Rezensionen von richtig guten Honigen

  • Wir reden in diesem Forum von einem Lebensmittel, das in seiner geschmacklichen Vielfalt und seinen Qualitätsmöglichkeiten locker mit Wein mithalten kann. Nur scheinen wir das vor der nichtimkerlichen Welt geheimhalten zu wollen. Ich erinnere mich an einen der besten Sommertrachthonige, die ich je gegessen habe, er war von einem sächsischen Imker, ich glaube von 2004 unter dem Label "Frühsommerhonig". Die einzige Charakterisierung von Seiten des Imkers auf der Homepage war ein lapidares Wort, ich meine, "säuerlich" oder "fruchtig". Das war kein Scheffel, das war ein Bunker, der über das Licht gestellt wurde.


    Ich lade jeden ambitionierten Honigfreund ein, hier öffentlich zu machen, wenn er einem außergewöhnlichen Honig begegnet. Erzählt gern über die Imkerei, in der ihr ihn gefunden habt, über das drumherum, über das, was den Honig einzigartig macht. Bitte benennt, wenn irgend möglich, die Lage des Bienenstandes, von dem er stammt. Die Winzer reden ja auch von ihren Toplagen und nicht von "Rotwein 2008".


    Es gibt nur 3 Threadregeln:


    1. Keine Verrisse.
    Es geht um herausragende Honige, nicht um den Durchschnitt oder den Honig zum Abgewöhnen. (Trotzdem darf Kritik an Schwachpunkten natürlich sein.)


    2. Keinen eigenen Honig.
    Eigene tolle Honige kann man auch in anderen Threads loben.

    3. Keine Gefälligkeit.

    Und wenn der Imkerfreund, von dem man das Glas hat, noch so nett ist.


    Los geht's - viel Spaß!


    Johannes

  • Da es ja einen Anlaß für diesen Thread gibt, fange ich einfach mal an... :-D




     Aage Lund: 2008 Vandborg Søndermark, Sommertracht


    oder: Klee zum Abküssen...

    Vor allem fällt in Dänemark die geringe Honigschild-Dichte an den Straßen auf. Es dauert mehr als eine Woche, bis ich
    im Vorbeifahren das erlösende Schild sehe: "Honning fra egen bigård" - na endlich! Später werden es dann doch noch mehr, aber hier geht's um einen Honig aus diesem ersten Fang.


    Vandborg liegt im Nordwesten Jütlands so ungefähr zwischen Lemvig und Harboøre. Eigentlich sind es nur ein paar verstreute Bauernhöfe. Die offene Nordsee ist nicht mal 4 km entfernt. Hier wächst kein Baum hoch; wenn eine Gewächs es doch wagt, wird es vom salzigen Westwind gnadenlos schräg rasiert und gestutzt. Aage Lund, der Imker, zeigt mir hinter dem Hof sein mit viel Mühe hochgezogenes Wäldchen, eigentlich ein Gebüsch, damit die Beuten seiner 10-15 Carnicavölker nicht in der prallen Sonne stehen. Einige Eschen haben schon kapituliert, die meisten anderen Büsche und Bäume trotzen wacker und halten ihre grünen Zweige nach Osten.


    Die Frühtracht, hauptsächlich Raps, sei dieses Jahr fast völlig ausgefallen, und die kläglichen Reste wurden mit der Sommerernte mitgeschleudert. Eigentlich sei der Honig noch gar nicht verkaufsfertig, sagt Aage, und zeigt mir seinen blitzsauberen Edelstahlabfüller, in dem die Sommertracht aufs Kandieren wartet. Ich trotze ihm trotzdem eine Privatabfüllung ab, muß ihm zusichern, den Honig im Keller gut durchkandieren zu lassen und erstehe noch etwas vom 2007er Heidehonig; ein Teil der Völker wird nach der Sommerernte in eines der nahegelegenen jütländischen Heidegebiete gestellt.


     
    Links: Blick von einem Steinzeitgrabhügel nach Osten; am rechten Bildrand beginnt der Flugkreis des Heimbienenstandes Søndermark. (Vorn links entsteht mein Nachmittagskaffee).
    Rechts: Was dem Deutschen sein Einheitsglas, ist dem Dänen sein Einheitsbecher.


    Aage Lund erzählt, daß die Sommertracht weißkleebetont sei. Auch mir sind schon die herrlichen Kleebestände auf den Kuhweiden und Mähwiesen aufgefallen. Die übrige Sommertracht erklärt er mir auch noch, aber für die Pflanzennamen reicht mein Dänisch beim besten Willen nicht aus. Linde sei aber überhaupt nicht drin.


    Ich kann's natürlich nicht abwarten und probiere zu Hause gleich drauflos. Nicht fertig kandiert - egal, ich will's wissen. Und erhalte eine zärtliche Nachhilfestunde in Sachen Klee.


    Wer schon einmal die Bekanntschaft dieses kanadischen Kleehonigs aus dem Supermarkt gemacht hat, wird vielleicht das Klee-Vorurteil haben, das ich auch bisher hatte. Süßlich-schwer schlägt es einem beim Öffnen des Glases entgegen, und ebenso lasziv gibt sich der Honig im Mund.


    Und jetzt das. Nach dem Öffnen ist der Kleeduft da, ich erkenne ihn wieder - aber diese breite Aufdringlichkeit fehlt völlig. Der erste Löffel macht genau so weiter. Hell und freundlich, der Klee deutlich im Vordergrund, und dahinter eine Frische und Farbigkeit, die ich so nie erwartet hätte. Das schmeckt nach Sommerwind und blauem Himmel. Fruchtig, ja, säuerlich, aber nicht zitronig-minzig wie bei der Linde, sondern viel dezenter, und eher wie Klaräpfel. Der warme, aber nicht schwere Nachklang bleibt lange auf der Zunge und in der Nase. Wer ab jetzt in meinem Beisein etwas gegen Kleehonig sagt, kriegt was auf die Mütze. Nein - einen Löffel in den Mund.


    Stellt man sich den Kanada-Kleehonig als eine blondierte, grell geschminkte Dame in aufdringlichen Klamotten vor, so kommt dieser Honig daher wie ein skandinavisches Mädchen im Sommerkleid. Mit Sommersprossen. Wow.


    Wer diesen schönen Honig probieren will, kann das gern bei mir tun, wenn er zufällig durchs Ruhrgebiet kommt - so lange von der rasch schwindenden Menge noch etwas da ist. Bitte vorher anmailen. Adresse und Telephonnummer des Imkers kann man auch bei mir bekommen.

    neuerhonig.de

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  • Kommt einer Weinbeschreibung schon sehr nahe. Las so was mal über Rindfleisch von einer Bergalm. Die Winzer haben uns da an blumigen Beschreibungen einiges voraus.
    Uli

  • Ich bin wohl einer der wenigen die diesen Honig schon probieren konnten.Oben gesagtes kann ich nur bestätigen.Vielleicht hat ja jemand Lust in dieser wunderschönen Gegend Urlaub zu machen.Vielleicht sieht man sich sogar 2009 sogar vor Ort ...

    Grüssle aus dem Nordschwarzwald


    Lagerfeuer1971