• Moin


    Ich habe am Montag (11.08.2008) meinen Sommerhonig in Gläser abgefüllt.
    Bis dahin stand der Honig im Hobbock.
    Beim täglichen Rühren im Hobbock konnte ich die letzten 2 Rührvorgänge schon ein "anziehen" des Honigs bemerken.
    Also schon so, das beim leichten Ankippen der Honig nicht sofort angefangen ist, die Oberfläche wieder waagerecht zu bringen.
    Nach dem Rühren war er wieder cremig, weich und gut fliessfähig.
    Also: abfüllen.
    Nun steht der Honig seit 2 Tagen im Glas und ist immer noch fliessfähig. Nix mit anziehen. Nicht einmal im Ansatz.


    Nein, der Honig im Glas steht fast in der Gleichen "Klimazone" wie vorher im Hobbock.


    Schon interresant, das ein Honig im grossen Gebinde sich anders verhält als im kleinen Gebinde.


    Auch weis ich das der Honig schon noch fest wird.
    Sollte nur eine Feststellung sein.


    Kennt Ihr auch noch lustige Phänomene mit Honig?
    Mir fällt da noch das "Weihnachtswunder" ein...


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo Patrick,


    Das Fließverhalten ist kein Anhaltspunkt zur Kristallisation.
    Der Honig ist dann zum Abfüllen gut, wenn sich kleinste Kristalle gebildet haben. Das ist eine optische Geschichte. Er sieht denn leicht opak (wie goldene Schleier) aus.


    Das, was Du beschreibst ist das tixothrophe Verhalten.
    Honig mit einem hohen Proteingehalt ist tixotroph.
    Das heißt:
    Steht der Honig einige Zeit, wird er steifer oder fester, eigentlich gelartig.
    Eine kleine Erschütterung läßt ihn sofort wieder flüssig werden.


    (Typisches Beispiel für Tixotrophie ist Ketchup. Der will nie aus der Flasche, wenn man diese kippt. Ein leichter Schlag oder gar eine Messerspitze kurz in den Flaschenhals stecken und schon saust der Ketchup raus)
    Tixotropie ist eine sehr interessante, aber auch komplizierte physikalische Eigenschaft.

  • Hallo Radix


    Das wie ich es nenne "Weihnachtswunder" passiert bei mir beim Rapshonig.
    Bis zu Wintersonnenwende ist der Honig meist recht hart. Danach wird er weicher und besser streichfähig.
    Warum das so ist... ich weis es nicht.
    Finde es nur immer wieder interressant.


    Hallo Radiolara


    Danke für das Hintergrundwissen.


    Interressant ist nur, das das tixotrophe Verhalten seit Abfüllung in die Gläser seit 3 Tagen nicht mehr auftritt...


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

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  • Interressant ist nur, das das toxitrophe Verhalten seit Abfüllung in die Gläser seit 3 Tagen nicht mehr auftritt...


    Das kann mehrere Ursachen haben, manchmal reichen winzigste Mengen Spülireste im Glas, etwas mehr Wassergehalt (durch hygoskopische Wasseraufnahme beim Befüllen), geringe Temperaturunterschiede oder der Beginn der Kristallisation.
    Aber 3 Tage reichen auch manchmal nicht um den gelartigen Zustand wiederherzustellen.


    Ich habe als Keramiker schon mit Gießton gearbeitet, der ist von der Konsistens erst so wie Jogurt. Da kann ich den Eimer schräg stellen, es bewegt sich nichts. Aber kaum gebe ich dem Eimer einen Klapps auf die Seite, dann ist alles so füssig wie Sahne. Um den Zustand "Jogurt" wiederzuerzeugen bedarf es aber oft zwei Wochen absoltuter Ruhe.


    Das Weihnachtswunder ist auch nichts Außergewöhnliches. Im Honig befinden sich Enzyme von den Bienen, einige davon sind in der Lage Mehrfachzuckern (meist fest, zu 4% bis 10%) in andere, einfache Zuckersorten zu spalten.
    Die Invertase zB spaltet Sacharose (festen Rohrzucker) in ein Glukose-Fruktosegemisch und das ist flüssig (siehe Apiinvert). Das dauert nur oft etwas, da der Honig kühl steht und eben fest ist.
    [Versuch: gib mal einen Tropfen Speichel in ein Schälchen mit festem Wackelpudding und laß es in Ruhe. Schau nächsten Tag nach und den Pudding kannst Du trinken)


    Mich tät aber interessien welche Tracht Du als tixothrop beschrieben hast. Das ist eigentlich recht selten. Meist nur bei proteinreichen Honigen wie Heide oder Buchweizen.

  • Hallo radiolaria


    Ich denke mal nicht, das der Sommerhonig mit einem Grossteil Kornblume tixotroph war.
    Denn beim Starten des Rührers wurde erst der Honig um den Rührer herum wieder "flüssig" und dann nach und nach der weitere Honig wenn er vom Rührer erfasst wurde.
    Das war mehr anziehen als tixotroph.
    Was auch immer war oder ist: es ist interressant.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
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    Guido Sklenar, 1935