Bienen durch Rohr einlaufen lassen

  • Ich spiele mit dem Gedanken, nächstes Jahr einen 2-Wabenschaukaseten aufzustellen.
    Der Standplatz liegt aber an einem stark frequentiertem Gehweg, daher würde ich die Bienen gerne durch ein Rohr wegleiten.
     
    Ich dachte, ich stelle den Kasten an die Front einer Holzhütte und wollte das Rohr in die Hütte leiten und am Dach raus.
     
    Geht so was und wie lang kann das Rohr sein, welcher Durchmesser und verträgt das eine Biegung?

  • Hallo Günther,
     
    im Winter hatte ich mal ein kleinen Schaukasten im Wohnzimmer.
    da hatte ich auch ein Rohr gelegt. (wie sich das anhört:roll:)
     
    Nach etlichen Versuchen macht ich folgende Erkenntnis.
     
    Je länger das Rohr, desto länger brauchen die Bienen um den Ausgang zu finden.
    Das Rohr sollte dunkel sein und nirgends anders Licht einfallen können.
    Rohre, die gerade nach oben oder unten gehen stellen eher eine Problematik dar.(Leichen und Dreck können schlecht heraustransportiert werden) Leichte Neigung und Knicke sind kein Problem.
     
    Der Bien besetzt das komplette Rohr mit Bienen um zu Sterzeln und Frischluft zu fächeln, deshalb ist am eigentlichen Ausgang eine kleine Öffnung (Mausesperre) sinnvoll.
     
    Das Rohr in meinem Versuch war ein 5cm Abflußrohr mit einem rechtwinkligen Knick und einer Gesamtläge von ca 30cm und keinem Gefälle.
    Der Bien hatte die Wächterinnen außerhalb des Rohres aufgestellt, das heißt, daß das Rohr als Teil Baus betrachtet wurde.
     
    80 cm bis 1 m ist etwa die die Länge, wo es schwierig wird mit dem Finden des Ausgangangs. (um dies zu erleichtern kann man in das Rohr vorher eine kleine Honigspur legen)
     
    Haben die Bienen den Ausgang einmal gefunden, dann benutzen sie den ziemlich schnell und zügig.
     
    Denke aber daran, daß in Kälteperioden, das Rohr schlecht von von den Bienen beheitzt wird und so manche Bienen im Rohr phlegmatisch werden
    und es dann leicht verstopft.

  • Hallo zusammen, hallo Günther,


    Günther schrieb:

    Ich dachte, ich stelle den Kasten an die Front einer Holzhütte und wollte das Rohr in die Hütte leiten und am Dach raus.

    Ob das funktioniert, kann ich Dir nicht sagen. Die nachstehend abgebildete Lösung funktioniert garantiert bis zu einer geraden Kanallänge von 2,20 m.
    So praktiziere ich es seit vielen Jahren bei mittlerweile drei von der Löwenzahnblüte bis in den Oktober besetzten Schaubeuten. Von gestochenen Besuchern weiß ich nichts.





    Es wird definitiv nur der Beuteneingang verteidigt. Am Ausgang des Kanals - auch bei dieser 'Kürze' - konnte ich niemals Wächter beobachten.
    Dort sieht man nur frei an- und abfliegende Bienen.



    Mit dem Ende des Kanals und einem Busch oder einer Hecke (oder auch einer Hauswand) kannst Du den Bienenflug sehr schön lenken. Vielleicht löst das ja schon Dein Problem und Du kannst auf die komplizierte Rohrführung verzichten.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Ich habe seit 4 Jahren einen Schaukasten Eigenbau im Inneren meines Bienenhauses für interessierte Kinder (Enkel mit Freunden, Kindergarten). Der Auslauf (Plastikgehäuse einer alten Laugenpumpe) befindet sich hinten an der Unterseite des SK, damit dieser schwenkbar ist. Mit einem Gummischlauch (Waschmaschine) ist das Ganze an ein transparentes Rohr ca. 0,8m angeschlossen, welches mit leichtem Gefälle durch die Wand nach außen verläuft. Dort befindet sich noch ein kleines Anflugbrett.


    Das Ganze funktioniert problemlos auch als Schlupf- und Begattungs
    einheit. Es dauert nach Besiedelung 2-3 Tage bis zur Annahme und wird außen am Rohr bewacht.


    Der Betrieb im Rohr bei Tracht ist für Kinder mindestens so interessant wie der SK selbst.

  • Hallo Günther,
    ich hab' vor einigen Jahren einen Kasten auf dem Dachboden ausprobieren wollen. Wegen der Dachschräge musste der etwas über einen Meter vom Dach weg stehen. Das Flugloch habe ich mit einem Kabelkanal (ca 10x5 cm), der etwa 1m lang war mit einem Lüfterziegel verbunden.


    Nach dem Aufstellen bzw. dem Freigeben des Eingangs kamen sofort Scouts (Schwarmpfadfinderbienen), flogen in den Kasten und fanden nicht mehr hinaus. Ca 30-50 tote Bienen war das Ergebnis. Ich brach den Versuch ab.


    Gruß
    Günter

  • Eure Versuche finde ich interessant.


    Daß es bei 'jagdterier' mit 80 cm etwa 2 bis 3 Tage zur Annahme dauerte, bestätigt auch meine Erfahrung,
    Ich hatte bis 1 Meter getestet, aber ab 2 Tagen nicht mehr die Geduld zu warten.


    Mir scheint, daß unsere Bienen als Einzellebewesen keine sonderlich clevere Orientierung in Bezug auf labyrintische Umwegen besitzt (anders als zB die Wespe)


    Dagegen sind sie im Kollektiv mit ihrer Kommunikationsgabe kaum zu überbieten.


    Ist nämlich ein Volk erstmal im Kasten und sucht den Ausgang, ist es eine Frage der Wahrscheinlichkeit wie schnell eine oder zwei Bienen diesen gefunden haben. Abhängig ist es von den Temperaturen, je wärmer und aufgelöster das Volk um so schneller finden sie den Ausgang.


    Ist der Ausgang aber ersmal gefunden, dann wird der Weg dorthin einfach stetig besetzt und stellt kein Hindernis mehr dar. Ein verlängerter Arm des Biens.


    Sowie ich 'guenter47' verstanden habe, hat er auf einen Schwarm gehofft.
    Ich nehem an, daß die Skauts den Kasten durch eventuellen alten Geruchsspuren gfunden haben, aber den fehlte dann als Einzelgänger der 'Rote Faden'.


    Interessant finde ich auch die Röhrensysteme , die durchsichtig sind.


    Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eine helle Stelle (kleine Öffnung ohne Durchkommen) in einem sonst dunklem Rohr eher störend ist. Die Bienen halten sich ständig an diesen hellen Stellen auf und wollen den Weg nach draußen nicht finden. Insbesondere, wenn hinter den hellen Stellen noch ein Knick kommt.
    Nach den Erfahrungen von 'Rudi' und 'jagdterier' ist aber ein komplett transparentes System wohl vollkommen unkompliziert.

  • Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eine helle Stelle (kleine Öffnung ohne Durchkommen) in einem sonst dunklem Rohr eher störend ist.

    So war das auch bei mir. Sehr gut ging es mit einem weißen Elektrokanal. (35*50mm) Den konnte ich täglich problemlos um einige Zentimeter verlängern, solange er abgedeckt war. Ich habe dazu einfach immer mehr Deckel aufgelegt. Hatte ich nur die Klarglasscheibe drauf machten die Theater und begannen im Kanal zu fliegen. Am Ende waren mit dunklem abgedeckten Kanal und eingelegtem Faserplattenboden als Laufweg 2m kein Problem. Damit verlagerte ich den Anflug weit vor meinen Balkon. Bewacht wurde vorn. Der Kanal war schon Stock.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Interessant finde ich auch die Röhrensysteme , die durchsichtig sind.


    Ne, sobald da irgendwo Licht ist, versuchen die Bienen zu fliegen - das klappt halt im Rohr nicht.


    ... hat er auf einen Schwarm gehofft...


    Naja, ich hätte auch nichts gegen einen Schwarm gehabt. Aber eigentlich wollte ich die Kiste schon selbst besiedeln und eben ausprobieren, ob das Imkern auf dem Dachboden funktioniert. Die Scouts kamen eher zufällig dazwischen und haben mich eben den Versuch abbrechen lassen.
    Vielleicht probier ich's irgendwann nochmal.


    Gruß
    Günter

  • Was passiert denn, wenn man auf diese Weise ein Volk im Winter "im Warmen" stehen hat?


    Funktioniert das?
    Oder versuchen die dann den Winter durchzubrüten? Dürfte ja nicht gehen, im Winter gibts ja keine Pollen.

  • Was passiert denn, wenn man auf diese Weise ein Volk im Winter "im Warmen" stehen hat?


    Funktioniert das?
    Oder versuchen die dann den Winter durchzubrüten? Dürfte ja nicht gehen, im Winter gibts ja keine Pollen.


    Ich habe das Volk ja im Wohnzimmer gehabt. Es war sehr klein, eher wie ein Ablegervolk und als es kälter wurde, kam ich kaum mit dem Füttern nach.


    Richtig problematisch wurde es, als es draußen zu kalt war zum Fliegen.
    Die Bienen sind immer schön fleißig morgens raus, aber klebten dann vollkommen träge in der Nähe vom Flugloch oder Umgebung. Schafften es aber nie mehr rein in den Bau. Es wurden sehr rasch immer weniger, konnten dann die Brut nicht mehr bedecken und sind auch nicht alt geworden. Die machten halt keinen Winterschlaf, was die Lebenszeit stark verkürzte, aber Nachwuchs konnte nicht mehr bebrütet werden.

  • Ich wollte Euch mal mitteilen, wie es mir ergangen ist.
     
    Ich hab die Version mit dem Elektrokanal von Henry gewählt, 40 x 60 mm.
    Allerdings hab ich gleich die ganze Länge genommen, 2,40 m.
     
    Die Bienen haben den Kanal anstandslos angenommen und krabbeln eifrig durch, geflogen wird darin nicht.
     
    Verteidigt wird der Ausgang des Kanals auch nicht.


    Allerdings wird der Kanal bei direkter Sonne sehr heiß, was ein fächerndes Bienenkneul zur Folge hat. Ich hab ihn jetzt von Außen mit Styropor isoliert, jetzt ist auch dieses Problem behoben.