Mal einfach laut gedacht....

  • Honigbienen in ihrer natürlichen Umwelt lebten in Höhlungen auf selbstgebautem Wabenwerk, hatten in guten Gegenden ein saisonlanges Trachtfließband, schwärmten, wann immer es zu gelingen schien, und anscheinend ging es ihnen recht gut (da wir die Verlustraten nicht kennen, spekulieren wir einfach mal, daß es so war.:wink:).


    Dann wurde aus dem Honigjäger Mensch erst Zeidler und dann Imker, und zu seiner Bequemlichkeit paßte er das Drumherum ein bißchen an, mit effizienten genormten Rähmchen und Mittelwänden, ein Schwarm ist nur verlorener Honig und damit unerwünscht, die Blütenvielfalt ist den Monokulturen gewichen, und zur eingeschleppten Milbe wird auch noch systematisch vergiftet, um einzelne Schädlinge "auszurotten", die sich längst als unausrottbar erwiesen haben - inkl. der Milbe.


    Worüber wundern wir uns gerade?:roll:


    Nach wie vor meine Vorgehensweise: schmeißt die MWs weg, hobelt ein paar Rähmchen auf 32mm runter, packt starter strips rein, und macht vorweggenommene Vorschwärme - und gut füttern, vor allem auf gute Pollenversorgung achten - Raps ist auch bloß ne Monokultur und nicht vollwertig, eine gute gemischte Baum- und Strauchblüte wäre besser...
    Rähmchen ALLE markieren, so daß niemals eins versehentlich falschrum reingehängt werden kann.
    Flug"löcher" machen, keine Flugschlitze - je kleiner, desto gesünder, weil besser zu verteidigen - bei offenen Gitterböden gibt es keinen CO2-Überschuß in der Kiste.


    Es gibt für die Bienen nichts besseres als absolut unbelasteten Naturbau, der wenigstens einen Kern von 4-5W mit 32mm und darin als Minimum etwa 40% kleine Zellen hat.
    Ich weiß, daß ich jetzt "zu Blinden von der Farbe rede", sozusagen, aber wer die so entstandenen Brutnester gesehen, und die Bienen daraus erlebt hat, wird nicht wieder zur normalen Bienenhaltung zurückkehren wollen.


    Ein natürliches Brutnest ist stationär - da wird nix in Ableger zerlegt und die räumliche Orientierung getötet, sondern die Nutzung der Zellen ändert sich jahreszeitlich je nach ihrer Position im Brutnest.
    Es GIBT jahreszeitlich spezialisierte Bienen - nicht bloß Drohnen.
    Ein Naturbaubrutnest ist tatsächlich eine gebaute Geschichte des Volks - man kann sie lesen lernen, wie Baumringe....aber das steht hier nicht zur Debatte.


    Ich kann nur jeden ermutigen, der gesunde Bienen (und Honig :wink:) will, sich auf dieses Experiment einzulassen, und vor allem die MWs wegzulassen, egal ob schadstoffgeprüft oder nicht - bitte macht euch angesichts von Tautz' Untersuchungen über die Wichtigkeit der Schwingungsfähigkeit der Waben zur Kommunikation nochmal Gedanken um die 30g nagelneues Wachs pro Naturbauwabe und die 80-90g mehrfach hocherhitztes und zig mal umgearbeitetes Altwachs pro Mittelwand....


    Nein, ich bin nicht im Fieberwahn oder auf dem Eso-Trip, aber wenn eine Entwicklung seit Jahrzehnten in die falsche Richtung läuft, muß man irgendwann mal anhalten und gucken, wo man falsch abgebogen ist.
    Und angesichts der enormen Speicherfähigkeit von Wachs und seiner endlosen Bearbeitbarkeit liegt in den Mittelwänden ein riesiges Problem.
    Man hilft den Bienen damit nicht, sondern legt einem neuen Volk gleich ein massives Problem ins neue Zuhause.
    Die Bienen brauchen das nicht, die können das sehr viel besser ohne uns!


    Nur muß man sich dann von dem Gedanken verabschieden, im gleichen Jahr von einem Schwarm noch Honig (hier im Norden) zu bekommen - was für viele wohl ganz schrecklich ist - ein Jahr warten? Und auch noch füttern, falls nötig?
    Ein Investment ohne sofortige Rückzahlung?
    Yo.:p
    Das ist Natur - manchmal muß man etwas länger warten, bis etwas Frucht trägt. Und mit der Natur zu arbeiten dauert für gewöhnlich auch länger.
    Aber es lohnt sich.
    Das schützt nicht vor akuten Vergiftungen wie im letzten Frühjahr - aber es kann unter Umständen auch dann noch helfen, das Volk an sich zu retten.


    Und sollte sich so etwas wie im Rheingraben auch nur ansatzweise nochmal andeuten, sollten HIER im Forum SOFORT unbedenkliche Stellplätze gesucht und angeboten werden können, um wenigstens Teilsanierungen und/oder reines Überleben der Völker sicherstellen zu können - oder?


    Anregende Gedanken und Tomatenwürfe (bitte aktuell in Wattebäusche verpackt, ich bin noch krank...:-() willkommen.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo liebe Sabine!


    Alles schön und gut was du da so schreibst, aber mal angenommen man macht
    das wirklich so, ein zwei Jahre und dann?
    Wie mach ich dann die Bauerneuerung?
    Man soll ja am Brutnest nichts verändern und mit der Zeit
    würden die Waben ganz schön schwarz werden.
    Bisher hab ich es so gemacht, das ich jedes Jahr ein Drittel
    Bauerneuerung gemacht habe, also alle drei Jahre komplett neuer
    Wabenbau.
    Aber nach deiner Version, Brutnest garnicht anrühren, würden
    ja die Brutnestwaben nie erneuert.

