Extensive Bienenhaltung möglich

  • Hallo, zusammen,
    dieses Thema betrifft wohl nur den "Durchschnittsimker" mit 6-9 Völkern,
    der gerade mal 3 Zentner erntet, der eher nur an den Wochenenden Zeit
    findet, "an die Bienen zu gehn".
    Weniger Arbeit an den Bienen und mehr Freude an den Bienen.
    Provokativ. Wie soll das gehen?
    I D E E N ?
    Ich meine, es geht.
     
    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Weniger Arbeit an den Bienen und mehr Freude an den Bienen.
    Provokativ. Wie soll das gehen?
    I D E E N ?
    Ich meine, es geht.


    Simple Antwort: Dadant.


    50% Arbeitsersparnis bei der Durchschau durch Umstellung von DNM auf Dadant.
    20% Arbeitsersparnis durch eine schwarmträgere, ruhigere Biene.
    -------------
    70% weniger Gefummel


    Macht unterm Strich, bei vorher 100% Freude am Bien:
    170% Freude


    Wenn das nicht Laune macht?!
      



    edit:
    hab vergessen die Zeit für's nicht einlöten der nicht vorhandenen MWs abzuziehen =;o)

  • checkboarding, nur noch honigkontrolle, ein Volk normal mit der Zuchtkönigin.


    Bei Honigernte, Bienen aus den Honigraum zu Kunstschwärmen verarbeiten. :-D
    :Biene:


    Werde das nächstest Jahr probieren.

    Micha aus Leipzig, Fliegen lassen ist wie anschaffen lassen!!! :-)

  • Moin, Christian,


    eigentlich vermeide ich ja Fremdwörter. Nur der Schlagzeile wegen.
    Ich definiere extensiv als das Gegenteil von intensiv.
    Intensiv heißt im Bezug auf Bienen, dauernd daran rummachen "MÜSSEN", wegen
    irgendwas oder irgendeiner Angst, daß es nicht klappen könnte, oder so.
    Extensiv bedeutet eher, die Bienen bestimmen selber (Mitbestimmung), sie wissen,
    was zu tun ist.
    Dafür müssen wir ihnen Raum geben, wir müssen Vorsorge treffen, daß sie weitgehendst
    selbst entscheiden können.
    Und dazu muß man auch Loslassenkönnen von alten Vorstellungen, obwohl ich auf die
    übervoralteren Zeiten gerne zurückgreife.
    Keine Mittelwände, keine Zuckerfütterung.
    Angesichts der Varroa, Milben gabs schon immer, aber noch nie waren die Bienen
    so überzüchtet auf Schwarmträgheit und Honigertrag, damit so krankheitsanfällig.
    Extensiv soll bedeuten, soweit wie möglich die Bienen ihren Weg finden zu lassen,
    unter unserer Obhut, die leider notwendig ist.


    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Moin, Arnd,
    verstehe ich richtig, nicht einlöten= Naturwabenbau?:liebe002:
    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • checkboarding, nur noch honigkontrolle, ein Volk normal mit der Zuchtkönigin.
    Bei Honigernte, Bienen aus den Honigraum zu Kunstschwärmen verarbeiten. :-D
    :Biene:


    Moin, Micha,
    du wirst feststellen, daß das dann so nicht funzt, es scheitert an zuwenig leeren Brutwaben und vollen (ebenfalls brutfähigen!) Futterwaben. Ich habe nie genug davon, und erst recht, seitdem ich Naturbau machen lasse.
    Aber mit Schwarmvorwegnahme mit der Alten bin ich hochzufrieden, ist genausowenig Arbeit.:wink:
    Und nur von einer Königin nachzuziehen ist nicht unbedingt schlau - man legt nie alle Eier in einen Korb.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...noch nie waren die Bienen
    so überzüchtet auf Schwarmträgheit und Honigertrag, damit so krankheitsanfällig.....


    Noch nie waren die Bienen außerdem solchen Pestiziden ausgesetzt, sowohl den systemischen Giften aus dem Pflanzen"schutz", als auch durch die Pestizide aus der Behandlung gegen die Varroa.



    Es ist in Betracht zu ziehen, daß die systemischen Pestizide wie die Neonikotinoide alleine tatsächlich nicht so bienengefährlich sein könnten, sondern erst in Kombination mit den Akariziden, den Varroabehandlungsmitteln, die tödliche und subletale Wirkung entfalten.


