Trachtunterschiede sogar auf kleinstem Raum

  • Moin


    Habe mich am Wochenende mal mit einem Kollegen unterhalten. Er hat seine Bienen etwa Luftlinie 3,5 Km von meinen entfernt stehen.
    Er hat einen richtig guten Eichen-Blatthonig geerntet.
    Boooaaahhh und Ich???
    Habe hier zwar ein paar Eichen rumstehen, da kam aber nix bei rum.


    Wollte ich nur mal loswerden, das selbst auf so kleinen Distanzen die Tracht so unterschiedlich sein kann.


    - Also doch bald Jahrgangs-Lagenhonig? -


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Ja, Patrick - Lagenhonig! Das ist die Möglichkeit für ambitionierte Kleinimker, sich ganz unbekannte, sehr aufregende Aspekte der Imkerei zu erschließen. Und gleichzeitig, einen ganz neuen Kundenkreis anzusprechen.


    Sehr, sehr selbstkritisch werden, was die Honigqualität anlangt. Mut haben, auch mal einen Stand aufzugeben trotz guter Erntemenge, aber mit nur mittelmäßiger Qualität. Oder ihn ein paar hundert Meter zu verschieben, weiter zu probieren, noch mal zu verschieben. Und so weiter.


    Ich habe 2 Stände im Abstand von ca. 300 m Luftlinie. Ich kann Dir mit geschlossenen Augen sagen, welcher Honig von welchem Stand kommt. Und Du würdest es auch schmecken, mit nur ganz kurzer Übung.

  • :lol: *voll unterschreib*
    Patrick, 3,5km sind schon WELTEN.
    Ich hab einen Außenstand, wo die Bienen aus Platzgründen in einem Karree stehen, und jedes Flugloch in eine andere Richtung zeigt - du kannst dort aus 9 Völkern 9 verschiedene Honige bekommen!
    Und nicht nur minimal verschieden, sondern wirklich heftig.
    Im Prinzip ist jeder Honig eines Volks absolut einzigartig, aber solange jemand alles hintereinander schleudert, ohne auch nur zu probieren, was von wem wie schmeckt, gibt es dann eben "nur" Sommerblüte im Mischmasch, und die Highlights gehen unter....
    Da bin ich mit meinem Wabenhonig doch im Vorteil :p

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabiene


    Habe ich das gerade richtig verstanden, das die Bienenvölker unterschiedlichen Honig einsammeln?
    Meinen Honig habe ich immer in einen Topf geschüttet, werde ihn von jetzt ab erst einmal probieren. Danke für den Hinweis.


    Gruß siggi

  • Hallo, Siggi,
    wenn du nicht grad in einem 100ha-Rapsschlag stehst: ja.
    Jedes Volk bringt ja auch eine andere Pollenmischung nach Hause als seine Nachbarn.
    Und die Unterschiede werden deutlicher, wenn an einem Stand NICHT alle Fluglöcher in die gleiche Richtung gehen, wenn sie freien Abflug haben.
    Bei meinen hier in den Baumnischen ist das z.B. wurscht, weil die erst 4m hoch müssen, und dann völlig frei in ihrer Richtungswahl sind.
    Und ich bedaure nur, daß ich nicht weiß, was ich da jeweils genau hab, aber eine Analyse pro Volk wäre dann doch ein bissel zu teuer...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich bin auch am überlegen, ob ich auf Neutralgläser mit eigenen Etiketten umsteige, um auf den Etiketten einfach mehr über meinen Honig "erzählen" zu können.
    Das wäre z.B. die Zusammensetzung des Honigs (lasse Analysen machen), das Erntejahr und den Standort, wo die Völker den Honig gesammelt haben.
    Ich verspreche mir davon einfach eine bessere Kundenbindung, da die Leute eine "Beziehung" zu dem Honig aufbauen können.
    Sie sehen, wo der Honig herkommt, was drinne ist und erkennen vielleicht sogar einige Blumen wieder, die sie selber im Garten stehen haben :wink:


    Außerdem kann ich so recht elegant die Frage der Kunden beantworten, warum der Sommerhonig diesmal anders geschmeckt hat als der Letzt. Da sie sofort sehen, wenn sie sich das Glas anschauen, aus welchem Jahr der Honig stammt und was drinne ist.


    Das einzige Problem für mich wird sein, eigene Etiketten entwerfen zu können ... Mit Grafik hab ich es leider nicht so.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo, Christian,
    bitte NICHT die grausigen Neutralgläser mit dem blöden Plastikdeckel......die unterscheiden sich nicht genug vom Vereinsglas.
    Die Sechseckgläser sind ebenfalls doof, weil in den Schultern immer eine winzige Luftblase bleibt.
    Die ideale Lösung hab ich auch noch nicht, aber aktuell tendiere ich zu klassischen zylindrischen Rundgläsern für den Tropfhonig, mit Twist-off-Deckeln (wenn mir Doc Snyder seine Quelle für weichmacherfreie Deckel verrät...:wink:).

    Zitat

    Das einzige Problem für mich wird sein, eigene Etiketten entwerfen zu können ... Mit Grafik hab ich es leider nicht so.


    Schalte mal für nen 10er ne Kleinanzeige im Lokalblatt - wahrscheinlich wirst du positiv überrascht werden.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich möchte hier gerne einmal ein Zitat aus dem Buch
    "Der Mensch und die Bienen" (S. 85)
    in die Diskussion hineingeben:


    "Im Versuch, die Phänomene der Honigbildung zusammenfassend zu betrachten, können zwei Qualitäten erlebt werden: So findet sich im Honig in gewissermaßen „geronnener” Form, in konzentrierter, auf den „Punkt” gebrachter Substanz die Blütenpflanzenqualität des Umkreis des Bienenstocks und zwar sowohl räumlich im Sinne Blütenvielfalt als auch zeitlich mit dem Verlauf der Blütenabfolge gesehen.
    Damit ist der Honig Abbild der Beziehung eines jeden Bienenvolkes zu seinem Umkreis. Darüberhinaus ist er Ausdruck der Fähigkeit des Organismus Bienenstock, den eingetragenen Nektar zu pflegen und ihn während der Reifungsaktivitäten mit eigenen Sekreten anzureichern.
    So können auch die Honige mehrerer beieinander stehender Bienenvölker, vom Imker am gleichen Tag geerntet, aber getrennt geschleudert, gepflegt und abgefüllt, sehr wohl in Aussehen, Farbe, Aroma und Konsistenz unterscheidbar sein.
    Was bedeutet der Honig für das Leben des Bienenvolkes?"


    fragt


    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Zitat

    Was bedeutet der Honig für das Leben des Bienenvolkes?


    Seine Geschichte, einmal der Vergangenheit, des Sommers - wie auch sein Wabenwerk, und zum zweiten seine Zukunft - von seinem Vorrat hängt sein Schicksal im Winter ab und ob es ein neues Jahr für das Volk geben wird.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Das war meine erste Erfahrung,
    4oder 5 Völker einzelt abgeschleudert,
    von weiß bis dunkelbraun,jedesVolk eine andere Farbe.
    Ich habe mich bei der Beschriftung der Gläser so was von zerfranzt,
    nur ein Beispiel:Maischleuderung,Volk 6,Standtort:Schmugglerstand,usw
    Dann fragt dich jemand nach Diesem weil der so toll war(waren ja grad mal 12 Glas)
    Habs bleiben gelassen
    Denn mit mehr als 5 Völkern und 3maligem Abschleudern geht es einfach nicht mehr.
    Dann noch 3 bis 4 Standorte,leider nein.
    Ich habe die Maischleuderung(Frühtracht)Juni(Blütenhonig)Juli(Sommerblüte).
    Aber von allen Völkern und Ständen zusammen.
    Wenn ich wieder kleiner werde,das es möglich wäre,würde ich nichts mehr verkaufen.
    und alles(für mich und meineFamilie) selbst behalten!!
    Und einst wird kommen der Tag!!
    Gruß
    Helmut

  • >Was bedeutet der Honig für das Leben des Bienenvolkes?<
    (Zitat -Der Bienenfreund)
    Neben Individualität das Wahrnehmen des eigenen Charakters. Vielleicht die Speicherung
    an eine Vorstellung von einer paradiesischen Urzeit.
    Nicht zuletzt Nahrung und Hoffnung.
    Vielleicht gibt es auch eine Verbindung zum Menschen, da der Bien mittlerweise vom
    Menschen abhängig ist.
    Also ein Produkt zu Erinnerung und Mahnung? An den Behüter?
    Ein Aufruf an die Beziehung zum Transzendenten?
    Ja, Zeus, der Bienenkönig und seine Schwester Demeter.
    Vieles in der Bienenzucht- und Haltung hat seinen Beleg in der Mythologie, wer sich
    dazu aufschwingen kann, erlebt seine Bienen ganz anders.


    Daß ich es nicht jedem recht machen kann, weiß ich auch.


    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo