• Hallo miteinander,


    hätte da eine Frage.
    Letztes Jahr war ein im Vorjahr völlig unauffälliges Volk, nach der Auswinterung sehr aggressiv. Bei Annäherung näher als 2 Meter vor das
    Flugloch wurden sofort Angriffe geflogen.
    Die Aggressivität lies übers Jahr deutlich nach lag aber immer etwas
    über der der anderen Völker.
    Abschließend betrachtet scheint aber gerade dieses Volk das " beste " am ganzen Stand zu sein.
    Dieses Volk hatte von allen den besten Honigertrag.
    Über das ganze Jahr war der natürliche Milbenfall der Geringste , die Entwicklung des Volkes die Beste, die Volksstärke bei Einwinterung die Beste, nach Restentmilbung fiel nicht eine Einzige Varoamilbe.
    Bei der Restentmilbung waren in diesem Volk noch einige Drohnen zu finden.
    Beim verkitten der Beute war das Volk allerdings auch das fleisigste.


    Würdet Ihr ein solches Volk trotz der etwas größeren Stechlust als
    Zuchtmaterial für nächstes Jahr verwenden, oder geht tatsächlich
    die Sanftmütigkeit über alle anderen Kriterien?


    Gruß
    Schilling

    Es ist schwieriger ein Vorurteil zu zertrümmern, als ein Atom.

  • Ich würde es auf jeden Fall weiterführen und sehen, was sich entwickelt, auch bei Nachzuchten und Verjüngungen, dabei sehr gut beobachten und beschreiben.


    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Würdet Ihr ein solches Volk trotz der etwas größeren Stechlust als Zuchtmaterial für nächstes Jahr verwenden, oder geht tatsächlich die Sanftmütigkeit über alle anderen Kriterien?


    Das kommt ganz drauf an, was DU willst!
    Die Kriterien bestimmt der Imker immer noch selber, denn er ist es, der mit seinen Bienen zurecht kommen muß.
    Wenn du mit den Stechern leben kannst: Bitte, nehme es als Zuchtvolk.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Nabend zusammen,


    was Schilling beschreibt, ist genau das, was ich mir bei meinen Bienen herbeisehne.
    Ein auffälliges Völkchen, das wehrhaft ist und auch der Milbe trotzt.
    Das ist keine Zucht, sondern Auslese.
    (Das unterscheidet sich von Spätlese @ Weinkenner).
    Ich denke, das kann jeder an seinem Weinberg durchführen. Wenig spritzen, ab und
    zu das (Un)kraut mulchen und die Schädlinge in Schach halten.
    Schilling, ich wünschte, ich hätte so ein Volk.
    Und laß die Drohnen leben, sie geben das weiter, was du erlebst, nicht die Königin!!
    Beste Grüße, udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Ich hatte als Anfänger auch so ein Volk, genau wie Schilling es beschreibt, vermutlich infolge einer stillen Umweiselung im Herbst. Ich hab nicht nur nicht damit weitergezüchtet, sondern es abgeschwefelt (das würde ich heute wohl nicht mehr tun). Meine Bienen stehen mitten in einem Wohngebiet und Stechteufel sind da völlig unakzeptabel. Für mich als Hobbyimker ist die Sanftmut das einzige wirklich wichtige Kriterium bei der Zuchtauslese.

  • Meine Bienen stehen mitten in einem Wohngebiet und Stechteufel sind da völlig unakzeptabel. Für mich als Hobbyimker ist die Sanftmut das einzige wirklich wichtige Kriterium bei der Zuchtauslese.


    Hallo Borretsch,


    jeder Imker entscheidet nach seiner konkreten Lage und seinem persönlichen Gusto.


    Meine Völker stehen überwiegend weitab von einem Wohngebiet, so dass Stechteufel mir zwar die Arbeit erschweren, aber keinen Dritten belästigen würden.


    Deshalb würde ich probeweise auch von einem Stechteufel nachziehen, wenn das Volk die Varroenentwicklung überdurchschnittlich stark unterdrückt.


    Um herauszufinden, ob sich eine solche Eigenschaft vererbt, wie die Varroatoleranzzüchter es postulieren, muss man schon ein paar Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen.


    Schaun mer mal.


    Mit freundlichen Grüßen


    Rubikon

  • Moin!
    Ich habe auch so ein Schätzchen, nach KS mit Altkönigin wurde ein vorher sehr umgängliches Volk recht kiebig. Komischerweise nur wenn man beigeht: vor dem Flugloch rumlaufen, Gras schneiden (mit Handsense) alles ok, aber wehe man öffnet den Kasten, trotz Wasser oder Rauch wird man sofort von mindestens 50 Bienen angeflogen, 20 greifen bestimmt an.
    Das Volk hat aber mit Abstand den meisten Honig gebracht. Es war aber auch das einzige, aus dem nennenswert Varroen fielen. (Auch nicht viel, aber mehr als aus dem anderen Vollvolk am Stand)
    Irgendwie scheint nur das Verteidigungsverhalten verstärkt zu sein, nicht die Grundagressivität. Mal sehen, wie sie nächstes Jahr drauf sind..


  • Irgendwie scheint nur das Verteidigungsverhalten verstärkt zu sein, nicht die Grundagressivität. ..


     
    Das sieht der Drohn gerade andersrum!!
     
    Das was du beschreibst, ist das deutliche Zeichen eines Räubervolkes, Raubrittergehabe!!
     
    Frag mal Deine Bienen in der Nachbarschaft, was sie von diesem Bien halten:wink:
     
    Warum bildet der "Imker" sich ein, Verteidigungsbereitschaft hätte was mit Krankheitsresistenz zu tun:confused:
     
    Beobachtet doch Eure Kinder, Frauen, Mitmenschen, Haustiere, etc...
    nirgends wird es ein Anzeichen geben, dass der, der schnell mal austeilt, auch der Gesündeste ist.
    Vitalität zeigt sich auf andere Weise. Dafür sollte der Linga-Sharira gestärkt werden.
     
    Meinung
    vom
    Drohn


  • Irgendwie, wieder ein Fall in dem ich mit dem Drohn konform gehe (bis auf den letzten Satz :p). Muss sich der Reiner Gedanken machen?:u_idea_bulb02:

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Den letzten Satz hat der Rainer in seinem Zitat vom Drohn seinem Beitrag unterschlagen:wink:
     
    warum wohl fragt der Drohn?
     
    Es gibt menschliche Kulturen,
    mehr Menschen, als wir "Materialisten",
    hier auf Erden,
    für die das kein Fremdwort ist,
    das kleine Wort vom Drohn da oben:wink:
     
    Der
    Drohn
    schmunzelt

  • Nabend zusammen,


    Verteidigungsbereitschaft bei den Bienen muß nicht mit Aggressivität einhergehen.
    Nach meiner Meinung ist das wehrhafte Volk gesünder ("fitter") als andere, also
    wachsamer, vielleicht klüger, als andere. Vielleicht auch urtümlicher.
    Ich würde es bei meiner Standzucht bevorzugen.
    Warum sie Räuber sein sollten, verstehe ich nicht.
    Das erinnert mehr an menschliche Vergleiche, die auch angesprochen wurden, aber
    auf Insekten überhaupt nicht übertragbar sind.
    Beste Grüße, udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hi
    Es geht doch wohl um die natuerliche Verhaltensweise der Bienen. Sanfte Bienen sind doch Menschengemacht.
    Aber man kann halt alles drehen und wenden, nicht wahr lieber Drohn?


    gruss guenther

  • Lieber Markus,


    ich glaube, hier wird etwas verwechselt.


    Wachere Distanzbereitschaft (so würde ich das beschriebene Verhalten erstmal nennen) hat auf der einen Seite etwas mit besserer Abgrenzung zu tun (Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein!) und im zweiten Schritt vielleicht auch etwas mit besserer Integrationskraft - und das ist meines Erachtens das, woran es den meisten Bienenvölkern mangelt.


    Dies meint
    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21