Bestäubungsimkerei

  • Hallo,
    merkwürdig, meine Kollegen werden seit diesem Jahr mittels Prämien zum Bestäuben angelockt. Das war seither nicht üblich. Da musste ich zu Abwandern mit und meine müden alten Augen erspäten in einer riesengroßen Obstanlage Hummelbeuten aus dem letzten Jahr. Liegt hier der Schlüssel. Ein Hummelvolk kostet ca. 170 €. Der Imker wird mit 35 € bezahlt und bringt ein Zigfaches an Blütensteten. Wieviel Hummelvölker benötigt ein Anlage von 100 ha. Wer allerdings an einen reichen Honigsegen dacht, lag auch falsch. Nur wenige Waben angetragen. Die Völker machten eine "lumpfen" Eindruck (Hartmut, das ist keine Schweinerei). Keine toten Bienen vor dem Flugloch, doch den Völkern fehlte es. Auch die Saatguterzeuger bezahlen seit neuestem. Raps blüht nur kurz, Tracht sehr sehr mäßig. Die heimischen Imker lassen sich nicht in Plantagen locken.
    Wer hat da Erfahrungen?
     
    Gruß
    R:pmstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo
    Also bei mir ist es auch vorbei mit Bestäuben in Obstanlagen. Die Rechnung ist ganz einfach. Wenn ich Glück habe, dann werden die Völker nicht leichter. Der Aufwärtstrend wird aber gebrochen und ich bin nie sicher, ob und was gespritzt wird. Ich kann das auch nicht kontrolieren, da ich ja nicht immer vor Ort bin. Ich kann nur die Völker vergleichen. Wenn ich dann noch vergleiche was an Nektar an anderen Standorten beim Löwenzahn oder Raps reinkommt und was mir das an Ertrag gibt, dann reichen die Bestäubungsprämien bei weitem nicht aus, mir den Erwerbsausfall zu bezahlen. Das ist aber meine persönliche Ansicht als Berufsimker. Ein Hobbyst muss nicht so scharf rechnen.
    Freundliche Grüsse
    Hugo

  • Hallo Hugo,
    ich kann jedes Wort von dir unterstreichen. In einer großen Anlage wird immer gespritzt, das geht nicht vor kurz vor Sonnenuntergang. Auch der Hobbyimker möchte einen Ertrag, wenn er auch letztlich nicht davon lebt. Das Verbringen eines Volkes zur Bestäubung zur Rapszeit kostet den braven Imkersmann bei 20km Entfernung 138€ pro Volk, wenn er mit 10 Völkern anwandert.
    Gruß
    Remstalimker

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  • Hallo
    Das geht doch locker.
    Arbeitszeit, Fahrzeug, Ausfall Honig von mindestens 30 kg p.Volk. Wenn man dann noch rechnet dass ein Volk aus der Bestäubung oft ein Totalausfall für die Saison ist und nur noch Kosten für die Pflege und Futter verursacht, dann entstehen locker solche Zahlen.
    Gruss
    Hugo

  • Hallo Helmut, hallo Hugo,
    ich möchte das nicht öffentlich vorrechnen, ich bin da geheilt. Kürzlich habe ich vorgerechnet, um welchen Preis man ein Volk erstellt. Ich habe immer noch ein blaues Schienbein. Einer hat sogar sein Vorbehalte gegen Institute reingerechnet. Zum Schluss waren wir dann auf wenige Kröten derselben Meinung.
    Helmut, setze wie Hugo erwähnt 30 kg Raps Einkaufspreis pro Volk ein, weil du in der Plantage nichts bekommst, dann noch die Fahrstrecke für drei Fahrten.
    Hier ist noch nicht eingerechnet, dass diese Völker mindestens 21 Tage nicht mehr hauen und stechen.
    Gruß
    Herbert

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  • Hallo, Hugo,
    wir haben das auch gerechnet, allerdings plus permanenter Anwesenheit auf der Plantage plus Ersatzbeschaffung der Ertragsvölker: das Resultat war erschreckend.
    Unter knapp 200€ pro Volk für 3-4 Wochen unter Inkaufnahme eines Totalschadens durch Spritzung mit Spätschaden geht da gar nichts, und das zahlt (noch) keiner.
    Die Mandelbestäubung in Kalifornien ist allerdings auch innerhalb von 3 Jahren von 30-50$ auf über 140$ hochgegangen, obwohl der break-even nur bei 120$ für die Mandelbauern lag.
    Aber entweder 20$ drauflegen oder gar keine Ernte, auch sie haben Lieferverträge, und da kommen 70% der Mandeln der Welt her...:roll:
    Die Obstplantagen hier wollen gar keine Vollbestäubung, aus Angst vor Alternanz, obwohl sie eh von Hand ausdünnen müssen, und Tafeläpfel erheblich besser bezahlt werden als Mostäpfel, und es einen Markt für Sortenmost gibt, vor allem im Bio-Bereich.
    Und hier sowie im Alten Land sind die Strukturen zu kleinräumig, ein Bauer mit Bestäubungsbienen kann die leider nicht auf seinen Grund beschränken, da profitieren auch die geizigen Nachbarn von....:roll:
    Und die großen Obstplantagen im Osten ferkeln entweder rum oder mieten sich 3 Wanderwagen a 40 Völker und ziehen die dann nach und nach über die 2000ha...:roll:
    Raps wird hier noch gar nicht bezahlt, "ist doch Windbestäuber"..:roll:.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Mal ne dumme Frage:
    Warum bekommt man aus der Bestäubung von zB Äpfeln keinen Honig?
    Sind die "Profibäume" geiziger mit dem Nektar als meine im Garten?

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • Hallo Drollhos,
    in der Regel geben Kulturpflanzen weniger Nektar. ich habe langjährig beobachtet, dass es bei der Obstbaumblüte besonders gut honigt, wenn der Löwenzahn blüht und in der Nähe ein Rapsfeld blüht.
     
    Hallo Sabiene,
    tatsächlich wird bei uns um ersten Mal bei der Saatguterzeugung bezahlt. Am ersten Tag hatte man noch 4 Kg Zunahmen, dann soll es nicht mehr berauschend gewesen sein. Kann es aber auf Wunsch erkunden. Da bei der Hybriderzeugung die Mutterpflanze keine Pollen hat, vermute ich, dass dies mittels Hormonen geschieht. Auch nicht das Gelbe vom EI.
     
    An alle,
    bei der von mir angeführten Obstplantage werden sogar an ortsansässige Imker "angeblich" Prämien bezahlt. Ich glaube aber nichts.
    HERR, DIE NOT IST GROß!
     
    Die badischen Imker klagen im Moment Schadenersatz ein. Eine Kommission will in den nächsten Tagen den Tatort besichtigen. Ob die Imker so schlau sind wie die Kommission.
     
    Gruß
    Herbert

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