Mitbewohner Bienenstock fördern nach Säurebehandlung

  • Hallo Ihr Lieben,
     
    mich treibt grad ein Fragenkomplex um: Die Förderung der (positiven) Mitbewohner eines Bienenstocks nach/ trotz Säurebehandlung.
     
    Meines Wissens ist ja die Säurebehandlung nicht nur für Varroen, sondern auch für die anstonsten positiven Mitbewohner (oder gar Symbionten) eines Bienenstocks schädlich. Gibt es Ansätze/Möglichkeiten dafür, diese positiven Mitbewohner gezielt zu fördern (auch nach Säurebehandlungen)?
     
    Ich könnte mir denken, dass allein schon der offene Gitterboden hinderlich ist, da sich das Gemüll als Lebensraum dieser Lebewesen nicht mehr bilden bzw. im Kasten anreichern kann, bevor es von den Bienen zumindest teilweise entfernt wird. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde den offenen Boden bisher eigentlich ganz praktisch, nicht zuletzt um den Varroafall zu beobachten.
     
    Gibt es Beobachtungen, wie schnell sich zumindest einige der positiven Mitbewohner nach einer Säurebehandlung wieder ansiedeln? Und wie sieht es bzgl. dieser Mitbewohner bei den Nicht- oder Wenigbehandlern aus?
     
    Könnte man evtl. durch das Zugeben einer geringen Menge unbehandelten Gemülls (nach Absieben der Varroa falls dies geht), die Wiederbesiedlung der Beuten mit diesen positiven Organismen beschleunigen?
     
    Ups: so viele Fragen solltens eigentlich gar nicht werden. Ich hoffe aber dennoch auf Eure Meinungen und Antworten.
     
    Liebe Grüße,
     
    Andrea

    Lernen als Lebensziel... Du lernst jedoch mehr, wenn Du Umwege zulässt!

  • Hallo Werner,


    neee :-D, soo große Mitbewohner sind nun wirklich nicht gemeint (die wären höchstens für meine Katzen positiv (leider als Spielobjekte, seufz)).
    Eher so Bücherskorpion, Milben (nicht Varroa!), Mikroorganismen usw., hätte mich vielleicht wirklich genauer ausdrücken sollen...., sorry!


    Wenn wir schon dabei sind, hat jemand einen Link oder Literaturstelle parat, wo diese Koexistenzen/ Symbiosen(?) näher untersucht werden. Ich stopsel mir grad mühevoll per Google einiges zusammen, habe vielleicht auch nicht die richtigen Suchbegriffe verwendet.


    Danke im Voraus und wie gesagt: bin auf Antworten gespannt!


    Liebe Grüße,


    Andrea

    Lernen als Lebensziel... Du lernst jedoch mehr, wenn Du Umwege zulässt!

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  • Hallo Andrea,
     
    schade, dass Du keine Antwort bekommen hast, ich finde Deine Frage nämlich interessant.
     
    Im Garten nimmst Du ja einen Teil des Kompostes, um den neuen Kompost zu impfen. Demzufolge kann ich mir vorstellen, dass Du mit Deinem Vorschlag Erfolg haben und die Wiederansiedlung bestimmter Mikroorganismen beschleunigen könntest.
     
    Allerdings bin ich nur im Garten kompetent, Bienen habe ich selbst erst seit 4 Wochen...
     
    Viele Grüße,
     
    Markus

  • Hallo Bienenfreunde!
    Die Frage nach den Mitbewohnern hatte ich auch schon gestellt, nach dem ich im Bienenlexikon auf entsprechende kurze Hinweise gestoßen war.
    Offensichtlich gibt es zu diesen kaum Untersuchungen!
    Nun hatte ich Bücherskorpione erst zwei mal auf Fliegen gefunden, dort waren sie huckepack mit geflogen.
    Guido Eich bestätigte mir, dass Bücherskorpione in Bienenbeuten wohnen und auch von Varroa-Milben leben, aber deren Anzahl einfach zu gering ist um einen positiven Effekt zu haben.
    Meine Bienenvölker wurden vom Vorbesitzer mit AS und OS regelmäßig behandelt.
    Im Beuten-Gemüll fand ich keine Spur von den Skorpionen.
    Nur Ameisen.
    Auch Ohrenkneifer leben offensichtlich in Eintracht mit meinen Bienen.
    Meine Vision von 'ner Tüte Bücherskorpione in die Beute und die Varroa sind weg, ist wohl nicht realistisch. Über Bücherskorpione weis man einfach zu wenig!
    Eine Ansiedlung von Symbionten durch Gemüll würde ich für Problematisch halten, da sich auch Krankheiten und Schädlinge darin befinden könnten.




    Gruß
    Kalle

    Ich bin im Forum um zu lernen und zu fragen, nicht um alles zu Wissen!

  • Hallo Kalle,


    ich geb Dir da durchaus (teilweise :wink:) Recht, dass die Übertragung von Krankheiten/Schädlingen durch Gemüll gefördert werden kann/könnte.


    Ich will hier auch neimanden dazu auffordern, seine Bienen mit Gemüllbergen zu bestäuben o.ä.


    Mein Denkropzess in diese Richtung ist angeregt worden durch folgendes Erlebnis:
    Ich habe letztes Jahr 4 Völker (Alpentrogbeuten) von einem befreundeten Imker zugekauft, der reduzieren musste.


    Bisher kannte ich nur Magazinbeuten mit offenem Boden, die untergeschobene Windel hatte neben dem unbelebten Gemüll auch eine Menge (dachte ich zumindest) "Getier" enthalten (einmal auch einen Bücherskorpion).


    Die vier neuen Völker in den Trogbeuten sind schier aus allen Nähten geplatzt, dass es den Bienen darin gut ging war offensichtlich (ich war echt beeindruckt von der Volksstärke, hab allerdings auch gesehen, dass in den Ecken der Beuten einiges an "Gebrösel" rumzuliegen schien ). Ich hab diese dann in den Trogbeuten eingefüttert, sie haben supergut mit hoher Volksstärke überwintert.


    Beim Umhängen in Magazinen hab ich dann MENGEN von Gemüll am Boden und in den Ecken gefunden, die Damen haben anscheinend den "Dreck" einfach da hin geschoben, wo er nicht störte.
    Ein bisschen Gemüll hab ich mir rausgenommen und unter der Lupe betrachtet (hatte leider kein Mikroskop oder zumindest Binokular): da war was los! Ein echtes Biotop!! Und das trotz Säurebehandlung!


    Daraus resultierte dann die Überlegung, dass in gesunden, starken Völkern der "Müll" nicht schadet, sondern evtl. ihre Gesundheit und Stärke sogar fördert. Ich habe deshalb eine kleine Portion des Gemülls in die neu aufgestellten Magazinbeuten gegeben (der offene Gitterboden ist bei mir in der Grundfläche ETWAS kleiner als die Innenfläche einer Zarge, auf den Rand habe ich deshalb das Gemüll gebröselt). Ob das den Völkern nützt, kann ich nicht sagen, ich sehe jedoch auch keinen objektiven oder auch nur subjektiven Schaden daraus. Die Damen strotzen vor Vitalität, sammeln und brüten fleissig. :p


    Also: kein Aufruf es nachzumachen, ich werde allerdings dabei bleiben, einen Teil des Gemülls VOR einer Säurebehandlung zu entnehmen und ihnen diesen Teil NACH der Behandlung wiederzugeben:wink:


    Dabei werde ich aber einfach das Gemüll am Rand der Bruträume einfach reinbröseln und hoffen, dass genug unten am Rand des Bodens ankommt, für eine "Beimpfung", nicht nur mit "Getier", sondern auch mit Mikroorganismen sollte es reichen. Zur Sicherheit auch nicht das Gemüll der Völker vermischen. Und mir ist auch klar, dass ich das nur machen kann, weil ich wirklich eine überschaubare Zahl an Völkern betreuue....:wink:


    Viele Grüße,


    Andrea

    Lernen als Lebensziel... Du lernst jedoch mehr, wenn Du Umwege zulässt!

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  • Hallo Andrea,
     
    ich kann Dir in Deinen Beobachtungen nur beipflichten! Ich glaube, dass insgesamt (ob in der Medizin oder Landwirtschaft) die "Erregertheorie" leider die "Milieutheorie" völlig verdrängt hat. Die Erreger bekommen dann quasi magische Fähigkeiten der Ansteckung. Ein jeder von uns kann aber bei sich selbst die Beobachtung machen, dass wir uns eben nicht immer anstecken, sondern dass wir dazu eine gewisse Immunschwäche, eben ein für den Erreger geeignetes Milieu brauchen.
     
    Ganz praktisch eine Erfahrung: Ein jeder Aquarianer weiß, dass ein Aquarium lange braucht, bis sich genug Mikroorgansimen angesammelt haben. Ohne diese brechen Krankheiten der Fische und Algenwuchs herein. Mit jedem Kauf von Fischen bringen wir Massen an Krankheitserregern in unser Becken. In der Einlaufzeit des Aquariums führt das dann auch regelmäßig zu Verlusten. Zur Zeit kann ich in mein Aquarium reinsetzen, was ich will, das Milieu hält die Krankheiten in Schach. Man darf einfach nicht zu oft den Filter wechseln und der Bodenschlick wird auch nicht abgesaugt!
     
    Als ich letztes Jahr umzog, musste ich das Aquarium leeren. Also habe ich mir Teile des Bodenmaterials aufgehoben, um den neuen Bodengrund zu impfen. Auf eine Filterreinigung habe ich wohlweißlich verzichtet. Ergebnis: keine Einlaufphase, keine Algen, keine Krankheiten.
     
    Deshalb finde ich Deine Idee mehr als gut! Vor den "Erregern" habe ich keine Angst, die Erreger sind nämlich immer schon da! Aber vielleicht gehören die Sympioten zum Immunsystem der Bienen dazu?
     
    Viele Grüße,
     
    markus

  • Nabend Andrea und auch Grüße an Markus.
    Ich finde das ein sehr spannendes Thema, das aber aus "hygienischen" Gründen
    vernachlässigt wird.
    Der Denkfaden ist logisch.
    Ziehen doch alte und leicht vermottete Waben mit ihrem Geruch die Bienen magisch an,
    eher als frische sterile Mittelwaben.
    Das hat was für sich.
    Und das die Bienen überall propolisieren und fast steriler arbeiten als eine Oberkranken-
    schwester, --dem kann man beruhigt glauben.


    Die Windel ist ja nicht immer untergeschoben und ich habe sowieso das Gefühl, daß sich
    unter dem Gitterboden das meiste abspielt. An Mikroorganismen.
    Einfach nicht mehr saubermachen. Und wenn keine Milben auf der Windel sind, dorthin
    abkehren, damit sie Futter kriegen. Denk ich mal.
    Danke, Andrea, für dieses Mosaiksteinchen für eine artgerechte Bienenhaltung.
    Liebe Grüße, Bienudo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Guten Abend,


    ich habe gerade angefangen neue Böden zu bauen, hohe, zum wanden. Die werden keinen durchgehenden Gitterboden bekommen, sondern nur einen Streifen, zur Belüftung beim wandern. Im Winter wird der Boden mit einer Platte ganz verschlosssen.
    Für mich ist die Reinlichkeit des Volkes ein Auswahlkriterium! Ich will sehen was sie selber schaffen.
    Das "Milieu" halte ich auch für extrem wichtig, obwohl ich, zumindest bei Bienen, nicht viel darüber weiß. Da besteht noch viel Forschungsbedarf. Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf der Diskussion!
    Grüße!
    Nikolaus

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  • Hallo,
    ich greife das Thema mal wieder auf, weil ich just über die Diskussion über den Bücherskorpion gestolpert bin. Einerseits finde ich die Milieu-Überlegungen durchaus stichhaltig, das erste Mal war ich bei Michael Bush darauf gestoßen und habe in der Zwischenzeit hin und wieder was darüber gefunden (leider oft mit wenig präzisen Angaben zu den ganzen Gemüll-Mitbewohnern). Andererseits haben doch vor dem Aufkommen der Varroa-Milbe in Europa alle mit geschlossenem Boden und ohne Säure geimkert, das heißt von der Milieu-These her traf die Varroa auf vitale und widerstandsfähige Völker mit intaktem Milieu. Trotzdem hat sie einen Siegeszug ohne Gleichen hingelegt. Wenn man also heute versuchen würde, die ganzen kleinen Mitbewohner erneut in die Bienenbeuten reinzukriegen und nicht mit jeder Säurebehandlung mitzukillen, dann würde ich insgesamt wenig Erfolg davon versprechen, weil man nur die Situation herstellen würde in der sich die Varroa schon einmal durchgesetzt hat.

  • Und wieder einmal wird die Thematik von nur einer Seite betrachtet. Das genügt nicht. Der Bien möchte rundum renaturiert werden...
    Es heißt nicht umsonst: der Bien. Da lebt nicht nur die Biene! Auch die kleinen Zellen schreiben von Mitbewohnern...


    Es wird von allen Richtungen auf den Bien eingehämmert. Varroazide, Insektizide, Monotone Landschaften --> Nahrungsangebot!, falsche Betriebsweisen, häufige Störungen, Strahlungen... :evil:

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)


  • Uf, das ist doch eher Mumpitz aus 1001 Nacht.


    Bienen dulden keine anderen Tiere in ihrer Behausung. Sie bekämpfen jeden und alles, versuchen es jedenfalls. Von Skorpion bis Braunbär wird alles vertrieben.


    Und die Tiere, denen es tatsächlich gelingt einzudringen (Wachsmotten, Pollenmilben, Bienenläuse, Varroen, Beutekäfer) sind allesamt Schädlinge.
    Gruß
    KME

  • Uf, das ist doch eher Mumpitz aus 1001 Nacht.


    Bienen dulden keine anderen Tiere in ihrer Behausung. Sie bekämpfen jeden und alles, versuchen es jedenfalls. Von Skorpion bis Braunbär wird alles vertrieben.


    Und die Tiere, denen es tatsächlich gelingt einzudringen (Wachsmotten, Pollenmilben, Bienenläuse, Varroen, Beutekäfer) sind allesamt Schädlinge.
    Gruß
    KME


    Weiteres Zitat von Kai (Nordbiene) aus https://www.landlive.de/boards/thread/38258/page/1/


    Zitat

    Natürliche Feinde der Varroa
    Milben haben natürliche Feinde. Dies sind hauptsächlich Skorpione. Pseudoskorpione. Zwischen 2 und 5 mm groß.
    Bislang sind 3.000 Arten bekannt, weltweit dürften aber 30.000 Arten vorkommen, und fast alle ernähren sich von Milben. Und die meisten von ihnen nutzen Fluginsekten als Transportmaschinen.


    Da muss es doch eine Skorpionart geben, die Varroen zum Fressen gern hat.


    Meiner Meinung MUSS hier die Forschung ansetzen.


    Hast du bereits Ergebnisse erzielt, oder wie kommst du zu diesem Sinneswandel. Aus welchem Grunde sollen Bienen denn Bücherskorpione töten?


    http://www.bee-info.de/bienen-…harmlose-mitbewohner.html


    http://www.beenature-project.com/


    Lg


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

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  • Das erste Zitat schließt das zweite nicht aus; beide haben aber auch nicht viel miteinander zu tun. Im Gegenteil: das erste Zitat bestätigt inhaltlich das zweite, nämlich die Hoffnung auf ein Wunder, was sich aber nicht eingestellt hat und nicht einstellen wird.


    Man darf hier nicht Hoffnung und Tatsachenfeststellung gegeneinander ausspielen bzw. miteinander verwechseln.


    In den 2 Jahren zwischen den beiden Zitaten habe ich übrigens auch keinen Skorpion im Bienenvolk entdeckt; und auch kein anderes Getier, das die Bienen nicht versuchen zu bekämpfen. :wink:


    Nein: es gibt keine Tiere, die die Bienen in ihrer Behausung dulden.
    Gruß
    KME