Kristallisation

  • Hallo!
    Da man langsam auch wieder an Honigernte denken kann würde ich gern eure Meinung wissen. Meine Schwiegermutter hat noch ein paar Gläser Sommertracht vom letzten Jahr und beklagt dass diese steinhart seien. Ich habe den Honig wohl letztes Jahr gerührt aber scheinbar zu wenig. Mein Rapshonig ist schön cremig geblieben - bei derSommertracht hat die Rührerei also nicht ausgereicht.
     
    Ich habe darüber mal mit einem alten Imker (Alfranseder)gesprochen. Der meinte seiner Meinung nach ist der beste Weg den Honig in große Eimer zu füllen und stehen zu lassen bis er sich auskristallisiert hat. Dann stellt er die Eimer in einen großen Styroporbehälter (3 auf ein Mal) der unten eine Art Heizlüfter mit Thermostat hat. Dann wird der Honig ganz langsam mit niedriger Themperatur wieder erwärmt, wird in Gläser gefüllt und rührt sich danach auch nicht mehr. Ok, Erwärmung widerstrebt eigentlich jedem Imker - schadet es dem Honig wenn man z.B. auf 30/40/50 Grad bleibt?
    Alfranseder verkauft diesen "Heizlüfter" auch. Lohnt sich wohl die Investition?
     
    Hier im Forum war auch Diskussion den Honig direkt nach der Ernte in Gläser zu füllen und einzufrieren. Will man den Honig abgeben einfach einen Tag vorher raus holen und verkaufen. Hmm, dann kristallisiert er beim Verbraucher im Glas wenn er länger steht. Eigentlich auch nicht so ideal.
     
    Ich habe übrigens mit Bohrmaschine und so einer Spirale gerührt und mir so Luft in den Honig gerührt. Nicht gut. Bin dann davon abgekommen und rühre nun mit einem platten Holzschlegel was aber sehr anstrengend ist.
     
    Bitte sagt mal was zu dem Thema. Möchte dieses Jahr möglichst keinen Honig wie Bernstein mehr...

  • Hallo Sherry! Erwärmen, wenn's unbedingt sein muß, nie über 40 Grad! Ich hatte letztes Jahr auch eine Schleuderung, die mir im Laufe der Zeit zu fest geworden war, ich habe meine 12,5l Eimer im Einkochautomat bei 35°C (mit Thermometer drin, man weiß ja nie, ob diese Geräte auf's Grad genau funktionieren...) erwärmt- geht natürlich nicht mit 'nem Hobbock... Ansonsten kannst du den Honig auch animpfen, gibt auch schön cremigen Honig. Ich rühre übrigens auch mit einer Farbrührmaschine von Einhell und Quirl, hatte bisher noch nie Probleme diesbezüglich- Du mußt den Honig vor'm abfüllen eine Weilchen stehen lassen, dann kommen die Luftblasen hoch.

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Moin, sherry,

    Zitat

    den Honig direkt nach der Ernte in Gläser zu füllen und einzufrieren. Will man den Honig abgeben einfach einen Tag vorher raus holen und verkaufen. Hmm, dann kristallisiert er beim Verbraucher im Glas wenn er länger steht.


    Ähhhnäääähhh, eben nicht. Der Honig kristallisiert während des Einfrierens sehr, sehr fein und beim Kunden passiert da nix mehr.
    Nur muß er halt solange in der Kühltruhe bleiben, bis er durchkristallisiert ist, also nicht bloß einen oder zwei Tage.


    Energiemäßig gesehen ist günstiger, bei großen Mengen tatsächlich in großen Kübeln direkt nach der Ernte zu lagern, und nur zum Abfüllen aufzutauen mit gelinder Wärme. Außerdem lagern sich 300kg im Faß oder 10x 30kg erheblich platzsparender als 600 Gläser.:wink:
    (und das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt ab Abfüllung - zu früh abfüllen und etikettieren ist auch nicht gut :wink:)


    edit: Rühren geht am besten mit so einem Flügelteil, und eine Spirale mußt du falschrum laufen lassen, um keine Luft reinzuziehen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sherry


    Ich musste mal aus zeitgründen den Honig stehen lassen und später abfüllen.


    Eine Erwärmung auf 30°C oder 32°C reichte mir da aus, um den Honig wieder fliess- und rührfähig zu bekommen.


    Aufgetaut habe ich den Honig mit einem Aquarienheizer und Wasserbad.
    Digitalthermometer mit Aussenfühler mit in das Wasser und ab ging die Post.


    - Heute fülle ich wieder direkt ab, da mir das einfach zu viel Aufwand ist.
    Ausserdem versuche ich jede Erwärmung zu vermeiden.


    Um meine Honigkonsistenz zu beeinflussen spiele ich ein wenig an den "natürlichen" Reglern:
    Z.B. Raps wird wenn möglich geerntet, wenn die Robinien schon mit honigen. Das ist dann Idealzustand. Sonst eben bei etwa 5-10% Verdeckelungsgrad und zusätzlich ein Wassergehalt von mindestens 16,5%.
    Nach der Abfüllung in die Gläser wird auch mein Honig erst mal steinhart.
    Der Raps-Honig wird wenn möglich erst nach Weihnachten verkauft. Dann wird Raps-Honig wieder etwas streichfähiger. - Weihnachtswunder - :lol:


    So wie das Wetter zur Zeit bei mir aussieht, überlege ich, den Rapshonig schon jetzt in der Vollblüte zu ernten. (Werde kommendes Wochenende mal wieder kontrollieren.)
    Es ist bei uns Knochentrocken. Wenn ich bis zum Blütenende warte und das Wetter weiterhin so trocken bleibt, ist der Honig am Ende der Rapsblüte bei unter 14% Wassergehalt... Da bricht man sich dann das Messer dran ab und mir schmeckt es nicht mehr so richtig.


    So "spiele" ich mit jeder Sorte ein wenig rum.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo Sherry!


    Du schreibst, dass du deine letzte Sommertracht zwar gerührt hast, es am Ende aber doch im Glas steinhart wurde. Das bedeutet, du hast zu wenig gerührt. Ich habe von meinem Imkerpaten gelernt, wie man erkennen kann, wann man genug gerührt hat: Der Honig bekommt irgendwann einen Opal-Schimmer. Wenn dieser Schimmer auftritt, hat man genug gerührt.


    In meinen ersten Jahren hatte ich immer das umgekehrte Problem: ich hab zu viel gerüht und der Honig war hinterher schaumig. Teilweise hab ich den dann nur noch zum einfüttern nehmen können.


    Gruss vom Sammler

  • Kann ich so auch nicht bestätigen. Die letzte Schleuderung, die mir zu fest geworden war, hatte einen deutlichen Perlmuttschimmer...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Ach ja, und geht eigentlich ZU viel rühren? Sammler, wie hast du das denn hingekriegt, daß dein Honig schaumig war?!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hallo Zonia!


    Ab Beginn der Kristallbildung drei Wochen lang täglich 10 min. mit Bohrmaschine und Mörtelrührer. Schaumiger Honig ist meines Wissens in Östereich eine Spezialität, aber in Deutschland nicht verkehrsfähig.


    Gruß, Sammler

  • 10 Minuten! So lange! Ich rühr immer nur 5, aber von Anfang an, also nach dem abschäumen. Entweder hatte ich bis jetzt immer Glück, :-D (bis auf das eine Mal) oder ich bin einfach nur eine faule Sau ...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Moin


    Schaumig rühren geht nur wenn beim Rühren Luft mit eingezogen wird.
    Kennt man von Sahneschlagen.


    Wenn also beim Rühren nur die Welle aus der Honigoberfläche rausschaut, und der sich bildende "Trichter" keine Luft zu den Rührflügeln zieht ist alles in Butter.


    Bei wenig Honigmenge lohnt es also in kleineren Gefässen abzufüllen, so das der Rührer keine Luft ziehen kann.


    Ein zu viel Rühren gibt es nicht!
    - Das im allgemeinen Überrühren genannte Phänomen bezieht sich auf eingezogenen Luft. - Laut Aussage unserer Honigbewerter.


    Mehr als 5 Min. 2 x am Tag rühre ich auch nicht. Start bei Kristallisationsbeginn.
    Dann noch einmal 5 - 10 min direkt vor dem Abfüllen.


    - spielt mal an den Reglern wie oben beschrieben.
    Das bringt mehr in der Endkonsistenz als stundenlanges Rühren.
    Gibt vielleicht nicht ne Goldmedaille aber zufriedenen Kunden :lol:
    Das ist mir mehr wert.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Wenn also beim Rühren nur die Welle aus der Honigoberfläche rausschaut, und der sich bildende "Trichter" keine Luft zu den Rührflügeln zieht ist alles in Butter.


    Hallo Patrick, danke für diese Info...:p :p_flower01:


    Jetzt weiß ich, warum mein Honig"rest" beim letzten Rühren so schaumig war.:oops:
    War nur noch ein 3/4 Eimer voll und die Spirale schaute raus.:roll:
    Eigentlich logisch, daß dann Luft reinkommt.
    Das blöde war, daß die auch nicht mehr aufstieg, weil der Honig dann im Glas zu schnell fest wurde...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.


  • Mehr als 5 Min. 2 x am Tag rühre ich auch nicht. Start bei Kristallisationsbeginn.
    Dann noch einmal 5 - 10 min direkt vor dem Abfüllen.


    Patrick, nochmal `ne Nachfrage:


    Du rührst aber soviele Tage, bis der Honig gerade noch fließfähig ist, oder nur 1 Tag und dann nochmal vor dem Abfüllen?




    Mit dem Einfrieren habe ich es jetzt auch mal versucht.
    Beim Einfrieren war er flüssig.
    Nach 2 Monaten war er beim Rausholen flüssig und wie mit Kristallzucker vermischt. Ekliges "Mundgefühl"... :evil:
    Mach ich nicht mehr!


    Ich schwöre - ich habe keinen Zucker untergepanscht...:cool:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.