Wie kommt der Honig ins Glas?

  • Hallo,
     
    ich hoffe ihr könnt mir helfen.
    Ich bevorzuge den flüssigen Honig, mein Mann den cremigen.
     
    Der Imker des flüssigen Honigs sagt:
    Honig ist immer flüssig und läuft sozusagen aus der Wabe raus. Den cremigen Honig gibts nur, wenn man den flüssigen lange stehen lässt, beim Blütenhonig ca. 1 Jahr beim Rapshonig schon nach 2 Wochen.
     
    Der Imker des cremigen Honigs sagt:
    Um an flüssigen Honig zu kommen, muss dieser mit wärme behandelt werden und dadurch würden die Zuckerkristalle zerstört. Und man kann aus jedem cremigen Honig wieder flüssigen machen (will ich aber nicht).
     
    Was ist denn nun richtig? Kann mich mal bitte jemand aufklären, was der Unterschied zwischen flüssig und cremig ist und wie die Gewinnung ist???
     
    Vielen Dank schon mal.
     
    Corinna

  • Jeder Honig fließt flüssig aus der Schleuder.


    Manche Honige (Akazie= Robinie) bleiben (fast) immer flüssig, andere werden relativ sehr schnell fest (Raps).


    Andere Honige werden cremig, wenn man sie gut rührt und danach ins Glas füllt.
    Und wer flüssigen Honig von den Imkern braucht und keinen mehr hat, der erhitzt festen oder cremigen Honig. Da wird der auch wieder flüssig.


    Ergo: Hängt von der Honigsorte und auch vom Alter des Honigs ab. Und bei nicht wenigen flüssigen Honigen von der Wärmebehandlung.


    So richtig fester Raps- oder Obstblütenhonig wird cremig, wenn man ihn einfach nur so ca. ein Jahr oder länger im Keller stehen läßt (natürlich vor dem Abfüllen gut rühren).

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hihi, endlich mal eine echt praxisbezogene Konsumentenfrage.


    Also folgendes:
    Wenn man den Honig aus den Waben schleudert ist er natürlich flüssig (von Spezialfällen wie Melizitose-Honigen abgesehen). Er fliesst umso besser, je wärmer er ist - schleudert man also frisch direkt nach der Entnahme, ist er stockwarm (so um die 37°C) und das ist optimal um möglichst viel heruaszuschleudern ohne aber den Honig zu verändern (mal abgesehen davon, daß irgendwann auch die Waben schmelzen würden...und wer mag schon ein Wachs-Honig-Gemansche im Glas).


    So herausgeschleudert siebt man ihn und läßt ihn zum Abschäumen stehen. Dabei kühlt der Honig logischerweise auf Raumtemperatur ab. Aber auch dann wird der Honig zunächst nur fester aber kristallisiert noch nicht.


    Ob und wann der Honig kristallisiert hängt nämlich vornehmlich davon ab, wie das Verhältnis bestimmter Zuckerarten im Honig ist - und das ist davon abhängig von welcher Tracht der eingetragene Nektar stammt. Auch der Wassergehalt spielt eine gewisse Rolle aber das kann man eigentlich vernachlässigen denn ich gehe mal davon aus, daß das beide gute Imker bei Dir sind, die schon trockene Honige mit unter 20% oder gar unter 18% Wassergehalt anbieten.


    Wenn Du deutschen Honig isst, dann kristallisieren nahezu alle Honige früher oder später - allenfalls Robinienrhonige als Sortenhonig (also nicht "Sommertracht mit Robinie" sondern eben "Robinienhonig" oder "Akazienhonig") bleiben seeeeeeehr lange flüssig. Außerdem bleiben auch Waldhonige in der Regel seeeeeeeehr lange flüssig.
    Manche Honige kristallisieren aber schneller als man sich umdrehen kann - einen flüssigen Rapshonig z.B. wirst Du beim Imker kaum finden.


    Der Imker beeinflusst diesen Prozess nur insofern, als daß er durch Rühren dafür sorgt, daß der Honig auch im festen Zustand noch streichfähig bleibt.


    Jetzt hängt es also schlichtweg davon ab, wie schnell ihr so ein Glas Honig verzehrt und welche Sorten man so mag. Grundsätzlich haben beide Deiner Imker recht - allerdings werden durch schonendes Erwärmen keine Zucker zerstört. Allenfalls bestimmte Enzyme werden zerstört; das passiert allerdings ständig im Honig. Diese Enzyme, die u.a. auch die antibakterielle Wirkung des Honigs ausmachen, bauen sich allmählich ab; dieser Prozeß hängt direkt von der Temperatur ab - jede Erwärmung also beschleunigt den Abbau. Der Honig büßt also durchaus etwas ein; allerdings wird bei zu starker Erwärmung (über etwa 38°C) dieser Prozeß übermäßig beschleunigt und es entsteht ein bestimmtes Abbauprodukt - das Hydroxymethylfurfural.


    Wenn Du es also flüssig magst, dann stell den Honig in ein Wasserbad bei ca. 37°C - und der Honig wird immer besser fließen und schließlich klar werden.
    Qualitativ büßt er dadurch kaum etwas ein - allerdings solltest Du ihn dann auch zügig essen. Ist er nämlich soweit verflüssigt worden, daß gar keine Kristalle mehr im Honig sind, ist auch des Imkers Pflege durch das Rühren dahin. Bleibt er dann eine Weile stehen, wird er hart und dann womöglich steinhart. Dann kann man Hammer und Meissel nehmen um sich ein Stück fürs Brötchen auszupickeln. Dann ist es besser, den Honig wieder zu erwärmen und zu verflüssigen.
    Allerdings ist eben jedes Aufwärmen immer eine kleine Einbuße - selbst wenn es schonend erfolgt.


    Am besten ist es dann, beim Imker nachzufragen, wann er schleudert und sich dann etwas schleuderfrischen Honig zu kaufen. Der muß dann aber eben auch frisch gegessen werden, sonst wird er eben so hart wie oben beschrieben. Das dauert aber, sofern es eben nicht gerade Raps ist, eine Weile. Sinnvoll ist es hierfür z.B. einen Honig zu kaufen, der zumindest Robinienanteile hat - so ein Honig kann monatelang flüssig bleiben.


    Aber irgendwann, eben bevorzugt im Winter, ist es damit dann auch vorbei und man muß wieder zum festen greifen...oder sucht nach Sortenhonigen, die flüssig bleiben. Insbesondere Honige aus den Tropen bleiben lange flüssig - so schaffen es ja auch die Discounter und Langnese, daß ihre "flotte Biene" immer flüssig bleibt - durch Beimischung tropischer Honige. Auch durch Ultrafiltration kann man die Kristallisation zusätzlich verzögern; dabei werden Kristallisationskeime (und damit leider auch viele wertvolle Bestandteile des Honigs) herausgeholt.


    Alle Klarheiten beseitigt ?


    Melanie

  • Klasse Antwort :)

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Danke für die ausführlich Antwort.:)
     
    Hoffentlich wird die meinen Schwiegerpapa besänftigen...der ist nämlich der Ansicht dass der Honig immer fest ist (auch in der Wabe) und erst durch Schleudern/Erwärmen flüssig wird!!!
    Hab mir gleich gedacht, dass das nicht stimmen kann...bin ja nicht total blöd!!!
     
    Komisch ist nur, dass der Imker des festen Honigs auch nur festen Honig verkauft, weil laut Aussage von seiner Frau, dieser Honig bei den Imkern besser angesehen ist.
    Und der Imker des flüssigen Honigs verkauft seinen Honig anscheinend so schnell, dass erst gar kein fester Honig entsteht.
     
    Mein Honig ist innerhalb 2-3 Wochen gegessen. Mein Mann bekommt den festen Honig im 2,5kg Eimer und füllt sich diesen immer in ein kleines Glas ab. Mir ist der feste nämlich zu süß (meiner Tochter auch)...woran liegt das dann obwohl es doch der gleiche ist?
     
    Corinna

  • Hallo Corinna,


    Vorschlag: Mit Bienen anfangen und Honig testen.
    Aber Vorsicht: Imkern ist ansteckend und meist unheilbar...:p:wink:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Corinna,
     
    Vorschlag: Mit Bienen anfangen und Honig testen.
    Aber Vorsicht: Imkern ist ansteckend und meist unheilbar...:p:wink:


     
    Hallo Radix,
     
    ich habe schon ein Hobby und die sind 8 Monate und 3 Jahre alt...meine Kinder! :)
     
    Ich genieße ab jetzt jedes Honigbrot noch mehr und freue mich über die fleißígen :Biene::Biene::Biene: