Kunstschwarm

  • Ich hab so ziemlich alles zu diesem Thema im Forum gelesen, mir ist aber immer noch nicht alles klar.
    Ich hab vor, nächstes Jahr mehrere Schwärme zu machen, da soll alles richtig sein.

    Bienen einfegen in irgend eine Kiste oder direkt in die Beute.

    Kellerhaft mit Fütterung und ev. Varroabehandlung.

    Einschlagen in die endgültige Beute oder diese Aufstellen, wenn ich in eine solche bereits eingeschalgen habe.


    Die erste Frage:
    Wann genau wird die Königin zugesetzt, erst am endgültigen Standplatz oder schon im Keller?

    2. Frage:
    Kann ich, wenn ich im Mai einen Kunstschwarm mache, mit Bienenwohl behandeln und den Honig trotzdem nutzen?
    Ich frage, weil bei uns fast jedes Jahr Waldtracht ist und diese ja nicht im Winterfutter sein soll.

    Grüße, Günther.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von honig () aus folgendem Grund: Obwohl Dunstschwarm schon ein Stück lustig ist ;)

  • Hallo, ich denke du meinst einen Kunstschwarm,oder?
    Gibs doch mal unter "suchen" hier im Forum ein, müsste eigentlich was zu finden sein.
    MFG
    beeahead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Klar meine ich Kunstschwarm, der Schreibfehler ist mir schon aufgefallen, den Titel kann man leider nicht selber editieren.:oops:

    Ich hab gesucht, es heißt immer, Kö im verschlossenen Käfig zusetzen, dann unter Futterverschluss freifressen lassen. Wann aber genau zusetzen?

  • Hallo,
    nach der Varrobehandlung damit die gute Königin keinen Schaden nimmt.
    Wenn du es jetzt noch probierst, dann den Futterstrom nicht abreißen lassen und min. 2 kg Bienen brauchst du auch. Sonst warte lieber bis nächstes Jahr.
    MFg
    beeahead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Ich habe noch nicht verstanden, warum Du im Mai einen KS bilden möchtest; das ist ja eher die "Ablegerzeit". Wenn man um diese Zeit, mitten in der Tracht, ein Volk schröpfen will oder muß, finde ich die Entnahme von Brut (Ableger) günstiger als die von Bienen (KS), weil dadurch die Sammelleistung des Volkes weniger stark geschwächt wird.


    Ich selbst versuche, meine Völker völlig ungeschröpft durch die Früh- und Sommertracht zu führen, und ich bilde mir ein, das deutlich am Ertrag zu merken. Nach der Sommerernte ist dann der perfekte KS-Zeitpunkt: Die Völker quellen über von arbeitslosen Bienen, die dem Imker lediglich noch Räuberei bescheren. Als Winterbienen taugen sie nicht, da sie dafür zu früh geschlüpft sind; sie werden sich stattdessen auf der erfolglosen Suche nach Nektar verschleißen und das Volk eher belasten als ihm zu helfen. Thomas Kober spricht sogar von einem "Abtrieb" der Sommerbienen ähnlich der Drohnenschlacht, die aber viel allmählicher und diskreter verläuft.


    Der Kunstschwarm macht sich die Kraft dieser "überflüssigen" Bienen zunutze und gibt ihnen eine neue Aufgabe beim Aufbau eines neuen Volkes. Eine gute, begattete Königin vorausgesetzt, hat man von 1,5 kg Bienen, die Mitte Juli zum Kunstschwarm zusammengekehrt werden, im nächsten Frühjahr ein kerngesundes, kraftstrotzendes, varroaarmes Jungvolk auf nagelneuem Wabenbau, das nur danach lechzt, über die Frühtracht herzufallen. Ich bilde alle meine Jungvölker ausschließlich als Kunstschwärme nach der Sommertrachternte.


    Einen Kunstschwarm kannst Du Mitte Juli problemlos mit 1,5 kg Bienen bilden; Anfang August würde ich auch 2 kg nehmen.


    Wenn Du den KS nicht als offenen KS bilden willst, kehrst Du die Bienen, auch aus mehreren Völkern gemischt, in ausreichend große, belüftete Kisten (Schwarmfangkasten oder Kunstschwarmkäfig) und hängst die Königin im verschlossenen Nicotkäfig dazu. Je gutem Wirtschaftsvolk kannst Du ohne schlechtes Gewissen 1,5-2 kg Bienen entnehmen. Dann stellst Du sie für 3 Nächte in einen dunklen, kühlen Keller. Zur Fütterung empfiehlt sich ein Klumpen Futterteig mit Folie darüber auf dem Boden des Kastens; Flüssigfütterung führt zumindest bei mir zu Unruhe und unnötigem Naturwabenbau in der Kellerhaft.


    Nach der Kellerhaft schlägst Du den KS abends am Stand in die leere Beute ein, füllst zügig mit Mittelwänden auf und hängst die Königin - jetzt nur noch mit Teigverschluß - in die Mitte der Beute. Nach 2 Tagen ist die Königin i. d. R. befreit, ansonsten helfe ich nach. Ich träufle jetzt erst mit Oxalsäure, Königinnenverluste hatte ich dadurch nie. Wenn Du trotzdem Angst davor hast, kannst Du auch die gerade in die leere Beute gekippten Bienen mit der Oxalsäure beträufeln und dann erst mit MW auffüllen.


    Das entscheidende danach ist das Füttern. Der KS muß dauernd und pausenlos flüssiges Futter zur Verfügung haben. Wenn Du mit Stärkesirup fütterst, ist Verdünnen absolut unnötig; sie bauen auch mit reinem Sirup wie die Verrückten. Gerade in den ersten Tagen ist der Futterverbrauch enorm; es empfiehlt sich, anfangs schon nach 24 h nachzuschauen - und nachzufüllen. Später reicht eine Kontrolle alle paar Tage.


    Nach einiger Zeit kommen sie mit dem Wabenbau an ihre Grenze und merken, daß sie mit ihren 1,5 kg mehr Raum nicht beherrschen können. Die Futteraufnahme geht dann stark zurück, und die Entwicklung scheint zu stagnieren. Das werdende Volk wartet jetzt auf den Schlupf der ersten Jungbienengeneration. Ist diese geschlüpft, beginnt, etwas langsamer, der zweite Bauschub, während dem das Volk dann anfangs langsam, später immer schneller wächst. Bis zur Einwinterung können sie Dir ohne weiteres eine Dadantkiste mit 10 Waben krachend voll mit Bienen machen. Reiner Schwarz würde das "schwarmreifes Einwintern" nennen... :-D


    Wegen der Reinvasionsgefahr mache ich auch bei diesen Jungvölkern immer eine Winterbehandlung mit Oxalsäure.


    Und dann warte ich mit hüpfendem Herzen auf den Beginn der Schlehenblüte - und das Aufsetzen des ersten Honigraums...

  • Hallo Johannes,


    funktioniert die Varroabehandlung der KS bei dir ausschließlich mittels Aufträufeln von flüssiger Oxalsäure-Zuckerwasser-Lösung?


    Keine AS-Verdunstung, kein MS-Versprühen?


    Verkraften die Bienen die zweimalige Anwendung - 1 x nach dem Einschlagen und 1 x im Dezember?

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!

  • Hallo Kai,


    wenn Oxalsäure, dann Blockbehandlung (3x in Abständen von 5 - 6 Tagen) und dann wieder im Winter 1x).

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Kai,


    wenn Oxalsäure, dann Blockbehandlung (3x in Abständen von 5 - 6 Tagen) und dann wieder im Winter 1x).


    Achtung: diese Methohe geht nur bei OS-Verdampfen, nicht aber bei Träufeln oder Sprühen!


    Peter

    Theorie ist: alles wissen und nichts funktioniert.
    Praxis ist: alles funtioniert und keiner weiss warum.

  • hallo


    OS verätzt die schützende feine Wachsschicht der Bienen.
    Bei mehrmaliger Anwendung werden die Bienen sehr kurzlebig, es wurden schon so manche Völker zu Tode behandelt.


    Peter

    Theorie ist: alles wissen und nichts funktioniert.
    Praxis ist: alles funtioniert und keiner weiss warum.

  • Hallo Johannes,


    funktioniert die Varroabehandlung der KS bei dir ausschließlich mittels Aufträufeln von flüssiger Oxalsäure-Zuckerwasser-Lösung?

    Ja, genau.


    Zitat

    Keine AS-Verdunstung, kein MS-Versprühen?

    Nein. (Aber im darauffolgenden Jahr werden sie natürlich wie alle Wirtschaftsvölker mit AS sommerbehandelt.)


    Zitat

    Verkraften die Bienen die zweimalige Anwendung - 1 x nach dem Einschlagen und 1 x im Dezember?

    Absolut problemlos. Du mußt Dir klar machen, daß Du ja ganz andere Bienen behandelst. Diejenigen, die im Sommer beim Einschlagen beträufelt werden, leben im Dezember ja schon lange nicht mehr.

  • Merci, Johannes!


    Wollte nicht mit AS-Schwammtuch an die gerade so schön bauenden und Maden pflegenden KS gehen.


    Dies führt ja zu einem Brutstopp und kann u.U. auch die Königin töten. Da ich diese gerade neu eingeweiselt habe, behandle ich lieber mit weniger bienenschädlichen Mitteln.

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!

  • Hallo Johannes,

    danke für die ausführliche Antwort. Den Kunstschwarm im Mai mache ich, um eine oder 2 Warre zu besiedeln, wenn ich dadurch etwas weniger Honig ernte, dann nehme ich das gerne in Kauf.:wink:

    Sabine hat mal irgendwo geschrieben, das sie um diese Jahreszeit mit 700gr Bienen einen Kunstschwarm macht, ohne Probleme.

    Diese Menge Bienen sollte ich auch mit meinen bis nächstes Jahr 5 Völkern zusammen kriegen, heuer mach ich gar nichts mehr, hab ja nur Jungvölker.


    Und jetzt ist mir klar, das die Kö schon im Keller dazu kommt, nicht erst am endgültigen Standplatz, ist eigentlich auch klar, so können Kö und Bienen eine Einheit bilden.

    Die eigentlichen Kunstschwärme werde ich nächstes Jahr auch erst im Juli bilden, das ist schon klar.

    Ob da auch eine Besiedelung einer Warre noch Sinn macht, ist ja alles Naturbau? Wenn der SChwarm groß genug ist und genügend gefüttert wird, sollte auch das gehen, denke ich.