Vogelmiere

  • Seit Tagen fällt mir auf, daß meine Sumsen geradezu in Hochtrachtstimmung sind. Die Kirschen und Reineclauden fangen an aufzublühen, ebenso die Felsenbirnen, Schlehen und sogar die Ahörner.
     
    Obwohl ich auch auf diesen Gehölzen Bienen entdecke, erklärte das dortige Bienenaufkommen nicht diese Hektik. Um unser Dorf herum gibt es Weinberge und Äcker im Verhältnis 50:50. Die Rapsäcker sind mindestens noch 10 Tage vom vollen Aufblühen entfern. Also noch alles ziemlich leer.
     
    Heute, nach einem ausgiebigen Regentag vorgestern, ist ein Sonne-Wolken-Wind-Wetter bei ca.13 Grad. Es ist 15 Uhr Ortszeit. In der Luft liegt ein süßlicher Duft der mich an Löwenzahn erinnert. Also mach ich mich auf die Suche nach den aufblühenden Löwenzahnblüten.
    Naja, bis auf ein undefiniertes Gebrumme um mich herum sind die Weinberge eigentlich auch noch nicht richtig mit blühendem Löwenzahn gesegnet.
     
    Woher zum T... dieses Gebrumme?
     
    Ich schau auf die Füße.... und da sind sie ja alle..., ca. die Hälfte meiner Sammel-Summsen (ich kann das sagen, da ich im Umkreis von mindestens 4 km der einzige bin, der Bienen besitzt).
     
    Die Weinberge sind zur Zeit Hektarweise mit Myriaden von blühender Vogelmiere übersäät. Die Blüten werden sehr eifrig abgesucht, und sind tatsächlich auch die Quelle dieses Duftes!
     
    Tssss! Wer hätte das gedacht?? Die unscheinbare Vogelmiere eine Hochtrachtpflanze...!!
     
    Ich frage mich, unter welchen Umständen diese Pflanze honigt. Obwohl diese ganzjährig blüht, scheint sie nicht immer für die Bienen derart interessant zu sein. Zuminest schlägt sie momentan in Sachen Interesse sogar die aufblühende Vogelkirsche.

  • Hallo aus Südtirol
     
    Von den süßen Düften rieche ich bei meinem Bienenstand nichts. Ich rieche nur Hühnermist, den "mein Bauer" den Bienchen vor der Nase platziert hat. Da es zur Zeit täglich ein paar mal regnet, produzieren diese Misthäufen Aromen, die künstlich kaum herzustellen wären. Da aber der Platz meiner Magazinvölker sehr günstig für Tracht von März bis Ende Juli ist, möchte ich nicht abhauen.
    Das Stinken hört zum Glück nach ein paar Wochen auf. Dennoch habe ich Bedenken, ob meine Fräuleins durch den Gestank in ihrer fleißigen Arbeit beeinträchtigt werden, z.B. da sie sich dauernd Riechtüchlein vor die Nase halten müssen.
    Meine Frage: schadets wirklich??
     
    Amadeus.

  • Hallo, Amadeus,
    nein, deine Mädels können viel besser riechen als du.
    1 Molekül - aha, da ist was.
    2 Moleküle, und die Richtung ist klar....
    Also mach dir keine Sorgen (außer sie saufen von den Sickersäften, dann könntest du Honig mit "leckerem" Aroma ernten....):wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Zusammen,
    nachdem ich unter "Vogelmiere" erst nichts in den Trachttabellen finden konnte;
    und nach Abgleichen des botanischen Namens Stellaria unter Sternmiere fündig geworden bin,
    habe ich die Blühzeiten, Mitte März bis Ende September (!),
    den Trachtwert, Nektar 2, Pollen 1,
    gefunden.
    Mäßiger Nektarspender und geringer Pollenspender muss also nicht unbedingt heißen, das das keine interessante Trachtpflanze ist.
    Wie der Beitrag von Hans2 zeigt, wenn die Bienen nichts anderes finden, ist eine solche Pflanze durchaus geeignet, den nötigen Nektar und Pollen zu liefern.
    Ein wichtiger Aspekt, den man nur allzuleicht vernachlässigt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.


  • Lothar,
    sind deine Trachttabellen online abrufbar oder beziehst du die Infos aus Büchern?
    Peter

  • Mäßiger Nektarspender und geringer Pollenspender muss also nicht unbedingt heißen, das das keine interessante Trachtpflanze ist.
    Wie der Beitrag von Hans2 zeigt, wenn die Bienen nichts anderes finden, ist eine solche Pflanze durchaus geeignet, den nötigen Nektar und Pollen zu liefern.
    Ein wichtiger Aspekt, den man nur allzuleicht vernachlässigt.
    Viele Grüße
    Lothar


    Vor allem wächst und blüht die Vogelmiere echt ununterbrochen und kann so immer mal schnell "einspringen". Ist zugleich ein angenehmer Bodendecker und für Vögel (auch Hühner) und Menschen ein schmackhafter, zuverlässiger Vitaminspender, der von Schnecken normal in Ruhe gelassen wird


    Grüße von Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Hallo Peter,
    es gibt nichts, was man nicht googeln kann.
    Denkste!
    Drei Vermerke.
    Zwei Hinweise auf dieses unseres Forum.
    Ein Hinweis auf frühzeitliche Kleidung.
    Oder meinte ich Frachttabellen?
    Nein, liebes Googel, meinte ich nicht.
    Da steckt noch eine Aufgabedrin.
    Wer machts?
     
    Ich habe ein recht altes Buch, wo diese Tabellen drin stehen.
    Gibts auch im Imkerlexikon und anderen Fachbüchern.
    Günter Pritsch: Bienenweide.
    Reihe Imker-Bibliothek,
    Verlag Neumann-Neudamm, 1985. Mit Genehmigung VEB-Deutscher Landwirtschaftsverlag, printed in the GDR,
    Druckhaus Freiheit Halle,
    ISBN 3-7888-0456-4.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar, du hast recht. Botanisch heißt das Ding "Stellaria media". Mit den deutschen Bezeichnungen ist es nicht einfach, da unpräziese.


    Das die Vogelmiere auch derart angenehm duften kann, war mir bis dato völlig unbekannt. Ich vermute, sie honigt nur, wenn ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist (ähnlich wie bei der Linde).


    Insofern ist es so eine Sache mit Trachttabellen. Diese geben nur einen Durchschnitt wieder. Dennoch bin ich überzeugt, daß unter Umständen auch unspektakuläre Pflanzen richtige "Bringer" sein können, wenn es denen wirklich gut geht.
    Wie es sich bei der Vogelmiere verhält weis ich allerdings auch nicht.


    Ich kann nur feststellen, daß meine Sumsen dieser zur Zeit mehr Beachtung schenken als z.B. den hier noch blühenden Schlehen.