Heute kam "Die Biene"...

  • ...mit einem 3 Seiten-Artikel von Herrn Dr. Liebig: Warum Bienen schwärmen.
    Er hätte sich gaanz locker die 3 Seiten sparen können und einfach schreiben können: "ich weiß es nicht".
    Fakt ist jedenfalls, daß Walt Wright mit seiner Analyse des Schwarmprozesses 100% näher dran ist als Herr LieBig.
    Warum nimmt er bei Ameisen die Vermehrung als völlig normal hin, aber bei Bienen nicht?
    Bienen haben keine andere Möglichkeit, als sich per Schwarm zu vermehren.
    Ich vermisse bei ihm schwerstens die Einsicht der Schwarmvorgänge, die nicht wesentlich anders sind als bei Ameisen.
    Eine Aussicht auf eine erfolgreiche Vermehrung haben Bienen nur bei Volltracht, und die ist JETZT.
    Warum hat jemand mit 30 Jahren Erfahrung immer noch nicht begriffen, daß eben nicht "drohende Schwarmstimmung aufkommt", sondern das völlig normal ist?
    Ein Volk, was nicht mal ansatzweise versucht, zu schwärmen, ist fast tot.


    Warum sehen Imker, und sogar die so hochwissenschaftlich gebildeten, die es besser wissen müßten, immer noch den Schwarmtrieb als "Gefahr"?
    Welcher Schafzüchter wäre unglücklich, wenn seine Mädels sich fortpflanzen?
    Warum lernen die Imker nicht endlich, MIT den Bienen zu arbeiten, statt deren ursprünglichste Instinkte zu bekämpfen?:evil:
    Dabei ist es so einfach...:roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hi Sabine,


    Du kannst ja mal mit dem großen Meister diskutieren. :Biene:
    Oder, wir laden ihn im Februar 2009 als Referenten ein? :-D

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Na, das ist doch ganz einfach.
    Wenn Du so 15....20 Meter hohe Kiefern auf dem Grundstück (oder in dessen Nähe) hättest, würdest Du solche Fragen gar nicht stellen.
    Ich hätte mir letztes Jahr beim Schwarmfangversuch in ca 14 Meter Höhe beinahe ein Ohr abgerissen - danach hab ich dann den letzten regierenden sächsichen König zitiert: "Macht doch Euren Dreck alleene..."


    Ne, mal ohne Mist, freilich ist der Schwarm die natürliche Vermehrung der Bienen. Für den Imker aber ein Verlust, wenn er aus verschiedenen Gründen den Schwarm nicht einfangen kann. Diese Gründe können in der Natur der Umgebung liegen, Berufstätigkeit, zänkische Nachbarn usw. sind ebenso hinderlich.


    Und: von der reinen Freude am Naturschauspiel kann keiner leben, nicht mal die Bienen, die, wenn sie nicht "eingeschlagen" werden können, auch blos einem ungewissen Schicksal entgegen sehen.... so romantisch ist die Welt meist nicht, wie man sie gern hätte.


    Grüße ralf_2

  • Tja, der kann ganz schön polarisieren, und dieses Image nützt er auch weidlich aus.
    Ich kenne niemanden, dem er egal ist, aber viele, die ihn für einen der größten unserer Zunft halten, aber viele (so wie mich), die mit ihm nie klarkommen werden.
    Nota bene:
    Damit meine ich nicht seine Veröffentlichungen, die sind oft spritzig und gut geschrieben, damit meine ich die Art, wie er auftritt.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Halllo Sabine,
    leider keine Bienenzeitung...
    Was hat Dr. Liebig denn zum Thema Futtersaftstau geschrieben?
    Bin mir sicher, das er das erwähnt hat.
    So sehr ich Gerstung schätze, vor allem seine Ansicht über die Brutnestordnung, hier lag er meiner Meinung daneben.
    Warum sollte ein Bienenvolk, das sonst mit allem sparsam umgeht,
    ausgerechnet hierbei Überschüsse erzeugen?
    Bei fehlender Baumöglichkeit, um das mal als Vergleich zu fehlender Futtersaft abnehmender Brut zu nehmen, überspringen die Bienen diesen Lebensabschnitt;
    was sie dabei nicht können?
    Und warum fliegen so wenig Bienen dieses Alters dann mit im Schwarm?
    Demnach müsste ein Ableger, gebildet mit vorwiegend Bienen dieses Alters,
    nach kurzer Zeit schwärmen.
    Gerstung hat den Beginn des Schwarmgeschehens zu spät angesetzt.
    Der Anfang liegt viel früher, nach erfolgreicher Überwinterung.
    Ein Schwarm dient zur Vermehrung, mehr nicht.
    Das ist gleichzeitig die Ursache.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo, Michael,
    es ist doch ganz einfach mit den Bienen und dem Schwärmen.
    Warum wird es so tierisch kompliziert gemacht, und so wahnsinnige Bemühngen unternommen, es um jeden Preis zu verhindern?
    Ich "verhindere" es auch, aber ich habe fast keine Arbeit damit, weder mit Schwarmvorwegnahme noch mit dem CB.
    Ist es denn tatsächlich SO schwer anzunehmen, daß tatsächlich das erste Ziel jedes Volks ist, den Schwarm zu schaffen?
    Und daß kaum etwas, was Imker tun, dagegen ankommt?
    Anscheinend ist dafür wirklich ein Paradigmenwechsel nötig.
    Ich hab im anderen Thread geschrieben, wie wenig ich tue beim Nachgucken, um den optimalen Zeitpunkt für die Schwarmvorwegnahme zu sehen, und dann entsprechend zu handeln.
    Es geht sehr viel einfacher, als allgemein gelehrt wird, nur: das wollen die Imkers nicht.
    Wo bleibt denn dann der Hauch des Exklusiven und der "echten Kunst"?:lol::cool:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Ralf2,
    von Flügelstutzen der Königin hast Du schon gehört?
    Dazu empfehle ich noch die einzig sichere Methode der Schwarmverhinderung:
    Wegnahme der Königin.
    Viele Grüße
    Lothar

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    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ein Volk, was nicht mal ansatzweise versucht, zu schwärmen, ist fast tot.


     
    Hallo Sabi(e)ne,
     
    das ist die eine Variante. Die zweite ist die: Nach Jahrzehnte andauernder Auslese ist es den Imkern (endlich?) gelungen, eine Honigbiene mit extremer Schwarmunlust zu züchten.
     
    Wie Ralf_2 schon schreibt, es gibt Imker die können halt nicht zur Zeit der Schwarmstimmung regelmäßig in die Kästen schauen und den genauen Zeitpunkt zur Teilung, Schröpfung, Schwarmvorwegnahme oder was weiß ich abpassen. Das Resultat sind Schwärme, die man als berufstätiger Imker wohlmöglich ganz verpasst, oder aber mühselig wieder einsammeln muss.
     
    Seien wir doch ehrlich - dem Großteil der Imker geht es darum, möglichst viel Honig zu ernten. Und ein Bienenvolk, dass nicht schwärmt, und dem man das Schwärmen nicht durch irgendwelche Maßnahmen abgewöhnt, bringt nunmal den größten Honigertrag.
     
    Mit dieser Sichtweise ist die Bezeichnung des Schwarmtriebs als "Gefahr" vielleicht nachvollziehbar. Zu den natürlichen Instinkten der Bienen gehört ja wohl eigentlich auch die Stechlust - bist Du nicht froh, dass dieser Instinkt durch Zucht (auch gegen die Natur der Biene, aber eben zum Vorteil für die Imker) etwas beruhigt wurde?
     
    Da fallen mir spontan noch Deine Hühner ein: Wärst Du glücklich, wenn das Vermehrungsverhalten, kurz die Anzahl der jährlich gelegten Eier, nicht über Jahrhunderte züchterisch verbessert worden wäre? Die Anzahl der Eier läge ansonsten je Huhn bei schätzungsweise 20 (2 Gelege zu je 10). Das wäre dann normal.
     
    Gruß,
    Anderl

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hallo Anderl,
    Hallo Zusammen,
    ja, Honig, viel Honig, wollen wir ernten.
    Aber mit den Bienen, nicht gegen sie.
    MIT den Bienen heißt, sie kennen lernen.
    Dazu gehört die Ursache des Schwärmens zu wissen.
    Futtersaftstau, Raumenge, Vererbung, Alter der Königin, Tracht, Wetter und was weiß ich noch alles,
    das setzt eigentlich schon im Ablauf des Schwarmgeschehen an,
    nicht bei der eigentlichen Ursache.
    Diese ist nunmal der Vermehrungstrieb.
    Auch wenn es schwarmträge Völker gibt, sind sie es wirklich?
    Oder sind sie nach betriebstechnischen Kriterien ausgewählt?
    Völker, die auf gängige Betriebsweisen gut ansprechen, werden bevorzugt vermehrt.
    Was passiert, wenn man bei solchen Völkern diese Betriebsweisen nicht anwendet?
    Die Biene vom Imker, der seine Völker schröpft, entsprechend ausgelesen,
    was macht diese, wenn man das Schröpfen wegläßt?
    Wenn es wirklich Bienen mit schwachen Schwarmtrieb gäbe,
    bräuchten wir hier nicht zu diskutieren...
    Sanftmut ist immer noch Auslegung des Imkers.
    Was für den einen schon ein Stecher ist, läuft bei einen anderen vielleicht noch als gut handhabbar...
    Wollen wir wirklich Bienen ähnlich wie die zum Vergleich herangezogenen Hühner:
    mit hoher Leistung, aber nicht mehr in der Lage, selbst zu brüten?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Nota bene:
    Damit meine ich nicht seine Veröffentlichungen, die sind oft spritzig und gut geschrieben, damit meine ich die Art, wie er auftritt.


     
     
    Er ist unbestritten die Nr. 1 und den Namen "Imkerpapst" erweist er sich als würdig! Wer es nicht glaubt, kann ja versuchen ihn bei einem seiner Auftritte heraus zu fordern :lol::lol:
    Seine Auftritte sind sehr souverän und er strahlt einfach eine Selbstsicherheit aus die bemerkenswert ist!
    Schwärme, wer will sie überhaupt - keiner!

  • Ich sagte ja, Xaver, der Mann kann gut polarisieren.
    Und den "Unfehlbarkeitsstatus" hat er auch schon gleich mit übernommen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Simon!


     
    Du bist ein Sch:lol:lm. Du könntest nach Meinung meiner badischen Landleute ein Schwabe sein - fertige Völker nehmen, kostenlos und bequem. So lässt sich satt und genüsslich imkern.
     
    Gruß
    Remst:plimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol: