Nach der Demo : Vorschläge bitte

  • Hallo,
    da die Demo ja erst der Anfang und nicht das Ende unserer Bemühungen sein sollte, möchte ich hier eine Brainstorming-Ecke für weitere Aktionen einrichten.


    Als wichtigstes Ziel sehe ich, ganz eindeutig klarzustellen, daß es eben nicht "nur" um die Bienen geht, sondern um die ganze Ökologie, und entsprechend auch alle Menschen betroffen sind, nicht nur Imker.


    Natürlich sind die Bienen unser Hauptinteresse, aber wenn wir uns darauf beschränken, sind wir nur eine von vielen Gruppen, die (Entschuldigung) "quaken und demonstrieren", angefangen von (Entschuldigung) Milchbauern, die höhere Preise wollen, bis zur Christopher Street DayParade.


    Es geht alle an, die leben und essen und trinken.
    Clothianidin ist sehr gut wasserlöslich, und wirkt systemisch, d.h., der Wirkstoff wird in der ganzen Pflanze verteilt, in den Säften, im Nektar und im Pollen.


    Steht jetzt am Feldrand eine Brennessel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß auch sie Clothiadinin abkriegt - was passiert dann mit den Raupen des Schwalbenschwanzes, der seine Eier dort abgelegt hat, und die die Brennesselblätter fressen?
    Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden auch sie geschädigt.


    In der Nähe nisten Meisen, sie schleppen für ihre Jungen täglich 500g Insekten und Larven an - wieviel vergiftete Insekten & Larven verträgt so ein Jungvogel?


    Um die Ecke wohnt ein Imker, dessen Bienen es teilweise nicht mal mehr bis nach Hause schaffen; viele verenden im Hühnerauslauf des Nachbar und die Hühner fressen sie.
    Kann man Clothianidin im Hühnerei schmecken?


    Zitat

    Die Menge dieser Bodenorganismen im sogenannten „Humuskörper" ist kaum vorstellbar groß. So enthält nur ein Gramm landwirtschaftlich nutzbaren Bodens ca. 600 Millionen Bakterien, 400.000 Pilze und 100.000 Algen. Bezogen auf einen Hektar entspricht dies - für die 15cm mächtige, oberste Bodenschicht - einer Mikroorganismenmasse von mehr als 20.000kg. Hinzu kommen 370kg tierischer Einzeller, 50kg Fadenwürmer, 10kg Springschwänze und Milben, 15kg kleiner Borstenwürmer, 50kg Tausendfüßler, 17kg Insekten, Käfer und Spinnen sowie 40kg Weichtiere und die ungeheure Masse von 4.000kg Regenwürmernpro Hektar.
    (Angaben nach Boguslawski 1981 aus Hofmeister & Garve 1986)


    Clothianidin ist gut wasserlöslich und ist ein Nervengíft.
    Was passiert mit dem Bodenleben, gerade angesichts der langen Halbwertszeiten?
    Diesem Bodenleben verdanken wir die Fruchtbarkeit - in totem Boden wächst nicht sehr viel.
    Können wir es uns erlauben, diesen Teil so absolut zu ignorieren?


    Wasserlöslich: das bedeutet, daß ein guter Teil in die Vorfluter (Bäche und Gräben) gelangt, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ins Grundwasser, früher oder später.
    Reicht es nicht, daß durch die Östrogene aus der Pille die Amphibien zunehmend verweiblichen?
    Müssen wir oder unsere Kinder dann irgendwann tatsächlich Wasser mit diesen Giften trinken?
    Und nein, bei den routinemäßigen Kontrollen der Umweltämter werden Brunnen eher auf Nitrate und Schwermetalle untersucht; aus Kostengründen wird auf organische Verbindungen nur bei begründeter Gefahr analysiert, abgesehen davon, daß viele dieser Ämter zwar die Ausrüstung haben, aber - wie Henry bereits ansprach - keine Referenzmuster, um zu wissen, nach welchen Zacken in der Kurve man suchen muß.


    Nochmal Wildinsekten: wenn im Rheingraben auf 30 x 200km der Neonicotinoid-Staub zugeschlagen hat, sind damit 6000 Quadratkilometer ziemlich insektenleer, und damit verhungern logischerweise auch eine Menge Tiere, die auf eben jene Insekten angewiesen sind.
    Diese Tiere sind aber noch lange nicht die Spitze der Nahrungskette - wann wird das erste Mal ein Neonicotinoid z.B. in einem Wildschwein nachgewiesen werden?


    Es ist kein Problem von Landwirtschaft, Agrarchemie und Imkern - es ist ein viel größeres, und geht uns wirklich alle an.


    Von daher sollten wir dringend Verbündete in allen möglichen Gruppen suchen und finden, und vor allem die Brisanz des Problems ganz klar herausarbeiten.


    Alles, was wir in die Umwelt bringen, landet früher oder später auf unserem Teller.
    Wollen wir wirklich Nervengift in unserem Essen?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • hallo liebe sabi(e)ne

    sabi(e)ne schrieb:


    Steht jetzt am Feldrand eine Brennessel, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß auch sie Clothiadinin abkriegt - was passiert dann mit den Raupen des Schwalbenschwanzes, der seine Eier dort abgelegt hat, und die die Brennesselblätter fressen?


    Leider muss ich dieses zu lesende als nicht wahrheitsgerecht bemängeln denn die Raupen des Schwalbenschanz leben nicht auf Brennesseln.Hab grad wieder das Vergnügen in unsern Garten den Schwalbenschwanz beobachten zu dürfen aber auf Brennnesseln is nich,jedenfalls hab ich die Raupen bisher nur auf Möhren,Dill und Fenchel fressen und sich aufhalten gesehen und die Brennessel in nächster Nähe lassen sie in Ruhe.oder hast du echt in Natura schon Schwalbenschwanzraupen auf Brennesseln leben und gedeihen gesehen??
    imkerliche Grüße

  • :lol: Hallo, Herby,
    bitte verzeih mir, ich verwechsele IMMER Schwalbenschwanz und Tagpfauenauge.
    Ist eine frühkindliche Prägung aufgrund eines Druckfehlers in einem Kinderbilderbuch....
    Kleiner Fuchs und Landkärtchen (hab ich in Massen in normalen Jahren) und Admiral (hatte ich erst einmal) gehen da aber auch drauf, Raupen hab ich in meinen Nesseln genug, nur bin ich da nicht sehr bestimmungssicher.
    Ich hab dieses Jahr extrem viel Jakobgreiskraut, und mußte erst mal gucken, was das denn für komische geringelte Raupen da drauf sind - (Blutbär) hatte ich vorher auch noch nie.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • hallo liebe sabi(e)ne
    Leider muss ich dieses zu lesende als nicht wahrheitsgerecht bemängeln denn die Raupen des Schwalbenschanz leben nicht auf Brennesseln.......
    oder hast du echt in Natura schon Schwalbenschwanzraupen auf Brennesseln leben und gedeihen gesehen??imkerliche Grüße


     
    Moin , Moin aus Hamburg
    da hat doch Sabine jahrelang die schönsten Möhren im Garten nicht geerntet , weil sie dachte es sind Brennesseln :wink: (wegen der Schwalbenschwänze).
     
    @ Sabine , wenn ich das mit den Möhren und dem Dill korrigiere :wink:, darf ich Deinen Text dann in Auszügen verwenden ? Finde Ihn eigentlich sehr auf den Punkt gebracht.
     
    Viele Grüße aus dem Norden
     
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hi, ihr beiden,
    *ihr* dürft (ich möchte schon wissen, wo meine Texte landen und nein, ohne mein Okay will ich das nirgends anderswo sehen), und danke an Herby für die Korrektur.:p_flower01:


    daniel : nee, Möhren hatte ich in 5 Jahren hier noch keine, gesät schon, aber immer sehr viele Schnecken...:evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Also Sabine
    Mit dem ersten Teil, dem wo du weitere Aktionen und den Zusammenhalt aller forderst bin ich absolut einverstanden. Es ist wichtig, daß alle Verbände und Kräfte zusammen an einem Strang ziehen.
    Was du dann allerdings so schreibst (siehe Zitat) ist deine Spekulation. (Ich sage ja nicht, daß es nicht so sein kann) Aber es gibt darüber keine verläßliche Studie bisher. Deshalb sollt man mit so was vorsichtig sein. Sowas untergräbt die Glaubwürdigkeit und damit alle wirklich begründete Argumente gegen den Einsatz der Beizmittel.
    Gruß Otto

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • Um mal wieder zum Thema zurück zu schweifen :lol:



    1.) Online-Petitionen an die Bundesregierung
    2.) Online-Petitionen an die Europäische Parlament (dort ist man auf unserer Seite)
    3.) Unterschriften sammeln über die Ortsverbände und einschicken
    4.) Dezentrale, aber deutschlandweite Demos. Ein bis drei People im Imkeranzug in jede Stadt, die Lokalpresse informiert und das parallel in ganz Deutschland!
    5.) Internationale Imker ansprechen und zum Mitmachen animieren


    :Biene:



    Bernhard

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von BernhardHeuvel ()

  • Drollhos : warum gibt es denn noch keine Studien dazu?
    Wer sollte ein Interesse haben, die zu bezahlen?
    Wer zahlt, schafft an....
    Es gibt ja nicht mal Studien, was "relativ" hamlose Fungizide bewirken im Bodenleben, was ja zu einem erheblichen Teil aus Pilzen besteht....und was Regenwürmer betrifft, ebenso.:evil:
    Und sooo spekulativ finde ich das nicht; DDT wurde damals recht zügig sogar und immer noch(!) bei den antarktischen Pinguinen nachgewiesen, die ja nun verdammt weit weg von jeder Kulturfläche leben, und auch noch Jahrzehnte nach dem DDT-Verbot in der menschlichen Muttermilch - wer will sowas?


    Bernhard : macht jemand rechtssichere Muster-Petitionen?
    Was da drin steht, ist dann in Beton gegossen und gilt als unser Ziel - wir sollten nicht zu kurz springen...
    Außerdem: wie formuliert man sowas, um möglichst viele ins Boot zu bekommen?
    Es ist doch wirklich ALLES betroffen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Och,


    da denken wir uns schon was aus und lassen es prüfen.


    Ich erweitere meine Liste um einen wichtigen Punkt:


    6.) Rechtliche Schritte prüfen und umsetzen


    Bernhard

  • Wie wär´s mit einer zentralen "Sammelstelle" für Equipment, Deko, Bienenkörbe, Banner und Beuten? Oder zumindest einer entsprechenden Liste, wer was für eine Demo verleihen kann?


    Oder Datei-Vorlagen mit gut gemachten Logos und Texten zum Rundmailen, die dann über Folie/Diaprojektor gemalt werden können? Aufkleber werden bei Sammelbestellungen spottbillig, ebenso Stempel und Flyer...


    Oder Standorte, die vom Bienensterben betroffen waren, bei Google Earth eintragen und auf imkerdemo.de verlinken..


    Grüße


    Marcus

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Wentorfer () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Hallo Sabine,


    schön Dich (und viele andere) auf der Demo getroffen zu haben :)


    Wenn Dein "Mustertext" mit leichten Änderungen verwendet werden sollte mag ich noch eine kleine Anregung beitragen. Dieser Satz mitten im Text steht im Widerspruch zum letzten Satz des Textes:


    Müssen wir oder unsere Kinder dann irgendwann tatsächlich Wasser mit diesen Giften trinken?
    ...
    Alles, was wir in die Umwelt bringen, landet früher oder später auf unserem Teller. Wollen wir wirklich Nervengift in unserem Essen?


    Erklärung: Da seit Jahrzehnten schon Gifte (auch Nervengifte) ausgebracht werden ist schon längt Gift im Essen und im Trinkwasser.
    (Siehe zB: www.trinkwasser-report.de/leitungswasser )


    Vorschlag wie der erste Satz lauten könnte:
    "Müssen wir und unsere Kinder dann irgendwann tatsächlich Wasser mit noch mehr Giften trinken?"


    Ich habe zu Hause einen Trinkwasserfilter damit ich mich nicht übers Wasser vergifte. Aber zwischen Biene und Wasserpfütze kann ich keinen Filter schalten! Das Giftproblem ist global und schon seit Jahren sehr weit vortgeschritten. Ich bitte darum dies auch mit bewusst zu machen. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass dieses Cholthianidin das erste Gift ist was ausgebracht wird.


    Solange gut geübte Redner noch Menschen glauben machen können, dass mit dem Zuschütten der Saatrille das Giftproblem gelöst sei, ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu tun.


    Liebe Grüße
    Konstantin

  • Hallo, Konstantin,
    ich fand das auch klasse (huhu, lukas!:Biene:).
    Meinen Text hab ich gestern abend so runtergeschrieben, wie er mir einkam, das war nicht als Druckvorlage gedacht, sondern meine Gedanken zum Thema.
    Ich kann aber gern noch was dran stricken.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Bernhardt, hallo an Alle


    Du brauchst eine eingetragene Organisation die dich unterstützt. Bestenfalls wäre das der Erwerbsimkerbund. Wenn Du Punkt 4 umsetzen willst benötigst Du flächendeckend solide Mannschaften. Deren Mitglieder können dann nach genauen Vorgaben die Aktionen vor Ort betreuen. Du könntest auch einen neuen Verein gründen, Imker treten ein und der Verein übernimmt die Verantwortung für die Aktionen. Unorganisierte private Einzelaktionen laufen leicht aus dem Ruder und schaden dann dem Gesamtbild. Die Presse wirft gerne alle in einen Topf und berichtet bevorzugt über daneben gegangene private Einzelaktionen um die Gemeinschaft zu schwächen.


    In dieser Beziehung habe ich bereits Erfahrungen gesammelt die Du im Vorfeld vermeiden kannst. Es ist unnötiger Ärger der nur durch den Aufbau einer straffen Organisation in den Griff zu bekommen ist. Angerichtete Schäden wieder auszubügeln ist schwierig und arbeitsintensiv. Du darfst nicht vergessen das die Presse viel Geld durch Anzeigen verdient. Die großen Konzerne sind gern gesehene Kunden deren Interessen man unterstützt und sie nicht verärgert. Über eine gute Portion Menschenkenntnis mußt Du auch verfügen. Es gibt Profilierungsneurotiker die sofort zur Stelle sind und sich Deine Meinung überstülpen um vorne mitzumischen. Man braucht Menschen die aus Überzeugung und mit dem Herzen dabei sind wenn man etwas bewirken will.


    Für Deinen Punkt 4 wenn die Organisation steht:


    Die Termine für Stände in den Innenstädten kann man auch gezielt für einzelne Bundesländer auswählen. http://www.wahlrecht.de/termine.htm In diesem und im nächsten Jahr sind viele Wahltermine. Dafür machen Parteien Werbestände in den Städten. Die Termine der Parteien kann man bei dem jeweiligen Amt vor Ort erfragen und seinen Infostand dann in der Nähe aufbauen. Das hat mehr Wirkung da die Wähler dann die Parteien garantiert auf die Probleme der Imkerei ansprechen und sie so noch mehr unter Druck geraten.


    An den zur Demo erschienenen Imkern sah ich die Interessenskollision innerhalb des DIB offen zu Tage treten. Der DIB hat offenbar nicht mehr die Möglichkeit als Kämpfer für aktive Imker anzutreten, ohne seine über lange Zeit gewachsene innere Struktur zu beschädigen. Jeder der weiß wie wichtig eine intakte Natur für seine Bienen ist sollte darüber nachdenken, seine Zukunft dem auf allen Ebenen gut funktionierenden und unabhängigen Erwerbsimkerbund anzuvertrauen. So könnte der DIB von der offenbar kräftelähmenden Verwaltung der Finanzen und dem Interessenzwiespalt in dem er steckt wirksam entlastet werden. So würde auch die momentane "Macht der Ohnmacht" des DIB überwunden.


    Grüße,


    Annerose