  • :lol: Nein, Winni,
    als Start einen fetten vorweggenommenen Vorschwarm, mit der aktuellen Königin, und danach jedes Jahr zur rechten Zeit immer wieder einen, Größe beliebig.
    Normal für ein Volk ist ein oder maximal zwei Aufbaujahre, dann der erste Vorschwarm, und normal spätestens im 4. oder 5. Jahr ein "Verschwärmen" mit Nachschwärmen, bis nix mehr da ist im alten Bau.
    Dann kommen in dem Sommer die Wachsmotten plus andere Kostgänger und im nächsten Jahr kommen wieder neue Bienen....von ganz allein.:wink:
    So wäre es in freier Wildbahn - da denkt niemand in Honigertrag oder überhaupt linear, sondern in Zyklen und kreislaufmäßig.:wink:
    Da gibt es keine ununterbrochen bewohnte Bienenwohnungen, der Leerstand zur "Entseuchung" ist eingeplant.
    Und ich bin schon fast bereit zu wetten, daß ein Verbreitungsmuster der Genetik eines bestimmten Volkes in einem bestimmten Bereich genau dem üblichen Muster entspricht, nämlich komplex sternförmig, wie bei Pilzen, dem Internet oder dem menschlichen Gehirn.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hi sabiene.
    Du schreibst von Wabenabstand 32 mm, die man dadurch erreicht dass man die Rähmchen abhobelt und Anfangsstreifen reinklebt. Ich lese in jeglicher Imkerliteratur dass, wenn ein wildes Volk Naturbau macht, also auch ohne Rähmchen, der Wabenabstand immer 35 mm beträgt. Wie kommst du auf 32 mm?

  • Hei, Luxnigra,
    wenn du einen Wabenbau in 3D betrachtest - ist es für dich logisch, daß ein reduzierter Zellendurchmesser von 4.9mm statt 5.6mm auch ein ingesamt geringeres Volumen haben muß, also einen geringeren Wabenabstand?
    Völker auf 4.9 MWs mit 35mm haben meist gewaltige Probleme in der Umstellung.
    Komischerweise gibt es diese Probleme bei 32mm erheblich geringer, bei Naturbau dann gar nicht mehr.
    Die 32mm kommen aus der Korbimkerei, und gemessenen Abständen in echtem Wildbau.
    Versuche, das mit Mrs Lusby zu diskutieren, weil die Wahnsinnsverluste bei der Umstellung auf kleine Zellen völlig überflüssig sind, und eben NUR kleine Zellen überall auch nicht die Lösung sind, endeten in "das-möchte-ich-hier-nicht-ausführen".
    Kleine Zellen haben ihren Sinn im Bienenjahr, aber nicht immer und dauernd - wir wissen es eben nicht besser als die Bienen, also laßt sie endlich bauen, wie sie es wollen.
    Und vergeßt Vermehrung unter Wabenmitnahme - das gibt es nicht in der Natur!
    Schwarm (egal, ob vorweggenommen oder echter) oder gar nicht. Basta.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Was hat der Durchmesser einer Zelle mit dem Wabenabstand zu tun. das ist mir ehrlich gesagt zu hoch. Kleinere Zellen im Durchmesser ergeben kleinere Bienen. ok. Aber der Wabenabstand ergibt sich doch aus der Länge der Biene, plus der Zwischenraum wo die Bienen über die Waben laufen.
    Aber wenn du schreibst, dass es in Körben, wo die Bienen ja frei bauen, so gemessen wurde, so glaube ich dir das. Das erinnert mich auch an ein Satz aus Pfefferles buch, der hielt immer ein Korbvolk, und er schrieb, dass es nur selten gegen Varroa behandelt werden musste.

  • Dem sei noch hinzuzufügen, durch die 32mm weniger Drohnenbau, bessere Frühjahrsentw., dadurch eheres Schwärmen, bessere Honigstapelung.
     
    Die Heideimker hatten angeblich null Tracheenmilben oder wenigstens keine Verluste dadurch und überhaupt weniger Krankheiten durch den ständigen Umtrieb, der Schwärmerei. Frühe Schwärme liebe ich, die bringen schon noch was, vorausgesetzt der Wald kommt. Sogar die Begattungsableger können noch was bringen, wenns paßt. Ramdohr kam angeblich auch zu dieser Erkenntnis.
     
    Über die Bauerneuerung macht Euch keine Sorgen, irgenwann will das Volk raus und diesen Zeitpunkt gilt es abzuwarten.
     
    Gruß Simmerl

  • Das würde auch bedeuten, das der Schwarm gleich in seine fertige
    Kiste (Endmaß) eingeschlagen würde und dann nichts mehr am Volumen
    verändert werden darf?
    Also nichts mehr mit zB. in einer Zehnwabenkiste anfangen und
    nachher dann Erweitern oder in eine größere Kiste umsetzen?
    Weil, Du hattest mal geschrieben, das das Anfangsmaß auch Endmaß sein sollte.
    Es wäre nicht so gut, wenn die Bienen mal eingezogen sind die
    Räumlichkeiten zu verändern, da die Bienen schon von Anfang an
    wüssten wie viel sie Bauen müssen und spätere Veränderungen
    sich unter Umständen sogar Nachteilig auswirken könnten?
    Sprich Gesundheit, Stress, Allgemeines Wohlbefinden ect.

  • und wie das gemacht werden kann, den Weg zurückzugehen und richtig abzubiegen, mit bebilderter Anleitung steht in deinem bald erscheinenden Buch! :cool:

    furchtlos und trew

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von sam ()