Vergiftung oder...

  • ...doch eine Folge der Varroabehandlung?


    Hallo zusammen!
    Habe am Samstag bei meinen Völkern die Varroabehandlung mittels AS- Schwammtuch von oben durchgeführt.
    Heute fiel mir bei 2 Völkern auf, dass diese bis zu 100 tote, größtenteils junge Bienen mit weit ausgestrecktem Rüssel vor der Beute liegen hatten.:-(
    Meine Frage ist, da ein benachbartes Bohnenfeld vorgestern in die Blüte gespritzt wurde, ob (gerade schlüpfende?!) Jungbienen durch eine AS-Verätzung auch mit ausgestrecktem Rüssel sterben oder ob dieses Schadensbild eher für eine Vergiftung spricht?
    Und bis zu wievielen Tagen nach einer AS-Behandlung dauert es, bis die toten Bienen ausgeräumt sind?
    Bei einer Vergiftung würde es mich allerdings wundern, dass es hauptsächlich junge Bienen zu sein scheinen, die da tot vor die Türe geschmissen werden.
    Wäre super, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, da mir dieses evtl. völlig normale Phänomen bisher nie aufgefallen ist, was aber natürlich nichts heißen soll :wink:.


    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Ausgestreckter Rüssel ist IMMER Vergiftung, und junge Bienen sind es, weil das die Nektarverarbeiter sind, und das kontaminierte Zeug gleich mehrfach aufnehmen und wieder weitergeben beim Eindicken, also erheblich mehr aufnehmen als eine Flugbiene.
    Und Vollblütenspritzungen sind zu 95% Pestizide, da gehört der Bauer über's Knie gelegt!
    Soviel mal wieder zur Guten Fachlichen Praxis....:roll::evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hey Sabi(e)ne!
    Danke für die schnelle Antwort, aber was kann ich tun?
    Die Völker stehen auf ihrem Winterplatz und der bietet auch ein absolut gutes Pollenangebot bis in den Spätherbst hinein...
    Und ab welchem Ausmaß einer Vergiftung wird es kritisch für die Völker bzw. deren Überleben in ordentlicher Stärke, sprich Einwinterungsstärke?
    Wäre sehr dankbar für Tips und Tricks!


    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • ... ich auch. Das ist typisch. Die bepelzten Jungbienen sterben nicht vor und nicht nach dem Schlupf sondern dabei. Die hängen dann tot halb drin halb draußen und sie werden erst aus der Zelle befreit, wenn sie ganz tot sind. Innerhalb von etwa 2 Tagen werden sie beräumt. Sind es sehr viele, dann kann es sein, daß es länger dauert. Haben sie den typischen Babypelz auf dem Brustglied, dann sind sie noch sehr jung und dann sind sie keine bäuerlichen Vergiftungsopfer, sondern imkerliche Kolateralschäden.


    Zweiter Punkt ist die Frage, ob sich die Bienen sterbend ins freie begeben - indianermäßig, also noch bewegungsfähig ihre Vergiftung bemerken oder ob sie glaich als tote Trockene rausgezerrt werden ohne dabei noch zu leben.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • :roll: Natürlich ist es möglich, daß das "ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen" ist.
    Aber Vollblütenspritzungen sind nicht gegen Blattkrankheiten, sondern immer gegen Insekten.
    http://www.pflanzenschutz-check.de/ kann man so einiges nachgucken, meistens sogar mit Sicherheitsdatenblatt, aber erstaunlicherweise steht da nirgends die Bienenklassifizierung, auch nicht bei den Akariziden.
    Und ich hab ein neues Wort gelernt: "bioakkumulierbar"....:evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen!
    Also ich komme jetzt gerade von dem oben genannten Buschbohnenfeld und kann sagen, dass dieses Feld bzw. dessen Spritzung vermutlich nicht schuld ist an den toten Bienen. Das Feld wird nämlich zu keiner Tageszeit von den Bienen beflogen, so das Ergebnis meiner Beobachtungen und der Beobachtungen meiner Schwiegermutter in spe :wink:.
    Allerdings blüht momentan in einem ebenfalls kürzlich gespritzten Rübenacker ein schmaler Streifen einer ca. 1m hohen, gelb-orange blühenden Pflanze, die löwenzahnähnliche Blüten hat und dem Pollen zufolge momentan auch ordentlich beflogen wird.
    Mein Verdacht ist jetzt, dass die Jungbienen tatsächlich durch die AS gestorben sind und die z.T. vor den Beuten herumliegenden bzw. krabbelnden scheinbar älteren Bienen entweder tatsächlich Spritzungsopfer sind oder sie eines natürlichen Todes sterben.
    Wäre es eigentlich möglich, dass momentan im Verhältnis zum bisherigen Jahr mehr Altbienen abgehen, da sich die Völker im Moment gaaaaaanz langsam bereits verkleinern und das auch noch nicht völlig abgearbeitet aussehende Bienen, die sich auf der Suche nach Tracht totgesucht haben, sterben? Das würde mir dann nämlich die restliche sterbenden Bienen im Grase erklären, die übrigens keine verkrüppelten Flügel oder Ähnliches aufweisen.


    Gespannte Grüße
    Patrick


    P.S.:
    @ Henry: Diese Frage stelle ich mir auch, ob die Bienen den (natürlichen?) Tod erahnend die Beute verlassen und dann noch einige Zeit davor vor sich hin siechen oder krabbeln und dann sterben. Ob`s so ist weiss ich leider nicht, wüsste es aber gerne!

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

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  • Moin

    ... ob die Bienen den (natürlichen?) Tod erahnend die Beute verlassen und dann noch einige Zeit davor vor sich hin siechen oder krabbeln und dann sterben.

    Ganz einfach! nimm sie zwischen Daumen und Zeigefinger, drück drauf und Du weißt was los ist. Ausgeräumte Bienen sind in aller Regel schon tod, wenn sie beräumt werden und oft angegessen und trocken. Sie stechen nicht mehr. Sie sind mausetod, wenn man das bei Bienen so behaupten kann. Sind die auch noch Babys dann sind das die klassischen AS-Opfer. Krampfende krabbelnde Bienen, flüssigen Inhalts, die auch noch stechen oder mit dem Stachel drohen können, sind eher die, die selbst das Volk verlassen, um draußen ins Gras zu beißen uder die auf dem Rückflug vom Gifte nicht mehr in den Stock kommen oder gelassen werden.


    Bitte vergiß bei den Beobachtungen nicht, daß Bienen wenn sie ihre Toten entsorgen, diese durchaus weit weg transportieren können. Gerade bei den Jungbienen die beim Schlupf versterben, wird man viele nicht finden, weil sie weitab ins Gras fallen gelassen werden. Paar sterbende allerdings schleppen sich auch bei der AS-Anwendung gerade noch so ins Freie und geben dann den Geist auf. Diese werden allerdings zügig von der natur beräumt und es kommen keine nach, weil die Säre verdunstet ist und das Sterben damit zügig aufhört.


    Bei Vergiftung hat es keinen Zweck auf die Natur zu warten und die Seele zu schonen. Da stirbt es sich rund um die Uhr und die Beseitiger der vergifteten Bienen kommen nicht nach. Das sind oft drastische Szenen. Das geht soweit, daß die Völker - eigentlich knapp noch überlebensfähig - verbrausen mit voll offenen Fluglöchern, weil der ganze hohe Boden bis über das Flugloch von toten und sterbenden Bienen verstopft ist. Ich mußte da schon mal Vollvölkern die Böden ausschütten, weil die Leichen bis in die Wabengassen lagen. So darf das nach AS-Behandlung wirklich nicht aussehen. Und tut es auch nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Guten Abend, Henry!
    Also dann denke ich ist eine Vergiftung ausgeschlossen, zumindest eine starke, da nämlich alle Völker quasi besenreine Böden haben.
    Sitze gerade auf der Arbeit und konnte nicht mehr nach den Bienen schauen, bin jetzt allerdings schon relativ beruhigt.
    Werde das Geschehen aber weiterhin beobachten und mich ggfs nochmal melden.
    Dank und Gruß
     
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hab gestern auch Schwammtuch eingelegt und heute, als ich sie wieder rausgeholt habe, mir die Bienen angeguckt, die vor der Beut liegen (etwa 20 bis 30 Stück). Diese hatten auch fast alle den Rüssel weit rausgestreckt. Es ist also keine Vergiftung, sondern ganz klar auf die AS zurückzuführen, entwarnung :-)

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder