Behandlungskonzept mit Perizin

  • Hallo, da einige oder mehr der hier anwesenden Imker sicher mal mit Perizin gearbeitet haben oder immer noch arbeiten, würde ich gerne wissen, wie grundsätzlich ein praktiziertes (nicht theoretisches) Behandlungskonzept mit Perizin aussieht.
    Gibt es da auch Ameisensäure nach der Schleuderung oder wird/wurde Perizin als einziges Behandlungsmittel eingesetzt?


    Hintergrund: Ein mir bekannter Imker hatte mir zu meinem Imkereinstieg Perizin als Behandlungsmittel versucht nahe zu bringen. Ich erinnere mich nicht mehr exakt an seine Worte, allerdings meine ich, dass er nur von Perizin als Behandlungsmittel sprach. Quasi also nur von der Winterbehandlung. Bei meinem letzten Standbesuch waren auch nur Perizinfläschen zu sehen, keine anderen Mittelchen.
    Wird sowas praktiziert?

  • Ich erinnere mich nicht mehr exakt an seine Worte, allerdings meine ich, dass er nur von Perizin als Behandlungsmittel sprach.


    "Perizin schützt ganze Völker!", waren das seine Worte? Ein Konzept haben Perizinimker nicht, nur das Prinzip Hoffnung, dass die Völker es bis zur nächsten Behandlung im brutfreien Zustand schaffen und dabei etwas erwirtschaften sollen. In das Konzept des Herstellers passt Bayvarol. Zu einem Konzept gehört etwas mehr: sicherzustellen dass genügend gesunde Winterbienen entstehen. Und dazu gibt es schon reichlich erprobte Verfahren, nur mit einer Winterbehandlung ist es nicht getan.


    Gruß
    Simon

  • Moin Simon,

    ... Ein Konzept haben Perizinimker nicht, nur das Prinzip Hoffnung ...

    dasjanuma Bißchen pfrech. :wink: Es gibt durchaus eine sinnvolle Einbettung der Perizinanwendung und es gibt sogar Konzepte mit künstlicher Brutfreiheit. Bei mir ist es die Kombination aus AS-Schwammtuch in Spätsommer und Herbst und Perizin oder OS-Träufeln zu Silvester.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Kurzer Erfahrungsbericht von meinem Senjor (78):
    Letztes Jahr habe ich ihn gedrängt im Sommer schon mit Ameisensäure zu behandeln, da der Varoadruck sehr groß war. Darauf seine Antwort: Ich mach das wie jedes Jahr im November mit Perizin.
    Ich konnte Ihn nicht Überzeugen und außerdem sind es ja seine Völker.
    Anfang Oktober hat er mir berichtet - Jetzt sind es nur 5 von 10 Völker - Im November musste er nur noch ein Volk mit Perizin behandeln und im Januar dieses Jahres war keine Biene mehr da. Daraufhin hat er sich beim Imkerverein als imker abgemeldet und mir den Bienenstand übergeben.

    Grüßle vom Honigräuber aus dem Schwäbischen Wald-Bienen seit 05/2007 auf Zander

  • ... es gibt sogar Konzepte mit künstlicher Brutfreiheit.

    Ja, die Brutfreiheit hab ich ja schon erwähnt, denkbar wäre die Rotationsbetriebsweise, die Bienen sollten aber auch etwas erwirtschaften. Die Rotationsbetriebsweise bringt aber eher den Imker als die Bienen zum Rotieren. Vorteilhaft wäre dabei, dass das Perizin nicht unmittelbaren Kontakt zum Wachs hat. Die Aufwandsmenge an Wirkstoff ist bei künstlicher Brutfreiheit höher und der Wirkungsgrad der Behandlung geringer, also muss man zweimal pro Jahr mit dem Mittelchen ran. Die Brutfreiheit in das Konzept einzuführen hat was, "Teilen und Behandeln" funktioniert recht gut. Das wäre das Verfahren für den Perizinimker oder zukünftigen Oxalsäureimker.


    Gruß
    Simon

  • Moin,


    Inder Celler Rotation werden im Jahr nur die Jungschwärme periziniert, ganzlich ohne Wachs und dann die Abgetrommelten im Herbst. Wieder wachsfrei. Der Wirkungsgrad ist dabei sehr sehr gut, weil die wabenlosen Bienen aufeinander sitzen und sich putzen müssen und es für die Milben keine Verstecke gibt. Du hast Recht, das macht Arbeit und erspart eine Winterbehandlung auch nicht immer, aber es ermöglicht durchgängige Völkerentwicklung bis nach der Heide. Und wirklich superschöne starke Völker nach dem Winter. Ich vereinige inzwischen auch gerne wabenlos.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Reiner, wie oft in welchem Umfang bedeutet bei dir "immer" weisellos? Letztes Jahr war der Varroadruck hoch, die Brutlinge schwach und das Wetter während der Begattungszeit bäh, da hatte ich auch einige Ausfälle. Die Fluglinge werden immer was, im Vergleich zu dem Kunstgeschwärmel eine große Arbeitserleichterung. Dafür winterten die erfolgreich begatteten Brutlinge sehr ordentlich ein.
    Je früher die Teilung vorgenommen wird (Mitte Juli), desto besser; Anfang August ist oft schon zu spät. Meine Brutlinge sehen momentan gut aus und die Königinnen können sich bei diesem Wetter die Gatten ergattern. Für das "Manko" mit der ungeplanten Nachschaffung müsste noch eine Alternative her, obwohl die Königinnen ganz ordentlich sind. Es klappt auch noch im Brutling Königinnen zu ziehen, aber erst nach Zellenbrechen. Das Thema hat Variation.


    Gruß
    Simon

  • Inder Celler Rotation


    Die Inder würden sich beschweren hätten sie Varroaprobleme, für eine solche große Imkerschaft müsste das Konzept wirklich einfacher und auch durchführbar sein. Mich schauderts wenn ich den Aufwand und den Umgang mit den Bienen sehe, da muss doch Räuberei wie Hölle sein: Honigernte und Königin suchen. Hat denn das jemand strikt nach Anleitung mit mehr als 10 Völkern durchgezogen?


    Gruß
    Simon

  • Gut, ich bin mir mal ziemlich sicher, dass besagter Imker nicht rotiert und betend habe ich ihn auch noch nicht gesehen, deshalb würde ich es begrüßen, wenn wir beim Thema bleiben könnten.


    Von den Verlusten her scheint er nun auch kein Ausreißer nach oben zu sein, also "normale" Winterverluste. Aber es war eben immer nur die Rede von Perizin und Drohnenschneiden.
    Ich mache mir auch deshalb Gedanken, weil mal Ableger von mir in seiner Nähe stehen sollen. Was nützt mir nun gepflegte Ameisensäurebehandlung, wenn er erst Perizin im Winter verwendet?

  • Moin Simon,


    das ist wesentlich weniger streßig als Du denkst. Wenn Du ohnehin für Kunstschwärme ausgerüstet bist, dann flutzscht das. Die Bienen sind ja beim Kunstschwarmbilden wirklich weg und nicht wie die Bekloppten in der Luft.


    Ich hab sowas immer ohne Bienenflucht gemacht und die Bienen in den Eimer abgestoßen. Entweder siehst Du die Königin dabei auf einer Wabe rumrennen oder Du siehst sie im Eimer, und wenn Du sie da auch nicht siehst, dann muß der Schwarm beim Aufsetzen eben durch ein Gitter. Das ist ganz easy.


    Am allerbesten geht das natürlich zu zweit und wenn man im Geiste alle Handgriffe durchgegangen ist. Dann kann man sogar das Perizin schon zum Befeuchteln der Bienen im Eimer nehmen. Dann sind die gut durchmischt schon ehe die in die Schwarmkisten kommen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ... und betend habe ich ihn auch noch nicht gesehen...


    Das macht er dann wie viele Nichtimker, erst wenns Richtung Weihnachten geht. Eine einmalige Behandlung im Winter geht so lange gut, bis die Schadensschwelle im nichtbrütenden Volk überschritten wird. Die liegt bei 10% Befall, dann nimmt das Volk schaden.


    Gruß
    Simon

  • Moin,


    es gibt Berufsimker, die ausschließlich mit Perizin arbeiten und Verluste ganz planvoll einplanen und zwar bei den Altvölkern vor dem Abtrommeln. Das Funktioniert durchaus nicht schlecht und das mit genau einer Behandlung mit Perizin mitten im Winter. Das Wetter kann man aber nicht planen und die winterliche Brutlücke auch nicht und so schwanken die Verluste sehr stark. Wenn man damit rechnet, ganze Wagen neu aufbauen zu müssen im Frühjahr, die aber noch in eine späte Phacelia fährt und dann komplett abräumt und über winter den Wagen renoviert, dann ist das nur konsequent und durchaus wirtschaftlich.


    Ansonsten haben nicht ohne Grund alle Behandlungskonzepte Spätsommer- und Winterbehandlung. Denn da geht es darum alle Völker gesund in den Winter und wieder raus zu bringen. Perizin im Winter schafft da die nötigen Reserven für den Sommer. Retten kann man damit auch nichts mehr.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder