Wie stellen sich denn die Milben auf Winter um?

  • Moin,
    ich hab heute festgestellt, was ich alles NICHT weiß.:roll:
    Kann mir mal bitte jemand Quellentips geben, wie die Milben sich auf den bei ihnen zuhause ja eigentlich nicht vorhandenen Winter einstellen?
    Wieso können sie plötzlich von etwa Mitte Oktober bis Mitte Januar ohne Brut überleben, wenn doch sonst Brutpausen von 3 Wochen ausreichen, den Befall deutlich zu senken?
    Außerdem sind sie ja auch eben nicht so blöd, sich sofort alle auf die wenigen ersten Zellen zu stürzen, sondern anscheinend können sie recht gelassen warten, bis genug für alle da ist.


    Haben wir einen Spinnentierexperten unter uns?
    Für Erklärungen wär ich doch sehr dankbar.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  •  
    Hallo Sabine,
    ich spinne zwar manchmal, bin aber darin kein Experte....:-D
     
    Habe vor kurzem was von dem Herrn Wille aus der Schweiz gelesen.
    Er führte ein Hormon in der Hämolymphe der Biene an, dass für die Entwicklung und Arbeitsteilung der Bienen verantwortlich sei. Dasselbe Hormon wurde in unterschiedlichen Konzentrationen in Sommer und Winterbienen gefunden. Es erklärte ihm aber nicht alles, es blieben Widersprüche.
     
    Jedoch habe ich mir gemerkt, das er erwähnte, dass dieses Hormon "in allen Insekten" vorkommt. Also auch dort die Entwicklung steuert.
     
    So. Die Varroa saugt Hämolymphe. Sie bekommt genau DADURCH die Information, dass.... kein Generationswechsel (bei der Biene) bevorsteht... oder so.
     
    Kann doch sein?
     
    Frage auch von mir: Der "Reifefraß" der Varroa wird je nach Quelle mit 4- 14 Tagen angeben. Ist die Bandbreite tatsächlich so groß, oder was ist richtig, bzw. wie ist die minimale Zeit? Das andere Problem hatten wir ja gerade, die längere Winterbrutpause....
     
    Grüße
    Erzgebirgler
    Edit: Hab noch mal gesucht: Juvenilhormon! Und es war in einer Abhandlung über den Massenwechsel bei Bienenvölkern, am scheizerischen Institut Liebefeld. Nicht von Wille, Entschuldigung, die Autoren waren andere.
    "Winterbienen haben insbesondere mehr Juvenilhormon im Blut.......


    Das Juvenilhormon kommt bei fast allen Insekten vor. Es wird von den Hirnanhangsdrüse ins Blut abgegeben. Bei Jugendstadien fördert es das larvale Wachstum und hemmt die Methamorphose. ..."

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Erzgebirgler () aus folgendem Grund: Nochmal gesucht....

  • :lol: Hei, Erzgebirgler,
    ich bin auch ein Wille & Lindauer-Fan, aber wie verträgt sich die ziemlich lange Winterpause mit der Herkunft der Milben?
    Apis Cerana hat sowas nicht - woher können die Milben das überhaupt?
    Das würde, auch angesichts der Primorskis, doch darauf hindeuten, daß die Milbe & Apis Mellifera doch schon sehr, sehr alte Bekannte sind, und unsere Bienen irgendwo noch alte Strategien im Kollektivgedächtnis/den Genen haben.
    Ich kann es mir echt nicht anders erklären.
    Und mal noch ne Ketzerfrage: wie gefährlich wären denn Milben OHNE Viren für die Bienen?
    Wenn man im Spätsommer alle gedeckelte Brut rausnimmt, oder eine Brutpause hinkriegt, "outperformen" die Bienen die Milben anschließend locker, sprich das Volk wächst erheblich schneller als die Milbenzahl (Wille/Dettli).
    Deshalb klappen Völker mit totaler Bauerneuerung so gut über den Winter, ich kenn bislang keins, was nach sowas direkt im ersten Winter eingegangen wäre.
    Strategien gibt es also viele....:wink:

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  •  
    Tja, Sabine, mit den Bienen kennst Du Dich mit Sicherheit besser aus als ich....
     
    Aber was wäre daran verwunderlich, wenn die Bienen und die Milben im Laufe ihrer 80 Mio Jahre währenden Evolution schon mal aufeinandertrafen? bzw. die Vorfahren der heutigen Bienen und Milben?
     
    Ich weiss nicht, wie lange die Brutpausen bei der Cerana sind. Könnte mir vorstellen, dass es bei Zeiten mit Monsunregen auch dort nicht unbedingt günstig aussieht mit Polleneintrag und Brut.... Auf den Winter kommts vielleicht nicht an.
     
    Der Schalter könnte schon ein Hormon in der Hämolymphe der Biene sein, der aus den Sommermilben Wintermilben macht, und diese wieder aktiviert, wenn die entsprechende Biene, auf der sie aufsitzt, zur Pflegebiene wird... (auch das wird ja über dieses Hormon gesteuert).
     
    Milben ohne Viren wären sicher lästig, auf Youtube ist so ein Video "Bee fighting with Varroa", die Bienen putzten sich fast zu Tode. Gescheites Pollen- und Nektarsammeln erscheint mir da nicht mehr möglich.
     
    Vom Größenverhältnis ist es ja so, als ob mir eine Ratte im Genick säße....
    Eklig, irgendwann würde ich sie loshaben wollen....:p
     
    Gute N8
    Erzgebirgler

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  • Hei, Erzgebirgler,
    nicht nur Erik Österlunds Elgons sind "grooming" = gegenseitig putzend und milbenknackend. :wink:
    Bei reinen C hab ich es noch nicht gesehen, aber meine B mit Elgonvorfahren plus mit C gekreuzte Kinder sind im Sommer die Kuschel/Yogagruppen auf dem abendlichen Flugbrett, und die putzen sich zwischendurch heftig gegenseitig, wenn sie nicht grad Yoga machen.:wink:
    Bei sehr trockenem Wetter, was wir leider extrem selten haben im Sommer, hilft die Puderzuckermethode supergut, wenn er denn fein genug ist - die Milben haben keinen Halt mehr auf den Bienen und fallen sehr fix ab.
    Mit den verpuderten Haftlappen kommen sie auch nicht wieder auf die Bienen drauf und sterben dann doch irgendwann auf dem Boden.
    Nur ist sowas leider in der Wüste einfacher hinzukriegen als hier mit Sommermonsun und immer hoher Luftfeuchtigkeit = klumpender Puderzucker in 2 Minuten...:roll:


    Aber insgesamt wäre mit Lästlingen einfacher zu leben als mit diesen Viren - mich hat das jedesmal emotional geplättet, wenn ich so eine Jungbiene oder Drohne mit Krüppelflügeln irgendwie freudig zum ersten Mal aus dem Flugloch marschieren sah, und genau wußte, in ner halben Stunde sind sie Ameisenfutter....:-(
    (ja, ich vermenschliche, aber mir tun sie LEID)

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  • Hallo Sabiene,
    Ich bin zwar nicht der Spinnentierexperte, hatte aber vor kurzem Gelegenheit, mich über die Biologie der Varroa und ihrem Zusammenleben mit der Apis Cerana zu informieren.


    Was hängen geblieben ist, ist folgendes:


    Das Leben und Überleben der Varroa mit ihrem ursprünglichen Wirt ist nicht so einfach, wie wir uns das vorstellen.


    Es gibt mehrere Faktoren, die eine Vermehrung der Varroa bis auf eine den Wirt Apis Cerana schädigende Größe behindern:


    1. Vermehrung nur auf der Drohnenbrut.


    2. Diese Drohnenbrut ist nicht ständig vorhanden!!!
    Es gibt da bei der Apis Cerana lange Pausen.
    Die Varroa muß schon auf ihrem Ursprungswirt in der Lage sein, länger (Monate) ohne Vermehrung zu überleben. Das dürfte die Antwort auf deine Frage sein: Die kurze Zeit im Winter, ist kein Problem für die Varroa, lange Brutpausen kennt sie schon aus ihrer Heimat.


    3. Drohnen müssen sich selber aus Zellen befreien, wenn da mehrere Varroen den Drohn geschwächt haben, kommt er nicht mehr raus


    4. Einsargen von mit Varroen befallenen Drohnenzellen.


    5. Putzverhalten der Apis Cerana.
    Apis Cerana kann sich gegenseitig von anhaftenden Varroen säubern.


    (interessant: Das reicht wohl nicht, um die Varroa in den Brutpausen auszurotten)


    6. Die Apis Cerana hat die Angewohnheit, bei Stress das Nest komplett zu verlassen und woanders neu zu beginnen. Dann bleiben alle in der Brut vorhandenen Varroen zurück.
    (Übrigens ein Problem für die Forschung: Schaut man zu oft ins Volk, ist die Beute plötzlich leer.)


    Das waren jetzt die Faktoren, die mir auf die Schnelle noch einfielen.


    Interessant ist, wie viele Faktoren zusammen wirken, um der Apis Cerana das Überleben zu ermöglichen.




    Wenn Du nähere Informationen möchtest, wende Dich an Dr. Liebig.
    Seine Mitarbeiter/innen beschäftigen sich intensiv mit der Grundlagenforschung zur Biologie der Milbe, auch vor Ort in Asien.


    Gruß Hubert


  • Und mal noch ne Ketzerfrage: wie gefährlich wären denn Milben OHNE Viren für die Bienen?


    Hallo Sabi(e)ne,
     
    ja, das ist wirklich ´ne interessante Frage. Die könnten die Forscher auch im Labor bearbeiten. Vielleicht kommt da ja mal was...
    Für die Praxis sehe ich da allerdings schwarz. Wahrscheinlich bekommen wir die Viren genausowenig zu 100 % aus den Milben, wie die Milben von den Bienen runter. Und selbst wenn alle Bienenvölker behandelt werden, die Varroen mit Grippe leben wahrscheinlich auch bei anderen Insekten und sind im nächsten Sommer wieder da.
     
    Aber halt, da fällt mir noch was ein: vielleicht bringt´s ja ein DWV-Toleranzzuchtprogramm für die Varroas:u_idea_bulb02::p
    He, geile Idee. Ich werd reich, ich werd reich...

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“