Neuimkerkurs, was soll da rein?

  • Hallo, besonders Neuimker,
     
    wir hatten im Verein eigentlich immer genügend Mitglieder. Inzwischen sind in der letzten Zeit viele neue dazugekommen. Um sie zu integrieren wollen wir einen Kurs inn Sachen Grundlagen der Imkerei durchführen- Jetzt könnte ich durchaus so ein Programm entwerfen, doch frage ich mich, was ist für einen Anfänger wirklich wichtig ist. Bücher lesen können alle.
    Sollte er trotzdem das heute erlernte schriftlich bekommen. Sollte der Kurs möglichst "wertfrei" sein, in Sachen Bienenrassen, Bioimkerei, Naturbau. kleiner Wabenabstand, alternative Varroabekämpfung .......
     
    Also, was hast du in deinem Kurs vermisst, was muss sein? Wie sieht ein Kurs aus, bei welchem nicht vermisst wird.
     
    Unser Problem ist auch, die Kursleiter imkern beide in Dadant und dieses Maß sollte eigentlich nicht Grundlage des Kurses sein (Hallo Holmi).
     
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Herbert,
     
    verstehe ich das richtig, Ihr plant keinen normalen Anfängerkurs für Interessierte, sondern eine Grundlagenschulung für Neumitglieder, die bereits in die Imkerei eingestiegen sind, aber noch keinen Kurs besucht haben?
     
    Die Theorie würde ich grundsätzlich auf Grundlagen (Bienenbiologie, Königin-Arbeiterin-Drohn, Brutdauer, Schwarm, Ablegerbildung, Zucht/Nachschaffung, Krankheiten/Parasiten, Bienenseuchenverordnung, Standortwahl und -Suche, Honiggewinnung, Honigverordnung) beschränken. Wie Du schon schreibst, Bücher können die Leute selber lesen und Kaufen, da würde ich höchstens Buchempfehlungen geben, vielleicht das was Vereinsmitglieder besitzen zur Ansicht auslegen. Kursmanuskripte machen nur viel Arbeit und werden dann entweder doch nicht gelesen oder als Gebrauchsanweisung verstanden. Beides bringt nicht das, was man mit einem Kurs eigentlich erreichen will.
    Bei der Betriebsweise würde ich den Schwerpunkt auf das "gängige" legen, Alternative Formen verwirren meines Erachtens mehr als dass sie dem Anfänger weiterhelfen, sie sollten aber auch, vor allem bei Nachfragen nicht verschwiegen werden.
    Wichtig für einen Anfängerkurs ist das praktische Arbeiten am Volk, dass man möglichst alle Arbeiten einmal gezeigt bekommt und möglichst auch selbst einmal "unter Aufsicht" machen darf. Dadant ist da wohl nicht die allerbeste Ausstattung, mit DNM oder Zander ist es vermutlich etwas einfacher zu zeigen. Vielleicht findet sich ja ein Vereinsmitglied für den Praxisteil, der ein oder zwei "Lehrvölker" in einem gängigen Wabenmaß zur Verfügung stellen kann.
    Ansprchpartner für den Start in die eigene Imkerei, also Paten, sollten möglichst für alle Anfänger gefunden werden, damit die ersten selbständigen Arbeiten an den eigenen Bienen nicht zum Fiasko werden.
    Bei der Varroabekämpfung würde ich mich an das "offizielle" Konzept mit Ameisen- und Oxalsäure halten natürlich auch erwähnen, was es sonst so gibt. Bei Perizin und co. sollte auf jeden fall auf die Rückstandsproblematik hingewiesen werden.



  • Ich bin Neuimker seit März 2008 und habe mit einem Lehrgang begonnen, unbedarft und ahnungslos nur mit dem Interesse an Natur, Bienen, engagierte Beschäftigung.


    Gut war:
    - Wir waren höchstens 10 Teilnehmer, vier Bienenvölker wurden vom Lehrgang unter Anleitung des Imker"chefs" betreut, jeder kam bei allem dran.
    - Die praktische Erfahrung war sehr wichtig, selber eine Wabe ziehen, Stifte erkennen, Bienen abfegen, Zargen kippen/abnehmen, usw. Gut war auch, dass
    - eine Betriebsweise (ganz konventionell mit Segeberger Beuten) allein Gegenstand des praktischen Lernens (als Grundlage) war.
    - Die ersten eigenen Bienen parallel zum Lehrgang.


    Vermisst habe ich:
    - Mehr Kenntnisse erlangen über andere Betriebsweisen (mal Besichtigung machen, zeigen anderer Beuten ...) insbesondere Naturbau und artgerechte Bienenhaltung. Ich könnte mir auch einen Lehrgang "Durchs Bienenjahr mit der Warré-Betriebsweise" vorstellen, in dem dann wiederum andere Betriebsweisen als Kontrapunkte zur Kenntnis gebracht werden.


    Der Lehrgangsleiter sollte (natürlich!) die Betriebsweise und auch Einstellungen vermitteln, die er selbst vertritt. Das kommt am besten rüber, der Kurs wird nicht langweilig und wahrscheinlich werden auch differenzierte Sachverhalte gut klar gemacht. Darin sehe ich den Vorteil von "nicht wertfrei". Objektiv trotzdem - indem der Kursleiter deutlich macht, dass dies seine Wahrheit ist andere Wahrheiten auch zu würdigen sind. Vielleicht nicht immer ganz einfach.


    Soweit meine Empfehlung aus meiner frischen Erfahrung :Biene:



    Holbee

  • Ein Handout würde ich für gesetzliche Grundlagen empfehlen, denn dazu findet man selten ausreichende Erwähnungen in der Imkerliteratur und in meinem Kurs wurden einige Sachen auch nicht vermittelt.
    Ein Handout für die Grundlagen deckt meistens den vermittelten Umfang nicht ab und erübrigt sich eigentlich mit dem ersten eigenen Einstiegsbuch.


    Die Kursgröße und das Zielpublikum wäre vielleicht auch ein Kriterium. Ich saß mit 30-35 Leuten in einem Raum, da ich spät dran war auch ziemlich weit hinten und dort durfte ich mir dann Imkerlatein von meinen Nachbarn anhören. Dazu gab es dann noch Zwischenmeldungen von Leuten, die seit 100 Jahren Bienen und tonnenweise Honig hatten und alles besser wußten als der Vortragende, aber im Anfängerkurs saßen.


    Rückstandsproblematik und Wabenhygene waren bei mir auch kaum Thema. Krankheiten und Parasiten bei der Biene sollten entsprechend bebildert sein.


    Den Umfang des praktischen Teils würde ich von der Versorgung mit Paten abhängig machen. Falls auseichend vorhanden würde ich mich da an den Kurs orientieren, den ich besucht hatte. Bienenvolk öffnen, nebenbei natürlich Werzeuge und Arbeitsschritte erklären. Brutwaben zeigen und den Teilnehmern in die Hand drücken, damit man mal alles in echt gesehen hat. Ablegerbildung zeigen, fragen wer gestochen wurde und dann noch einmal Honigernte an ein paar Waben durchspielen.

  • In Anlehnung an Henry:


    Wer nicht in Dadant imkert, dem bringe ich das Imkern nicht bei.


    Sollte ich den Kurs leiten - er müßte die Dadantbeute zur Grundlage haben.



    (Will sagen: ich vermittle nur das, was ich wirklich kann. Deutschnormal oder Zander sollen die beibringen, die es selbst auch immer tun. Was spricht also gegen Dadant als Grundlage Eures Kurses, wenn Ihr selbst damit imkert?)

  • Hallo Thorben,
     

    Zitat

    als Allerwichtigstes!!! Eine Zwangsverpflichtung zum Lesen in diesem Topforum:daumen:.
    Grüße
    Thorben

    Ob das nützlich ist. Das könnte auch eher verwirren?:lol:
    Die Vorschläge sind schon super.
     
    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Johannes,

    Zitat

    In Anlehnung an Henry:
    Wer nicht in Dadant imkert, dem bringe ich das Imkern nicht bei.
    Sollte ich den Kurs leiten - er müßte die Dadantbeute zur Grundlage haben.


    Ein Imker sollte flexibel sein. Ich erzähle hier immer von dem armen Imker, welcher dringend vor 4 Wochen eine Königin benötigte und keine Buckfast nahm, weil sein Kursleiter ein Carnicalhalter war mit einem Reinzuchtgebiet von 1 km².
     
    Holmi hatte von mir die Auffassung, dass ich der Auffassung bin, dass man nur in Dadant imkern kann.
     
    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:


  • Kannst du mir (schön kurz wenn's geht) sagen, was du oder ihr an Dadant so toll findet? Ich weiß wirklich zu wenig darüber, soll also keine Provokation sein!


    Holbee

  • Hallo Herbert,


    ich wollte ja nicht sagen, daß man nur in Dadant imkern kann, sondern daß man die Sachen am besten unterrichten kann, die man selbst am besten beherrscht. :-)


    Wäre ich Henry und hätte hier Segeberger Beuten, hätte ich geschrieben "wer nicht in DNM imkert, dem..." usw.