Pollenanalyse

  • Hallo,
     
    ich habe seid kurzem die Möglichkeit mit einem wirklich gutem Mikroskop arbeiten zu können. Leider zeitlich nciht unbegrenzt, aber ab und an mal ;)
     
    Ich würde gerne Honig zwecks Pollenanalyse aufarbeiten. Ich habe dazu gelesen, dann man den Honig zentrifugieren muß, um die Pollen zu konzentrieren.
    Hat jemand Material zu dem Thema für mich? Arbeitsanweisungen, Normen, usw....
     
    MfG die madm

  • Hallo madM,


    da hat sich unser Großmeister Zander richtig ausgetobt, meint Zander hat in den 20er-30er Jahren letztes Jahrhunderts sich ausführlich mit der Pollenanalyse beschäftigt. Ein Werk von ihm heißt "Pollengestaltung und Herkunftsbestimmung bei Blütenhonig" (von 1935)
    Kurz: du nimmst 5g Honig und löst sie (bis es klar ist) in 10ml Wasser dest. Diese Lösung zentrifugiert du in einen Zentrifugengläschen (mit spitzem Boden) eine Zeit lang, je nach Zentrifuge 5-15 Minuten. (Es gibt da einen Hinweis, weiß nicht mehr wo, dass du dir eine Aufnahme für die Honigschleuder bastelt.) Nach dem Zentrifugieren gießt du vorsichtig die überstehende Lösung ab ohne den Bodensatz aufzuwirbeln. Dann machst du das Zentrifugengläschen noch mal mit dest. Wasser voll, schüttelst es auf und zentrifugierst noch mal die gleiche Zeit. Wieder vom Bodensatz abgießen. Nun mit einen (Glas-)stab den Bodensatz aufnehmen und auf einen Objektträger übertragen. Das noch vorhandene Wasser auf einer Wärmebank (vorsichtig über einer Kerze) verdampfen lassen. Nun auf einem Deckgläschen eine Stecknadelkopfgroße Menge von Glycerin-Gelatine bringen, diese aufschmelzen und über den Rest des Bodensatzes legen so dass dieser damit abgedeckt ist.
    Fürs Mikroskopieren bist du jetzt fertig.
    Wenn du dieses Präparat aufheben willst musst du die Ränder des Deckgläschens noch verschließen (ich machs zur Zeit mit Nagellack).


    Der Pollen aus dem Honig den du jetzt betrachten kannst ist aufgequollen. Das ist in Honig so. Es bedeutet, das er eine andere Form hat wie er in der Natur vorkommt. Du kannst die Pollen jetzt mit Bildern vergleichen - Bilder die Leute wie Zander gemacht haben, aber da musst du erst mal so ein Werk in die Finger bekommen. Oder du machst dir eine eigene Pollensammlung. Pollen sammeln; entfetten damit dir in deiner Sammlung die Farbstoffe die Pollenpräparate nicht überdecken; und dann weiter wie oben mit dem zentrifugierten Bodensatz. Und wenn du dann noch mal an das hochwertige Mikroskop kommst kannst du dich freuen.


    Gruß
    Alois

  • Hallo, danke für den Link. Leider zeigt dieser Link von Hartmut die Pollen im nicht-gequollenen Zustand. Durch das rumgammlen der Pollen im Honig --- und in der Glycerin-Gelatine --- verändern sie ihre Form zum Teil kräftig.


    Jetzt habe ich mir die PDF-Datei auf die Uli verwies angeguckt: in dem Inhaltsverzeichnis steht zwar "Honig" aber auf die speziellen Gegebenheiten der Pollen im Honig geht diese Datei nicht ein. Nichtsdestotrotz ist dort eine gute allgemeine Beschreibung für das Mikroskopieren von Pollen. Aber auch das Fosilieren der Pollen entspricht nicht dem Pollenzustand im Honig.


    Alois


    PS. Ich habe mich über 3 Jahre sehr mit Pollen (im Honig) beschäftigt bis ich dahinter kam, das dort, im Honig, so spezielle Zustände herrschen das es darüber nur sehr, sehr wenige Erfahrung und Literatur gibt. Viele Versuche haben enttäuscht bis ich den Zander fand. Dann habe ich mir eine Pollensammlung mit den über 100 üblichen Pollen bei uns in der Gegend angelegt und meine Honige untersucht.


    Es gibt ein (kleines) Büchlein von Ferdinand Ruzicka "Mikroskopie für den Imker", ISBN 3-9500249-0-5, in dem auch auf das Mikroskopieren von Pollen eingegangen wird. Vielleicht ist dieses Buch noch erhältlich

  • Danke, danke!!! :daumen:
     
    Für die vielen, kurzfristigen und vor allen Dingen wirklich guten Antworten. Ich hab alles um meine eigenen Mikroskopieversuche zu starten!!
     
     
    Grüße die Madm

  • Hallo Mädels, hallo Jungs,
    die Zandersche Anweisung zur Pollenanlyse ist nur für eine Dauerpräparat des Honigspektrums notwendig. Wer eine Reverenzsammlung machen möchte, der sammelt Pollen gleich an der entsprechenden Pflanze. Die Pollen müssen durch Chloroform entfettet werden. Was man noch nehmen kann, ich weiß es nicht. Zum Mikroskoppieren der Honigpollen reicht nach der ersten Schleuderung eine spitze Pipette. Das Problem bei der Sortenbestimmung besteht beim der Gewichtung der einezelnen Pflanzenpollen. Institute bieten auch Kurse an.
     
    Was ich noch sagen wollte. Seit ich dieses Buch in der Hand hatte ist meine Sympathie zu Zander geschmolzen. Er hatte schon 1935 die Monatsnamen germanisiert.:confused:
     
    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • @ Beetle,
    Vergrößerung eines Mikroskops zur Pollenbetrachtung: für eine Übersicht ca 150fach; für Details am Pollenkorn etwa 450 fache Vergrößerung.


    @ Herbert: :-( war vielleicht einfach um diese Zeit modern - die Germanisierung. Zander ist 1873 geboren, sozusagen im Kaiserreich aufgewachsen. Mir tun solche Kleinigkeiten nicht weh und der Leistung des Hernn Zander keinen Abbruch.:cool:
    Zum Entfetten kann auch Äther benutzt werden; mit der entsprechenden Vorsicht natürlich.


    @ Wespenkönig: danke für den Link. Dahinter verbirgt sich eine schöne , vor allen Dingen kurze und brauchbare Arbeitsanleitung. Mein Englisch ist miserabel, aber da ich weiß worum es geht kann ich den Link gut verstehen. Der Tip (die Anweisung) statt zentrifugieren die Lösung 2 Tage stehen zu lassen ist aber etwas für SEHR Geduldige; aber so kann man es natürlich auch machen.


    Alois

  • Hallo Brummerchen,

    Zitat

    Zander ist 1873 geboren, sozusagen im Kaiserreich aufgewachsen. Mir tun solche Kleinigkeiten nicht weh und der Leistung des Hernn Zander keinen Abbruch.:cool:

    Mir schon, meine Familie war politisch verfolgt und war in dieser Zeit in Lagern und Gefängnissen, deshalb habe ich für diese Mitläufer und Angepassten nichts übrig.
    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: