Bienenhaltung bei den Kelten

  • Heute war ich im Keltendorf bei Sünna (www.keltendorf-suenna.de). In mehreren Gesprächen wurde bestätigt, daß die Kelten jede Menge Met verzehrten. Auf meine Frage woher die Kelten damals (ca. vor 2600 Jahren) so viel Honig herbekamen, wußte keiner eine konkrete Antwort. Zeidlerei ist fraglich, denn bei überwiegend Ackerbau und Viehzucht ist der Wald rar oder zumindest weit weg von der Siedlung. Außerdem ist die Frage ob man durch Zeidlerei genügend Menge Honig ernten konnte.


    Meine Idee war, daß doch eine keltische Bienenhaltung passend für das Dorf sei, mit Metherstellung aus vor Ort geerntetem Honig...


    Nur ist fraglich wie die Kelten Honig ernteten.
    Ein Strohstülper sieht sicher romantisch aus, passt aber womöglich gar nicht zu den Kelten...


    Bei einer Internetsuche fand ich aus der Zeitepoche:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Imkerei#Altertum
    interessant ist auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Imkerei_von_Tel_Rehov


    Hat jemand Ahnung wie die Bienenhaltung damals aussah?


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Hallo Konstantin!
    Wieso war der Wald weit weg?
    Vor 2600 Jahren gab es noch Großwild (Auerochse und Wiesent) in Europa. Die Wälder waren offen und hatten große Lichtungen.
    In diesen bauten die Menschen ihre Siedlungen.
    Die Ansiedlungen waren eher klein und weit verteilt.
    Und die Äcker auch eher klein.
    Zum Wald war es wohl nie weiter als 1/2 Stunde Fußweg!
    Die Honigernte wird wohl in Form einer ritualisierten Jagd abgelaufen sein. Auch mehrtägige Wanderungen sind dazu wohl gemacht worden. In einigen Gegenden der Welt wird heutzutage noch so Honig beschafft!
    Vielleicht hielten sie auch Bienen in Töpfen oder liegenden Baumröhren (Tunnelstöcke). So etwas beziehen Bienen auch alleine.


    Und vermutlich landete im Met neben Honig auch jede Menge Früchte.
    Das saure und kleine Kernobst zu jener Zeit war roh sonst kaum zu genießen.
    Aber mangels Beweisen und historischer Überlieferungen wird das alles Spekulation bleiben.


    Also würde ich da spekulativ einfach einige Tunnelstöcke hinstellen.


    Aber Met dort selber auf keltische Art machen und an dritte abgeben dürfte aus hygienischen Gründen wohl verboten sein!
    Gruß
    Kalle

    Ich bin im Forum um zu lernen und zu fragen, nicht um alles zu Wissen!

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Immenfuchs () aus folgendem Grund: fehlte noch was

  • Hallo Kalle,


    danke für die Antwort.


    Wieso war der Wald weit weg?


    Weil auf der Titelseite des Prospektes die Landschaft zu 90% kahl aussieht, strukturiert mit Steinwällen. Dazwischen Wiesen und nur am Rand etwas Buschwerk.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • die Menschen damals konnten Körbe flechten und mit Lehm verschmieren.
    Sie bauten schon Getreide an , warum sollten sie also keineStrohkörbe verwendet haben. Es war die Zeit der Ackerbauern und Viehzüchter.
    Das wir keine Archäologischen Funde besitzen liegt auf der Hand , organische Materialien sind nicht so dauerhaft.
    Schriftliche Aufzeichnungen der Keltischen Völkerschaften giebt es nicht. Vieles was heute als Keltisch angeboten wird entspringt wohl eher der Phantasie und nicht der damaligen Realität.
    Wie Kalle schon sagt, das Land war damals von Urwäldern bewachsen in denen es wilde Bienen zuhauf gegeben haben wird. Die Honiggewinnung wird also meines Erachtens nicht anders wie im Mittelalter gewesen sein.
    ( Ausnehmen von Wildvölkern , Zeidelei, Korbhaltung )


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Ja ich denke, dass größte Problem ist einfach, dass die Kelten reichlich schreibfaul waren :lol:
    Aber ich denke mir auch warum sollten die Kelten nicht schon etwas wie Körbe oder ähnliches benutzt haben.
    Bzw. das die Zeidlerei schon Einzug hielt. Kelten als harte Kerle und so...


    "Bienenwirtschaft bei den Germanen


    Lange Zeit bevor die Römer große Teile von Germanien eroberten war hier die Bienenwirtschaft weit verbreitet. Neben dem Honig und dem Wachs spielte der Met eine bedeutende Rolle. Die große Bedeutung der Bienenhaltung für die damalige Wirtschaft kommt eindrucksvoll in der Rechtssprechung zum Ausdruck. Jeder germanische Stamm hatte ein eigenes Volksrecht, in nahezu allen standen auf Bienendiebstahl oder Zerstörung von Bienenstöcken hohe Strafen."

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Aranox () aus folgendem Grund: gerade gefunden

  • Weil auf der Titelseite des Prospektes die Landschaft zu 90% kahl aussieht, ..


    Hallo Konstantin,


    "archäolgische" Bilder sind immer mit Vorsicht zu genießen. Die entstammen meist eher der Vorstellung des Malers/Bildmachers, als den wirklichen Funden. So auch beim Langhaus, für das zig Möglichkeiten besteht, wie es tatsächlich ausgesehen hat. Also gerade das Dach usw. Man hat oft nur Pfostenlöcher gefunden, aber darauf auf ein ganzes Haus abzuleiten? Schwierig. Die Neandertaler wurden anfangs auch nur als sehr primitive Höhlenmenschen gezeichnet. Mittlerweile sieht man, dass es auch sowas wie Kultur gab. Auch die Landschaft lässt sich wahrscheinlich nur über Pollen-, Essensrest- oder Pflanzenfunde nachbilden. Und das ist auch wieder nur lokal.


    Interessant sind deine Fragen immer, Konstantin!


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Bin erst jetzt zufällig auf diesen Thread gestoßen...


    @ KonstantinKirsch
    Die Keltenwelt Rhörn Sünna ist ein schönes Beispiel, wie man ein Freilicht-Erlebniszentrum aufgrund von Erkenntnissen aus Asterixheften ausstattet. Dort wurde, was Kleidung, Ausstattung und Einrichtung des Dorfes angeht an wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbei gearbeitet. Schade eigentlich.


    @ Aranox:
    Die germanische Rechtsbücher wurden erst ab dem 6. Jh. aufgeschrieben, ob man aus ihnen ableiten kann, wie die Situation 700 Jahre früher war, bevor die Römer einfielen bezweifle ich.


    Wie die Auswertung der Funde des Keltenfürst von Hochdorf (ca. 520 vor Chr.) zeigten, war die Landschaft viel offener als sie heute war, also die Wälder waren weiter zurückgedrängt. Aus dem Sediment des Metkessels wurden drei Proben gezogen, aus denen 3800 Pollen bestimmt wurden. Nur 2 % der ausgezählten Pollen stammten von Holzgewächsen, der Haupteil davon war Linde, die übrigen 98 % bestanden aus Pollen von Krautgewächsen. Insgesamt wurden 200 verschiedene Pflanzenarten bestimmt. Zumindest bei dem Hochdorfer Keltenfürst spielte Waldhonig oder Honig aus Zeidlereien überhaupt keine Rolle.


    Zur Imkerei bei den Kelten: Die Pollenbestimmung aus dem Hochdorfer Kessel zeigt ein sehr breites Artenspektrum und es ist davon auszugehen, dass die etwa 180 kg Honig, die sich in dem Kessel befanden aus einem weiten Umfeld zusammengetragen wurde. Ich nehme an, dass die Waldbienenwirtschaft betrieben wurde, diese aber je nach Landachaftsbild nicht unbedingt die Hauptquelle war. Imkerei im Bereich der Höfe ist sich anzunehmen, wobei die Beutentypen naturgemäß Klotzbeuten sein konnten, eben so wie Ruten- oder Strohkörbe. Klotzbeuten liegen als archäologische Funde vor, eben so wie ein Rutenstülper aus dem 1.-2. Jh. nach Chr.


    Meiner Meinung nach folgte nicht die Zeidlerei (Waldbienenwirtschaft) auf die Bienenhaltung, sondern die (Haus-)Bienenhaltung entwickelte sich aus der Zeidlerei. Zuerst jagten die Menschen in den Wäldern den Bienen in ihren natürlichen Behausungen hinterher, dann bewirtschafteten sie die Bienen in den Wäldern indem sie die natürlichen Behausungen eigenen Bedürfnissen anpassten und erst viel später holten sie die Bienen zu ihren Höfen.

