Dunkle Biene früher Stecher gewesen?

  • Seit einiger Zeit lese ich über die dunklen Bienen. Dabei fällt mir auf, daß einerseits aktuell gehaltene dunkle Bienen als sanftmütig bezeichnet werden. Andererseits las ich Geschichten, daß früher die Dunklen wahre Stechmeister gewesen sein sollen und praktisch alle Imker froh waren, als die Carnica flächendeckend wurde.


    Kennt sich jemand aus über den Zeitablauf?
    Wann waren diese Stechzeiten?


    Bei alten Abbildungen von Zeidlern sehe ich keine oder nur geringe Schutzkleidung.


    Bei wiki:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Europäische_Biene
    finde ich diesen Satz:


    "Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie durch die Einfuhr südlicher und östlicher Rassen teilweise verkreuzt. Mancherorts führte die bei den Hybriden erhöhte Stechlusst zu einer kompletten Umweiselung ganzer Gebiete, meist auf die eingeführte Carnica. "


    Um es vorweg zu sagen tauchte in mir ein Gedanke auf daß die Stecherei einen anderen Grund gehabt haben könnte. Da ich gelesen habe, daß Bienen sehr sensible Tiere sind, das Licht lieben, und auf Menschen und ihre Emotionen reagieren können, dachte ich plötzlich an die dunkle Zeit der Weltkriege. Der Gedanke geht dahin, ob es einen zeitlichen Zusammenhang geben kann, zwischen den Zeiten in denen die Bienen Stecher waren und den Kriegszeiten.


    Sollte hierbei ein Zusammenhang gefunden werden lag die Stecherei womöglich nicht an der dunklen Rasse oder den Hybriden, sondern an Faktoren, die in Zeiten von Kriegen anders sind als im Frieden. Beispielsweise erhöhter Adrenalinspiegel der Menschen, mehr Existenzangst, etc.


    Gibt es hier im Forum Imker, die Erfahrung haben mit Bienenhaltung in umkämpften Gebieten?


    Viele Fragen, vielleicht auch ungewohnte. Ich bitte darum nicht ausgelacht zu werden. Bin Anfänger und gebe meinen Gedanken gerne in die Runde.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Hallo Konstantin,


    ich denke man muss hier unterscheiden. Zum einen Stechlust aufgrund von Aggression und Stechlust als Wehrbereitschaft zur Verteidigung.


    Meines Wissens waren die Völker überwiegend wehrhaft, aber nicht aggressiv und diese Wehrhaftigkeit, die sich gegen Honigdiebe aller Art richtet wurde durch Zucht unterdrückt. Ich kenne allerdings den Maßstab nicht, in dem gemessen wir. Ein befreundeter Imker riet mir gestern zum Umweiseln meiner zwei Völker, da ich in den letzten zwei Wochen dreimal gestochen wurde, was für Ihn eindeutig zuviel ist, für mich aber mehr an meinem Unvermögen im Umgang mit den Bienen liegt.


    Während der Kriege wurde die Imkerei überwiegend von Invaliden aufrecht erhalten, (mein Opa war so einer) ich denke nicht, dass es dort tatsächlich Ursachen wie Adrenalin und Stress gab. Eher denke ich, dass damals der Umgang mit den Bienen etwas rauher war, zumindest ging mein Opa auch recht rigoros mit den Körben und Kisten um, man war auch sehr schnell bereit, mal einen Schwefelstreifen zu entzünden um an sein Ziel zu kommen. Heute, so zumindest mein Gefühl versucht man alles so angenehm wie möglich zu gestalten und dazu gehört halt der Einklang mit der Natur oder im Extremfall, auch die "Convinience Biene" die den Stachel nicht gegen Säugetiere richtet.


    mit nettem Gruß


    Onkel Tom

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  • Ich denke auch das bei dieser Thematik wehrhaftigkeit oftmals mit Stechlust gleichgesetzt wurde.
    Meine Meinung ist : Bienen sollen wehrhaft sein. Die heutigen Bienenstämme sind es nicht mehr.
    Wenn ein Imker sich ohne Stich des Honigvorrates bemächtigen kann, das Brutnest zerreißen kann usw. dann ist das nicht Normal.
    Viele Bienenkrankheiten dürften ihren Ursprung im fehlen dieser einstmals natürlichen Verhaltensweisen haben. ( Dazu zähle ich zB. auch das mangelnde Kittverhalten der heutigen Bienen.)


    Die Frage des Verhaltens der Bienen in Bezug auf einen erhöhten Adrenalinspiegel ist vieleicht nicht abwegig. Bienen verfügen über ein sehr feines Geruchsvermögen. Genauso wie z.B. Hunde Stimmungen und Krankheiten des Menschen am Geruch erkennen können könnte dies auch bei Bienen eventuell möglich sein. ( Ich weiß es nicht,... das Verhalten von Insekten unterliegt anderen Gesetzen und gen. Mustern als bei Säugern.)


    Gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Hallo Zusammen,
    Ich denke dass viele die negativ über die "Dunkle Biene" reden noch nie welche selbst gehabt oder gesehen haben und urteilen anhand von dem was vielfach behauptet wird, dass Sie angeblich Stecher waren und agressiv.
    Ich habe als kleiner Junge meinem Grossvater im Kraichgau in den 60er Jahren viel bei Seinen Dunklen Bienen geholfen und hatte immer nur normale Kleidung an, oft sogar kurze Lederhosen und kurzärmliges Hemd. Ich hatte ganz selten mal ein Stich sagte mir meine Mutter. Opa hatte 15 Völker am Bienenhaus und nochmal 5 auf den Streuobstwiesen ausserhalb des Dorfes.
    Opa war wie oben schon jemand beschrieben Kriegsinvalide aus dem 1. WK mit kaputtem Bein und kam so praktisch auch zu den Bienen. Er ist mit Ihnen immer sehr behutsam umgegangen und je nach Wetter, persöhnlichem Befinden etc. hat er Tätigkeiten auch mal verschoben weil es lt. seiner Aussage damals, gute und schlecht Tage gibt... um an / mit den Bienen zu arbeiten....
    Einmal bekam er ein Volk aus der Heide, das hat er nicht lange gehabt, das war ein sehr agressives Volk, mit dem wollte er nicht arbeiten und hat es seinem Freund in der Heide zurückgegeben. Die waren auch deutlich heller als die anderen von Opa, denn seine waren schwarz und bestimmt nigras, die aus der Heide vermute ich mal Braunellen. Sicher bin ich nicht. Leider kann ich niemanden mehr fragen, da auch Oma 2006 mit 101 Jahren gestorben ist.
    Ich hoffe jetzt dass ich bald meine eigenen dunklen Bienenvölker bekomme und mal sehen was mich dann erwartet. Ich bin mir aber jetzt schon sicher, dass auch ne menge davon abhängt wie ich mit Ihnen umgehe, die Art der Beuten...
    Im Herbst kann ich dann vielleicht schon mehr berichten. Ich hoffe nur positives.
    Sonnige Grüsse, Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Hallo Miteinander,
    die Dunklen stehen in der Stechlaune nicht schlimmer da wie Carnica oder Buckis.
    Obwohl es ja überall solche und solche gibt.
    Lediglich im Nestbereich sind sie nervöser, kribbelig, wie man hier sagen würde.
    Aber darauf kann man sich ja einrichten.
    Man muss sie sorgfältiger, ruhiger und nicht ruckartig behandeln.
    Sie "erziehen" ein zu "anständigen" Imkern.
    Was die Farbe anbetrifft:
    die meisten sind braun, Drohnen und Königinnen dunkler.
    Die schwarze Färbung ist eine Besonderheit der Nigra.
    Zudem sollen sich auch gelbe Bienen aus der Dunklen herauszüchten lassen!
    Wolfgang Golz hat mal zwei Beispiele beschrieben:
    -Ein altes Gedicht über Bienenschwärme von Graf Spee.
    Er beschreibt den Schwarm als "güldene Schar".
    -ein Heideimker soll durch Farbauslese bei Nachschwarmköniginnen seinen kompletten Stand auf "Italiener" umgestellt haben.
    Markus hat recht, sein Großvater dürfte Nigra gehabt haben und das Heidevolk hatte die übliche braune Färbung.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Meine Frage geht in die Richtung ob Bienen (egal welche Rasse) die emotionale Großwetterlage der Menschenmassen wahrnehmen können. Man kann es auch den Zeitgeist nennen. Beispielsweise Herbstdepressionen oder schöne Gefühle im Frühling. Und große Ereignisse wie Weltkriege, Hungersnöte oder Massenarbeitslosigkeit kann doch auch die "Energie" in der Luft verändern. Das klingt jetzt ein bißchen esoterisch, aber mit fällt kein besseres Wort als Energie ein.


    Gibt es Untersuchungen bezüglich Bienenverhalten und Großereignissen?
    zB Fussballweltmeisterschaft, Mauerfall, Tschernobyl, 911, Kriege etc.


    Mir geht es weniger darum ob die dunklen nun sanfter ober weniger sanft sind. Mir geht es mit meiner Frage darum wie sensibel Bienen wahrnehmen können.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Das ist einfach :
    "Ein Molekül und die Biene weiß, WAS es ist. Zwei Moleküle und die Biene weiß, WO es ist". Sven Maier, IFT 2008.
    Wer wirklich entspannt an seine Bienen geht, wird ganz andere Reaktionen erfahren als jemand, der es wegen irgendwas eilig hat...
    Die Bienen kennen jedenfalls *ihren* Imker am Duft.
    Zu Großereignissen kann ich nix sagen, weil ich nicht weiß, wie lange die Dauer solcher geballter Adrenalinmengen anhält und wie weit sowas riechbar ist. Manche Schmetterlinge können Paarungspartner über 20km riechen. UNd Bienis müssen ja auch irgendwie zu Drohnensammelplätzen finden :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo KOnstantin,
    die Bienen merken den Unterschied,
    ob Du mal nur durchschauen willst oder Honig klauen willst.
    Ebenso ob Du weißt, was Du eigentlich im Volk willst oder planvoll vorgehst.
    Ob Bienen Deine angesprochenen "menschlichen" Großereignisse registrieren, weiß ich nicht.
    In den Kriegen werden sie wohl gemerkt haben, das sich unerfahrene Menschen an ihren Kästen und Körben zu schaffen machen.
    Der Mauerfall war im November, in der Ruhezeit.
    Ob vorher ein Imker "rübergemacht" hat, weiß ich nicht.
    Tschernobyl war zu Beginn meiner Imkerei.
    Mein Imkervater hat seinen Honig daraufhin untersuchen lassen.
    Kein Befund.
    War übrigens damals ein klassse Verkaufsargument.
    Die Kosten der Untersuchung waren mehr als wieder drin.
    Wenn sich Imker abends ein Fusballspiel anschauen ist das eher unbedenklich, auch bei dreimal die Woche.
    Kannst Du ja nächstes Jahr miterleben.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.