Eine Schweigeminute

  • Liebe Imkers,
    schweren Herzens habe ich es nunmehr vollbracht und die beiden kümmernden Völker "abgeschwefelt". Das grausige, 30sekündige Aufbrausen werde ich wohl nicht mehr vergessen und ich möchte einen Toast aufbringen im Gedenken an diese letzten Mohikaner, die vom Honigreichtum des letzten Jahres zeugten.


    Eine Schweigeminute später habe ich die letzten Tage dann damit verbracht, das Zeug zu reinigen, auszuschmelzen und was immer zu desinfizieren ging, in 5%ige Natronlauge einzuweichen.
    So vorbereitet habe ich heute durch Einschlagen eines neuen Schwarmes hoffentlich einen Neuanfang geschafft. Der Schwarm war etwas merkwürdig (eine 2kg schwere Traube die sich auf einem Rasen ausgebreitet hatte und dementsprechend schwer zu bergen war) aber ich hoffe, er packt es nun in sauber geputztem Gerät.


    Fürs Daumendrücken & Mitleiden
    dankt
    Melanie

  • :-( Hallo, Melanie,
    mein Beileid, aber ein Ende mit Schrecken ist oft besser als ein Schrecken und langes Leiden ohne Ende.....:-(
    Dein Schwarm hört sich nach Königin mit komisch geschnittenem Flügel an, noch flugfähig, aber nicht so richtig....
    Ich wünsche dir und deinen Bienen ein gutes und gesundes Leben!:Biene:
    (und stell sie was mehr in die Sonne, Wasser zwischen den Zargen ist Mist...:wink:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Fürs Daumendrücken
    dankt
    Melanie


    Diese absolut verabscheuungswürdige Tat verdient ganz sicher kein Daumendrücken und ich würde dringend empfehlen, die imkerlichen Utensilien an den Nagel zu hängen!:roll:


    Ich imkere seit Jahrzehnten und bin beeideter Sachverständiger für Bienenkrankheiten, aber abgeschwefelt habe ich bisher noch kein Volk und dies wird auch Hinkunft so bleiben.


    Mein bisher allergrößter Respekt vor der Berühmtheit Hymenoptera wurde nun aber gewaltig ins wanken gebracht.


    Josef

  • Hallo, Josef,
    ich glaube nicht, daß Melanie die Entscheidung leicht gefallen ist.
    Wer Hornissen umsiedelt, ist schon ziemlich leidensfähig, auch am eigenen Leib.


    Aber ich habe das ganze Drama von Anfang an verfolgt, und ich kann sie verstehen: wenn die Völkerchen bis jetzt nicht mal ansatzweise aus dem Quark gekommen sind, würde das auch nix mehr werden.
    Meinen Hund durfte ich damals endlich einschläfern lassen, als er nicht mal mehr mehr aufstehen konnte (ich hätte sehr gern schon Monate früher das Bolzenschußgerät genommen, aber ohne Tierarzt geht hier ja nix..:roll:), aber wenn ich merke, es geht nix mehr, halte ich einen Imker durchaus für befugt, ein Ende zu machen.
    Und Schwefel ist unschön, aber alles andere, wie bei AFB ganze Stöcke lebend zu verbrennen, ist noch viel unschöner.:evil:


    Es steht mir eigentlich schlicht nicht zu, ihre Entscheidung zu werten, weil ich nicht in ihrer Situation steckte, und alle anderen auch nicht.
    Meinen Respekt für sie hat es nicht ins Wanken gebracht, sondern eher bestätigt, weil eben nicht grad viele hier so etwas öffentlich machen.
    Rückgrat.
    Das ist das Ding, was unseren Verbandsoberen grad mächtig fehlt....:cool:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Wer glaubt, es sich leisten zu können, der werfe den ersten Stein. Meinen Respekt und auch mein Beileid hast Du jedenfalls Melanie. Ich wünsche Dir, daß es mit dem Neuanfang besser gehen wird.


    LG
    Markus

  • Also gerne hätte ich darauf verzichtet - als "Berümtheit" mag ich mich auch nicht bezeichnen aber wenn es andere tun fühle ich mich ja besonders geschmeichelt - aber wenn mir imkerliche Berümtheiten - lokal und Literaturpäpste (Liebig et al.) - mündlich wie schriftlich empfehlen, "Schwächlinge abzuschwefeln" dann wollte ich es nicht wagen, die Imkerei nun neu zu erfinden. Aber Asche auf mein Haupt, ich hätte natürlich erst Dich befragen müssen...


    Was hättest Du mit zwei Völkern gemacht, die nicht mehr genug Bienen haben um gemeinsam ein überlebensfähiges Volk zu bilden ? Und keine anderen Bienenvölker mehr hast?
    Dem Imkerkollegen gegeben? Der hätte sich bestimmt gefreut wenn er hört, daß es an dem Herkunftsstand quasi 100% Verlust gab...Dumm das, hätte ich Dir schicken sollen, die Volksreste...jetzt weiß ich es besser, Danke schön!


    Wenn Du jedem, der nicht explizit Deiner imkerlichen Betriebsweise folgt, empfiehlst, die Imkerei aufzugeben, dann verstehe ich natürlich langsam weshalb die Imkerzahlen Jahr für Jahr zurück gehen...


    Aber mal zu was Wichtigerem: Dieser gefangene Schwarm sitzt merkwürdigerweise auch nach dem Einschlagen immer noch auf dem Boden...auf dem Gitterboden der Beute. Diese Königin scheint nicht mal in der Lage zu sein, nach oben zu steigen. Gefällt mir nun gar nicht...was kann ich denn da noch tun? Gesehen habe ich sie nicht.
    Mal durchsuchen und ev. nach oben setzen oder sowas? Die bauen auch nicht richtig, sondern kleben nur einzelne Punkte an die Zargenwände...


    Merkwürdig das...


    Melanie

  • Ich gratuliere Melanie zur Offenheit.


    Die Verlogenheit, Verschlossenheit und *Unehrlichkeit* vieler (bitte keine Verallgemeinerung)
    Imker stinkt mehr zum Himmel, als der Schwefelstreifen von Melanie.


    Schönes Wochenende-
    Tschiwi
    Fritz.


    P.S. Ich hatte in meinem inzwischen doch schon längeren Erdendasein viele Tiere
    (Rinder, Schafe, Pferde, Tauben, Vögel, Hummeln etc.) - bin auch Hundeabrichter (welch grausliches Wort) und Prüfer - und weiss was es heisst, sich von einem Tier zu trennen.
    Gerade jetzt ist mein Labi bereits wieder 12 Jahre alt und *hatscht* schon durchs Leben.
    Seine sich trübenden Augen verraten, dass unser gemeinsamer Abschnitt endend sein wird.
    (Vielleicht denkt er sich dasselbe, wenn er in meine Augen schaut)
    Ein Enkerl meiner Labidame ist 9 Wochen alt, und kratzt schon an meiner Hundeseele.
    (Wem klopfet, wird auch aufgetan.)

  • Sieht nach Weisellosigkeit aus.So ähnlich habe ich über Winter ein Volk verloren. Alle Bienis waren unter dem Verbauschutz und krabbelten nur noch lahm. Ich habs zu spät entdeckt und die kümmerlichen Reste in die Kälte gefegt.(Ansonsten hätte auch ich abgeschwefelt !!)


    Ich würde 2 Brutwaben mit jungen Maden reingeben, zum einen zum Hochziehen des Schwarms, zum anderen als Weiselprobe zum eventuellen Nachschaffen.
    .....ich weiss, wenn vorhanden.

  • Diese absolut verabscheuungswürdige Tat verdient ganz sicher kein Daumendrücken und ich würde dringend empfehlen, die imkerlichen Utensilien an den Nagel zu hängen!:roll:


    Komische Einstellung.


    Offensichtlich Kranke Völker werden bei mir prinzipiell gemerzt. Eine solche Betriebsweise ist nur gesund.
    Völker die nur noch mit Medikamenten und Imkerlichen Tricks am Leben erhalten werden kosten nicht nur , sie sind auch aus Seuchenhygienischer Sicht eine Tickende Zeitbombe.
    Sie zu Vernichten , alles gründlich zu desinfizieren (auch ohne klaren Befund) zeugt von Verantwortungsgefühl und nicht von Leichtsinn.:daumen:
    Ich kann so etwas nur begrüßen. Es wäre besser um die Biene bestellt wenn so mancher zum Schwefelstrefen greifen würde als zur "Medi.-flasche".
    Also alles gute zum Neuanfang:Biene:.

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

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  • Zitat

    aber wenn mir imkerliche Berümtheiten - lokal und Literaturpäpste (Liebig et al.) - mündlich wie schriftlich empfehlen, "Schwächlinge abzuschwefeln"


     
    das sieht ihm aber gar nicht ähnlich!:roll:

  • ... aber wenn mir imkerliche Berümtheiten - lokal und Literaturpäpste (Liebig et al.) - mündlich wie schriftlich empfehlen, "Schwächlinge abzuschwefeln"


    Wozu und weshalb denn? Kranke Völker kann man sanieren und Schwächlinge verstärken. Zuerst sollte man aber ergründen was überhaupt der Grund für das dahinsichen der Völker ist. Ist man selbst, aus welchen Gründen auch immer, dazu nicht in der Lage dies zu erkennen, sollte man eben Fachleute zurate ziehen.


    Zitat

    Zitat Hym...


    Der hätte sich bestimmt gefreut wenn er hört, daß es an dem Herkunftsstand quasi 100% Verlust gab...Dumm das, hätte ich Dir schicken sollen, die Volksreste...jetzt weiß ich es besser, Danke schön!

    Das ist es offenbar, falsche Eitelkeit und Scham vor den anderen. Da macht es sich halt einfach und greift zum Streifen. Übrigens: der neue Schwarm wird schon wissen warum er lieber am Boden bleibt.


    Auch vom Fachwissen dürfte es nicht sehr weit her sein. Selbst Anfänger der ersten Lektion wissen wie man auf dem Boden liegende Schwärme in die Beute bringt.


    Zitat

    Zitat Franz Wieland


    Ich gratuliere Melanie zur Offenheit.


    Die Verlogenheit, Verschlossenheit und *Unehrlichkeit* vieler (bitte keine Verallgemeinerung)
    Imker stinkt mehr zum Himmel, als der Schwefelstreifen von Melanie.

    Jemand der tötet und und infolge schlechten Gewissens um eine Schweigeminute ersucht ist offen. Jemand der dies verurteilt weil es ganz einfach nicht notwendig ist, ist verlogen und unehrlich.

  • Erstaunlich, daß jemand, der seinen Beruf im Mitgliederprofil als >Imkermeister< angibt, zu solchen Worten gegenüber Hobbyimkern fähig ist... In unseren ersten Anfängerjahren waren wir alle auch nicht gerade auf Rosen gebettet, oder?


    Ich wünsche Melanie für den Neuanfang alles Gute. Auch meine Bienen stehen diese Jahr nicht gerade blendend da...


    Eine Diagnose wurde bei meinen Kümmerlingen schon gestellt: es war im Spätwinter die Nosema und nun ist es die Maikrankheit...


    Entsprechende Maßnahmen wurden bereits getroffen (Umsetzen in neue, desinfizierte Beuten, Bienen enger halten, mit Brutwaben aus anderem Volk verstärken, mit lauwarmem Zuckerwasser einsprühen).


    Jedoch habe ich -wie auch andere Imker und Züchter- den Eindruck, daß sich die Bienenvölker dieses Jahr eher schwer tun, auf eine angemessene Stärke zu kommen...

    Viele liebe Grüße aus dem Saarland!
    Kai Kopmeier
    __________________________


    Das Staunen ist eine
    Sehnsucht nach Wissen!