    Varroabehandlungsmittel reichern sich im Wachs und im Honig an, das lässt sich nicht absprechen und wurde in diversen Studien belegt. Auch bei Verwendung "natürlicher" und "organischer" Säuren liegt eine akarizide und insektizide Wirkung vor. Diese Wirkung reichert sich an mit dem Altern des Wachses, das Fass wird zum Überlaufen gebracht, wenn Clothianidin und Co zusätzlich zuschlagen.


    Eine tickende Zeitbombe.


    Die Frage nach einer extensiven Bienenhaltung ist also berechtigt und egal wie die Methoden und lokalen Lösungen aussehen, sie könnten ein Weg sein, diese Zeitbombe zu entschärfen.


    Viele Grüße,


    Bernhard


  • Hallo,
    Ich glaube nicht, daß der Wille allein Berge versetzt - auch sind Mittelwände und Zuckerfütterung nicht das Problem der Imkerei schlechthin.
    Es galt schon immer die Regel, etwas Honig bei den Bienen zu belassen - allerdings ist nicht jeder Honig für die Überwinterung gleichermaßen geeignet.
    Mit den Milben liegst Du total daneben, die gibt es hier zwar schon fast dreißig Jahre, es gab aber auch eine Zeit ohne Varroa.
    Da wo diese herkommen, stellen sie bedingt durch das Klima keine existentielle Bedrohung der Bienen dar - bei uns in Mitteleuropa schon.
    Wer's nicht glaubt wird über kurz oder lang vor leeren Kisten stehen und kann sich dann intensiv Gedanken machen, wo die Bienen wohl geblieben sind.
    Irgendwie ist extensiv hier auch nicht der passende Begriff - naturnah fände ich passender.
    Aber dann vielleicht auch wieder irgendwann im hohlen Baum ...


    Ne, mal im Ernst - entweder man will Bienen halten, mit allen Konsequenzen,
    oder man läßt die Bienen überhaupt in Frieden und wird Hobbyphilosoph.
    Grüße ralf_2

  • Hallo, Ralf,


    du hast schon recht, Zuckerwasser nehme ich nach wie vor, nur belasse ich viel Honig
    bezw. füttere mit einem Honiganteil.
    Mit den Milben, die es schon immer gab, meinte ich jetzt nicht die Varroa-Milbe, es gab
    und gibt auch andere Milben. Schon immer.
    NATURNAH ist GUT.
    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Moin,


    ich finde "naturnah" ziemlich abgegriffen und unpassend. Eine Holzbeute macht noch keine Naturnähe, wenn sie von den Maßen nicht taugt und eine Bienenhaltung ohne Wanderung kann eine Bienenqual sein, je nachdem obs Raps hat oder Gelbsenf oder eben nichts als Mais in der Nachbarschaft. Außerdem wird der Erholungseffekt für den Imker vergessen und es gibt so Rechenmodelle wie "Honig pro Arbeitszeit" oder "Arbeit pro Volk". Das ist jedoch alles theoretischer Müll. Denn jemand, der Ableger und Kunstschwärme verkauft, hat ganz andere Ziele als eben Honig. Und jemand der zum Bestäuben fährt, rechnet auch anders, als jemand, der seine Bienenreisen aus Honigertrag decken muß.


    Extensive Tierhaltung bedeutet immer nur, sich nicht intensiv um seine Tiere zu kümmern oder sich nicht kümmern zu müssen.


    Das geht bei Bienen ganz problemlos, denn bis auf die Varroabehandlung braucht uns das Honiggeflügel überhaupt nicht. Wir müssen nur hinnehmen, daß die Natur auch Verluste akzeptiert und als Selektionsgröße auch braucht und daß die Kriterien der Natur den unseren diametral entgegengesetzt sind. Mit naturselektierten extensiven Bienen will ich aber nicht arbeiten und auch nicht hobbyen. Denn die hätten kleine extrem aggressive Völker, mit wenig für die Völker sinnlosem Honigüberschuß. Dafür kleine Schwärme ohne Ende und Kittharz bis in die letzte Ritze und sie würden suspekte Subjekte verfolgen, bis zum Treffer, der dann deutlicher schmerzte. Wenn es nur um Bienenhaltung geht, dann wird sowas funktionieren. Nur ran kannste dann natürlich nicht und Schulklassen gleich mal garnicht. In Nachbarnähe kannste solche Bienen auch nicht beherbergen, wahrscheinlich nicht mal in Deiner. Dafür brauchste aber keine Fütterer und keine Mäusegitter nur öfter neue Reifen, wenn der örtliche Imkerverein, paar pragmatische Spinner beinhaltet, die glauben ihre Nachzucht-Stecher hätten was mit Deinem Bienenviehzeug zu tun.


    Extensive Haltung mit Bienen, die sich nicht gegen Wespen und andere Bienen verteidigen können, die ihr Brutnest über die Maßen ausdehnen im Frühjahr, die nicht kitten und die einfach nach ihrer Königin austerben, statt 20 Schwärme zu entlassen, die wehrlos in Mäusenähe den Winter aushalten müssen, das kann nicht gut gehen. Das ist eher Verwahrlosung. Wie sowas aussieht, kann man gut an verlassenen Bienenständen sehen. Da kommt nicht Natur und Idylle, da kommt Krankheit, Siechtum und Tod.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Naturburschen,


    Naturnah würde auch bedeuten viel sterben zu lassen. Neulich las ich von einem Volk, das am 12.08. sieben Schwärme abgab!! Einen Vorschwarm und sechs Nachschwärme. Was würde wohl in der Natur mit diesen Nachschwärmen passieren? Der Vorschwarm würde mit seinen 2kg wohl noch den Winter überleben. Werden die sechs Jungfern noch auf genügend Drohnen treffen? Wo die Grenze hier zu naturnah oder extensiv zu ziehen ist, ist wohl schwammig.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Die naturnahe und extensive Bienenhaltung leidet darunter, dass sich die wenigsten darunter etwas vorstellen können. Mit Verwahrlosung hat die naturnahe Imkerei jedoch nichts zu tun. Ich kann mich jeden Tag um meine Bienen kümmern und trotzdem naturnah imkern.


    Viel eher geht es darum, den Bienen größtmögliche Entscheidungsfreiheit zu lassen. Auch diese hat ihre Grenzen, aber diese können nach und nach ausgeweitet werden. Naturnahe Imkerei ist immer mit einer Weiterentwicklung verbunden.


    Die Interessen des Bien und des Menschen müssen meiner Ansicht nach nicht zwingend gegenläufig sein. Ich denke, bei der naturnahen Imkerei wird mit den Überschüssen gearbeitet, die aus der natürlichen Fruchtbarkeit und unmanipulierten Stärke eines Bienenvolkes resultieren. An diesen Dingen hat auch ein Bienenvolk Interesse.



    Die Selektion durch den Winter gehört meiner Meinung nach zur naturnahen Imkerei, denn die Selektion nach der das Leben / die Natur arbeitet ist ungeheuer vielschichtig und ändert sich ständig. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Lektüre des Buches "Return to Resistance" von Raoul A. Robinson (siehe: Return to Resistance als Buch zum Download (PDF) )


    Neben der Selektion durch den Winter gehört es zu den Aufgaben des Imkers, die gesündesten Bienenvölker zu vermehren. Dann aber nicht nach einem Stammbaum, sondern aus einer Population heraus. So wie im oben genannten Buch beschrieben.


    Ein weiteres Ziel der naturnahen Imkerei muss der Verzicht auf Pestizide gegen Varroamilben und andere Pathogene sein. Das ist natürlich ein hehres Ziel, doch es sollte schon so definiert sein. Denn nur ein gesundes Bienenvolk benötigt keine Medikamente und Gesundheit ist Grundlage für die natürliche Fruchtbarkeit, die wiederum Grundlage für eine naturnahe Honigernte ist. Ohne Gesundheit keine Ernte.


    Der größte Hemmer für eine naturnahe Bienenhaltung ist jedoch unsere ausgeräumte Landschaft und die Belastung der Gesundheit der Bienen durch Umweltgifte. Wie soll ein derart belastetes Bienenvolk unter solchen Umständen von selbst positiv entwickeln? Hunger und Gift sind keine guten Wegbereiter für natürliche Fruchtbarkeit. Mit dem Netzwerk Blühende Landschaft, mit den Bewegungen für eine saubere Umwelt wird jedoch Schritt für Schritt der naturnahe Weg gegangen.


    Vielleicht erscheint es zurzeit unmöglich, dass es eine naturnahe Imkerei geben kann, doch nur wer das Unmögliche wagt, wird das Mögliche erlangen.


    Viele Grüße,


    Bernhard