wieder ausziehen:oops: auch deswegen die Gruft. Ein paar Löcher auf der Pappkiste und ein zwei fette Esslöfel Futterteig schaden nie, da Du nicht weißt wie lange der Schwarm schon unterwegs war und wie voll sein Magen ist:daumen:
     
    Der
    Drohn


  •  
    Muss mich dem Eisvogel und dem Drohn anschliessen. Die Königin finden zu wollen, wenn zudem noch ungezeichnet, würde ich nicht machen. Ich habe am vergangenen Samstag einen Schwarm nach einem Tag "Kühl-& Dunkelhaft" abends einlaufen lassen. 70 cm breites Brett schräg vor die Beute, so dass sie hochlaufen müssen, nicht zu steil. Laken drauf. Schwarmfangkasten kurz aufgestoßen und auf das Laken vors Flugloch. Nicht gleich hektisch werden, wenn der Schwarm wie Pfannkuchenteig erstmal nach unten läuft, es dauert ein bisschen, bis sich die Herde in Bewegung setzt. Wenn die ersten das Flugloch erreicht haben, gehts los mit fächeln und die anderen marschieren hinterher. Dauert alles ein bisschen, Fächlerkolonnen auf dem Laken, die Beutenwand hängt voll und Musik ist in der Luft. Schleier ist schon gut. Habe trotzdem was abbekommen, Jeans sind definitiv nicht stichsicher.:p Schön wars trotzdem.
     
    Wenn Tracht ist, brauchst Du dann auch nicht füttern, ich habe ein Marmeladengas mit Zuckerwasser 2:3 obenaufgesetzt, die Abnahme ist jedoch recht zögerlich (nichtmal 200 ml/Tag).
     
    Gruss und Erfolg!
    Erzgebirgler

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Hallo Erzgebirgler,
     
    na, das nenne ich mal eine Anweisung! :daumen:
     
    Da kann ja nichts mehr schief gehen!
     
    Ich melde Euch heute Abend, ob- nein: WIE es geklappt hat.
     
    Gruß,
     
    Markus

  • Hallo,
     
    der Schwarm ist drinnen!!!!!! Mein erster!!!! Hat genau so geklappt, wie Ihr es beschrieben habt. Ich musste nur ein paar Bienen ganz oben ausschütteln, dann sind alle anderen gefolgt.
     
    Vorher hatte ich in der Zarge etwas Wachs verbrannt und die Zargen mit Melisse und Minze ausgerieben. Ich glaube, es war ein sehr großer Schwarm, denn zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob die überhaupt alle da reinpassen...
     
    Die haben auch gar nicht lange pausiert, es liegen schon lauter Wachsschuppen am Eingang, durch das Fenster konnte ich sehen, dass sie Lücken mit Propolis schließen.
     
    Leider ist bei uns die Robinie ziemlich durch, jetzt kommen ja eigentlich nur Holunder, Hartriegel und so. Hoffentlich reicht ihnen das.
     
    Vielen Dank,
     
    Markus

  • Warum tut man das?


    Um die Sammlerinnen anzulocken, die später als Scouts bei der Nestsuche arbeiten.


    Alte Brutwaben, Wachs oder Propolis locken diese auf der Suche nach Raubgut oder ´ner bewährten Immobilie (Nistmöglichkeit) an. Und diese drei Dinge zu erwärmen in Sonne oder auf Feuer verstärkt den Geruch.


    Angelockt werden sie auch durch die (Orientierungs-)Pheromone der Nassanoffschen Drüse, die von den Bienen zur Markierung bestimmter Orte oder sogar der Wege dorthin genutzt werden.
    Geraniol und Nerol sind die Hauptbestandteile der Pheromone. Aus den beiden kann sich nach Freisetzung Citral bilden. Wer nach dem Vorkommen der drei Stoffe in Pflanzen oder Pflanzenölen sucht, findet Übereinstimmungen mit den zum Ausreiben der Beuten (Beutenschminke) benutzten Pflanzen.


    Das sind alles seit hunderten Jahren bewährte Systeme (z.B. für die Honigjagd, erst wurden Bienen angelockt, um ihre Nester zu finden), die ihre Aufklärung in der Neuzeit erfahren haben.


    Wie wurde es angewandt ?: Schwarmlockbeuten innen und am Flugloch damit und mit Honig einreiben, aber rechtzeitig im Frühjahr, nicht erst wenn ein Schwarm vor die Kiste gekippt wird.

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

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  • Danke, Molle!


    Ich wollte auch schon antworten.


    SLK sind ja sehr umstritten, Schwärme fangen nicht.
    Es funktioniert aber wie der Erfolg von so manchem Schwarmfänger bestätigt. Wabenstückchen wurden da auch in den SLK verbrannt.


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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