Weinbergrisiken?

  • Moin, moin,
    kann mir jemand was zu den PSM in Weinbergen sagen?
    Ein Brieffreund-Kollege im Süden hatte ab Juni Probleme mit "dahinschwindenden Bienen", Mitte Oktober gab es eine Halbierung der Bienenmenge (Notschwarm-Abgang? er schrieb nicht, ob er diese Menge im Totenfall hatte..) und seitdem geht es nur noch weiter abwärts.


    Behandelt mit ApiLifeVar und AS, er hat auch brav Varroen gezählt, aber die Zahlen waren zwar recht hoch, aber noch nicht unbedingt tödlich.
    Dazu paßt auch nicht der hohe Totenfall IN der Kiste, denn da
    Was mich stutzig macht: er schreibt, daß er seit Ende Oktober ständig tote Bienen mit herausgestreckter Zunge findet, was mich an Vergiftung denken läßt, zumal der Stand auch neben einem Weinberg liegt.
    Deshalb die Frage: womit wird ein Weinberg im Mai/Juni gespritzt und womit nach der Ernte nochmals?
    Eure Gedanken dazu?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,
    dieses Problem war mir schon am 15. April aufgefallen. Andere im Verein haben sich erst später geoutet. Das Problem kann, muss aber nicht mit dem Weinberg zusammenhängen. Es hatten es auch nicht alle Völker. Da ich immer Weinbergnähe habe, könnte es bei mir so sein, doch wir hatten es auch an Stellen wo keine Weinberge sind. Ich habe dieses Problem auch schon mit nassauer diskutiert. Ich weiß nicht ob er Weinberge in der Nähe hat. Nachdem ich die Völker auf Mittelwände setzte, entwickelten sie sich wieder normal. Unsere Wissenschaftler attestieren Nosema cerenae, andere Wissenschaftler sagen, dass man gar nicht weiß was die neue Nosema überhaupt macht.
    Wir haben das Problem auf dem Landwirtschaftsministerium vorgebracht und von dort soll die Sache untersucht werden. Wir arbeiten gerade an einer Kartierung der Schäden um einen Zusammenhang mit PSM zu überprüfen. Auf unserer Homepage sind unsere Forderungen und die Versprechungen zu lesen.
     
    http://www.imkerverein-waiblingen.de/
     
    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • hallo,
    ich und meine Kollegen wohnen mit unseren Bienen mitten im Wein.


    Ich selber habe bisher keine Probleme gehabt. Meine Bienen sind aber auch 4 km außerhalb des Moseltales.
    Es ist richtig, daß ab der Weinblüte so ungefähr alle 10 Tage gespritzt wird, bis zum Abschleudern.
    Die Spritzmittel sind in der Regel nicht relevant, da die Bienen den Wein nicht anfliegen, außerdem schaden die Mittel scheinbar nicht, nachdem sie ausgebracht wurden.
    Meine Kollegen haben die meisten Probleme, wenn der weiße Klee oder die Brombeere blüht. Der Klee wächst bei manchen Winzern zwischen den Reben als Gründüngung und die Brombeere hat sich die Weinbergsbrachen erobert. Die Bienen gehen auf die Blüte und bekommen die Spritzbrühe direkt ab. Danach kommen nur noch wenige nach Hause und die, die es schaffen, krabbeln meist vor den Beuten und finden nicht rein.
    Sehen aus wie Krabbler von Varroa, aber sind zahlenmäßig wesentlich mehr.

  • Tach zusammen,


    etwas verwirrt bin ich jetzt schon, vielleicht könnt ihr mir ja helfen.
    Ständig wird gefordert, das mehr blühen müßte in unserer toten Agrarlandschaft, andererseits blüht dann wirklich wo was, wie beschrieben im Weinberg oder in einer Weinbergbrache ist es auch wieder blöd, Blüten und ihre Besucher werden von Spritzmittel auch dort erreicht. Wie paßt es da, das man u.a. blühende Randstreifen an Feldern fordert, das muß ja bitter enden.
    Und noch zum Link von Luxnigra, also ich les da u.a. auch von insektenbekämpfung mittels feromonverwirrung, ist seh das positiv, da machen sich manche schon gedanken, etwas zu ändern. Zumal sich diese ganze Spritzmittelempfehlung auch nicht gerade so liest, fahrt raus sprizt was ihr habt, haut drauf, macht alles platt.


    Grüße mende

  • Hallo Drohn,
    du verwechselst Äpfel mit deinem Wunderwasser. Hier geht es nicht um Grenzwissenschaften, sondern um PSM-Schäden, ist es das schon bekannte Rauschen, oder Nosema ceranae.
     
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Zusammen,

    Herbert schrieb:

    Ich habe dieses Problem auch schon mit nassauer diskutiert. Ich weiß nicht ob er Weinberge in der Nähe hat.

    Nein, Herbert alles zu weit weg und auch das sind nur klitzekleine Hobbyflächen. Wein fällt bei mir als Erklärung total aus.
     

    Herbert schrieb:

    Unsere Wissenschaftler attestieren Nosema cerenae, andere Wissenschaftler sagen, dass man gar nicht weiß was die neue Nosema überhaupt macht.

    Die liebe gute Nosema! Was hat sie denn nur getan, dass man ihr das ganze Bienen-Unheil dieser Tage an die Backe kleben will?
     
    Fragt man nach den Unterschieden zwischen Nosema apis und Nosema ceranae und wie man die beiden Arten mikroskopisch unterscheiden kann, dann erfährt man: Das geht gar nicht!
    Die sind sich zum Verwechseln ähnlich, leben an den selben Stellen in der Biene und die Schadbilder in der Einzelbiene sind mikroskopisch ebenfalls nicht zu unterscheiden.
     
    Bei so großer Ähnlichkeit in Erscheinungsform und Lebensweise ist es doch wohl plausibel, dass die Wirkungen auf die Bienen und den Bien und die daraus folgenden Schäden sich ebenfalls gleichen müssen.
    Vielleicht in Einzelheiten stärker oder schwächer ausgeprägt, aber doch nicht völlig anders!


    Bei meinen Völkern habe ich die typischen Nosema-Schadbilder nicht gesehen:

    • Keine Kotflecken, weder innerhalb noch außerhalb der Beuten.
    • Keine toten Bienen, weder innerhalb noch außerhalb der Beuten.
    • Keine Krabbler, weder einzeln noch in Ansammlungen.
    • Keine schwachen, schlecht versorgten Brutnester.

    Die Völker unterhielten eher "übertrieben" große Brutnester, wie sie es gerne in Stresssituationen tun.
    Und die Bienen schlüpften auch. Das Brutnest war voll von Jungbienen.
    Das einzige, was fehlte, das waren die Flugbienen. Und die wurden auch nach Wochen nicht mehr.
     
    Da beisst keine Maus 'nen Faden ab: Das sind keine Nosema-Symptome.
    Diese Symptome kenne ich nur aus zwei anderen Zusammenhängen: Varroa und die für Nervengifte beschriebenen subletalen Wirkungen.
    Und Varroa war es definitiv nicht, so weit habe ich die Sache im Griff!
     
    Solange mir niemand eine plausiblere Erklärung bieten kann, bleibe ich mal bei meiner Annahme.
    Viele Grüße,
    Rudi
     
    Ach ja: Ich weiß, dass die Spanier 2005 das Schadbild der fehlenden Flugbienen als zu Nosema ceranae gehörend beschrieben haben.
    Aber ich habe einen prominenten Mitzweifler. Dr. Ritter aus Freiburg fragt sich auch, ob sich an der Nosema-Situation nur geändert hat, dass mittlerweile unsere Wissenschaftler per DNA-Analyse die beiden Arten unterscheiden können.
    Und: "Sind die aktuellen Krankheitsverläufe beim Anstieg eines Nosema-Befalls vielmehr deshalb extremer, weil die Völker durch die Varroa-Milbe und andere Faktoren insgesamt geschwächter und daher anfälliger sind?"
     
    Dr. Ritter in 2006 zu Nosema ceranae 
     
    Nochmals viele Grüße,
    Rudi

  • Ist es denn nicht auch so, daß mit Nosema befallene Völker anfälliger für die Schäden durch Gifte sind? Also schon bei geringerer Dosis Vergiftungserscheinungen zeigen?

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • Hallo,
     
    der Thread ist zwar schon ein paar Tage alt, aber ich würde folgende Aussage von Drollhos gerade rumdrehen:
     

    Ist es denn nicht auch so, daß mit Nosema befallene Völker anfälliger für die Schäden durch Gifte sind? Also schon bei geringerer Dosis Vergiftungserscheinungen zeigen?


     
     
    Meiner Meinung nach stecken im Bien zu jeder Zeit alle Erreger! Aber er kommt damit klar. Genauso wie wir im Gartenboden so ziemlich alle Wildkräutersamen haben, die es gibt. Aber sie keimen nicht, weil die Bedingungen (das Milieu) nicht stimmen! Auch im Bien kommen die Erreger nicht zum Zug!
     
    WErden die Bienen nun aber vergiftet, dann schwächt dies ihr Immunsystem: Jetzt können die Erreger erst loslegen!
     
    Nicht die Erreger sind schuld, sondern das Milieu!
     
    Unser Körper setzt beispielsweise ein Anschwellen der Schleimhäute ein, damit das Gewebe besser durchblutet wird und die Abwehrzellen besser arbeiten können. (Wir Idioten bekämpfen dann unsere Körperabwehr mit Nasenspray). Wenn wir das Weiterspinnen, dann könnten wir uns fragen, wie es kommen kann, dass das Immunsystem des Biens so "verzweifelt" ist, dass es glaubt, sich nur noch mit Erregern heilen zu können!
     
    Wie Nietzsche schon feststellte, ist die Verwechslung von Ursache und Wirkung eines der Hauptcharakteristika der Neuzeit!
     
    Gruß,
    Markus