Frühtracht 2008

  • Wie ist euer Fazit der Frühtrachternte?


    Ich selbst bin völlig von den Socken. Hier hatte ich einen Schnitt von ca. 42 kg (!) pro Volk, so etwas habe ich noch nie erlebt. Wohlgemerkt, ich wandere nicht, die Völker stehen nicht im Raps; wie in den Jahren zuvor waren zwei kleinere Rapsschläge knapp unter 1 km entfernt. Die Imkernachbarn berichten von durchwachsenen Ergebnissen, insofern scheine ich mit meinen Königinnen großes Glück zu haben.


    Interessant ist, wie sich die unterschiedliche Volksentwicklung auf den Honig auswirkt. Da immer nur die Ernte eines Volkes in einen großen Hobbock paßte, kann ich Einzelvolkhonig abfüllen :wink:. Zwei zum Vergleich:


    Volk 1 auf dem Stand Hessenberg, 260 m.
    Königin: 2007er von Jovita Lange, der Shootingstar der nordrhein-westfälischen Buckfastzucht. Begattet auf eigener Belegstelle, die Pedigree hält die Meisterin leider geheim. Sanftmut 6, Schwarmtrieb 4. (Edit: mit dem Shootingstar ist Jovita Lange gemeint, auch wenn ihre Königin dieses Attribut ebenso verdient)


    Die Frühjahrsentwicklung ist nach dem Abblühen der Weide (die hier total ins Wasser fiel) explosiv. Die Bienen stürzen sich in die Schlehe; zu Beginn der Kirschblüte ist schon der 2. HR drauf. Zum Raps ist die volle Volksstärke da. Mit dem Ende der Rapstracht will ich schleudern und lasse es dann sein, weil die Waben spritzen - parallel zu den letzen Rapsblüten ist die Robinie schon offen. Das ist hier keine Massentracht, aber genug, um einem die Textur des Honigs zu versauen. So geschehen 2005 - kleine, aber wunderbare Frühtracht, die aber mit dem Festwerden nicht in die Puschen kommt und schließlich nur mittelfein kandiert. Insofern warte ich etwas depressiv das Ende der Robinie ab.


    Die Sorgen waren total unbegründet. Glucose, wohin der Rührer schaut; nach 3 Tagen steht der Honig, den ich gerade noch abgefüllt kriege. Und dann der Probelöffel...


    Die Textur ein Traum, schmelzend wie Kakaobutter, die Kristallgröße muß im subatomaren Bereich liegen. Der Raps orgelt in voller Buttrigkeit, begleitet von schwebenden Mandelaromen (vermutlich von der Schlehe?). Etwas spritzige Säure gibt dem ganzen Klang und Substanz, das ganze Wildobst stellt sich dem Raps selbstbewußt entgegen. Sagenhaft. Die beste Frühtracht, die ich je geerntet habe.



    Volk 2: Heimstand, 210 m
    Königin: 2007er von Johann van den Bongard, Tochter von B29(vdB), alter Buckfastadel, standbegattet beim Meister in Willich. Sanftmut 5, Schwarmtrieb 6. Bei der Ernte fällt die ausnehmend schöne Hochdeckelung auf; beim Entdeckeln klimpern schneeweiße, honigtrockene Sechseckchen von der Gabel.


    Die Trachtsituation ist dem Hessenberg sehr ähnlich (Entfernung 300 m Luftlinie); die Rapsschläge ein bißchen weiter weg. Die Entwicklung ist im Vergleich zu Volk 1 deutlich langsamer; ich setze den 2. Raum viel später auf. Bei der Ernte ist die Honigmenge aber auf das Pfund identisch wie bei Volk 1!


    Die Kandierung ist deutlich langsamer, der Honig ist jetzt immer noch nicht ganz abfüllfertig. Aber auch hier hält sich zum Glück die Robinie zurück, der Honig wird ähnlich fein ausfallen wie der obige.


    Das Bukett ist ganz anders. Der Raps ist deutlich da, tritt aber vornehm einen Schritt zurück. Auch die Säure ist geringer, das Mandelaroma gibt es hier nicht. Stattdessen ein breite Fruchtigkeit wie reife Weintrauben, auch ein Gedanke an Konfekt. Man merkt, daß die frühen Trachtanteile hier fehlen, weil sie vom Volk im Aufbau verbraten wurden. So habe ich zwei verschiedene Frühtrachten im Programm, zwischen denen die fortgeschrittenen Kunden nun die Qual der Wahl haben...

    neuerhonig.de

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  • [OT]Ute - lese ich da "bei Aachen"?


    Ich komme auch aus der Gegend von Aachen. Wenn ich das nächste Mal in der Heimatecke bin, würde ich gern mal etwas Honig von Dir kaufen...[/OT]

  • Hallo Johannes
    Bist du das , der zu seinem Honig die Zettel mit diesen Beschreibungen ausstattet?
    Hast du mir mal eine Abschrift davon (2005 oder 6 ) geschickt?


    Du kannst das und ich glaube dein Honig verkauft sich so fast von alleine.

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • [OT]Stimmt, ich war das, der Deinen Nicknamen nicht kapiert hatte. Ich erinnere mich gut![/OT]


    Ich meine, daß wir im Gegensatz zu den Winzern noch immer nicht kapiert haben, welche Schätze wir da manchmal abfüllen. Das heißt nicht, daß jeder Honig ein Grand Cru ist. Ich hatte nicht nur einmal Mittelmaß oder unbefriedigenden Honig bei einzelnen Ständen. Aber wenn dann so was dabei ist wie bei diesen Völkern, dann sage bzw. schreibe ich den Kunden das auch.


    Sinnvoll beim Verkaufen finde ich inzwischen Vorbestellungen (first to ask, first to get). Das erspart nicht eingehaltene Versprechen auf Zuruf vor 5 Monaten. Wider Erwarten habe ich jetzt sogar mehr Honig, als vorbestellt ist... :-D