prokopowitsch - beute

  • werte imkerschaft,


    ich suche genauere informationen zur betriebsweise prokopowitsch´s. oder wo kann ich sie finden ?


    im buch von august ludwig (hrsg.) "unsere bienen" fand ich den hinweis, dass in einer übersetzung aus dem russischen die betriebsweise beschrieben wird.
    es handelt sich um-> pokorsky juravko (auch jorawko geschrieben) "kurze übersicht über die bienenzucht in russland" leipzig 1841
    vielleicht hat jemand einen hinweis auf diese quelle.


    jede information ist willkommen.
    molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo molle,
     
    ein interessanter "Kunterling" dieser Proko!
     
    Alles, was ich über ihn gelesen habe, was leider nicht viel ist, hat mich ganz schön fasziniert. Noch dazu hatte er am Anfang ja keine Ahnung von den Bienen und vermehrte auf einige tausend Völker.
     
    Ich glaube, er tat nicht viel, sein Brutraum war ja stabil.
    Außer Honigraumgabe wird er nur Schwärme gesammelt haben, könnt ich mir vorstellen.
     
    Die Kombi: Stabil im BR und mobil im HR beschäftigt mich auch schon eine Weile.
     
    Gruß Simmerl

  • Gute Beschreibung des Lebens von Propokowitsch und der Betriebsweise:
    http://www.pchelovod.info/index.php?showtopic=10186&st=105


    Das Hauptwerk/Buch von Propokowitsch lautet: "Школа пчеловождения или практическое руководство к изучению жизни пчел и правильному рациональному уходу за ними"


    Kann ein russisch-stämmiger Mitleser das Buch für uns aufspüren?


    Danke
    Bernhard

  • Ich habe mal eine Übersetzung gewagt - siehe unten. Interessant - eine Magazinbetriebsweise ohne Magazine! :D



    Liebe Imker und zukünftige Imker.


    Ich schreibe diesen Artikel aufgrund einer offenkundlichen Unkenntnis einiger Imker über die Geschichte der russischen Imkerei. Die Verachtung, mit der einige Imker über die russische Geschichte der Bienenzucht reden, bewegte den Autor dazu, die vielen Quellen noch einmal zu lesen und diesen Artikel zu schreiben.


    Der Artikel basiert auf den Bücherv von AY Kurochkin, "Historical Sketch of bee" im Jahr 1928., A. und Pokorski-Zhoravko "Bienen" S.I.B. 1868, und dem Artikel von S. Prokopovich "Beschreibung der natürliche Verlauf der Bienenzucht, und waren darin, und Vorfälle im Jahre 1829 Abenteuer" Journal of Agrarian № XXVII, 1829; sowie Shabarshov IA "Geschichte der russischen Imkerei", 1996.



    Der Artikel basiert aber vor allem auf dem Buch "Secrets of the Russian Bee", das im Jahr 2007 von "Mir" Nadeshda Andrejewna Shmeleva in Zusammenarbeit mit Boris V. Shmelev veröffentlicht wurde.


    [...]


    Ein halbes Jahrhundert lang widmete PI Prokopovich sich der Bienenhaltung - zu einer Zeit, als in Russland das Kolodny Bienenzuchtsystem vorherrschte, das darin bestand, Bienenvölker zu töten und den Honig aus den Bienenstöcken zu entnehmen (lit). Seine Biene Arbeit begann er im Jahr 1800 mit drei Dutzend Kolodny Beuten.


    Nach 8 Jahren der Imkerei hatte 580 Bienenvölker. Von den finanziellen Schwierigkeiten hatte er sich erholt. Er hatte die Möglichkeit, ausländische Literatur über Imkerei zu kaufen. Zu der Zeit gab es keine russischen gedruckten Werke über die Bienenzucht.


    Er lernte Fremdsprachen und las die westlichen Schriften über die Bienenzucht. Nachdem er mehrere populäre Bücher über Bienen gelesen hat, war er überzeugt, daß die Ratschläge der ausländischen Autoren für die Imkerei in unseren klimatischen Bedingungen nicht geeignet sind, und "... ihre künstliche Möglichkeiten die Bienen zu manipulieren, nicht zuverlässig, oder befriedigend oder sogar nutzlos sind."


    [...]


    In 1830 besaß Peter Iwanowitsch bereits mehr als 10.000 Bienenvölker - zu der Zeit die größte Imkerei der Welt. Um erfolgreich Geschäfte zu machen, konnte in einer solchen Imkerei nicht das traditionelle roeboynaya-System angewandt werden.


    Mit den natürlichen Kräften der Beobachtung, des scharfen Verstandes, großen Tatendranges, Kreativität, des Querdenkens und seine Haltung trugen dazu bei, einen Bienenstock für Imker zu entwickeln. Im Januar 1814 bot Prokopovich der doschaty-Gesellschaft den Sleeve Bienenstock mit Banner und mit dem Rahmen in der Filiale Büro (AY Kurochkin, "Historical Sketch der Imkerei", 1923) an, die nahe an der Mulde war, und das Deck Bord.


    Die Beute hatte einen inneren Querschnitt von 300x300 mm und eine Höhe von 980 mm (siehe Bild., S. 18) und drei Etagen. [...] Der minimale Querschnitt des Stockes sollte 360x300x980 mm betragen.


    Um den Aufbau des Bienenstock zu verstehen, den Sinn der Betriebsweise zu verstehen, ist es notwendig, die literarischen und gedruckten Werke von P. Prokopovich zu finden und zu lesen: "Über die Bienenkönigin", "Über die Art der Nester", "Über die Kontrolle der Imkerei", "Über Faulbrut" und andere Artikel.




    Im Jahr 1866 wurde in Moskau sein Hauptwerk veröffentlicht: "Die Schule der Bienenzucht oder der praktische Leitfaden für das Studium des Lebens der Bienen und die ordnungsgemäße Verwaltung der ihnen anvertrauten." Das Buch besteht aus 2 Teilen mit 127 Zeichnungen. Alle Kompositionen von Prokopovich, so die maßgebliche Meinung seines Zeitgenossen Pokorski-Zhoravko "tragen den unverkennbaren Stempel der Unabhängigkeit,[...] eine ungewöhnliche Konsistenz der Ergebnisse, und Subtilität der Beobachtung und Originalität der Präsentation"


    Leider findet sich bei modernen Imker-Autoren sehr selten eine kurze Erwähnung Prokopovichs. Offenbar finden nun seine literarischen Werke Beachtung, da die Dadant und Langstroth-Betriebsweisen ihre Unfähigkeit in den klimatischen Bedingungen im Norden Russlands gezeigt haben.
    Eine Beschreibung des Bienenstocks Prokopovich und seinem Artikel "Die richtige Pflege der Bienen" wurden im Jahre 1841 ins Französisch übersetzt und in Paris veröffentlicht.


    In Russland finden sich die ursprünglichen Arbeiten von Prokopovich. [...] In der weiteren Entwicklung der Beute nahm er den Bau des Bienenstocks Piotr auf - eine vierte Etage, getrennt durch eine Platte mit gesägten Schlitzen. Zum ersten Mal in der Geschichte der [russischen?] Bienenzucht gab es einen Honigraum mit Rähmchen, die von den Bienen mit Waben ausgebaut und die zur Ernte ausgeschnitten wurden.



    Das Prokopovich-Rähmchen ähnelt einem modernen Rähmchen - mit einer Breite bis 44 mm und einer Höhe von 145 mm oder mehr. Die Länge des Rahmens können Sie anpassen, um das Volumen der oberen Etage vollständig auszufüllen. Mit einem großen Raum im Honigraum, bauen die Bienen tiefe Zellen, die viel Honig enthalten. Das Rähmchen ist nur für den reinen Honig entwickelt.


    Nach dem Entfernen des Honig aus dem Honigraum, wurde auf das geschlitzte Gitter eine Pappe gelegt und der Raum mit Isolierung für den Winter ausgefüllt.


    Die Königin konnte nicht in den Honigraum gelangen, da die Schlitze zu eng waren [wie ein Absperrgitter], und hatte daher keine Möglichkeit, ihre Eier in den Honigraum zu legen.


    Für das Brutnest und ihre Eier wurden die unteren zwei oder drei Etagen der Beute gegeben. Zwischen den Etagen wurde für die Expansion und Kontraktion des Nestes ein Brett mit einem quadratischen Loch in der Mitte gelegt. Die Bienen zogen Waben von diesen Brettern herunter und das waren die Anfangsstreifen für die zukunftigen Brutnester.



    Wie ist die Betriebsweise des Bienenstockes?


    Die Imkerei nach Prokopovich verwendet natürliche Schwärmen. Im 1. Jahr (Abb. A) wird der Schwarm nachts in das oberste (dritten) Fach des Bienenstock gegeben, und von diesem Augenblick an haben die Bienen völlige Freiheit. Sie beginnen mit dem Wabenbau von dem Trennbrett aus (Das Trennbrett, das den Brutraum vom Honigraum trennt) und speichern Honig für den Winter ein.


    Im Herbst gehen die Bienen in das Winterquartier[...]. Das Volumen des Stockes wird auf die Stärke des Bienenvolkes angepasst.


    Im 2. Jahr (Abbildung B) im Frühling wird die obere Etage des Bienenstocks nach unten mit einem Trennbrett mit einem quadratischen Loch erweitert. In der zweiten Etage finden die Bienen Wachsleitstreifen/Wabenstücke - so wie im oberen Fach bei der Besiedlung. Die Bienen bauen daran Waben und erweitern das Wabenwerk und Brutnest nach unten. Bis zum Sommer ist eine Etage mit dem Brutnestund eine zweite Kammer und dritte Kammer mit Honig gefüllt. So bilden sich oben Honigwaben und darunter ein neues Nest mit frischer Brut (skid).


    Schematische Darstellung der PI Prokopovich-Beute (basierend der Beschreibung von AI-Pokorski Zhoravko)



    Im 3. Jahr (ris.V) haben die Bienen bis zum Sommer in der gleichen Weise in die unteren (ersten) Fächer der Beute gebaut und bleiben dort. So wurde die Beute vollständig mit einer Trennung zwischen den einzelnen Fächern ausgebaut, und oben mit Honig gefüllt. Prokopovich erntete eine Etage voll Honig (oben) und überwinterte die Bienen jeweils auf zwei Etagen.


    [...]


    Im vierten Frühjahr (Abbildung D) wurde das unterste Fach nach oben gedreht, kopfüber. Die Bienen beginnen wieder mit dem Ausbau und der Erweiterung durch die Trennschiede. So wurde das Wabenwerk des Nestes ständig erneuert, Vorräte gespeichert und die Überwinterung der Bienen sichergestellt.


    Das ist der Bienenstock nach Prokopovich.


    [...]


    Das dritte Merkmal des Bienenstocks - ist das Trennschied mit einem Schnittbreite von 5,5 mm, durch die die Königin nicht in den Honigraum kann. Die heutige Generation Imker verwendet nicht das geschlitzte Brett, sondern verwendet Absperrgitter.

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  • Da muß ich Dich enttäuschen. Des Russischen bin ich nicht mächtig. Die Übersetzung stammt aus dem Computer - mit einer Prise freier Interpretation. So wurde aus "Gebärmutter" (Maschinenübersetzung) eben die Königin. Weil die Gebärmutter meistens kaum davon abgehalten werden muß, in den Honigraum zu kommen. :-D


    Gruß
    Bernhard

  • Zumindest der Meister Berlepsch kannte Propokovitsch! Siehe:


    "Wie nahe war Huber daran, wie nahe Prokopovitch, wie nahe ich selber!"...Denken Sie nur, im Jahre 1843, ver-
    anlaßt durch die Beschreibung und Abbildung des Prokopovitchschen Stockes"


    Diese Rahmen, welche ich schon seit 1843 in meinen Rahmenlüftem habe, sind bei weitem bequemer als bloße Stäbchen." Diese Rahmen in den
    Rahmenlüftem waren aber offenbar stehende Rahmen und keine hängenden.


    Prokopovitch, Szarka und v. Berlepsch stellten ihre Rähmchen der Länge nach in den Stock und verhinderten durch diese und andere damit Hand in Hand gehenden unpraktischen Anordnungen, daß diese Mobilisierung von irgendwelcher Bedeutung für die Bienenzucht wurde.


    Es scheint, daß in Frankreich auch das Prokopovitchsche Rähmchen durch die Pariser Weltausstellung vom Jahre 1867 eingeführt wurde, da diese russischen Mobilbeuten dort vertreten waren und eingehendere Beachtung fanden (Girard, 1896).


    Es unterliegt nach allem wohl kaum einem Zweifel, daß Dzierzon die Anregung zu seinen Stäbchen durch diese vielen weit bekannten Vorläufer empfangen haben dürfte. Sein Verdienst bleibt es aber, diesen Betrieb populär gemacht zu haben und vor allem die Anregung zur Erfindung des hängenden Bähmchens zum mindesten in Deutschland gegeben zu haben. Leider pflegte Dzierzon, „allen von ihm nicht ausgehenden Fortschritt zu bekämpfen und durch seine Autorität, wenigstens in gewissen Kreisen, aufzuhalten" (v. Berlepsch 1873, S.XIV) und so sehen wir Dzierzon jahrzehntelang als Widersacher gegen das so sehr viel praktischere Rähmchen, das durch v. Berlepsch und Langstroth trotzdem bald seinen Siegeszug antrat und das unpraktische Stäbchen verdrängte.
    Welch seltsamer, mühseliger Werdegang mit seinen Vorstößen und seinem Steckenbleiben, mit allen Erfindereitelkeiten und -rechthabereien durchquickt, von welchen Beigaben allerdings in dieser kurzen Darstellung nur andeutungsweise Notiz genommen wurde. ( :lol: )


    aus:
    http://www.archive.org/details/lebenundwesende00buttgoog



    Das Buch bringt die ganzen Zusammenhänge zwischen den ganzen Beuten - von Propokovitsch über Christ, Langstroth und wie sie alle heißen - hervor. Und wie die großen Meister sich gegenseitig beeinflußten.


    Gruß
    Bernhard

  • Vielen DANK Bernhard für die ausführliche Recherche:p_flower01:


    ... Interessant - eine Magazinbetriebsweise ohne Magazine! :D...


    :daumen: lässt sich leicht integrieren in bekannte Magazinsysteme und erweitert so deren Optionen. Genial finde ich die Kombi aus StabilBR und RähmchenHR (bei offenenbleibender Möglichkeit der Honigernte aus dem Stabilraum) für Sortenhonigernte oder auch Brutnestverhonigen bei frühen Massentrachten oder...



    ...Das Buch bringt die ganzen Zusammenhänge zwischen den ganzen Beuten - von Propokovitsch über Christ, Langstroth und wie sie alle heißen - hervor. Und wie die großen Meister sich gegenseitig beeinflußten. ...


    Hört sich nach einem grundlegenden Einführungswerk zur `neueren´ Bienenhaltung an...
    Habe es gerade als Nachdruck gesehen:
    http://www.amazon.de/Leben-Wesen-Bienen-Berthold-Buttel-Reepen/dp/1146341016/ref=sr_1_12?ie=UTF8&qid=1321648191&sr=8-12



    herzliche Grüße
    Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

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