Bienenimporte, Ermittlung von Zahlen zum Bienensterben

  • Das was sich wie Langeweile anhört, ist für mich Fakt.

    Der Satz meines Lehrmeisters: Haben die Bienen nichts zu tun, kommen sie auf dumme Gedanken, ist zwar sehr plump, aber trifft des Pudels Kern. Das hier noch andere Faktoren eine Rolle spielen ist klar

    Das ist dann eine bloße Vemutung, die sich nicht beweisen lässt.

    Wenn andere Faktoren eine Rolle spielen, werden es wohl die anderen Faktoren sein.


    Hungerschwärme mal ausgenommen.

    Hat eigentlich jemand mit unseren heutigen Bienen schon mal einen Hungerschwarm erlebt? Ich halte das für ein Verhalten, das bei unseren heutigen Züchtungen nicht mehr zu finden ist.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • WFLP Ich gehe auf die Frage ein, ob ich schon einen Hungerschwarm erlebt habe. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht genau.

    In diesem Jahr ist beim Nachbarn durch einen BSV ein Volk saniert worden. Dieses Volk hatte eine interessante Vorgeschichte und man hätte vielleicht anders gehandelt, wenn der BSV davon gewusst hätte.

    Der Imker hatte einen Fehler gemacht. Das ASG lag nicht richtig auf und er wollte gerne auf einem BR imkern. Die Königin ist aber im oberen eigentlich Honigraum gelandet. Da er nicht besonders oft in das Volk schaute, war nach 4 Wochen mindestens klar, dass da etwas nicht passte. Der dritte Raum wurde nicht angenommen.


    Als man mich dann fragte, ob ich mir dieses merkwürdige Volk ansehen könnte, stellte sich mir ein Bild dar, was ich so nicht vergessen werde.

    Der eigentliche Brutraum war mit frischen Honig befüllt, nicht verdeckelt. Keine Brut.

    Das Absperrgitter hatte er irgendwann korrigiert. Er sagte, dass wohl eines der Rähmchen hoch gestanden habe.

    Die zweite Zarge war voller verdeckelter Brut, keine offene Brut. Viele verdeckelte Weiselzellen und die Königin. Und viel verdeckelter Honig.

    Die dritte Zarge war nur mit wenigen Bienen belaufen.


    Ok, schwierig fand ich. Am liebsten hätte ich einen Königinnenableger gemacht.

    Aber der Kollege meinte, dass er kein zusätzliches Volk haben wollte.

    Also Zargen umgesetzt, Weiselzellen gebrochen und Platz geschaffen.


    Erstaunlicherweise klappte es sogar.... frische Brut wurde angelegt und ich dachte, Kuh ist vom Eis.


    Aber man soll nicht denken. Der Imker fuhr nach 2 Wochen in den Urlaub für 2 Wochen ohne Ehefrau. Da berichtete die Ehefrau, dass in der Zeit des Urlaubs, plötzlich viele Bienen geflogen seien.... ein Schwarm?


    Sicherlich, Weiselzellen, aber keine Königin mehr, laut dem Imker, als er wieder aus dem Urlaub zurück war und Volk war deutlich weniger stark.


    zirka 10 Tage später wurde das Volk saniert.

    Wahrscheinlich mit einer Jungkönigin.

    Es wurde aber vom BSV gesagt, da wäre keine Königin.

    Der Imker bat mich um eine neue Königin. Ich gab ihm eine aus einem Wirtschaftsvolk in voller Eilage ein Jahr alt.

    Aber ich sagte, bitte erst nochmal nachsehen, ob nicht doch eine Königin vorhanden ist.


    Tja, Ende der Aktion nach 3 Tagen Hungerkur wurde das Volk in einer neuen Beute mit neuen Waben über eine Futterzarge gefüttert. Trotzdem fand sich plötzlich ein Schwarm keine 20 Meter von der Beute von einem anderen Imker eingefangen, ohne gezeichnete Königin.


    Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Hungerschwarm ist, der da geflogen ist. Aber es waren natürlich ältere Bienen in der Sanierung, da kaum frische Brut geschlüpft war in der Zeit und wahrscheinlich sind sie mit ihrer Jungkönigin ausgeflogen. Ich kann mir die Sache nicht gut erklären, da bei mir die Sanierung immer problemlos vollzogen wurde.


    Aber sonst habe ich noch nie einen Hungerschwarm erlebt.

    Im Winter können mal die Bienen einen Futterabriss erleben.

    Und auch ein Ableger kann mal beräubert werden ohne das das Volk direkt angegriffen wird. Doch auch dann finden sich die Bienen am Platz des Geschehens.


    Bitte nicht über den Imker urteilen. Er hat jetzt keine Bienen mehr.

  • Jepp. So gleiche ich in der Saison auch mal Völker aus, wenn mir der Druck zu hoch scheint, oder halt bei der Rapsernte (dann, was unter den Fluchten sitzt).

    Mit der Variante habe ich recht schmerzhafte Erfahrungen gemacht :-)


    Aber: Ich wünschte mir hier im Forum mehr Informationen wie diese, über Arbeitsweisen, Völkerführungsdetails etc. von Erwerbsimkern, oder jenen mit +50 Völkern. Ist ja schön, dass wir ständig über 1-Waben Ablegern diskutieren, aber mich interessieren so Sachen wie Schwarmmanagement bei 100+ Völkern im Raps, oder Varroakonzepte, wenn man nicht nur 4 Kisten im Vorgarten stehen hat etc.


    Das es ein Entwicklungsplataeu gibt, und welchen Zustand Völker für den Raps haben sollten (und warum), war mir überhaupt nicht bewusst. Solche Informationen würde ich gerne viel öfters lesen.


    Grüße

    Ralf

  • Das es ein Entwicklungsplataeu gibt, und welchen Zustand Völker für den Raps haben sollten (und warum), war mir überhaupt nicht bewusst. Solche Informationen würde ich gerne viel öfters lesen.

    Ich würde das nicht überbewerten 😂


    Ich hab die Erfahrung gemacht, das Völker in der Aufwärtsentwicklung am produktivsten sind und am wenigsten Arbeit machen. Sprich, man hängt denen 'ne Karotte vors Maul, die sie nie erreichen, weil der Imker immer wieder 'ne Leerzarge zwischen Brutnest und Honigkappe packt usw. - aber ganz doof sind die auch nicht, und je nach genetischer Disposition kommt der Punkt früher oder später, wo sie feststellen, eigentlich reicht es, und auf Vermehrung umschalten. Die guten Herkünfte ziehen dann Zellen, fressen die aber immer wieder aus. Den Zeitpunkt hätte ich gerne im Raps, aber erst so spät wie möglich. Ideal wäre am Schluß, weil dann hab ich den max. Sammelpower in der Tracht und danach ernte ich ja eh Honig und Bienen. Aber wie Mindelsee so richtig schreibt, grau ist alle Theorie :)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich wünschte mir hier im Forum mehr Informationen wie diese, über Arbeitsweisen, Völkerführungsdetails etc. von Erwerbsimkern, oder jenen mit +50 Völkern.

    Damit kann ich zwar nicht dienen, aber ich bin dazu übergegangen die Völker nicht bis zur letzten Spitze der Größe auszureizen um Zeit zu sparen. Lieber etwas kleiner, allerdings keinesfalls klein. Das gibt dann zwar erhebliche Einbußen beim Provolkhonigindex, beim Proarbeitsstundeindex liege ich da aber, glaube ich, erheblich besser. Die letzten Jahre hatte ich nur sehr wenig Schwarmstimmung in den Völkern. Mit einem vollen 10er Zanderbrutraum kommt man (ich) ganz gut zurecht.

  • Lieber etwas kleiner, allerdings keinesfalls klein.

    Hier fehlen mir ein paar Details :-)

    Aber darum gehts in diesem Faden ja nicht.


    Nur so als Idee: Wie wäre es mit einem Faden, wo jeder, der sich traut, mal so seine für ihn/sie wichtigsten Kniffe der Betriebsweise kurz vorstellt? rase 's Völkerführung zum Raps könnte so etwas sein, oder wenn jemand etwas hat, das für ihn sehr gut funktioniert, was auch für andere nützlich sein könnte, aber möglicherweise sonst eher unbekannt ist (ich habe z.B. ein System zur langfristigen Bewertung von Königinnen, welches ausschließlich visuell funktioniert). Oder ich könnte etwas dazu schreiben, warum ich auf den Nicot Fütterer schwöre. Das sind nur beliebige Beispiele, aber ich suche immer nach erfolgreichen Details, die andere Imker anwenden, auch um selber meine Völkerführung/Betriebsweise zu verbessern - und ich lerne gerne von anderen.

  • Hallo,


    das kommt doch darauf an wieviel Milbeneintrag Du hast.

    Stehen die irgendwo in der Pampa mit 10 km Radius bienenfrei, schaffen Sie es ansonsten ohne (Hygieneverhalten vorausgesetzt).

    Stehen die 100 m neben einer Milbenschleuder wird's selbst für VSH-Genetiken manchmal unnötig eng.


    Grüsse vom nebeligen Mindelsee


    Michael

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen

  • Ja, wir haben KS/Brutablegerstände die mit einmal MS funktionieren.

    Die werden en bloc gefüllt und danach nichts mehr rein/raus bewegt.

    Bei VSH-Genetiken sparen wir uns die MS ganz.

    Die brauchen weder Milbenbehandlungen noch Winterfütterung.


    Ja, wir haben auch KS/Brutablegerstände da funktioniert das nicht (Südbaden hat eine sehr hohe Bienendichte) - die brauchen sogar beides: Milbenreduktion und Winterfutter.


    Ob Dein Stand dafür geeignet ist und ob Deine Betriebsweise eine homogene Schwesterngruppe etc. erlaubt, das musst Du selbst herausfinden.;)


    Grüsse vom sonnigen Mindelsee


    Michael

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen