Imkersterben ?

  • Moin,
    es sind ja doch eine ganze Reihe "Anfänger", so wie ich auch noch einer bin, und wie die zahlreichen Imkervereine so dringend suchen, hier im Forum und auch sonst in freier Wildbahn auszumachen.


    Hier in meinem Verein starten wir nächsten Monat wieder eine Pressekampagne mit sowatt wie "Tag der offenen Tür".


    Diesbezüglich würde es mich doch einmal interessieren ob es eurer Meinung nach tatsächlich weniger Neu-Imker gibt wie ältere die aus Alters- bzw. Gesundheitsgründen mit der Imkerei aufhören.


    Oder ist dem gar nicht so ?? Oder evtl. nur punktuell und regional ???



    Ahoi
    Norbert

  • Hallo Norbert
     
    Jedenfalls hat sich das schon wie Imkersterben angehört als ich letztens die Einladung zur Jahreshauptversammlung bekam.
     
    Punkt 1 der Tagesordnung
    Begrüßung durch den Vorsitzenden.
     
    Punkt 2
    Gedenken an die Verstorbenen
     
     
    Inzwischen weis sich daß das in Vereinen normal ist, aber das wirkt irgendwie so als müssten viele gestorben sein wenn das so weit oben auf der Tageordnung steht.:p
     
    Bei der Anmeldung im Verein wurde mir, als ich mein Alter mit 44 angab geantwortet: Ahh, endlich mal wieder ein Junger!
    Da bin ich mal gespannt was ich da auf der Hauptversammlung zu sehen kriege.
     
    Gruß
    Markus

    Wenn zu perfekt, liebe Gott böse! Nam June Paik

  • Hallo,
     
    ich war an diesem Wochenende zum ersten Mal bei unserem hiesigen Imkerverein.
     
    Von 18 anwesenden Leuten waren vier zwischen 35 und 40, einer ca. 50 und der Rest, sorry für den Ausdruck, schon halbtot (d.h. weiiiiiiiiiit über 70). Drei der jüngeren, u.a. ich, waren Gäste zum reinschnuppern.
     
    Nicht nur geringe Zahl der Mitglieder und deren hohes Alter waren erschreckend. Vor allem das Ausmaß des Generationenunterschieds ist geradezu tödlich! Wenn ich mir die Vielfalt der Ansichten hier im Board anschaue, sowie die vielen neuartigen Ideen wie Checkerboarding, Small Cells, Naturbauwaben, Warré-Beuten etc... sowas brauchst Du nicht mal im Traum dort anzubringen.
    Das war weder polemisch noch böse gemeint, aber wenn derart viele verstaubte Knochen vorherrschen, dann ist das mit jungem Nachwuchs und neuen Ideen so ne Sache.

  • Hallo, Norbert,
    nach *meiner* Erfahrung finden gaaanz viele Leute, egal welchen Alters, Bienen absolut faszinierend, trauen sich aber nicht dran, weil es a) als Hobby für alte Männer gilt, b) als sehr teuer beim Einstieg und c) es zwar ne Menge imkernde Frauen gibt, die aber oft nicht grad im Verein häufig gesehen werden - es gilt als Männerhobby (aber eben für ältere...:roll:).


    Für mich habe ich daraus die Konsequenzen gezogen, daß ich die Miet/Leasing-Lösung anbiete in Verbindung mit einem kuscheligen Anfängerkurs (5 ist Höchstgrenze, da bin ich dann manchmal schon an der Grenze meines Leistungsvermögens, wenn alle gleichzeitig an ihrem jeweiligen Volk rumfummeln und alle gleichzeitig rufen, ich soll mal gucken....:lol:
    Schön nacheinander geht nicht, dann wäre der ganze Nachmittag vertrödelt.)
    Damit sind a), b) und c) ausgehebelt und entkräftet.
    Im Schnitt hab ich die letzten Jahre genug Nachfragen für etwa 3-5 Kurse pro Woche, die Mundpropaganda plus die Honigproben der Teilnehmer in ihrem Bekanntenkreis reichen.
    Vor allem bei 14-16jährigen Jungs scheint es megacool (oder was immer man grad sagt) zu sein; einer sagte, da hätte man immer was zum Reden, wo die anderen nicht mithalten könnten...:lol:


    Sagen wir so, wenn alle, die hier bei mir gelandet sind, weitermachen (was ich bezweifle, die meisten werden erst nach Studium/Heirat/Hausbau wieder Imker werden), hätten wir hier keine Nachwuchssorgen.
    (und wenn der Verein ein bißchen fetziger wäre, und man auch mal reden könnte, statt zusammen Filme zu gucken oder einem Vortrag zu lauschen, und dann, weil es mitten in der Woche ist, hurtig nach Hause zu eilen, weil es schon wieder nach 22 Uhr ist...:roll:)
    Und Paten im Sinne von "regelmäßig hinfahren, gucken, korrigieren, erklären, wiesowarumweshalb, und sich anhören, was Anfänger so denkt" gibt es da nicht.
    Entweder man tut, was einem gesagt wird, oder man läßt es. Punkt.
    Wer fragt, warum er etwas genau SO machen soll: dat macht man so.
    Wenn da einer ankäme, der von Anfang an Buckis auf Dadant halten wollte, er wäre verloren....:roll:
    Von daher ist noch viel Potential an noch nicht eingefangenen zu werdenden Jung-Imkern da...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabiene,
     
    also wenn ich von meinen Bienen rede gibts durchaus viele neugierige Augen!
    Also an potentiellen Nachwuchs mangelt es nicht.

  • Hallo !
     
    Imkerverein mit ca. 120 Mitglieder ... stagnierend.
    Das bedeutet ... genausoviel Abgänge wie Neueintritte ....
    Zugang ca. 50/50 Männlein/Weiblein.
     
    Altersschnitt so ca. 55 Jahre (wenn man also so von 15-85 Jahre imkert, dann fast mitten drin). Normale Veranstaltungen so wie Standbesichtigung, Belegstellenfest, u.s.w. mit 30-50 Pers. vorwiegend jünger, / JHV, Weihnachtsfeier >70 Pers. meist Älter.
     
    Unterschiede sind klar erkennbar:
    ... kleine Vereine, ohne Öffentlichkeitsarbeit, Homepage, Jungimkerlehrgang, Jungimkerförderung, werden immer kleiner, das sind eingeschworene Zirkel
    ... mittelgroße Vereine die sich bemühen können Ihre Zahlen nach einer Zeit des abwärts stabiliesieren
    ... große Vereine (z.B. Bienen-Instituts-Nah oder mit Fördercharakter) haben (teilweise nicht unerhebliche) Zugänge
     
    Wir z.B. sind ein Mittelgroßer Verein auf einer Fläche mit ca. 120000 Einw., auf der einen Seite ist ein recht großer Verein mit über 200 Mitgliedern (sehr aktiv - schöner, neuer und großer Lehrbeinenstand - der halbe Vorstand besteht aus Bieneninstitutsmitarbeitern), Richtung Westen schließen sich 5 Vereine an unser Gebiet an, die nicht einmal 100tsd Einw. haben. Von dennen hört man nichts .... außer ein paar Einzelkämpfer.
     
    Gruß
    Bienen.Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Wenn ich so die Imkerzeitungen durchblättere und die Todesanzeigen lese frage ich mich wieso das bei den Imkern so ist.
    In keiner Modellbau-,Segel-,Computer-,Koch-,Elektronik- oder Musikerzeitung ist sowas üblich .


    Mit meinen 37 Jahren habe ich kein Interesse an einem Verein,da es ja auch noch andere Hobbies (s.o.) gibt.Bei den Vereinen hatte ich den anschein das erwartet wird nur für die Bienen zu leben und alle anderen Bereiche des Lebens links liegen zu lassen :-(

    Grüssle aus dem Nordschwarzwald


    Lagerfeuer1971

  • Moin Markus,

    Jedenfalls hat sich das schon wie Imkersterben angehört als ich letztens die Einladung zur Jahreshauptversammlung bekam.
    Punkt 2
    Gedenken an die Verstorbenen


    Ja, das ist wohl richtig, aber ich sehe das auch als einen geschellschaftlichen Gewinn. Schau mal, es gibt Kneipen für langhaarige, für Glatzenträger, für Alte und für Halbstarke usw. Das finde ich ehrlich gesagt zum Übergeben.... und deshalb finde ich gerade die Imkervereine als "normale" Mixtur aller Altersgruppen prima. Ich denke da wird neben dem historischen Austausch , also von Alt zu Jung auch genügend Moderne ausgetauscht, eben dann mehr von Jung zu Alt das finde ich wirklich super.
    Eben so wie es z.B. vor 10 Jahren etwa noch in Irland war, da saßen die Enkel auf dem Schoß der Großeltern im Pub ...



    Bei der Anmeldung im Verein wurde mir, als ich mein Alter mit 44 angab geantwortet: Ahh, endlich mal wieder ein Junger!


    :-) Tja, da sind wir ungefähr in gleichem Alter. Ich freue mich schon wenn ich in ein paar Jahren meinen jetzt 7 Jährigen Enklel im Verein anmelden kann..... aber auch aus dem Grund das er dann nicht nur unter Gleichaltrigen einem schönen Hobby nachgehen kann.



    Ahoi
    Norbert

  • Moin Hans2,


    ich war an diesem Wochenende zum ersten Mal bei unserem hiesigen Imkerverein.
     
    Von 18 anwesenden Leuten waren vier zwischen 35 und 40, einer ca. 50 und der Rest, sorry für den Ausdruck, schon halbtot (d.h. weiiiiiiiiiit über 70).
    Das war weder polemisch noch böse gemeint, aber wenn derart viele verstaubte Knochen vorherrschen, dann ist das mit jungem Nachwuchs und neuen Ideen so ne Sache.


    Ja, das ist bei uns ähnlich, aber wie ich schon sagte für mich kein Problem. Einer meiner besten Imkerfreunde ist weit über 80 und noch ganz schön auf Draht, bewirtschaftet z.Z. knapp 30 Völker und ist auch (bis auf die Beuten) dem Fortschritt in der Imkerei aufgeschlossen. Mein Imker "Pate" hier im Verein ist 70 und Imker durch und durch der fährt auch in diesem Alter noch auf alle mögliche Lehrgänge und Fortbildungsveranstaltungen und ehrlich gesagt empfinde ich das aus meiner Sicht eher positiv.


    Ahoi
    Norbert

  • Wenn ich so die Imkerzeitungen durchblättere und die Todesanzeigen lese frage ich mich wieso das bei den Imkern so ist.

    Ganz einfach: Imker ist man und Imker bleibt man, bis man den Stockmeißel abgibt. Imkern ist kein Hobby. Imkern ist eine Lebenseinstellung. Man ist als Imker gewöhnlich nicht extrem mobil und daher hat man schon oft andern am Orte geholfen, die sich nun nicht mehr revanchieren oder bedanken können. Man hat Anteil am Leben der Region. Man wohnt beieinander und kennst sich schon Jahre und da ist es durchaus üblich und angemessen einmal im Jahr derer zu gedenken, die sich mit den Bienen inzwischen den Luftraum teilen. Aus einem Imkerverein tritt man nicht aus. Man verabschiedet sich auf natürlichem Wege. Und Totenfall bleibt nicht unbemerkt.

    Zitat

    In keiner Modellbau-,Segel-,Computer-,Koch-,Elektronik- oder Musikerzeitung ist sowas üblich .

    Genau, das ist der Unterschied. Den Modellbauern sind ihre Toten keine Zeile wert und spätesten, wenn Opa die neueste Mehrkanalanlage nicht mehr versteht oder die Kontakte vom Mini-Servo nicht mehr erkennen kann, dann ist da Schluß mit lustig.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Sabine,


    Hallo, Norbert,
    nach *meiner* Erfahrung finden gaaanz viele Leute, egal welchen Alters, Bienen absolut faszinierend, trauen sich aber nicht dran, weil es a) als Hobby für alte Männer gilt, b) als sehr teuer beim Einstieg und c) es zwar ne Menge imkernde Frauen gibt, die aber oft nicht grad im Verein häufig gesehen werden - es gilt als Männerhobby (aber eben für ältere...:roll:).


    Das stimmt wohl. Gerade in Imkerfamilien kenne ich keinen einzigen Sohn oder Tochter die mit dem Vater / Mutter dieses Hobby teilt.... bestenfalls mal die Frau /Mann.



    Für mich habe ich daraus die Konsequenzen gezogen, daß ich die Miet/Leasing-Lösung anbiete in Verbindung mit einem kuscheligen Anfängerkurs


    :-) Ja ein kreativer Kopf, ich hab mir's gleich gedacht :-)



    Vor allem bei 14-16jährigen Jungs scheint es megacool (oder was immer man grad sagt) zu sein; einer sagte, da hätte man immer was zum Reden, wo die anderen nicht mithalten könnten...:lol:


    Genau, mein Enkel ist zwar erst 7, aber das es in Amerika "Killerbienen"
    gibt und Bienenstiche auch mal gefählich sein können haben den Knirps gleich in den Bann gezogen ... hoffentlich bleibt das so.... auch ohne Killerbienen.



    Sagen wir so,
    Von daher ist noch viel Potential an noch nicht eingefangenen zu werdenden Jung-Imkern da...:wink:


    Tja, datt licht dann an allen.... packen wir's an...



    Ahoi
    Norbert

  • Moin Henry,

    Ganz einfach: Imker ist man und Imker bleibt man, bis man den Stockmeißel abgibt. Imkern ist kein Hobby. Imkern ist eine Lebenseinstellung. Man ist als Imker gewöhnlich nicht extrem mobil und daher hat man schon oft andern am Orte geholfen, die sich nun nicht mehr revanchieren oder bedanken können. Man hat Anteil am Leben der Region. Man wohnt beieinander und kennst sich schon Jahre und da ist es durchaus üblich und angemessen einmal im Jahr derer zu gedenken, die sich mit den Bienen inzwischen den Luftraum teilen. Aus einem Imkerverein tritt man nicht aus. Man verabschiedet sich auf natürlichem Wege. Und Totenfall bleibt nicht unbemerkt.Genau, das ist der Unterschied.


    Das trifft es auf den Punkt . Sehr schön !
    Regionalbedingt noch in nicht ganz so viele Klassen aufgeteilt wie "Hierzulande".


    Ahoi
    Norbert