berufsimker werden

  • Hallo erstmal,
    bin ein Jungimker aus Hamburg mit 3 Voelkern und habe nun einige Fragen ,wo Ihr mir vielleicht weiterhelfen koenntet.
    Ich werde zum 01.06.08 gekuendigt,da sich die Firma ,wo ich arbeite aus Deutschland zurueck zieht.Da es fuehr mich in Deutschland nicht rosig ausschaut, wuerde ich gern auswandern und
    mit meinem Erspaten ein kleines Bauernhof im Ausland kaufen.Irgendwo in den Karpathen.
    Ich hab mir diese Woche schon einige Orte angeschaut ,wo ich mich ansiedeln koennte und habe dabei bemerkt, dass es dort riesige Massen an Tannen gibt.Meine Idee ist (Da ja Tannenhonig auch einer der teuren Honigsorte ist, dass ich mir
    innerhalb von 2-3 Jahren 300 Voelker aufzuechte,die fuer mich Tannenhonig erwirtschaften.Bei 25kg/Volk waeren es in
    etwa 7500kg a 3 Euro(da im Ausland billiger) kommen wir auf eine Summe von 22.500 Euro im Jahr.Diese Summe wuerde mir ja
    voellig zum leben reichen und mit den Restprodukten wuerde ich meine Kosten decken.
    Da ich z.Zt nur Hobbyimker bin und nur fuer meinen Eigenbedarf/Familie wirtschafte,kenne ich mich im freien Honigmarkt ueberhaupt nicht aus.Die Rechnungen die ich erstellt habe sind simpel .Mit 25kg je Volk
    hab ich auch nicht uebertrieben ,aber trotzdem glaub ich, dass ich ein Denkfehler habe,da ansonsten sich doch wahrscheinlich schon laengst
    viele Arbeitslose Imker selbststaendig gemacht haetten und dem ist doch nicht so.Jeder Imker wuerde halt seine
    Voelker auf 300 aufstocken den 22500 Euro pro Jahr ist in Norddeutschland doch auch ein schoenes Suemmschen.
    Koenntet ihr mir bitte sagen ,ob ich wirklich einen Denkfelher habe und falls ja welchen.
    Denn 300 Voelker in 2-3 Jahren aufzubauen/zuechten kann ich mir vorstellen zu erreichen und
    25kg a Volk ist auch realistisch das Einzigste wo ich mich kuemmern muss , ist einen Grossabnehmer zu finden,was wohl das schwierigste sein wird.


    Wuerde mich ueber eure Kommentare sehr freuen.


    MfG

  • Hallo !
     
    Nur mal Kurz zum Nachdenken (ist schließlich spät in der Nacht):

    22500,- € Umsatz / mit welcher Umsatzrendite rechnest Du ?

    >>> Mach einen Investmentplan:
    - Investitionskosten 300 Beuten / 300 Völker / Schleuder …. u.s.w.
    - bei Wandern: KFZ / Anhänger / Transportkosten / Standgebühr
    >>> schau was Dich das alles Kostet
    - Haftpflichtversicherung
    - Ausfallversicherung / Unternehmenswagnis (erwirtschaften Imker dort wo Du hin willst - wirklich 25kg Tannenhonig ... jedes Jahr ?)
    - Umsatzsteuer / Einkommenssteuer / Steuerberatung
    - Krankenversicherung
    - Rentenversicherung
    - Vertriebs- / Marketingkosten
    - ggf. Zertifizierung
    - Berufsgenossenschaft
    - Verbandsbeiträge
    u.s.w. … u.s.w.
    >>> schau auch was Du für den Honig wirklich bekommst !

    Gruß
    Bienen.Knecht
    A.l.e.x.

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hallo,
    nicht überall, wo es Tannen gibt, gibt es auch automatisch Tannenhoig, und schon gar nicht jedes Jahr.
    Die Läuse dafür sind sehr kapriziös, was ihre Vermehrung angeht, rede mal mit einem Imker aus dem Schwarzwald....
    Was machst du, wenn du 3 oder mehr Jahre keinen Tannenhonig bekommst, und das wichtigste: wovon sollen deine Bienen in einer solchen Gegend den Rest des Jahres leben?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Denn 300 Voelker in 2-3 Jahren aufzubauen/zuechten kann ich mir vorstellen zu erreichen und
    25kg a Volk ist auch realistisch das Einzigste wo ich mich kuemmern muss , ist einen Grossabnehmer zu finden,was wohl das schwierigste sein wird.


    Wuerde mich ueber eure Kommentare sehr freuen.


    MfG


    Vielleicht hilft dir Beitrag des Imkerblogs denn da wird genau so eine Rechnung überschlagen. Nebenkosten der Selbstständigkeit sind da allerdings nicht enthalten. Allerdings muss man immer schauen - anderes Land andere Kosten (vielleicht sogar weniger). Zumindest vorher die Selbstständigkeit genau durchrechnen.

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo
    Bevor ich auf solche Fragen antworten gebe, will ich wissen mit wem ich es zu tun habe.
    Ein Profil welches nicht ausgefüllt wird, ist für mich ein Grund kein Wissen weiterzugeben.
    Gruss
    Hugo

  • Hallo,
    in meiner Nachbaschaft war ein Imker der im " Nebenerwerb" 250 Völker hatte !!! Das heißt er konnte von ihnen nicht allein leben.
    Eine andere Imkerei hat im Vollerwerb 1200 Völker.
    Wenn ich an die Arbeit denke .... wow. Da gehöhrt ne stattliche Menge an Ausrüstungsgegenständen und ein gut organisiertes Vertriebsnetz dazu.
    Geh nicht allzu naiv an die Sache, sondern schau dir mal ne große Imkerei an.
    MFG

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • O weh!
     
    Zuerst sollte man vom Imkern etwas verstehen und dann um die Mechanismen der Tannentracht wissen. Die Zeit des flächendeckenden Honigens im zweijährigen Rhythmus ist längst vobei. Er sollte mal Herrn Schnell oder Schell fragen. Er ist aus dieser Gegnd und kürzlich wieder zurück gezogen.
     
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Ich misch mich selten rein, aber in deinem Interresse... , lass es sein ! Zumindest im Augenblick.
    Bau deine Imkerei auf ca 50-100 Völker aus, und dann frag noch mal. ... Falls du dann noch fragen willst.

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Hallo
    Aber geklärt ist immer noch nicht ob er einfach so ein Berufsimker werden kann. muss ja bestimmt eine Ausbildung oder ein nachweis bringen das er eine Fortbildung besucht hat. Ich spiele mit dem gedanken Berufsimker zu werden aber im Nebenerwerb. Bloß hat mir noch keiner sagen können was für Bedienungen ich erfühlen muss Fortbildung usw.
    Vielleicht sollte man das uns Vielleicht erklären bzw die Adressen geben wo man Info bekommt

  • was für Bedienungen ich erfühlen muss Fortbildung usw.
    Vielleicht sollte man das uns Vielleicht erklären bzw die Adressen geben wo man Info bekommt


    Wer genau ist denn "man"? Und erfühlen musst Du die Anforderungen glaube ich nicht unbedingt können.


    Theoretisch kannst Du das "einfach so" machen. Praktisch allerdings würde ich das nicht tun. Solange Du nicht ausbilden möchtest, brauchst Du zwar nicht den Imkermeister machen. Auch den Tierwirt Fachrichtung Bienen nicht. Aber ich würde da nicht nach nem schnellen, sondern richtigen Weg suchen. Denk mal über folgende Punkte nach:


    - Du willst da ein langfristig tragbares Einkommen erwirtschaften
    - Dafür musst Du erstmal reichlichst investieren
    - Was gibt Deine Gegend trachtmäßig her?
    - Im Nebenerwerb muss sich das mit dem Haupterwerb vereinbaren lassen.
    - Du wirst sehr schnell Handabfüllen etc. vergessen müssen und brauchst die entsprechende Technik
    - Räume
    - Wie sehen Deine Kunden aus? Anklang Deines Honigs im Familien- und Freundeskreis kannst Du leider nicht 1:1 auf eine breite Kundenschicht hochrechnen, die Du für eine tragfähige Erwerbsimkerei brauchst
    - Berufsgenossenschaft
    - Steuern
    - Versicherungen
     
    Natürlich lässt sich so etwas realisieren, aber ich würde jedem dringendst dazu raten, erstmal das Imkern zu lernen und langsam zu wachsen, bis Du die Tragfähigkeit belastbar beurteilen kannst und dann irgendwann Gas geben, also rechtzeitig sehen, wann der Punkt für einen großen Sprung gekommen ist und was dieser praktisch/finanziell erfordert. Dann musst Du vermeiden, "zwischen den Stühlen" einer zu großen Hobbyimkerei und einer schlecht organisierten Erwerbsimkerei hängen zu bleiben - sowohl kopf- als auch materialmäßig.


    Frag mal beim Berufsimkerbund (DBIB) oder einem Berufsimker nach, vielleicht hilft mal eine Besichtigung oder ein Praktikum, die Unterschiede für sich beurteilen zu können.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hi,


    diese Frage, wie man eigentlich Berufsimker wird bzw. welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, und ab welcher Völkerzahl ein Berufsimker leben kann interessieren mich auch. Und gleich vorab: da heißt nicht, dass ich jetzt auf Berufsimker machen will. Manche Dinge interessieren mich einfach so. Ja, sowas gibt es, sorry!


    Vielleicht wird es so leichter verständlich: ich kenne Lehrer, Architekten, KFZ-Schlosser, Heizungsmonteure, Buchhändler, ... und habe zumindest eine ungefähre Vorstellung davon, wie ihre Ausbildung aussah und ihr Berufsleben jetzt. Aber in meinem Bekanntenkreis gibt es keine Landwirte, Tierwirte, sonstjemanden mit Agrar-Hintergrund. Früh aufstehen, keinen Urlaub, z.T. stark schwankende Marktpreise, viel EU-Bürokratie, ..., schon klar - aber sehr, sehr schablonenhaft.
    Mich interessiert dieser Bereich seit einigen Jahren zunehmend, Praktikum war bisher nicht drin, aber mein Interesse geht schon tiefer als das, was man in Fernsehen oder Zeitschriften erfahren kann. Ich habe den Eindruck, dass die allermeisten Leute, die beruflich etwas in der Richtung machen, aus Familien mit entsprechendem Hintergrund kommen, grundlegende Erfahrungen von Kindesbeinen an haben.
    Ich hätte einfach gerne eine etwas genauere Vorstellung von manchen Dingen, von vielen Dingen, und eines dieser 'Dinge' ist ein Berufsimker.


    Durchschnittliche (300-500 Völker?) Berufsimker, können die z.B. von ihrem Honig leben? Oder macht der Honig bestenfalls die Hälfte der Einkünfte aus, die andere Wachs, Propolis und Königinnenverkauf?
    Gibt es noch Gegenden, in denen Bestäubungsprämien eine merkliche Rolle für das Einkommen spielen?
    Stellen Beihilfen z.B. der EU einen merklichen Anteil des Einkommens dar?
    Verkaufen die meisten ihren Honig mehr oder weniger direkt (z.B. auf Wochenmärkten), oder hauptsächlich an Großabnehmer?
    In welcher Größenordnung von Prozent des Endverkauferpreises bewegt sich der Preis, den sie beim Verkauf an Zwischenhändler bekommen, sind das noch 50% oder eher deutlich weniger?
    Sind Berufsimker prinzipiell Wanderimker, und wie oft im Jahr wechseln ihre Wandervölker den Standort?
    Überwintern sie ihre Völker ein- oder zweizargig, bzw. wie hoch ist der Anteil, der Dadant verwendet?
    Können sich die Bienen von einem Bienenstand mit z.B. 20-80 Völkern alle an einer Wassertränke versorgen, oder gäbe das Krieg zwischen den Wasserholern?



    Fragende Grüße,
    Robert

  • Moin, Markus,
    die Bezeichnung "Berufsimker" an sich ist nicht geschützt und verlangt von daher auch keine spezielle Ausbildung. Wenn du dein Einkommen zum größten Teil mit Imkerei erwirtschaftest, bist du einer, egal Tierwirtmeister Fachrichtung Bienen oder nicht.
    Ohne Meister darfst du halt nicht ausbilden, das ist alles.
    Der Imkerpart ist aber nicht der entscheidende, sondern der Verkaufsteil, der mehr als 50% der Arbeit ausmachen wird.


