Wesensgerechte Bienenhaltung

  • Hallo Leute
    Ich bin neu hier und habe auch erst mit der Imkerei begonnen. Ich merke aber schon nach so kurzer Zeit, dass ich mich eher für die wesensgerechte Bienenhaltung interessiere. Ich bin nicht auf den Honigverkauf angewiesen, will also nicht das letzte Kilo herausbekommen. Kann mir hier jemand helfen, wenn es zB. darum geht:
    Keine Mittelwände, kein Absperrgitter zu benutzen und nicht mit Zucker zu füttern?!
    Danke im Voraus
    Gruß Jörg

  • Hallo, Jörg,
    das Zuckerfüttern kannst du nur vermeiden, wenn du dich mit weniger Ertrag zufriedengibst, und früher im Jahr für dich beschließt, jetzt ist Ende der Ernte.
    Oder du kaufst Futterhonige zu von Kollegen, z.B. welche mit zu hohem Wassergehalt oder welche, die die nicht mögen (Goldrute ist hier sehr unbeliebt).
    Außerdem ist es empfehlenswert, für schlechte Jahre immer einen kompletten Wintervorrat auf Lager zu halten.


    Absperrgitter und MWs weglassen - das erfordert ein ziemliches Umdenken.
    Ich kriege keine vernünftigen Völker auf Naturbau als konventionelle Ableger mit Brutwabenmitnahme hin, das endete jedesmal im Chaos.
    Der Anfang meiner Völker ist immer ein Schwarm oder vorweggenommener KS mit der Alten, sofort auf Endgröße eingeschlagen und ab dem ersten Tag gefüttert.
    (wir haben es dieses Jahr in Volltracht mit zwei Naturschwärmen ohne Füttern versucht - es klappt nicht, sie können dann nicht genug bauen).


    Ein derart gestartetes Volk, was dann im nächsten Frühjahr rechtzeitig(!!!) die HR aufgesetzt bekommt, braucht eigentlich kein ASG, außer die üblichen 5%, die ihr Brutnest auf 3-4 Waben hoch-schmal bis unter den Deckel ziehen.
    Das ist lästig, aber irgendwie nicht auszurotten, und eigentlich kein Beinbruch.
    Du siehst ja bei der Ernte, welche Honigwaben bebrütet sind und läßt die halt drin.
    Die Bienen haben jedenfalls einen ausgeprägten, aber langsamen Raumerfassungssinn - normal ändert sich ja an der Höhle nix mehr nach Einzug des Schwarms.:wink:
    Alle Änderungen danach werden nur langsam wahrgenommen, deshalb ja mein ständiges Predigen, immer 1-2 HR mehr draufzuhaben, als man meint zu brauchen.
    Wer erst aufsetzt, wenn der oberste HR schon dreiviertel verdeckelt ist, hat verloren, denn da ist schon längst die Parole im Umlauf: "Wir sind fast voll, macht langsam..."


    Für die Schwarmzeit ist unter "vorweggenommener KS" und "Freiluft-KS" jede Menge hier zu finden.:wink:
    Insgesamt kann ich nur sagen, daß ich ohne MWs, ohne Zucker, und ohne ASG (ich besitze genau 1 für Experimente mittlerweile) ziemlich glücklich bin.
    Und meine Bienis auch.:wink:
    Nur komme ich (noch) nicht ohne Draht aus, bin aber mittlerweile bei Edelstahlsteckdrähten (Schweißbedarf, Stangenware), die um Klassen schneller zu setzen sind als das elendige Gefissel mit dem 0,5mm RollenDraht, UND jedes Ausschneiden problemlos überleben (1mm Draht schneidest du nicht durch).
    Sehr effizient das.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine
    Danke schon einmal dafür.
    Ich bin froh nicht der einzige zu sein, der über so etwas nachdenkt.
    Zu weiteren Fragen melde ich mich bestimmt. Mein Bruder betreibt in Kalifornien die wesensgerecht Bienenhaltung, allerdings gibt es doch deutliche klimatische Unterschiede. Darum kann er mir an der einen oder anderen Stelle nicht gut weiterhelfen.
    Ich leg mich jetzt auf mein ASG.
    Gute nacht
    Nochmal Danke Gruß
    Jörg

  • Hallo, Willi und Maja,


    das Forum ist so groß, ich helfe euch gerne unkompliziert weiter.
    Wenn ihr mein Profil anklickt, seht ihr, welche Gedanken ich trage.
    Vielleicht ist das hilfreich?!


    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Was ist denn wesengerecht oder artgerecht? Der alte Dzierzon hat einmal gesagt, wenn man alles naturgemäß machen will, dann muß man auch zu Fuß zu seinen Bienen gehen und darf nicht mit dem Wagen oder gar mit der Eisenbahn fahren. Die wirklichen Bedürfnisse er Bienen kennen wir so Richtig noch nicht. Das mit den Mittelwänden, dem Flüssigzucker, den Kunststoffbeuten, dem Umweiseln usw. hat auch was für sich. Aber Bienen im Körben halten, einen Trommelschwarm bilden und es tun wie die Alten machten Interessiert mich auch. Als Freizeitimker stehen uns alle Möglichkeiten offen.

  • Hallo Willi und Maja (Willi mochte ich immer lieber, lach),


    ohne nun auf wesensgemäß oder so einzugehen... ich war in diesem, meinem ersten Imkerjahr auch nicht auf Honig aus für mich selbst (auch wenn es nett wäre, zugegeben). Es war und ist (an warmen Tagen) ein Geschenk für mich, die Bienen beobachten zu dürfen. Ich habe zwei Völker in zwei selbstgebauten Warrekästen (mit ohne Mittelwände). Heuer habe ich keinen Tropfen Honig geerntet aber die Trachtsituation war trotzdem so, dass ich füttern musste.


    Weil einfach ringsum nicht genug zu finden war.


    Dafür setz ich mich nun ein (wie auch schon vorher, weil Artenvielfalt, reiches Pflanzenwachstum mein "Steckenpferd" sind), um Politik komm ich nun nimmer ganz drum drum.


    Keine starren Dogmen, ob wesensgemäß oder nicht wesensgemäß, hinguggen, drauf eingehen, was ist - ist mein Fazit aus dem ersten Bienenjahr


    Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere