Zucht im Flugling?

  • Hallo!


    Im letzten Jahr hab ich einen Flugling gebildet, d.h. ein starkes Volk in Schwarmstimmung zu Seite gestellt und auf den Stellplatz eine leere Beute, also 1 Zarge mit Mittelwänden und eine frisch bestiftete Wabe. Der Flugling hat Weiselzellen angesetzt wie verrückt! So viele hab ich vorher noch nie auf einer Wabe gesehen.


    Deshalb hab ich mir überlegt, diese massive Nachzuchtneigung im Flugling dieses Jahr für die Zucht zu nutzen. Ich möchte mehrere Fluglinge bilden und jedem einen Zuchtrahmen mit umgelarvten Kunstnäpfchen geben.


    Ich bin mir nicht sicher, ob die Annahme nicht vielleicht nur am Anfang gut ist, die Zellen dann aber im Flugling möglicherweise schlecht versorgt werden? Evtl. könnte ich nach erfolgter Annahme auch eine Wiedervereinigung mit dem ursprünglichen Volk machen und das Finishing im HR über AG? Hat jemand sowas schon mal probiert? Gibt es Erfahrung mit Zucht im Flugling?


    Gruss vom Sammler

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  • Hallo Sammler


    Wofür machst du den Flugling? Um den Schwarm zu bremsen?
    Wenn du die Zucht im HR über ASG von Anfang an machst und vor allem REchtzeitig entziehst du dem BR doch auch jede Menge Jungbienen und damit die Stärke zum Schwärmen. Und das bei weniger Arbeit.

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • Hallo Drollhos!


    Du hast mich mißverstanden. Es geht mir nicht um die Beseitigung von Schwarmstimmung, sondern um die Zucht. Deshalb hab ich diesen Fred auch unter "Bienenzucht" eingestellt. Ich hab einige Jahre für meinen geringen Bedarf Zucht im HR über AG betrieben. Da war die Annahme oft sehr schlecht. Manchmal unter 10%. Jetzt hab ich erlebt, dass es im Flugling eine grandiose Annahme gibt. Da scheinen die echt mit halbtoten Larven noch Mund-zu-Mund-Beatmung oder andere Wiederbelebungsmaßnahmen zu machen. Ich will deshalb nur fragen, ob das auch schon mal jemandem aufgefallen ist und vielleicht auch schon mal gezielt zur Zucht verwendet wurde. Vielleicht war die grandiose Annahme, die ich in einem Flugling beobachtet habe, auch eine einmalige Ausnahmeerscheinung.


    Gruß, Sammler

  • Hallo Sammler,
     
    man nennt es auch Zucht im schwarmtriebigen Volk.
     
    Wichtig ist, daß Du das Volk auf eine Zarge drückst, noch von einigen Waben die Jungbienen dazukehrst und auf genug Vorrat Honig/Pollen achtest.
     
    Am nächsten Tag, kannst Du die Wabe mit der jüngsten Brut tauschen.
     
    Nimm sie raus, lass die Lücke frei und beginne Umzularven in Deinen Zuchtrahmen. Bis Du fertig bist, warten schon die Damen in der Lücke.
     
    Viel Glück und Spaß!
     
    Gruß Simmerl

  • Hallo Simmerl!


    Du meinst das typische Starter-Finisher-Verfahren, oder? Das ist schon noch mal was anderes als ein Flugling. Im Flugling gibt es nur Sammelbienen. Keine Jungbienen. Deshalb hat es mich auch gewundert, dass die trotzdem so gut nachziehen. Ich vermute einen Zusammenhang mit der Weisellosigkeit und dem kompletten Fehlen von Brut.


    Gruß, Sammler

  • Moin Sammler,


    ich denke ich hab ungefähr verstanden was Du meinst. Und ich denke Du hattes Schwein - also Glück, Dusel oder so.


    Für gewöhnlich zieht ein weiselloser Flugling bestehend nur aus alten Flugbienen ganz beschissene Königinnen nach aus ältesten Larven und eben nicht optimal versorgt. Auch sterben dem Flugling schnell die Bienen weg. Du hattest nun aber wohl ein schwarmtriebiges Volk zum Flugling abfliegen lassen. Und da liegt wohl der entscheidende Punkt. Im schwarmtriebigen Volke herrscht Bienenüberschuß. Alle Altersklassen sind überhäufig vertreten und delegieren sich folglich zügig in Richtung Flugloch. Dort fliegen sich also auch sehr junge Bienen ein. Außerdem werden die jungen Bienen ihre Fettreserven nicht los und können ihre Futterdrüsen nicht entlasten. Wenn Du nun solche Bienen in ausreichender Zahl in Deinen Flugling gekriegt hast, weil Du z.B. die Beute mittags verstellt hast oder beim Königin suchen viele Bienen abflogen ect. dann klappt die Zucht dank dieser sofort einsetzbaren Futtersaftdrüsen. Auch wenn Du denen nur Stifte gabst, die Zeit brauchen zu Larven zu werden, dann können ältere Bienen ihre Drüsen reaktivieren.


    Wie man sieht, kann sowas also klappen. Du bist offensichtlich der Beweis. Ob sowas nochmal klappt und wie gut Deine Königinnen sind oder sein werden, steht auf einem andern Blatte.


    Ich ziehen die großen Serien in weisellosen Sammelbrutablegern, die alle paar Tage mit auslaufender Brut aus Doppelvölkern verstärkt werden. Die Kisten sind Starter und Finisher zugleich, denn ich kann ohnehin nichts mit kontinuierlichen schlüpfenden Königinnen anfangen. Ich lasse dann eher die Mini-Pluse die letzten Tage die gedeckelte Zelle pflegen, denn bei mir fliegen die eigenen Königinnen sowieso ungezeichnet.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ich habe dazu mal eine grundsätzliche Frage. Irgendwo meine ich gelesen zu haben dass eine Arbeiterin sich um bis zu drei Larven kümmert - ich habe das so verstanden dass sie allein auch die Fütterung dieser Larven übernimmt. Bei Königinnenlarven mag dieses Verhältnis sicherlich anders sein, nehmen wir an das Verhältnis wäre 1:1 aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Königinnenfuttersaftes, dann wären zur Herstellung des benötigten Futtersaftes für 30 Königinnenlarven auf einem Zuchtrahmen nicht mehr als 30 Arbeiterinnen mit funktionierenden Futtersaftdrüsen nötig. Die sollten sich in einem Flugling auf jeden Fall finden lassen, oder?


    Man liest so oft "schlecht versorgte Königinnenlarve" z. B. bei Nachschaffungsköniginnen, aber die Larven schwimmen doch im Übermaß im Futtersaft - da kann man wohl kaum von Unterversorgung sprechen. Hat das schonmal jemand wirklich untersucht? Kann die angeblich bessere Fitness/Legetätigkeit z. B. von Umweiselungskönigin nicht eher daran liegen, dass die Larven wirklich von Anfang an wie eine Königin versorgt werden und nicht erst nach ein paar Tagen als Königin "umgepolt" werden?

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Es geht ja nicht nur darum, daß der Futtersaft produziert wird sondern vor allem auch um die Wärme und alles andere drum rum.
    Warscheinlich ist das Verhältnis Königinnenzelle Pflegebienen ja auch nicht nur 1:1 sondern eher 1:10 und dann muß die Zelle ja auch noch gebaut werden. Das werden auch nicht nur diese Bienen leisten.
    Im Endeffekt geht es ja auch niht darum ob 100 Bienen eine Königin ordentlich großziehen können sondern ob ein Zuchtrahmen mit 20 belarvten Zellen auch am Ende 20 Königinnen bringt. Oder sogar zwei Rahmen pflegen kann. Das ist eben eher gegeben, wenn viele Pflegebienen auf engem Raum vorhanden sind.

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • ... dass eine Arbeiterin sich um bis zu drei Larven kümmert ... Bei Königinnenlarven mag dieses Verhältnis sicherlich anders sein, nehmen wir an das Verhältnis wäre 1:1 aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Königinnenfuttersaftes, dann wären zur Herstellung des benötigten Futtersaftes für 30 Königinnenlarven auf einem Zuchtrahmen nicht mehr als 30 Arbeiterinnen mit funktionierenden Futtersaftdrüsen nötig.

    Wie kommst denn Du auf dieses schmale Brett? Hast Du mal die Menge Futtersaft unter einer Arbeiterlarve gesehen und die unter einer überversorgten Königin? Alleine das Futtersaftverhältnis ist 1:100 wenn das reicht.

    Man liest so oft "schlecht versorgte Königinnenlarve" ... aber die Larven schwimmen doch im Übermaß im Futtersaft - da kann man wohl kaum von Unterversorgung sprechen.

    Nimm' mal Nicot-Näpfchen mit transparentem Boden! Du wirst sehen wieviel Futtersaft bei der Deckelung drin ist und wieviel davon am Ende übrig bleibt. Hat man am Ende im Näpfen keinen angetrockneten Klumpen, sondern einen sauber ausgeleckten Boden, dann hätte die Königin gern mehr gefressen. Was glaubst Du wieviele Königinnen nicht genug Futtersaft kriegen?

    Hat das schonmal jemand wirklich untersucht?

    Ja klar, praktisch jeder Autor von Bienenzuchtliteratur.

    Kann die angeblich bessere Fitness/Legetätigkeit z. B. von Umweiselungskönigin nicht eher daran liegen, dass die Larven wirklich von Anfang an wie eine Königin versorgt werden und nicht erst nach ein paar Tagen als Königin "umgepolt" werden?

    Bessere Fitness in Bezug wozu? Zu Nachschaffungs-Notköniginnen? Oder zu umgelarvten Zuchtköniginnen?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder