Grundsatzfragen zu Räuberei

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    Hallo Konstantin,
    umgekehrt wird ein Schuh daraus. Es nicht die Bienendichte entscheidend sondern meiner Meinung nach die Intensität des Angebotes pro Fläche.
    Ein Beispiel:
    Pritsch gibt den maximal Ertrag bei Raps mit 230 kg Honig/ha an. Das macht auf den qm 23 g Honig auf einem Zeitraum von ca. 3 Wochen verteilt. Klar es wird kein Honig sondern Nektar von den Bienen vom Acker geschleppt.

    Gehe ich davon aus, dass in einer Zanderwabe die frisch ausgeschleudert wurde noch 50 g Honig enthalten sind. So ergibt es ca. 270 g /qm und zwar sofort und auf einmal, wenn ich dies den Bienen im Freien anbiete. Diese Angebot auf kleinsten Raum macht selbst die friedlichste und ruhigste Biene verrückt. Und wenn das noch zu einer Zeit passiert in der sonst nichts gibt ist die Räuberei perfekt und einmal gestartet ist sie schwer wieder zu stoppen.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo,
    ja, eigentlich ist doch schon alles gesagt. Erwartest Du jetzt noch eine mathematische Formel zur Abhängigkeit der Wahrscheinlichkeit der Raäuberei von Bienendichte, Tracht und Bienenrasse, Alter der Imker (und deren Gattinnen/Gatten), der Anzahl der im Schnitt verlorengegangen Honigbrötchen und des allgemeinen Futterzustandes?
    Das solltest Du aber selber versuchen - den meisten hier wird's zu nutzlos sein, so was zu erfinden.


    Übrigens, @ Sabiene:
    Könnte es sein, daß die im Frühjahr ausgeraubten Völker schon gar nicht mehr so recht am Leben waren?
    Bisher habe ich im Frühjahr nur erlebt, daß die Futtervorräte von über Winter eingegangenen Völkern geplündert werden. Anfangs denkt man, daß die eben gut fliegen, später stellt man fest: Keine Pollenbiene kommt zurück (?) Zum Schluss ist dann das Flugloch klebrig und verschmiert - bei genauer Betrachtung ist dann auch nichts mehr zu retten.
    Normalstarke Völker hab ich im Frühjahr noch nie durch Räuber verloren - wie Du ja auch schreibst - um die Jareszeit kann man offene verhonigte Baurahmen neben die Tränke stellen - interessiert höchstens die Ameisen - später vielleicht Wespen. Aber die gibt's so zeitig noch gar nicht in nennenswerter Anzahl.
    Grüße ralf_2

  • Hallo Eisvogel,


    wenn ich also auf 100qm verteilt 20 Tropfen Zuckerwasser ausbringe besteht keine Gefahr?
    Achtung: Ich will dies jetzt nicht tun. Mir geht es um das Verständnis!


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Hallo, Ralf,

    Zitat

    Könnte es sein, daß die im Frühjahr ausgeraubten Völker schon gar nicht mehr so recht am Leben waren?


    Nein, absolut nicht, nur einen Tick schwächer als die anderen.
    Nur blühte ab Flugwetter noch fast 3 Wochen absolut GAR NICHTS - also suchte und fand man....:-(
    (ich möchte allerdings NICHT wirklich wissen, was die Damen drumrum noch leergemacht haben, weder im Herbst vorher noch im Frühjahr...:oops:, andererseits haben andere auch schon öfter von meinen profitiert (Mehltest) )

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Yepp, Eisvogel hat recht: Bienenmenge zu Tracht ist entscheidend.
    Wo im Raps locker auf 5 ha 20-30 Völker zufrieden sind, geben 20 Liter 1:1 verdünnter Honig ein Chaos hoch 10 mit Mord und Totschlag - Nahrungskonkurrenz ist das Stichwort.


    Räuberei an sich ist sogar biologisch sinnvoll - schwache Völker, die eh nicht über den Winter kämen, helfen mit ihrem Vorrat den Fitteren noch mehr in Gänge.
    Nicht sozial, aber wirkungsvoll - ihr Futter ist bei den mutmaßlich Überlebenden von größerem Nutzen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Hallo,
    wenn dann 24 h nichts passiert und keine neuen Tropfen dazu kommen würde ich Dir zustimmen.
    Du kennst meine Abneigung zur Haarspalterei!
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo,
    ja, eigentlich ist doch schon alles gesagt. Erwartest Du jetzt noch eine mathematische Formel ...Alter der Imker (und deren Gattinnen/Gatten...


    Hallo Ralf,
    natürlich verlange ich keine Formel, auch wenn ich schon längst erkannt habe, dass in der Natur sehr viel mehr Matematik vorkommt als viele ahnen. Was mir grundlegend noch abgeht ist zu verstehen was der biologische Sinn des Verhaltens ist was als "Räuberei" bezeichnet wird. Ich oute mich diesbezüglich als einer der davon ausgeht, dass alles was in der Natur passiert einen Sinn hat - auch wenn kein Mensch je alle Details versteht.


    Vielleicht gibt es keine Antwort auf diese Frage und es ist halt so, dass dieses Verhalten ab und zu auftaucht.


    Zwei ganz konkrete Frage habe ich noch: Bringen sich die Bienen gegenseitig um mit Stachel und Gift oder mopsen sie sich nur gegenseitig das Futter?


    Was kann konkret einem 9 km entlegenen Imker für ein Schaden passieren wenn jemand einen Zuckerwassertrog offen stehen lässt? Ich habe zumindest manche Antworten so verstanden, dass ich potentiell anderen Imkern Schaden zufügen könnte wenn ich so etwa tun würde. Würden die sich an dem Zuckertrog im Kampf mit Bienen anderer Völker gegenseitig umbringen?


    Vielleicht liegt es auch daran dass der Begriff "Räuberei" nicht perfekt passt. Wenn es nur um Futterklau geht, dann sehe ich keine Gefahr für einen fremden Imker. Seine Bienen könnten höchstens noch etwas Futter rauben, was ich eigentlich für meine Bienen gedacht hatte.


    (WARNUNG: Bitte keine allergische Reaktion. Ich will lernen und verstehen. Deshalb rein theoretische Fragen!)


    Sollte es so sein, dass sich Bienen gegenseitig umbringen wäre statt "Räuberei" der Begriff "Schlacht" meines Erachtens passender.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Sollte es so sein, dass sich Bienen gegenseitig umbringen wäre statt "Räuberei" der Begriff "Schlacht" meines Erachtens passender.


    Hallo Konstantin,
    mein definitiv letzter Beitrag zum Thema.

    • Was bringt es einen neuen Namen die kreieren für eine Sache die bei den Imkern klar definiert ist und die jeder Imker (wenigstens die die ich kenne) und auch in der Literatur als Räuberei bekannt und benannt ist?
    • Es geht nicht nur um den Schaden bei einem Nachbarimker, geht um den Schaden an Bienenvölkern und das können auch Deine eigenen sein!
    • Bei Räuberei zwischen Bienenvölkern sterben Bienen beider Völker!! Und bei Fütterung im freien sterben Bienen an der Fütterungsstelle aus Futterneid und den Kampf um den Zugang zur Futterstelle. Dabei ist es völlig egal ob durch den Stachel oder durch Beißerei. Es gibt zu viele Tote und Verletzte.

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Zitat

    Würden die sich an dem Zuckertrog im Kampf mit Bienen anderer Völker gegenseitig umbringen?


    Ja.
    Und in Beuten sitzt am Schluß, wenn überhaupt, irgendwo weit weg vom Flugloch eine Königin mit einem verschreckten Häuflein Getreuer, falls sie nicht vorher schon gemördert wurde.
    An offenen Futterstellen liegen bei Dunkelheit Hunderte von toten Bienen rum...
    Das ist nicht nur Stacheleinsatz, sondern auch pure Erschöpfung und abgebissene Körperteile.

    Zitat

    Was mir grundlegend noch abgeht ist zu verstehen was der biologische Sinn des Verhaltens ist was als "Räuberei" bezeichnet wird. Ich oute mich diesbezüglich als einer der davon ausgeht, dass alles was in der Natur passiert einen Sinn hat - auch wenn kein Mensch je alle Details versteht.


    Siehe mein posting 3 darunter...es IST biologisch sinnvoll - aber nicht für Imker und Hausbienen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo liebe Imkergemeinde
    Der Versuch einem Anfänger die gefahren der Räuberei deutlich zu machen ist anscheinend bei einigen Anfängern nicht fruchtend rüber zu bringen,ich empfehle daher am besten den selbst gemachten Praxistest der dann das ganze Imkerleben gedanklich mit Sicherheit erhalten bleibt.
    Lieber Konstantin warum glaubst du nicht die gut gemeinten Ratschläge zur Vermeidung das sich Bienen nicht gegenseitig umbringen tun.Aber bin mir sicher das du aber bestimmt einmal das Übel Räuberei an deinem Bienenstand erkennen wirst und die Möglichkeit des verhindern zu schätzen lernst
    imkerliche Grüße

  • Siehe mein posting 3 darunter...es IST biologisch sinnvoll


    Hallo Sabiene,


    war gleichzeitig am Schreiben meines Beitrages während Du diese Erklärung gepostet hast. Danke Dir für diese Ausführung. Hilft mir weiter.


    @alle
    Danke für die Antworten.
    Auch wenn den ein oder anderen mein häufiges Nachfragen zu nerven droht. Ich will lernen bei geringstmöglichem Schaden an den Bienen.


    Ich sehe vier Möglichkeiten für einen Neuling wie mich:


    • Schnell die Imkerei wieder verlassen weil die erfahrenen Imker mich nicht in ihre Reihen reinlassen werden (...Imker wirst Du nie werden)
    • Nichts fragen, nichts erzählen, alles selber ausprobieren und dabei viel Schmerzensgeld zahlen bei vermutlich hohem Schaden für die Bienen.
    • Alles nachmachen ohne zu fragen. Bei Sprüchen wie "das macht man halt so, weil es alle machen" mich freuen dass ich selber nicht denken muss. Nur glaube ich dass ich einerseits dabei nichts lerne und andererseits wären so die Zeidler nie zu den derzeitigen Imkern geworden, und es hätten nie welche den Mobilbau wieder verlassen und sich mit Warré oder anderem beschäftigt.
    • Genau nachfragen, mir eigene Gedanken machen, diese mitteilen, Antworten verarbeiten und weiter denken. Erst nach reiflichen Überlegungen in die praktische Handlung gehen und dabei den geistigen Erkenntnisprozess auf Stimmigkeit überprüfen. Dabei sehe ich die Chance am meisten zu lernen bei geringstem Schaden für die Bienen bei gleichzeitiger Offenheit für Weiterentwicklung.


    Punkt 1-3 ist nicht meine Option. Also Punkt 4.
    Wer es nicht mag dass ich mich für diesen Weg entschieden habe möge meine Fragen bitte ignorieren.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Moin, Konstantin,
    bei deinem Punkt 4 fehlt m.M. was wichtiges: lesen.
    Und zwar Bücher von Leuten wie Lindauer, Seeley, Tautz, etc.
    Wir sind doch nicht die ersten, die wissen wollen, wie ein Bienenvolk tickt, und seine Entscheidungen trifft. Diese Leute haben gewaltige Arbeit geleistet, die wir nicht nochmal zu machen brauchen.
    Aus dem Konsensprinzip (Lindauer, Seeley, Wright) erklärt sich sogar der Seitenwechsel der Beraubten und eben nicht nur die Entscheidung, wo der Schwarm einzieht.
    Und ich bin sicher, es gibt noch eine Menge mir unbekannter Publikationen, die genau solche "Schlüsselinformationen" enthalten.
    Der Lindauer (nochmal DANKE an vindabonapis :liebe002:) war so ein Schlüssel - man liest sowas und plötzlich fallen alle Puzzleteilchen an ihren Platz.:u_idea_bulb02:
    Nur werden damit dann gleich automatisch die nächsten Fragen aufgeworfen, und so bleibt man am Suchen dran...:lol:
    Das macht doch die Faszination der Bienen aus.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen