Frage: warum BioZucker?

  • Moin, moin,
    kann mir einer der Zertifizierten vielleicht mal bitte mit ganz einfachen Worten erklären, warum ich, so ich denn Zertifizierung beantragen würde, den gesamten HerbstHonig abschleudern und schweineteures BioFutter oder zugekauften(!) Biohonig einfüttern müßte?
    Mein Wachs ist rückstandsfrei, und das nicht erst seit gestern.
    Warum darf ich also nicht Goldrute, Springkraut, und den anderen Kram als Winterfutter drinlassen?
    Ich begreif es nicht - wo ist der Sinn außer Kosten zu verursachen?
    (außerdem wollte man mir auch gleich ÖkoMWs verkaufen - kompletter Naturbau ist wohl eher selten...:roll:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    wer erzählt den soetwas.


    Bei Demeter muss man die Tiere auf eigenem Honig überwintern lassen.
    Bei den anderen Verbänden, kannst Du auf dem eingelagerten Honig überwintern, oder mit Biozucker zufüttern.
    Ich bin bei Bioland zertifiziert und füttere nur so viel Biozucker zu wie nötig.
    Meine Bienen behalten den Honig der sich in der Brutzarge befindet vollständig. Da nehme ich nichts raus. Da schätze ich den Bedarf ab und füttere entsprechend zu.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Hallo Sabine,


    hier der Wortlaut aus den Demeterrichtlinien:


    3.5.1 Einwinterung
    Honig und Blütenpollen sind die natürliche Nahrungsgrundlage der Bienen.
    Eine Einwinterung auf Honig ist anzustreben. Wenn dies nicht möglich
    ist muss dem Ergänzungsfutter für die Überwinterung ein geeigneter
    Anteil Honig (i.d.R. 10 Gewichtsprozent zum Zucker) aus der eigenen
    oder einer nach diesen Richtlinien arbeitenden Imkerei zugefügt werden,
    um eine rasche Invertierung des Futters zu erreichen.
    Einwinterung auf Honig
    ist anzustreben.
    Dem Futter sind Kamillentee und Salz zuzusetzen.


    Für die Fütterung dürfen nur ökologisch erzeugte Futtermittel eingesetzt
    werden.



    Bioland:


    4.10.2.5 Bienenfütterung
    Die Bienenfütterung ist zulässig, solange sie für diegesunde Entwicklung der Bienenvölker notwendig ist. Die
    Fütterung der Bienen sollte im Rahmen der betrieblichen
    Möglichkeiten mit Honig von der eigenen Imkerei erfolgen.
    Die Verfütterung von Zucker bedarf der grundsätzlichen
    Zustimmung der Kontrollbehörden und ist auf die Überwinterung
    und die Jungvolkbildung zu beschränken.
    Eine Verfälschung des Honigs durch überschüssiges Winterfutter
    ist durch Herausnahme vor Trachtbeginn zu vermeiden.
    Die Trachtlückenfütterung ist nur mit BIOLANDHonig
    zulässig.
    Die Fütterung von Pollenersatzstoffen ist nicht gestattet.
    Für die Fütterung dürfen nur BIOLAND-Futtermittel eingesetzt
    werden, wenn diese nicht verfügbar sind, andere Bio-
    Herkünfte gemäß den Vorgaben des BIOLAND-Verbandes.


    EU Biorichtlinie:


    5. FUTTER
    5.1 Am Ende der produktiven Periode müssen in den Bienenstöcken umfangreiche Honig- und Pollenvorräte
    für die Überwinterung belassen werden.
    5.2 Künstliche Fütterung des Bienenvolks ist nur dann zulässig, wenn das Überleben des Volkes aufgrund extremer
    klimatischer Bedingungen gefährdet ist. Für die künstliche Fütterung ist ökologischer Honig, vorzugsweise
    aus derselben ökologischen Einheit zu verwenden.
    5.3 Im Rahmen einer ersten Abweichung von Nummer 5.2 können die zuständigen Behörden des Mitgliedstaates
    die Verwendung von ökologischem Zuckersirup oder ökologischer Zuckermelasse anstelle von
    ökologischem Honig für die künstliche Fütterung zulassen, insbesondere wenn eine Kristallisierung des
    Honigs aufgrund der klimatischen Verhältnisse dies erfordert.


    Also, bei aller LIEBE, ich kann hier nicht erkennen, dass Du den Honig ausschleudern muss.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Moin, moin,
    kann mir einer der Zertifizierten vielleicht mal bitte mit ganz einfachen Worten erklären, warum ich, so ich denn Zertifizierung beantragen würde, den gesamten HerbstHonig abschleudern und schweineteures BioFutter oder zugekauften(!) Biohonig einfüttern müßte?
    Mein Wachs ist rückstandsfrei, und das nicht erst seit gestern.
    Warum darf ich also nicht Goldrute, Springkraut, und den anderen Kram als Winterfutter drinlassen?
    Ich begreif es nicht - wo ist der Sinn außer Kosten zu verursachen?
    (außerdem wollte man mir auch gleich ÖkoMWs verkaufen - kompletter Naturbau ist wohl eher selten...:roll:)


    Was soll denn der Sch...?! Besser als Naturbau und Einwintern auf Honig kannst du es biomäßig gesehen gar nicht machen. Das steht auch in den anderen RL nicht anders drinnen, schon gar nicht bei 2092 der EU.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo, ihr beiden,
    es ging sinngemäß um diesen Passus (anderer Verband) : Für die Fütterung dürfen nur XXX-Futtermittel eingesetzt werden.
    Nach Aussage der (nicht übermäßig in Bienen kompetent wirkenden) Dame am anderen Ende des Telefons bedeutet das, daß das (der HerbstHonig) NACH der Zertifizierung okay ist, aber jetzt nicht, beim ersten Winter, in Umstellung. Danach wäre es ja alles BioHonig, aber jetzt eben noch nicht.
    Es müsse sichergestellt werden, daß ein sauberer Start nur mit BioDingsbums stattfände, und dann kam die Nummer mit den ÖkoMWs...:eek: Der "echte" Imkereiberater ist leider in Urlaub, der fand das nämlich alles sehr okay so, wie es ist.
    Das ist jetzt das x.te Mal, daß es solche Unklarheiten gibt, ich hab langsam die Schnauze voll...:evil:

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    leider gibt es auch nur wenig Berater für die Imkerei bei den Anbauverbänden.
    Häufig sind diese nicht einmal im Hauptberuf bei den Anbauverbänden beschäftigt und viele sonstige Mitarbeiter sind mit solch speziellen Fragen überfordert.
    Bei meiner Umstellung musste ich auch keinen "Herbsthonig" ausschleudern.


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Hallo Sabine,
    wenn Du jetzt, Ende Juli in die Umstellung gehst, ist meines Wissens die nächste Ernte in 2009 noch nicht als BIO-zertifiziert zu verkaufen.
    Wäre bei Beginn der Umstellung im Mai noch anders gewesen... War die Aussage der mir bekannten Kontrollstelle.


    Gruß
    Ralph

  • Sind mit größter Wahrscheinlichkeit alles zusammen keine richtige Auskünfte Sabine. Die Damen im Büro haben zumeist Stress und hören nicht immer gut zu. Mein einzig kompetenter Partner ist der Kontrolleur, was der sagt und will ist für mich Fakt.


    Bei mir durfte der Honig drinnen bleiben, lediglich die riesige Wachsmenge musste zur Gänze ausgetauscht werden. Auch wurden mir keine Öko-MW empfohlen, sondern die benötigte Menge bei einem zertifizierten Imker meiner Wahl zu erwerben. War sicherlich mein Risiko, aber der Berater hatte Kompetenz und war für mich absolut korrekt und überaus glaubwürdig. Seit Jahren kommt bei uns nur mehr Wachs aus dem eigenen Betrieb zum Einsatz. Die Kontrolle obliegt der Uni Hohenheim und wird per Gutachten auf deren Reinheit bestätigt.


    Nur Wildbau ist meiner Meinung nach kein ausreichender Grund für Rückstandsfreiheit, denn wer weiß schon wie alt die Rähmchen bereits sind und was bisher damit geschah? Im übrigen wird Wachs aus den Völkern, Lager und sämtlichen Schmelzgeräten inkl. Sonnenwachsschmelzer entnommen. Da kann schon vorkommen, dass ein alter SoWaSchm noch giftelt und zu keinem erfreulichen Ergenis verhilft.:roll:


    Josef

  • Hallo, Josef,
    hier ist der Kontrolleur, soweit ich weiß, nicht identisch mit dem Berater des Verbandes.
    Der Berater hat jetzt schon immer drei Wochen Reaktionszeit, weil wie Dr. Harper schon schrieb, der ist freiberuflich und ziemlich allein kämpfend.

    Zitat

    Nur Wildbau ist meiner Meinung nach kein ausreichender Grund für Rückstandsfreiheit, denn wer weiß schon wie alt die Rähmchen bereits sind und was bisher damit geschah? Im übrigen wird Wachs aus den Völkern, Lager und sämtlichen Schmelzgeräten inkl. Sonnenwachsschmelzer entnommen. Da kann schon vorkommen, dass ein alter SoWaSchm noch giftelt und zu keinem erfreulichen Ergenis verhilft.


    Ähm, ich schrieb von Naturbau allover - nicht Wildbau.
    SoWasch hab ich nicht, und noch nie etwas benutzt, was giften könnte...
    Wachs in den Völkern ist maximal 2 Jahre alt, leere Honigwaben hab ich keine, leere Brutwaben bewahre ich eh nur extern für die Wachsmotten auf ($-Zeichen in meinen Augen :lol:), Wachslager hab ich keins, bis auf ein paar Kerzen.
    Schmelzgeräte ebensowenig, bis auf einen Dampfentsafter aus Edelstahl.
    Die Wachsmotten bringen mir mehr Geld (wenn sie denn da sind :roll:), als Wachs zu recyceln....
    Für meine Anfangslinien reichen die Waben, die nicht schön genug sind, Wabenhonig zu sein - das wird Tropfhonig und eben jene Anfangslinien.
    Noch mehr öko/bio geht eigentlich nicht.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • hier ist der Kontrolleur, soweit ich weiß, nicht identisch mit dem Berater des Verbandes.


    Bei uns natürlich auch nicht, aber den Berater hatte ich bisher überhaupt noch nicht benötigt, wozu auch? Das verbindliche Handbuch liegt schriftlich vor und nach diesen Regeln hat man sich eben zu halten. Im übrigen habe ich den Berater lediglich erst einmal und zwar bei einem zwingend vorgeschrieben Umstellungskurs kennen gelernt. Ein netter Mann, aber für mich eben ein Berater der bisher nicht benötigt wurde.


    Mit dem Wachs eben wie gesagt, hier bestimmen ausschließlich die Kontrolleure von wo sie Proben entnehmen. Einer meiner beiden Kontrolleure ist Profiimker, hat eine eigene Imkerschule und studierter Agrarexperte (DI). Der andere ist nicht minder kompetent. Dies um deren Kompetenz zu belegen.


    Stockkarten, Aufzeichnungen aller Art und Wanderungen melden, sind selbstverständlich und bereits Gewohnheit.



    OT aber wichtig: seit dem heurigen Jahr gibt es bei uns Biozucker aus dem eigenen Lande. Nicht mehr aus Brasilien.:daumen: