Kunstschwarm ohne Kellerhaft

  • Hallo ihr Lieben,


    was ist eigentlich die Initialzündung für die Bildung eines Schwarmgefühls, so wie es bei Kunstschwärmen entsteht und die Bienen dazu veranlaßt, fleißig zu bauen? Die Kellerhaft? Das Abfegen? Die neue zugehängte Königin?


    Ich bekomme Mitte Juni frische Königinnen vom Züchter.
    Diese will ich in Kunstschwärme einweiseln, um eine sichere Annahme zu erreichen.


    Muß ich unbedingt die abgekehrte Bienen in einer Extra-Zarge drei Tage in den Keller stellen?


    Geht es vielleicht auch so wie nachfolgend beschrieben:


    - Komplette Beute des abzukehrendes Volk abheben und beiseite stellen
    - An dieselbe Stelle eine neue, leere, fluglochverschlossene Beute stellen
    - Königin des Altvolkes suchen und herausfangen (im Clipkäfig)
    - Alle Bienen des Altvolkes Wabe für Wabe in die neue Beute abkehren, alternativ vor der Beute mit Aufstiegsbrett
    - Die abgekehrten Brutwaben wieder in das Altvolk zurückhängen
    - Nach zwei Stunden dem neu gebildeten Volk eine neue Königin unter Futterteigverschluss zuhängen
    - Mittelwände hineingleiten lassen bis die ganze Zarge ausgefüllt ist
    - Deckel drauf und Flugloch öffnen
    - Flüssig füttern
    - Zu welchem Zeitpunkt mache ich dann die Milchsäurebehandlung? Vor dem reinhängen der Mittelwände?
    - Im Altvolk einige 1000 Restbienen übriglassen (zur Brutpflege)
    - Altvolk neben den Kunstschwarm auf dieselbe EuroPalette stellen
    - Königin aus dem Clipkäfig wieder dazusetzen

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!

  • So wird es üblicherweise gemacht:


    Video-Infoseite


    Auf der rechten Seite findest Du die Videos in verschiedenen Formaten.


    Ich würde davon abraten die Bienen direkt in die Beute oder auf das Einlaufbrett zu fegen. Erstens herrscht zu große Aufregung, zweitens tropft immer etwas Honig dabei. Das kann dazu führen, daß die Bienen auf dem Einlaufbrett stoppen und den Honig auflecken. Das Einlaufen der Bienen verzögert sich so unnötigerweise. Daher besser in eine Schwarmkiste oder ähnlichem abfegen (mit Trichter). Erst dann paketweise auf das Einlaufbrett schütten.


    Ehrlich gesagt, hört sich das nach einem fürchterlichen Durcheinander an. Erst wird die Wohnung abgerissen, man schlägt hart auf dem Boden der Tatsachen auf (oder auf den Boden der Schwarmkiste) und dann ist da auch noch plötzlich eine fremde Königin. Bisschen viel auf einmal?


    Die Kellerhaft wird in meinen Augen deswegen angewandt, damit die Bienen in ihrem Willen und ihrer Kraft geschwächt werden. Und deswegen anschließend alles mit sich machen lassen.


    Ich verstehe nicht, warum ein Kunstschwarm Kunstschwarm genannt wird. Wenn man liest und beobachtet, was alles zu einem Schwarmprozess gehört, dann ist dieses Zusammenklatschen von Bienen"material" inkeinster Weise ein "Schwarm". Auch die biodynamische Herangehensweise, kurz vor dem Schwärmen den Schwarm vorwegzunehmen, ist meines Erachtens (=nicht allgemeingültig) für die Bienen genauso befriedigend wie ein Coitus Interruptus.


    Wer auf diese Weise verfährt, muß die Bienen natürlich brechen, um sie gefügig zu machen. So ähnlich wie Cowoboys ihre Pferde brechen. Wichtig ist zu erkennen, daß hier Notwendigkeiten geschaffen werden, die aus vorhergegangenem Handeln resultieren.


    Wenn ich pflüge und den Boden umbreche, werden Unkrautvernichtungsmittel notwendig und später auch Insektizide. Aus der ersten Handlung, weswegen sie auch immer durchgeführt wird, entsteht eine Spirale von Abhängigkeiten. Das lässt sich in jedem Falle messen und daher existiert der feste Glaube, daß man ohne chemische Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ackern kann.


    So ähnlich mit dem Kunst"schwarm", der mehr Kunst als Schwarm ist. Durch vorhergehende Handlungen (Chaos im Mikrokosmos Bienenvolk schaffen) wird eine Spirale von Notwendigkeiten geschaffen. Wenn es ohne Kellerhaft dann nicht geht, dann frage Dich, warum das wohl so gekommen ist.


    Bernhard

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von BernhardHeuvel ()

  • Moin, moin,
    ich finde das auch arg kompliziert und extrem stressig.
    Wenn es begattete Königinnen sind, kannst du einen FLKS mit ihnen machen, der braucht nicht in den Keller, und wurde ja grad zur Annahme von wertvollen Königinnen erfunden.
    Mit unbegatteten funzt das allerdings nicht, die riechen nicht genug nach Mama.
    Unbegattete würde ich in einen Ableger aus schlupfreifer gedeckelter Brut setzen, ohne offene.
    Zur MS-Behandlung kann ich nix sagen, weil ich die nicht mache.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
     
    wenn ich Dich richtig verstanden habe, könnte ich im Herbst den FLKS auch mit einer "fremden" Königin machen.
     
    Ich hätte da 3 Fragen:
     
    1. Wie nehmen die abgekehrten Bienen die fremde KÖ im Käfig an? Vermutlich werden viele nach Hause fliegen, sodass im Vergleich zur "eigenen" Königin, eine grössere Menge Bienen zugekehrt werden muss
     
    2. Funktioniert das auch, oder vielleicht sogar besser, wenn ich aus verschiedenen Völkern zukehre?
     
    3. Ich schlage nach ca. 2 Stunden den Schwarm ein und behandle dann sofort. Da keine Brut vorhanden ist, ist die die Behandlung mit meinem Oxamat (OS-Gas) sehr wirksam, aber auch zugleich sehr verträglich, richtg?
     
    Danke schon mal und viele Grüsse
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Hallo, Gerd,
    wann ist bei dir Herbst?
    Ich mache die letzten KS Ende Juli, danach haut es sonst nicht mehr hin mit genug Wabenbau und ausreichendem Bevölkerungswachstum.


    zu 1: kann ich nicht genau sagen, so übermäßig viele fliegen nie ab. Beim letzten hatte ich eine Sackwaage dazwischen (die aber nicht so präzise im unteren Bereich ist), da waren von 1500g nach einer Stunde noch 1300g dran, das reichte mir völlig.


    zu 2: kann ich nix zu sagen, weil ich das noch nicht gemacht habe, bislang reichte ein Volk jeweils ganz gut für die benötigte Menge.


    zu 3: ich lasse nur 1h hängen, und ja, OS ist bienenverträglicher.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • 1. Wie nehmen die abgekehrten Bienen die fremde KÖ im Käfig an? Vermutlich werden viele nach Hause fliegen, sodass im Vergleich zur "eigenen" Königin, eine grössere Menge Bienen zugekehrt werden muss


     
    Da gibt es keinen merkbaren Unterschied, d.h. es muß keine größere Menge Bienen zugekehrt werden. Auch die Annahme einer fremden Königin ist gut.
     


    2. Funktioniert das auch, oder vielleicht sogar besser, wenn ich aus verschiedenen Völkern zukehre?


     
    Das mache ich routinemäßig. Vor allem, wenn ich die Honigräume abnehme, im Juli: Meine Faustregel: Von mindestens 3 Völkern die Bienen mischen, um einen Kunstschwarm zu erstellen.
     


    3. Ich schlage nach ca. 2 Stunden den Schwarm ein und behandle dann sofort. Da keine Brut vorhanden ist, ist die die Behandlung mit meinem Oxamat (OS-Gas) sehr wirksam, aber auch zugleich sehr verträglich, richtg?


     
    Ja.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo BernhardHeuvel,
     
    Dein Vergleich, an dem so ziemlich gar nichts stimmt!
     

    Zitat

    Wenn ich pflüge und den Boden umbreche, werden Unkrautvernichtungsmittel notwendig und später auch Insektizide. Aus der ersten Handlung, weswegen sie auch immer durchgeführt wird, entsteht eine Spirale von Abhängigkeiten. Das lässt sich in jedem Falle messen und daher existiert der feste Glaube, daß man ohne chemische Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ackern kann.


     
    Und der genau aufzeigt, dass Du von dieser Materie keine Ahnung hast.
    Ein Tipp: Formuliere diese Sätze mal zu Fragen um, und stelle sie dann einigen Bauern(Bio-, Getreide-,Milch-,usw)! Die sorgen nämlich primär dafür, dass wir alle was auf dem Teller haben! Du kannst Dir bestimmt nicht vorstellen, unter welchen Zwängen, Sorgen und Nöten diese Menschen stehen. Eine Pauschalverurteilung ist da geradezu primitiv!
     
    Herzliche Grüße, Torsten

  • Hallo Sabiene, hallo liebes Forum,


    meint ihr mit FSKS den Freiluftkunstschwarm nach Sklenar, bei dem die gekäfigte Königin an einer Schnur immer höher gezogen wird, bis die Bienenkugel fett genug ist?


    Und das kann man direkt am Stand machen, ohne daß die Bienis wieder heim zur alten Mama fliegen ???


    Grübel....

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


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  • Hallo, Kai,
    ja und ja.
    Natürlich fliegen wieder welche ab von der Kugel, aber einmal eingeschlagen nach der Stunde "Hängezeit" nicht mehr, zumindest hab ich noch nie merkliche Verluste festgestellt.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    ich mache mir die Arbeit mit dem langsamen hochziehen nicht


    Großer Eimer
    Kö im Käfig an einem Draht reinhängen
    Bienen aus dem Honigraum in den Eimer kehren
    stehen lassen damit sie sich sammeln können
    ein Teil fliegt ab der Rest bleibt
    Einschlagen und füttern


    JA geht am Stand


    Gruß Uwe

  • Aha, und eine Stunde hängen lassen reicht?


    Bei Sklenar blieb der Schwarm über Nacht draußen und wurde erst am anderen Morgen eingeschlagen.


    Das verwunderliche daran ist: wie können die Bienen so schnell ihre Meinung ändern und sogar bis ca. 1,5 kg an einer Traube hängen, wo sie doch vorher eine begattete Mama und ein Dach überm Kopf mit ganz anderem Geruch gewöhnt waren?


    Und danach bauen die Bienen wie ein echter Schwarm?


    Hintergrund der ganzen Fragerei: Ich will die alten Schinken nicht mehr in der Beute haben, da die Bienen die letzten 2 Jahren immer wieder heftige Nosema bzw. Ruhrerkrankungen hatten.


    Ich weiß, es liegt nur am Imker, wenn sowas am Stand auftritt, aber ich krieg während einem Bienenjahr die Kisten einfach nicht gerammelt bienenvoll, wie im Buch "Einfach Imkern" auf den Fotos zu sehen ist. Mit ein Grund ist auch die von Sabiene des öfteren angesprochene Trachtpause bzw. Pollenmangel...


    Daher kommen die neuen Königinnen in frisch desinfizierte Beuten (Natronlauge) und neue Rähmchen mit Mittelwänden.


    Da wir schon fast Jahresmitte haben, will ich mithilfe der schwarmtypischen Baulust diese Mittelwände noch bis zur Einwinterung ausbauen lassen und hoffe, daß genug Bienenfleisch gebildet wird, so daß ich nicht immer mit popeligen 3-4 bienenbesetzen Waben auswintere.


    Die neuen Königinnen, die ich vom Züchter bekomme, sind allesamt belegstellenbegattete Königinnen.

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
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    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!

  • Hallo


    Zitat

    Hintergrund der ganzen Fragerei: Ich will die alten Schinken nicht mehr in der Beute haben, da die Bienen die letzten 2 Jahren immer wieder heftige Nosema bzw. Ruhrerkrankungen hatten.


    Da sieht die Sache doch schon anders aus


    Also suche totaler Bauerneuerung


    In Kurzform


    Alte Beute wegstellen
    Neue Beute mit 2 Zargen und Rähmchen mit MW
    Neue Kö in den Ausfreßkäfig
    Absperrgitter vors Flugloch
    Einlaufbrett davor
    alle Bienen vor die neue Beute kehren
    alte Königin vom Gitter nehmen und erlösen
    Sofort anfangen zu füttern


    Brutwaben in Brutscheune (Suche benutzen) und später den Neuen Völkern zugeben.


    Gibt mit Sicherheit starke Einheiten


    Gruß Uwe

  • :-D Yepp, Uwes Antwort voll unterschreib.:p_flower01:
    Totale Bauerneuerung ist einfacher als über KS zu gehen.
    KS später aus den Brutscheunen bilden mit neuen Königinnen, falls man mehr Völker möchte, sonst als Verstärkung diese Bienen den Völkern zugeben.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Das Abkehren vor einer Beute ist aber nicht gleichzusetzen mit der KS-Bildung?


    Die Bienen kehren nur zurück in ihre Beute und stellen fest, daß ihre Mama nicht mehr gleich riecht...


    Wie kann da ein Schwarmgefühl entstehen, welches die Baulust anheizt?


    Anders formuliert: Warum bzw. wozu macht man eigentlich Kunstschwärme mit Kellerhaft, wenns auch anders geht?

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
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