    EU-Förderung für Imker in D beschränkt sich auf die Beihilfen für Neu-Imker, es ist nicht wie in Spanien, wo es 30e für jedes Volk gibt....Das liegt aber an unseren Vertretern, wir könnten das auch haben, wenn sich denn mal einer dafür einsetzen würde - der Deutschland zustehende Subventionsteil dieses Bereichs wird regelmäßig NICHT abgerufen.:roll:


    Verkauf an Großabnehmer: wer's macht, ist selbst schuld, die Preise sind grottig deutlich unter 3€/kg Blütenhonig), und meist wird man noch besch****, weil angeblich die Werte nicht gestimmt haben, wird der Preis nochmals um ein Drittel bis die Hälfte gekappt, aber deinen Honig bekommst du auch nicht zurück, weil schon verarbeitet...Mafia ist nix dagegen.:evil:


    Bleibt nur Vermarktung im Kollegenkreis, wenn man seltene und gefragte Sorten hat, und Direktvermarktung, und die ist sehr zeitaufwendig, frag mal den Drohn, wieviel Stunden sein Markttag hat, oder Heike Aumeier, wie viele Stunden im Weihnachtsmarkt stecken.


    Und ja, die meisten Berufsimker sind in Berufsimkerfamilien hieneingeboren und haben nicht die gewaltigen Erstinvestitionen stemmen müssen....


    Die meisten Profis wandern, um eine ausreichende Versorgung mit Pollen und Futter sicherzustellen, außerdem um der Sortenhonige willen, die ja höher bezahlt werden.
    Womit du das meiste Einkommen erzielst, liegt bei dir.
    Honig ist gewiß bei den meisten eine Hauptsäule, aber es gibt etliche, die ihren Gewinn eher mit Bienen- und Königinnenverkauf machen.
    Wachs und Propolis sind eher Randprodukte, ebenso Gelee Royale, das alles kommt zu sehr niedrigen Preisen aus dem Ausland, da sind deutsche Preise schlecht durchsetzbar.


    Einzargig überwinterte Völker kommen meist nicht schnell genug in die Puschen, um auch schon aus der frühesten Frühtracht was mitnehmen zu können - es müssen mindestens 5000 Winterbienen sein, die den Winter überleben, und da ist die Chance bei fetten Zweizargern einfach größer, daß es sogar mehr schaffen.


    Der Dadantanteil ist relativ hoch, weil eben nur 10 oder 12 Brutwaben auf Schwarmzellen zu kontrollieren sind, aber auch andere Großwaben wie 1,5 Zander oder DNM sind nicht selten.
    Zum Wandern ist ein großer BR natürlich praktischer und platzsparender, es gibt nicht wenig Imker, die ihre Beuten auf Europalettenmaße getrimmt haben, oder gar eigene Paletten bauen lassen - die haben dann aber auch eigene LKWs mit Kran.


    Die Tränkenfrage läßt sich so nicht beantworten, wie sieht bei dir eine Bienentränke aus?
    An den Teichen meines Nachbarn sitzen meine Bienen jedenfalls ziemlich dicht auf dem Kiesrand und süffeln friedlich vor sich hin - keine Kriege.
    Das Koiwasser scheint jedenfalls deutlich besser zu schmecken als das täglich frische Wasser meiner beiden je 1,30x0,35m Tische mit Moos- und Steinauflage.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • ... und meist wird man noch besch****, weil angeblich die Werte nicht gestimmt haben, wird der Preis nochmals um ein Drittel bis die Hälfte gekappt, aber deinen Honig bekommst du auch nicht zurück, weil schon verarbeitet...Mafia ist nix dagegen.:evil:


    kann man sich dagegen nicht schützen, indem man von jeder Charge eine eigene Analyse an einem unabhängigen Institut in Auftrag gibt? mfg

    Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? ( Vincent van Gogh )

  • Und wie beweist du, daß die aus genau den Fässern war?
    Bei denen bei der Anlieferung/Abholung erst noch Probe ziehen?
    Die erkennen das nicht an und dann bist du in der Beweispflicht.
    Das beste Mittel ist, nicht an solche Firmen/Leute zu verkaufen.:roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen