Wer hat innovative Tips zur Vermarktung??

  • Im Imkern bin ich gut. Mit Erstaunen habe ich festgestellt, daß ich alle 14 Völker bislang gut durch den Winter gebracht habe. :Biene:
    Was den Verkauf von Honig und Co angeht bin ich eher unterbelichtet. :roll:
    Auch ein Vermarktungsseminar in Kirchhain vor 3 Jahren hat mir nicht wirklich was gebracht zumindest was die Verkaufspraxis angeht, insbesondere weil ich das DIB-Label nicht mehr verwende.


    Also wie macht Ihr das????
    Wie sprecht Ihr Wiederverkäufer, sprich Ladeninhaber, an? Solche Gespräche sind mir ein Alptraum. Ich komm` mir fast wie ein Bittsteller vor. Gebt Ihr den Honig, Kerzen... in Kommission oder rechnet Ihr gleich ab.
    Bei mir kosten 500g an Endverbraucher 4,50 €, Sortenhonig 5,00€.
    Zu welchem Preis gebt Ihr an Läden ab? Und wie kommt Ihr überhaupt an Verkaufstellen dran? Bei uns ist die Imkerdichte recht gut. In 4 von 5 Läden steht bereits ein Kollege, dem ich den Platz auch nicht streitig machen will. Was Preisgestaltung und Taktik angeht tun die Imkerkollegen auch immer sehr geheimnisvoll. Außerdem verkaufen sie alle im mir persönlich zu verstaubten Einheitsglas.
    Habt Ihr noch andere innovative Ideen zum Thema Vertrieb? Ohne daß ich mir noch einen Verkaufstand für 5000,-€ anschaffen muß.
    Wie vermarktet Ihr? Über ganz praktische Tips wäre ich mehr als dankbar.

  • Hallo,


    auch als Jungimker möchte ich mich an die Frage gerne anschließen. Momentan habe ich durch den Einstieg in die Imkerei (sprich Materialanschaffung, Bienenkurse etc.) jede Menge investiert. Soll jetzt sicher nicht heißen, dass ich das schnelle Geld machen will aber ich möchte in Zukunft am Jahresende zumindest die Ausgaben über die Einnahmen decken können... das sollte selbst für einen Jungimker realisierbar sein. Für ein paar Praxistipps zur Honigvermarktung wäre ich ebenfalls sehr dankbar :Biene:


    Ihr könnt ja z.B. auch erzählen wie Ihr damals angefangen hab, Euren Honig zu verkaufen. Was Ihr heute anders machen würdet und und und... :wink:

  • Hallo,
     
    zunächst die Ansprache, die eigentlich ganz einfach ist:
     
    Schwellenangst, Angst vor Verneinung ist auch erfolgreichen Verkäufern aus den Anfangszeiten nicht fremd. Allerdings sollte man wissen, dass man je länger man sich unbestätigten Annahmen und Mutmassungen dahingehend hingibt, wie der/die/das Gegenüber reagieren könnte, man auch immer unsicherer wird und es sich selbst schwieriger macht.
     
    Der einfachste Weg ist einfach in bekannten Geschäften, zum Beispiel der Bäckerei in der man selber die Brötchen kauft, einfach zu fragen. Das ist kein Hexenwerk. ohne jetzt in ein Verkausfsseminar abzutdriften empfiehlt sich ein lockerer Gesprächseinstig wie:
     
    ..., sagen sie mal, ich bin Imker(in), Wie sähe denn eine Möglichkeit aus, dass ich oder Sie in Ihrem Geschäft einige Gläser meines Honigs verkaufens? -- daraufhin wird ja nun irgendeine Reaktion erfolgen -- zum Beispiel:

    • ich bin nicht der richtige Ansprechpartner -- dann wahlweise sich den richtigen nennen lassen oder um Klärung durch den bisher angesprochenen bitten
    • das machen wir grundsätzlich nicht -- entweder Kampf: wir könnten doch gemeinsam für eine Stärkung des Einzelhandels vor Ort kämpfen! oder akzeptieren.
    • wie stellen Sie sich das vor? -- Hier wäre es gut sich vorab Gedanken gemacht zu haben
    • wir kaufen unseren Honig im Großhandel - Hinweis darauf, dass es vorteilhaft ist, wenn man selber regional Eigenproduktion verkauft, den Großhandel nicht zum Partner für regionale Produktion zu machen


    eine solche Liste im Vorfeld zu machen ist absolut unnütz, darum möchte ich es an dieser Stelle ungern fortführen. Sollte das Selbe Argument allerdings immer wieder erklingen, lohnt sich die Vorbereitung, hierzu kann ich auch gerne wieder Tipps geben.


    Ein anderer angeführter Punkt ist das Thema "Bittsteller". Wer sich so fühlt oder in diese Position begibt erzielt die schlechtesten Ergebnisse. Verkauft wird immer auf Augenhöhe! Das heißt, der Imker ist nicht besserm weil er mehr vom Honig versteht, aber auch der angesprochene ist nicht besser, weil die letztendliche Entscheidung bei Ihme liegt. Die freie Entscheidung haben beide! Der Imker Muß nicht an den Kunden xy verkaufen, der Kunde muß nicht bei dem bestimmten Imker kaufen. Aus diesm Grund kann man von Angesicht zu Angesicht, bzw. auf Augenhöhe verhandeln.


    Um auf die Schwellenangst noch einmal einzugehen. Ein manchmal mitschwingender Gedanke ist, was denken die(der) jetzt von mir? Die Antwort ist ganz einfach: Ein solches Angebot macht für mich Sinn, oder es macht keinen Sinn! In der Regel nicht mehr und nicht weniger. Erst wenn die Schwelle des Nervens auf einer Seite überschritten ist, ändert sich die Denkweise.


    zu Zielgruppe:


    Mit der Frage, was verkaufe ich, finde ich auch meine Zielgruppe:


    Wenn ich Honig verkaufen will, muß ich denjenigen finden, der Honig mag! Honig ist nicht nur süß sondern klebt auch!


    Wenn ich Regionalität verkaufe, dann brauche ich einen Kunden, der diese Regionalität auch schätzt.


    Wenn ich Tradition verkaufe, ändert sich eigenartiger Weise der Wert der Ware


    Wenn ich Gesundheit verkaufe, finde ich meine Zielgruppen auch ganz leicht an bestimmten Orten.(Vorsicht in der Argumentation!)


    Wenn ich Freude verkaufe, ist mein Kunde unter Umständen ein Blumengeschäft.


    Wenn ich Qualität verkaufe, dann nehme ich u.U. ein DIB Glas, zumindest wenn ich auf Wiedererkennung verzichten kann.


    Idenn gibt es zuhauf. Einfach die Modalitäten überlegen die möglich sind, das Glas in die Tasche (nicht die schwarze Frühstückstasche, die Imker die letzten 40 Jahre mit auf Schicht nahm) sondern unter Umständen einen kleinen Korb und los gehts!


    Gruß Thomas

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  • Hallo Chris,
     
    habe die Infos gerade überflogen, ist gut, aber meiner Meinung nach sind die zu statisch! Verkauf an Endverbraucher funktioniert nur über Emotion und nicht über Sachargumente es sei denn, man muß nur Grundbedürfnisse befriedigen, dann ist der Preis das Argument!
     
     
    Gruß Thomas

  • Hallo Bienenhüterin,
    ich hab gute Erfahrungen mit kleinen Geschenken und Probiergläsern gemacht. Auf diese Weise habe ich zahlreiche Kunden gewonnen, die nun nicht die Riiiiiesenmengen abnehmen, aber meist gleich mehrere Kartons a 12 Gläser.
    Z. B. habe ich dem Inhaber meiner Autowerkstatt als kleines Dankeschön ein Glas Honig mitgenommen. Nachdem er probiert hatte, kaufte er zwei Gläser (andere Sorten) und sprach mich dann an, dass er - wenn ich wollte - den Honig bei sich hinstellen würde, damit seine Kunden ihn kaufen könnten. Das ist erst letztes Jahr angelaufen, aber ich hab da schon über 100 Gläser abgesetzt (im Autohaus!!!).
    Auch hab ich meinem Tierarzt (bzw. dem Tierarzt unseres Hundes:wink:) mal ein Glas mitgenommen als kleines Dankeschön. Der war begeistert - seitdem stehen Gläser an seiner Rezeption.
     
    Usw., usw.
     
    Ich bin der Meinung, "Kleinvieh macht auch Mist".
     
    Außerdem hab ich mir mal ein paar Probiergläser zugelegt und diese verschenkt, z. B. wie schon gesagt an den Bäcker, Fleischer, Zeitungsladen... Deines Vertrauens. Wenn die den Honig erstmal gekostet haben, sind sie meist überzeugt. Auch die Arztpraxis in unserem Ort fand das gut. (Ich habe den drei Damen an der Rezeption und dem Doc je ein Glas zu Weihnachten mitgenommen) Die können dort zwar nicht unseren Honig verkaufen, aber ich durfte dort Flyer auslegen, wodurch ich auch Kunden gewonnen habe.
    Außerdem bin ich mal in eine Senioren-Freizeitstätte gegangen und hab da eine Honigverkostung gemacht. Lief super.
     
    Also, nur Mut!
     
    Liebe Grüße und viel Erfolg Sambiene

    Ich möchte nichts mit Naturkost zu tun haben. In meinem Alter braucht man alle Konservierungstoffe, die man kriegen kann. (George Burns )

  • Hei,
    probieren lassen ist bei Honig der absolute Schlüssel, weil jeder Honig anders schmeckt und eben nicht immer gleich wie bei Langnese - das ist unser ganz großer Marktvorteil.


    Und die Suche würde auch hier helfen, wir haben schon soviel dazu geschrieben....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Danke für die Antwort zum Thema Vermarktungstips. Das hat mich innerlich aufgebaut. Aber als ich mit 2 Völkern zu gange war, hatte ich auch noch keine Absatzprobleme. Ich gestehe, es sind mittlerweile 14, die anscheinend alle gut aus dem Winter kommen. Allein bei dem Gedanken treten mir langsam die Schweißperlen auf die Stirn.
    Na, ich werd`mal sehen, wie das angeht. Danke nochmal!
    Summende Grüße
    Bienenhüterin

  • Allein bei dem Gedanken treten mir langsam die Schweißperlen auf die Stirn.


    Nun, wenn Du ihn trocken und kühl lagerst, kannst Du ihn noch bis 5009 verkaufen.:cool:
    Mach dir keinen Kopp... :daumen:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Auch ich mag meine Erfahrungen mit Euch teilen...
    Mir ist aufgefallen das das Bewusstsein unserer ausländischen Mitbürger für Honig sehr groß ist.
    Viele dieser mit denen ich mich unterhalten habe "importieren" sich ihren Honig (illegal) sogar in rauhen Mengen von den Imkern Ihrem Heimatland. Auf Rückfrage nicht wegen der Regionalität des Produktes sondern wegen der sicheren Naturbelassenheit.
    Von der türkischen Dönerbude bis zum türkischen Autohandel wissen diese Menschen das Produkt Honig sehr zu schätzen.
    Nach meinem Eindruck ist dessen Honigkonsum höher als bei uns.
     
    Unseren türkischen Mitmenschen habe ich den Honig bis jetzt immer Eimerweise 13gk verkauft!
     
    In einer Sendung des Zolls am Frankfurter Flughafen sah ich letztens eie konfeszion von 2x 1,5kg Wabenhonigs zu je 45€!!! :eek:
     
    So denn, Gruß Dennis....

  • Hallo Bienenhüterin,
    ich hab gute Erfahrungen mit kleinen Geschenken und Probiergläsern gemacht. Auf diese Weise habe ich zahlreiche Kunden gewonnen, die nun nicht die Riiiiiesenmengen abnehmen, aber meist gleich mehrere Kartons a 12 Gläser.


    Genau. Deine Beschreibung erklärt schon mindestens 85% des "Verkaufsgeheimnisses" - wobei sich sogar gewerbliche Händler wie Supermärkte genauso überzeugen lassen - wenn Du ihnen eine regelmäßige Belieferung zusagen kannst..


    Grüße


    Marcus

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • "Aber als ich mit 2 Völkern zu gange war, hatte ich auch noch keine Absatzprobleme. Ich gestehe, es sind mittlerweile 14, die anscheinend alle gut aus dem Winter kommen. Allein bei dem Gedanken treten mir langsam die Schweißperlen auf die Stirn."


    Na dann kann mann auch die Völker verkaufen-reduzieren, gibtes auch Geld, und weniger Kopfschmerzen...:p_flower01:
    ich habe meine 2 auch schon vermittelt.:daumen:


    Viele grüße aus Norddeutschland

  • Moin


    Den meisten Honig verkaufe ich an Bekannte, Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen und an der Haustür.


    Etwas geht noch zum örtlichen Schlachter und wird dort verkauft.


    Ich mache keine direkte Werbung.
    Den Honig von 5 - 6 Völkern kann ich ohne Probleme so verkaufen, ohne die Werbetrommel zu rühren.
    Sollte ich mehr Honig in den Völkern haben, als ich verkaufen kann, bleibt der drin.
    So spare ich dann die Wintereinfütterung oder habe Waben fürs CB.


    Zur Zeit bin ich leergekauft.
    Ich schicke meine Kunden gerade zu den Mitbewerbern.
    Die kommen alle wieder :lol:


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo
    eines verstehe ich bei der ganzen Sache mit dem Wiederverkauf nicht. Wie wird da eigentlich abgerechnet? Ich meine, ich bin ja nicht vor ort um das Geld abzukassieren. Wenn das aber der Wiederverkäufer abkassiert, dann muss der ja extra für mich eine eigene Kasse führen. Das macht den Umgang ja kompliziert. Wie wird so etwas gehandhabt? Diese Frage wollte ich gerne erklärt bekommen, weil ich nächstes Jahr auch einige Verkaufsstellen ansprechen will. Ich komme auch so langsam in den Bereich, wo ich den Honig nicht mehr selber auf bekomme.
    Gruß Kolja