    Imkerverein Hamburg-Altona

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Bullenwächter () aus folgendem Grund: Ergänzung


  • Meiner Meinung nach folgte nicht die Zeidlerei (Waldbienenwirtschaft) auf die Bienenhaltung, sondern die (Haus-)Bienenhaltung entwickelte sich aus der Zeidlerei. Zuerst jagten die Menschen in den Wäldern den Bienen in ihren natürlichen Behausungen hinterher, dann bewirtschafteten sie die Bienen in den Wäldern indem sie die natürlichen Behausungen eigenen Bedürfnissen anpassten und erst viel später holten sie die Bienen zu ihren Höfen.


    Meine Meinung hierzu ist, zuerst fand der Honigklau bei den Waldbienen statt ohne Haltung, bzw. Steuerung, danach kam die Hofimkerei. Diese war aber nicht wirklich ertragreich. Daraufhin wurde die Waldbienenhaltung optimiert und als Zeidlerei vorrangig betrieben, bis die Hofhaltung vom Ertrag wettbewerbsfähig war, bzw. man den Schwarmtrieb nutzen konnte.
    Zu dieser These drängen mich die Stiche, auf denen vorrangig immer das Schwärmen eines Volkes abgebidlet war. Sicherlich ist dies ein imposantes Erlebnis, dennoch bedeutet es immer auch Ertragsverlust.


    Gruß Tom

  • Hallo Onkel Tom,
    Schwärmerei war früher kein Ertragsverlust.
    Damals konnten die Bienen noch genügend Spättracht finden,
    so das eine zeitige Vermehrung der Völker dazu führte,
    das man von mehreren Völkern statt von einem überwinterten Volk ernten konnte.
    Es gab ja genügend Heidegebiete und die Dunkle Biene war auf diese Tracht gut angepasst.
     
    Kelten, Germanen, Gallier, wo immer da der Unterschied ist,
    hatten meiner Meinung Korbimkerei und Klotzbeuten.
    Zeidelei im Sinne von Waldimkerei kommt von den slawischen Völkern.
     
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Meiner Meinung nach verlief die Entwicklung wie folgt:
    Zuerst wurden Bienen in Wäldern gejagt und ausgebeutet, dann richtete man die Bienenbäume nach imkerlichen Bedürfnissen ein und erst später schnitt man diese Baustücke heraus und stellte sie im Hofbereich (Hausbienenhaltung) auf. Diese Entwicklung hat sicher mehrere tausend Jahre benötigt, und die verschiedenen Betriebsweisen wurden je nach Landschaftsbild, Möglichkeiten oder Erfordernissen auch parallel betreiben.


    Dass die Waldbienenhaltung (Zeidlerei) von "Slawen" "erfunden" wurde stammt aus der Tatsache, dass sich in "slawischen" Gebieten die Waldbienenhaltung noch bis in die Neuzeit erhalten hat. Dies wurde aus der historischen Volkskunde abgeleitet und u.a. von Ludwig Armbruster in den 1920er Jahren beschrieben. Das gleiche bezieht sich auf die häufig publizierten Verbreitungskarten von Strohstülpern / Rutenstülpern / Klotzbeuten etc... die alle den Stand von vor etwa 200 - 300 Jahren widergeben, nicht aber die Situation wie sie vor 2000 oder 2500 Jahren war. Leider findet sich dieser, meiner Meinung nach veraltete, Forschungsstand immer noch unkommentiert / unhinterfragt in der Fachliteratur wieder und wird auch durch ständiges abschreiben und wiederholen nicht aktueller.


    In vorchristlicher Zeit kann man noch nicht von slawischen Völkern sprechen, diese treten, nach verschiedenen wissenschaftlichen Theorien, erst ab dem 5. Jh. nach Chr. auf.


    @ Onkel Tom
    Die von Dir angesprochenen Stiche stammen aber alle auch dem 2. Jahrtausend nach Chr..., also allesamt mindestens 1000-1500 Jahre nach den Kelten.
    Das Einfangen von Schwärmen waren für Imker der früheren Zeiten wichtig, da sie (neben der Bienenjagd oder dem Diebstahl) die einzige Möglichkeit der Völkervermehrung waren.