Entmilbung von Kunstschwarm

  • Hallo allerseits,
     
    ich habe mich mal genauer mit dem Celler Rotationsverfahren als Betriebsweise beschäftigt.
     
    Gefällt mir sehr! Allerdings möchte ich diese etwas abgewandelt durchführen.
     
    Meine Frage:
     
    Wie kann ich die Kunstschwärme gegen Varroa behandeln?
     
    Perizin wäre natürlich das einfachste, möchte dieses aber aus verschiedenen Gründen nicht gern einsetzen.
     
    Oxalsäure ginge wohl, ist aber nicht so mein Ding. Nur wenn es keine vernünftige Alternative gibt.
     
    Ich liebäugele mit 60 %ige Ameisensäure via Schwammtuch oder 15% Milchsäure. Dies natürlich wenige Tage nach dem Einschlagen in die neue Beute.
     
    Anregungen und Ideen sind hochwillkommen.
     
    Danke und Gruß.

  • Hallo Hans,
    mein Vorschlag:
    Wärmebehandlung.
    Dazu brauchst Du:
    Kunstschwarmkiste mit möglichst Lüftungsgittern an allen Seiten.
    Eine Kiste, in der Du oben beschriebene KS-Kiste reinstellen kannst.
    Eine Wärmequelle (Föhn, z.B.),
    ein Thermometer mit Außenfühler,
    Zeit,
    Geld für eine hohe Stromrechnung.
    Ks in dieser Kiste erwärmen.
    Bei 42° C. s o f o r t die Wärmequelle ausstellen und Deckel auf.
    Die Temperatur darf auf keinen Fall höher, sonst gibt es Hitzetote.
    Bei den Bienen, nicht nur bei den Varroen, auf diese kommt es an.
    Das überlebt kaum eine Varroa.
    Bei den oft gegebenen Vergleich des Biens mit einem Säugetier möchte ich dieses Vorgehen mal als Fieberschub bezeichnen.
    Ich habe dieses Verfahren hier im Forum auch schon ablehnend beurteilt,
    wegen der hohen Kosten.
    Aber ich bin dieser Tage im "Museum" wieder auf die damals benutzen Teile gestoßen.
    Im Nachhinein muß ich zugeben, das diese überdemensioniert sind.
    Damals gab es diese praktischen Kunststoffboxen noch nicht.
    An diesen würde ich die Außmaße der Wärmekiste ausrichten.
    Da reicht auch ein Föhn.
    Damals hatte ich zwei im Betrieb.
    Na, lasst mal zwei Föhne mehrere Stunden nebeneinander laufen,
    da freut sich Euer Stromanbieter.
    Damals waren die Ergebnisse recht gut.
    Ein so behandeltes Volk, am Ende der Brutzeit abgefegt, hatte zwei Jahre Ruhe, ohne sichtbare Varroaschäden.
    Das geht wegen der zugenommenwn Agressivität der Varroa wohl nicht mehr.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar!


    Wärmebehandlung???
    Davon habe ich noch nieeeeee gehört. Warum sollte diese Wärmebehandlung für die Varroa tödlicher sein als für die Biene? Wie wirkt diese??


    Danke und Gruß!

  • Aha! Was ein bisschen gurgeln doch bringt... .
    Das ganze nennt sich Hyperthermie-Verfahren. Die Varroa reagiert auf die kurzfristige Erhitzung der Luft auf 42 Grad Celsius mit Hitzeschock-Proteinen und stirbt daran. Dieses Verfahren eignet sich besonders zur Entmilbung verdeckelter Brutwaben.
    Hmmm! Habe gerade den Tautz gelesen. Es gibt doch auch Heitzbienen im Stock, welche die verdeckelte Brut erwärmen. Diese Bienen erreichen dabei auch Temps von bis zu 42 Grad. Deswegen dürften u.a. auch die kleinen Zellen mit 32 Wabenabstand besser gegen die Varroa helfen. Dann würde ich dazu auch künstliche Mittelwandände weglassen und völlig auf Naturbau zurückgreifen, der geringeren Dicke der Wachsschicht wegen. Schließlich kann bei einer derartigen Heizaktion die gegenüberliegende Seite der Wabe ebenfalls profitieren.
    Da wäre, neben verstärktem Putztrieb, ein interessanter Ansatz das Problem natürlicherseits in den Griff zu kriegen.


    Wie mache ich das ganze aber bei einem Kunstschwarm, damit der mir nicht verbraust??

  • Hallo Hans2,
    wer immer diese durch Dein gugelhupfen gewonnene Information verfasst hat,
    hat noch nie Waben mit Brut auf diese Temperatur gebracht.
    Da bekommt nicht nur die Varroa einen tötlichen Schaden, sondern auch die Brut und das Wachs schmilzt.
    Damit erreicht man nur den Effekt, den man als "Verbrausen" kennt.
    Gerade das die Varroamilbe schon bei 42° verendet, und die Bienen diese Temperatur gerade so eben abkönnen, darauf beruht der Efolg dieser Behandlung.
    Deshalb habe ich dick in den Beitrag geschrieben, sofort bei Erreichen dieser Temperatur aufhören.
    Wenn Du so behandelst, wirst Du ohnehin feststellen, das der KS die Brutnesttemperatur lange Zeit aufrecht erhält.
    Da kann es in der Kiste schon viel wärmer sein.
    Dieser "Fieberschub" macht sich bei den Bienen auch bemerkbar.
    Sie fliegen sich neu ein, haben den alten Standort vergessen.
    Wenn Du ganz vorsichtig sein willst, dannbehandle sogar ohne Königin.
    Diese dann sicherheitshalber erst später zugeben.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • hans2
     
    Nimm MS, das Einfachste und Schonendste und Wirksamste.
     
    Bei 2maliger Behandlung, nochmals vor Verdeckelung, schräg auf die Wabe spritzen, wird der Wirkungsgrad über 90% liegen.
     
    Warnung:
    Denk dran, wann teilt sich der Imp?
    Im Herbst wohl eher selten oder?
    Meist sind diese Experimente zum Scheitern verurteilt.
     
    Nimm Schwärme vorweg oder pflück sie, dann hast mehr Freude!
    Schau Dir die Vorgehensweise vom Drohn an bzgl. Völkervermehrung!
     
    Wenn man vieles ausprobiert hat, weiß man, wie einfach und simpel es gehen kann. Nur, dadurch muß man durch.
     
    So long Simmerl

  • Hallo Lothar,


    ich habe mich sehr mißverständlich ausgedrückt.
    Meine gegoogelten Infos waren nur zu meiner Weiterbildung gedacht. Mir war bis dato nicht bekannt, daß die Varroa bei solchen Temperaturen eingeht. Daher wohl auch ihre Präferenz für die kühleren Drohnenzellen.


    Ich selber würde dieses Hyperthermie-Verfahren nicht ausprobieren... eben weil es viel zu riskant ist.


    Ich wollte nur auf die Tatsache deuten, daß die Bienen selbst das Verfahren der Hyperthermie beherrschen!! Viel besser als es ein Imker je könnte!!
    Tautz schreibt, daß die Heitzbienen eine Temperatur bis zu 43 Grad Celsius erreichen können. Diese sackt bis zu 5 Grad ab um dann wieder hochzufahren. Das ganze geht bis zu einer halben Stunde lang. Eigentlich genau das, was gebraucht wird um der Varroa zu Leibe zu rücken. Wurde dadurch die Varroa in die kühler gehaltenen Drohenenzellen selektiert?


    Wenn ja, dann ist auch die europäische Honigbiene eigentlich in der Lage diese Krise zu meistern. Nur was macht der Imker?


    - Er hat ständig die Griffel im Brutnest


    - Er hängt die wesentlich dickeren Mittelwände ein, welche eine effektive
    Hitzeweiterleitung unterbinden - Naturbau ist hier klar im Vorteil, da die Heizbiene in
    einer leeren Zelle beide Seiten versorgen könnte.


    - Er hat die Biene, wie du mal so schön dargelegt hast, künstlich um bis zu 20%
    vergrößert
    -> Kleinere Bienen haben ein kleineres Volumen zur Körperoberfläche und können die
    Hitzeleistung besser abgeben (Ein Wal hat selbst im Eiswasser das Problem seine
    produzierte Körperwärme rechtzeitig abzugeben und bedarf eigener
    Kühlmechanismen; soviel zum Verhältnis Volumen und Körperoberfläche). Es geht
    immehin um 20% Volumendifferenz!!
    -> Pro Flächeneinheit finden sich mehr Heitzbienen


    - Er gibt Wabenabstände von 35 mm vor - ein geringerer Wabenabstand erhöht die
    Effektivität der Heitzbienen


    - Ist die Bewertung: möglichst lückenloses Brutnest = gesund = Selektionskriterium der
    Züchter? Wenn ja sollte man, wenn man dieser Logik folgt, auch darüber nochmal
    nachdenken. Laut Tautz gibt es ja absichtlich sogenannte leergebliebene Heizzellen im
    Brutnest.


    Das sind meine Gedanken dazu...

  • Hallo Simon,


    Im Celler Rotationsverfahren werden die Schwärme kurz vor dem Ausschwärmen "gepflückt". Auf @Sabiene's Hinweis werd ich aber den Vorschwarm mit der alten Königin vorwegnehmen.


    Milchsäure? Hmmm. Ehrlich gesagt habe ich das schonmal bei einem gefangenem Schwarm durchgeführt. Der wurde in eine Zarge mit Mittelwänden eingeschlagen und fünf Tage später eingesprüht. Einen Monat später habe diesen Schwarm in Zuge der Herbstbehandlung mit Ameisensäure per Schwammtuch nochmal behandelt. Im Vergleich zu meinen anderen Völkern sind fast viermal soviele Varroas gefallen (Über 2000 !).


    Möglicherweise lag es auch an der applizierten Menge Milchsäure.


    Danke aber nochmal für den Tipp.

  • Hallo, Hans 2,
    was du als "blutiger Anfänger" hier rüberbringst, zeugt von fundiertem Wissen und
    kühner Beobachtung.
    Deine Haltung zum Naturwabenbau ist logisch und überzeugend, deine Argumente
    zum kleineren Wabenabstand 32-35mm leuchten ein.
    Auch teile ich deine Meinung über fragwürdige "Selektion" und Eigenfähigkeiten der
    Bienen über Temperatur und Brausen einiges zu regulieren.
    Eine Frage beschäftigt mich endlos, der Drohn.
    Er wurde ausgeschnitten, weggeworfen, verachtet, als dummer Nutznießer wahrge-
    nommen, als Milbenvermehrer gehaßt.
    Der Drohnenbau im Naturwabenbau, kühler und größer, aber doch angelegt und gewollt.


    Was ist dein Denken dazu?


    Herzliche Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo, Hans :-D

    Zitat

    Ist die Bewertung: möglichst lückenloses Brutnest = gesund = Selektionskriterium der
    Züchter? Wenn ja sollte man, wenn man dieser Logik folgt, auch darüber nochmal
    nachdenken. Laut Tautz gibt es ja absichtlich sogenannte leergebliebene Heizzellen im
    Brutnest.


    Genauso isses, wie wir seit zwei Wochen wissen, nämlich seit dem Vortrag des Herrn Maier beim Treffen.
    Eine leere Zelle bedeutet 6 benachbarte Zellen mitgeheizt und noch ein bissel auf der anderen Seite der Wabe.
    Die Bienenheizung funktioniert am effektivsten, wenn die Heizerbiene in eine leere Zelle kriechen kann, die Wärmeübertragung ist da am höchsten.
    Das bedeutet aber nicht, daß die Zelleninhalte auf 42° hochgeheizt werden, sondern die Bienen halten hochpräzise 35,1°.
    Es gibt auch kein "Überheizen" nach einer Abkühlung, wenn z.B. die Wabe gezogen wurde, bei diesen 35,1° ist exakt Schluß.
    Die Mädels sind besser als jeder computergesteuerter Brutschrank.


    Die Frage, ob 32mm eine höhere Wärmeeffektivität bedeuten, konnte er mir aber leider nicht beantworten, da er wohl keine Ahnung von diesem Konzept hatte. Macht aber nix.:wink:


    Was die Vergrößerung der Bienen angeht: im Naturbaunest gibt es nicht nur kleine Bienen, sondern alle Größen! Das variiert je nach Jahreszeit, und das ist mit einer Gründe, warum ich an diesen Bruträumen nichts mehr ändere; nix zuhänge, und nix rausnehme. Das Brutnest schwingt mehr oder weniger um den Kern aus kleinen Zellen, bei Dennis sieht man das sehr gut.


    Und einen KS kannst du recht gut mit OS-sprühen behandeln (auf den Boden der Kiste abstoßen, sprühen und wieder sammeln lassen, dann kriegt die Königin auch nichts direkt ab); meine Erfahrungen mit MS sind ebenfalls schlecht.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Im Celler Rotationsverfahren werden die Schwärme kurz vor dem Ausschwärmen "gepflückt".


    Falsch, hans2!


    im Celler Rotationsverfahren werden bei Verfügbarkeit neuer Königinnen die Trachtvölker geschröpft und ausgeglichen. Die Trachtvölker entwickeln sich dann unbehandelt mit alter Königin über's Jahr weiter und werden am Jahresende zugunsten der neuen Schwärme aufgelöst.


    Kunstschwärme ohne Königin sind keine Kunstschwärme sondern ein Haufen unruhiger, verbrausegefährdeter Bienen, der suchend auseinanderstrebt und nur mit Wasser oder Gewalt in der Kiste gehalten werden kann.


    Behandlung von Schwärmen soll immer außerhalb der Beute also möglichst in der Phase der Kellerhaft durchgeführt werden, damit kein Wabenmaterial oder Wachs oder Futter oder was auch immer kontaminiert wird, weil es zu der Zeit nicht vorhanden ist und sich die Milbe nirgendwo verstecken kann. Deshalb ist hier Perizin das Mittel der Wahl. Ich habe sowohl MS- als auch OS-träufeln bzw. -sprühen in KS probiert und war bei beiden Anwendungen sehr unzufrieden. Die MS-Kunstschwärme kamen nacher wesentlich schwerer in Gang und die OS-KS haben gleich zu viele Bienen verloren. Der Milbenfall war mir da im Verhältnis zu wenig. Viel Schwung war raus. Perizinschwärmen merkt man die Behandlung nicht an. AS-Anwendungen gehen wegen unmöglicher Dosierung nicht. Bayvarol in den Deckel der KS-Kiste gehängt soll, wo's wirkt, auch wirken, war mir aber immer irgendwie zu schade.


    AS-Behandlungen gleich nach dem Einschlagen oder wenige Tage danach sind extrem kontraproduktiv:
    - das Volumen der Kiste (Wabenbau fehlt) ist riesengroß und ungleichmäßig temperiert
    - Schwammtücher liegen oben, dort sollen die Bienen zu bauen beginnen, tun sie aber nicht sondern flüchten nach unten und verlassen den oberen Bau
    - so es nach paar Tagen die erste Brut gibt, wird diese gleich geschädigt
    Damit wirkt die AS-Behandlung der wünschenswerten Schwarmentwicklung regelrecht entgegen. Schwärme sollen kraftvoll bauen dürfen und das möglichst ungestört. Also läßt man sie sinnvollerweise in Frieden und schlägt sie vorbeugend gleich auf zwei Zargen ein. Anfangsstreifen oder MW oder eine Kombination daraus. Nur so nutzt man den Schwung den sie mitbringen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder