Rudolf Steiner ÜBER DAS WESEN DER BIENEN Diskussion

  • Liebe Gemeinde,
    wie jeden Winter, habe ich die dunkle Zeit für Imkerlektüre genutzt. In diesem Jahr stand Steiner auf dem Plan. Bisher stand ich der steinerschen Lehre unwissend aber interessiert gegenüber und habe mich auf dieses Buch gefreut. Hier würde ich jetzt gern mal Eure Meinungen dazu hören.


    Vorab aber mein Eindruck. Ich halte die Lektüre für vertane Zeit. Das Buch ist in einem gräßlichen Stil gehalten und der Herr Steiner hat von den Bienen nahezu keine Ahnung, schwadroniert aber, was das Zeug hält drauflos. Ich habe nichts sinnvolles aus dem Buch gezogen, mich aber ständig geärgert.


    Hier mal ein paar Auszüge:


    Rudolf Steiner schrieb:

    Dieses ganze sechseckige Gehäuse, sechsflächige Gehäuse hat ja Kräfte in sich, und es wäre etwas ganz anderes, wenn die Larve in einer Kugel drinnenliegen würde. S. 35


    Rudolf Steiner schrieb:

    Aber am allerstärksten leuchtet sie (die Königin), wenn sie noch Ei und Larve ist. S. 56


    Rudolf Steiner schrieb:

    Was wirkt denn eigentlich vom Honig aus auf den Menschen? Vom Honig aus wirkt auf den Menschen diese sechseckig bildende Kraft. S. 73


    Einen noch:


    Rudolf Steiner schrieb:

    Die Biene ist in gewisser Weise, namentlich die Königin, ein Sonnentier, und da hat auf die Biene selber dasjenige, was die Sonne selbst durchmacht, indem sie durch den Tierkreis durchgeht, den größten Einfluss. S. 94


    So geht es Seite auf Seite weiter, insgesamt 192 Seiten + Kartenteil.


    (Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe von 1988.)

    "Das Hobby sollte auch Spaß machen." Dr. G. Liebig (S. 41)

  • Lieber Facharbeiter,


    was bedeutet das Bildchen neben deinem Namen?


    Herzliche Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo Udo,
    das Bild "Der Honigdieb"
    zeigt Amor, der Honig stehlen wollte und dafür von Bienen gestochen wurde,
    wie er klagend und weinend sich bei seiner Mutter Venus Trost sucht.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Fachabeiter Imker,
    das mit der Anthroposohpie ist finde ich so eine Sache. Wenn man die "Bienenvorträge" liest, ohne die Grundgedanken der antroposophischen Waltanschauung im Ansatz zu kennen, kann man leicht glauben, das sei doch alles Mumpiz. Nimmt man den Faden aber dort auf, wo er noch nicht so dick ist, wird es sehr sehr interessant. Dieses nicht ganz so dicke Stück ist z.B. die erste Hälfte der "Theosophie". Die "Philosophie der Freiheit" würde ich mir lieber noch nicht antun, gibt aber auch eine gute Einfürhung (ist aber ein Hirnfleischwolf :wink:). Davon Abgesehen kannste ja mal bei Wikipedia oder hier (http://www.exdeonascimur.de/) reinschaun. Das mit der Sprache ist auch so eine Sache, aber weißt du, der Rudi ist im K&K (Österreich-Ungarn) gebohren und das auch noch 1861, also ich finde schon, dass meine Oma manchmal komisch redet und die ist nicht so alt und kommt aus Berlin :lol:.


    Im heutigen Sprachgebrauch würde man Steiners Ansatz vielleicht als Esotherisch/Philosophisch bezeichnen, als Polarität vielleicht zu naiv Rational/Mechanistisch. Lange Rede kurzer Sinn, wenn Du ausschließlich glaubst was du messen kannst, versteh ich Deine Haltung natürlich. Wenn nicht würde sich es unter Umständen für Dich lohnen mal nachzuhaken.


    Noch eine freundschaftliche Anmerkung zu Deiner Textauswahl:
    Wer die Vorträge gelesen hat braucht die Textauswahl nicht unbedingt um mitreden zu können, wer sie nicht gelesen hat bekommt durch Deine Auswahl leicht ein einseitiges Bild der Inhalte und den Eindruck dass das Ganze ohnehin nur die Spinnerei eines "Verrückten, Unsinn redenden Weltverbessrers" ist.


    Ich persönlich gehe mit den Inhalten dieser Vorträge und der Antroposophie nur bedingt konform und kann oft nur sagen, dass ich bislang nicht in der Lage war sie zu überprüfen. Ich weiß aber auch, dass es die unglaublichsten Dinge gibt (und zwar aus eigener Erfahrung), von denen unsere sog. Naturwissenschaft nichts wissen will, und aufgrund ihrer Vorgehensweise auch nichts wissen kann.


    Letztlich kann ein solcher Text, wenn überhaupt nur in seinem historischen Kontext betrachtet werden. Aus diesem Kontext heraus gerissen wird es schwer einen Realitätsbezug herzustellen.


    So, ich hoffe, ich konnte einen bescheidenen Beitrag leisten. Für mehr reichts heut nicht mehr und es ist eine Weile her, dass ich die Vorträge gelesen hab. Aber wenn ich die Tage dazu komm, schau ich nochmal rein und vielleicht kann ich ja dann was dazu los werden.


    Eine gute Adresse bei diesem Thema könnte "Drohn" sein. Der ist da sehr bewandert, wenn ich richtig interpretiere, was er ab und an so durchblicken lässt.


    Also, lass Dich nicht verwirren
    freundliche Grüße :p_flower01: aus dem schönen Walzbachtal
    Christoph

  • Hi,


    ich hatte vor einiger Zeit mal angefangen, dass Buch zu lesen. Ich fand es vollkommen abgedreht und habe nach knapp der Hälfte die Lust an dieser Lektüre verloren. Meiner Meinung nach eines der schlechtesten Bienenbücher.

  • Wer Rudolf Steiner liest, erwartet doch kein Imkerfachbuch? Oder etwa doch?


    Ich kann mit seinen Gedanken auch nicht allzuviel anfangen, seine Aussagen zur künstlichen Königinnenzucht ist in meinen Augen ein Treffer, wenn auch nur einer "beim Schuss mit der Schrotflinte", aber deshalb sein Werk zu zerreisen, nur weil ich es nicht richtig verstehe, wäre mir zu platt!



    Gruß
    Ralph

  • Hallo,
    die Steinerschen Weisheiten haben's schon in sich. Schlimmer noch sind aber häufig deren Interpreten (Steiner-Jünger), die die ohnehin z.T. schwer verständlichen Grundsätze all zu oft noch überhöhen anstatt sie auf eine praktikable Ebene zu stellen.


    Bei der Bienenhaltung denke ich aber, dass die Demeter-Imker schon eine realistische Verfahrensweise praktizieren, die den Bienen und dem Honig sicher gut tut.
    Sie z.B. hier: http://www.demeter-bw.de/imkerei_infos.php


    Beachtenswert, und da hat Christoph sicher recht, ist die ganzheitliche Betrachtungsweise, die in allen Gebieten der Antroposophie an erster Stelle steht. Insofern ist es vielleicht wirklich nicht so wichtig, was Steiner speziell zum Bienenwesen schreibt.


    Gruß
    Günter

  • Der größte Mist kann der beste Dünger sein :p_flower01:


    Wie schon gesagt, ist es gerade der ganzheitliche Ansatz und die Verknüpfung der Wissenschaften, die Steiner lesenswert machen. Jeder kann da irgendwas rausziehen und verwenden.


    Mich stören die Teile, wo religiöse Elemente einfließen und wo der Mensch eine übergeordnete Stelle einnimmt in einer Art Entwicklungsreihe. Da sehe ich einen begangenen Irrweg, um die Vereinbarkeit mit dem Christentum zu bewahren.


    Sehr gut finde ich die Einbindung der chemischen Elemente und die Morphologie der Lebewesen. Ganz nach Goethe, habe ich mir sagen lassen. :wink:


    Um Steiner-Bücher zu verstehen, muß man schon ein paar Bücher von ihm lesen. Ich rate zu dem Buch "Landwirtschaftlicher Kurs", das war für mich noch am wenigsten abgedreht :u_idea_bulb02:


    Bezüglich des Stückes "Über das Wesen der Bienen": Beim ersten Durchlesen habe ich nichts Verwertbares gefunden. Ich meine aber, daß ich in anderen Bereichen mehr zusammentragen und das Buch ein weiteres Mal lesen werde. Vielleicht verstehe ich ihn dann.


    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Einen Nachtrag möchte ich noch loswerden.


    An einem Punkt in der Geschichte hat sich die Wissenschaft auf die Mathematik versteift. Die Wissenschaft, die Mathematik und der Glauben an einen Gott waren immer zusammen in einem Weltbild vereint. Alles andere ergäbe auch keinen Sinn, denn die Logik des mathematischen Weltbildes hat ansonsten eine große Lücke. Die gilt es zu schließen und auch Steiner schließt diese Lücke mit dem Gottesglauben.


    Francis Bacon war wohl einer der ersten, der die Wissenschaft von der Religion abspaltete. Seitdem gibt es eine große logische Lücke. Bei Interesse kann ich diese gerne darlegen.


    Die Wissenschaft suchte sich nach Bacon neue Machtinstrumente und fand in den Kapitalisten und Politikern ihre neuen Mitstreiter zur Verteidigung ihres Weltbildes. Diese unterdrückte die anderen Sichten auf Natur- und Lebensvorgänge und reduzierte sie auf reine meßbare (= mit menschengemachten Instrumenten und Skalen erfaßbare) Vorgänge.


    Jedoch agiert die Welt nicht wie Mechanik, denn Mechanik ist nur eine Nachbildung von Funktionen der Natur - eine Abstrahierung von dem, was die Natur macht.


    Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Maschine und dem Lebendigen sind klar:


    1.) Maschinen kann man auseinanderbauen und wieder zusammensetzen. Das funktioniert mit Lebewesen nicht.


    2.) Lebewesen reproduzieren und bestimmen sich selbst. Die Maschine wird von außen (vom Menschen!) produziert und auch gesteuert. Eine Maschine kann sich nicht selbst produzieren und wird es auch nie können.


    Wichtig ist zu erkennen, daß jedes Modell der Wissenschaft nur ein Vergleich ist, ein Vergleich zwischen dem was wir nutzen und dem was wir erklären wollen. Es ist nur ein Vergleich und nicht dasselbe. Auch die Maschinen, die die Natur nachbilden, bilden immer nur die Funktionen nach! Nie die Natur selbst. Wir nehmen Teilfunktionen und bauen sie nach, das Ganze werden wir nie erreichen.


    Die Mathematik, die Wissenschaft und Religion haben den Nachteil, nie das Leben verstehen und erklären zu können. Steiner hat zwar die Wissenschaften verknüpft, und schon mehr gesehen als seine Zeitgenossen. Von einem ganzheitlichen Blick kann meines Erachtens nicht gesprochen werden.


    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Hallo Bernhard,
    bei so einem Thema zeigt sich die Begrenztheit der Diskussionsmöglichkeiten in einem Forum - die Aussagen haben halt immer so einen plakativen Charakter - die Nuoncen können nicht wahrgenommen werden.
    Ich stimme Dir ja im großen und ganzen zu, möchte jedoch trotzdem ein paar Anmerkungen zu Deinen Aussagen machen.


    Zitat

    Jedoch agiert die Welt nicht wie Mechanik, denn Mechanik ist nur eine Nachbildung von Funktionen der Natur - eine Abstrahierung von dem, was die Natur macht.

    Die Welt agiert auch wie die Mechanik. Der Apfel fällt nicht erst seit Newton von Baum. Nur eine Welterklärung ist die Mechanik, zumindest in dem Stadium, in dem sich diese Wissenschaft derzeit befindet, sicher nicht.


    Zitat

    Maschinen kann man auseinanderbauen und wieder zusammensetzen. Das funktioniert mit Lebewesen nicht.

    Noch nicht ganz vielleicht. Wieviel fehlt denn noch um von der derzeitigen Stammzellenforschung im Verein mit der Gentechnik dahin zu kommen? Der Weg dahin wird immer kürzer und irgendwann, in nicht allzu großer Ferne ist dieses Forscherziel sicher erreicht sein. Die Vorstellung ist grauenhaft, zu ändern ist der Umstand jedoch nicht.


    Zitat

    Eine Maschine kann sich nicht selbst produzieren und wird es auch nie können.

    Gerade diese Technik, der sich selbst produzierenden bzw. reproduzierenden Maschinen, halte ich für umsetzbar. Es kommt dabei lediglich auf den Einstiegspunkt an. Wenn Du den bei Null ansetzt hast Du recht - wenn Du aber bestimmte Voraussetzungen dafür schaffst, dann ist es möglich.


    Zitat

    Steiner hat zwar die Wissenschaften verknüpft, und schon mehr gesehen als seine Zeitgenossen. Von einem ganzheitlichen Blick kann meines Erachtens nicht gesprochen werden.


    Eine ganzheitlich Betrachtung kann natürlich auch erst dann erfolgen, wenn das zu betrachtende Ganze in seinem Wesen auch verstanden wurde - insofern ist und bleibt es erstmal ein frommer und ehrenwerter Wunsch.


    Gruß
    Günter

  • Hallo Günter,


    ich empfinde das Kommunikationsmittel Internet ebenfalls als sehr begrenzt nutzbar. Die Verständlichkeit leidet sehr - Worte sind eben genauso begrenzt wie das "Maschinendenken" :wink:


    ...Noch nicht ganz vielleicht. ...Gentechnik ...Der Weg dahin wird immer kürzer ...


    Ich bin da sehr zuversichtlich, daß dieser Schritt nie gemacht werden wird. Denn ich meine ansatzweise zu verstehen, was der Hinderungsgrund ist. Es ist die Mathematik und das mechanische Denken. Erst wurde propagiert, daß die DNA der Kern des Lebens ist. Dann entdeckte man, daß ein Kern ohne Zelle ziemlich leblos ist. Tja, was tun...merkwürdig, merkwürdig...das funktioniert ja gar nicht *lach*


    Ich weiß, daß es nicht funktionieren wird, solange man sich an Atomen und Molekülen orientiert, solange man Meßapparate nutzt. :p_flower01:


    Sobald man aber rafft, wie das Leben funktioniert, wird man keine Versuche machen, es gentechnisch zu verändern.


    [Maschinen::Reproduktion]...bestimmte Voraussetzungen dafür schaffst, dann ist es möglich....


    Das solltest Du konkretisieren, welche Voraussetzungen Du meinst. Maschinen können sich nicht selbst erschaffen, da sie von uns ausgedacht worden sind und werden müssen. Maschinen können selbst nicht denken, auch wenn sie noch so ausgeklügelt sind. Sie benötigen einen "Erschaffer". Mit einem mechanischen Weltbild benötigt man auch einen "Erschaffer" für die Welt an sich, deswegen kommt da Gott ins Spiel.


    Maschinen MACHEN immer nur das, was die Natur macht. Aber mit einer völlig unterschiedlichen Funktionsweise. Also die Natur macht es ohne äußeren Anstoß, von sich aus. Die Maschinen müssen angestoßen werden. Die Natur funktioniert völlig lautlos. Die Maschinen knallen und explodieren.
    Maschinenteile können einzeln verwendet werden. Entnimmt man einem Körper die Organe können diese nicht einzeln funktionieren.


    Und wenn die Maschinen noch so ausgefeilt sind, sie sind und werden niemals der Natur gleichen. Maschinen haben nichts mit dem Leben zu tun.


    Ein Bienenvolk eignet sich besonders gut, diese Einsicht den Menschen zu lehren. Bienen sind keine Maschinen. Das werden wir schon sehen. Sie werden uns lehren, daß es "Körperbewußtsein" gibt und daß Kerne in Zellen wohnen, welche in Organe wohnen, welche in Körper wohnen. Die Körper sind Zellen, welche in Organen wohnen, welche in Körper wohnen, welche Zellen sind. Von den Bienen ist viel zu lernen. Wie hier schon jemand schrieb:


    "Am Wesen der Bienen soll die Menschheit genesen!"


    Im positiven Sinne gemeint!


    Steiner legt meiner Meinung nach zu viel Wert auf die mechanisch-religiöse Weltsicht. Sie ist jedoch eine Abstrahierung der Natur durch den Menschen und bestenfalls eine zweitbeste "Vermenschlichung" der Natur.



    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Hallo, Bernhard,


    nicht zuletzt und nicht umsonst propagierte Steiner sinngemäß:
    Wenn wir weiter die Bienen aus dem gegebenen Zusammenhang reißen, Waben umteilen,
    Völker zerreißen und "künstlich ziehen", ist es bald um die Bienen geschehen.


    Ein Rufer hat immer noch Gültigkeit.


    Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo