Honig einer Charge kristallisiert extrem unterschiedlich!

  • Liebe Kollegen,
    am 1.7.2007 habe ich die Sommertracht geschleudert - ein Stapel prall gefüllter 25 kg-Eimer; allesamt sehr lecker, aus 6 Völkern (alle 6 stehen nebeneinander und wurden gleich behandelt; alle wurden zuletzt am 1.5.2007 abgeerntet).


    Ich ließ sie eine Weile stehen ehe es dann an das Rühren ging. Schnell zeigte sich, daß die Eimer - obwohl alle gleich voll und im selben Raum verschlossen stehend - eine zeitlich versetzte Kristallisation zeigten. Zwischen Anfang Oktober und Ende November war dann die Ernte weitgehend im Glas.


    Weitgehend...jetzt habe ich immer noch einen Eimer von dieser Ernte der jetzt so langsam den ersten Schimmer zeigt aber sich ansonsten kaum verändert. Man kann ihn noch gut mit einer Kelle abfüllen aber noch ist er eigentlich noch nicht weit genug fürs Abglasen.


    Ich finde es nur kurios, daß Honig einer Ernte so derart verschieden ausfällt. Dürfte doch überall mehr oder weniger die gleichen Massentrachten drin sein und die Lagerung war ja auch identisch.
    Kann man wirklich nur das simple Stichwort "Wassergehalt" sein, was diesen monatelangen Unterschied erklärbar macht?


    Das fragt sich mal so eben
    Melanie

  • hallo,
     
    also, ich kann das nur bestätigen. Der Waldhonig meiner Völker ist auch sehr unterschiedlich, farblich und auch geschmacklich. Leider bin ich nicht so geübt, dass ich die verschiedenen Trachten im Honig genauer identifizieren kann.
     
    viele Grüsse
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Hallo, Melanie,
    setz dich mal zu deinen Völkern bei bestem Trachtwetter, und guck, wer welche Pollen einträgt....:-D
    Du wirst keine zwei Völker haben, die das exakt gleiche Verhältnis verschiedenfarbiger Pollen eintragen, und somit auch nie aus zwei Völkern einen Honig gleicher Zusammensetzung bekommen, nicht mal wirklich in einer Massentracht.
    Wenn du genug Übung hättest, und nach nach den HR eines jeden Volks die Schleuder putzen würdest, könntest du sogar die Geschmacksunterschiede jedes Volkes rausschmecken....
    Honig ist noch viel individueller als Wein, und schon da gibt es Riesenunterschiede.
    Das ist sogar noch steigerungsfähig, wenn du Wabenhonig machen würdest, da hast du teilweise massive Unterschiede innerhalb der Waben eines Volkes....
    Das ist eben Natur pur...nicht replizierbar.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  •  
    Ich finde es nur kurios, daß Honig einer Ernte so derart verschieden ausfällt. Dürfte doch überall mehr oder weniger die gleichen Massentrachten drin sein und die Lagerung war ja auch identisch.....


     
    ...aber die Bienen der einzelnen Völker haben, trotz Massentracht, von unterschiedliche Pflanzen gesammelt.
    Deine Erfahrung kann jeder bestätigen, der den Honig einzelner Völker schon mal getrennt abgefüllt hat.
     
    Freundlichst
    Gerold

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Kennt jemand wiss. Literatur zu diesem Thema? Das ist wirklich interessant!


    Was ich bisher gelesen habe über Kandieren des Hongs sagt aus, daß es hauptsächlich auf das Verhältnis der Zuckerarten (Fructose - Glucose) im Honig ankommt. Wenn dem so ist, hieße das im genannten Fall, daß entweder die verschiedenen Völker auch eine recht unterschiedliche Kultur des "Honigmachens" pflegen (also enzymatische Wirksamkeit) oder daß auch schon in der Tracht sehr unterschiedliche Gemengelagen am selben Standort vorkommen (Nektaranalyse).

  • Wäre aber überraschend, da man davon ausgehen müßte, daß bei der Vielzahl von Blüten am selben Standort eine statistische Egalisierung auftritt. Also doch eher "Kultur des Honigmachens"?

  • Wäre aber überraschend, da man davon ausgehen müßte, daß bei der Vielzahl von Blüten am selben Standort eine statistische Egalisierung auftritt. Also doch eher "Kultur des Honigmachens"?


    Beobachte nebeneinander stehende Bienenvölker. Du wirst überrascht sein, wie unterschiedliche schon die Abflug- und Einflugrichtungen sind. Dann beobachte die Pollensammlerinnen und Du wirst sehen, dass die Völker wirklich in unterschiedliche "Trachten" im selben Flugkreis fliegen.


    Wie gesagt, tausche statistische Betrachtung gegen Flugloch-Beobachtungen und Du wirst verstehen lernen. :cool:


    Gruß
    Ralph

  • Ergibt sich also aus dem Gesagten (die Vermutung), daß sich die Bienenvölker an einem Standort arbeitsteilig verhalten! Die einen haben ihren Sammelschwerpunkt hier, die andern vielleicht 100 m weiter. Würde Sinn machen!


    Steht in einem gewissen Widerspruch zu einer anderen Behauptung in der Literatur, nämlich daß sich die Bienen immer in möglichst kurzen Radien um die Beute und immer auf die stärkste Trachtquellen einfliegen.

  • :lol: Lies den Tautz, wie Bienen anderen Bienen mitteilen, wo es was zu holen gibt....dann weißt du, wie es funktioniert.
    Natürlich ist das Optimum "nah & viel & hoher Zuckergehalt", aber das ist ja eher selten, also dürften zwischen dem und "weit weg & wenig & niedriger Zuckergehalt" so ziemlich alle Kombinationen vorkommen.
    Und der maximale Suchradius dürfte innerhalb der Subfamilien unterschiedlich sein.

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    Bruce Springsteen

  • Ergibt sich also aus dem Gesagten (die Vermutung), daß sich die Bienenvölker an einem Standort arbeitsteilig verhalten!


     
    ...arbeitsteilig nicht unbedingt, denn wenn eine Massentracht herrscht, ist die Bienendichte sowieso nie zu hoch. Es liegt daran, dass

    • Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten im Tagesverlauf honigen.
    • Die Suchbienen zu unterschiedlichen Zeiten ausfliegen ....
    • .... und auch unterschiedliche Pflanzen finden. Sozusagen ein "Schrotschuß" :wink: und danach relativ blütenstet sind.


    Steht in einem gewissen Widerspruch zu einer anderen Behauptung in der Literatur, nämlich daß sich die Bienen immer in möglichst kurzen Radien um die Beute und immer auf die stärkste Trachtquellen einfliegen.


     
    Nein, dass ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Ist schon möglich, dass zwei Trachtpflanzen etwa gleichstark honigen und zum anderen in etwa im gleichen Radius um die Beuten stehen.
    Wenn man sich das Pollenspektrum im Honig anschaut, so merkt man, dass bestimmte Sammlerpopulationen die eine Pflanze und andere Sammlerpopulationen andere Pflanzen zur selben Zeit angeflogen sein müssen.
     
    Ist schon "eine Weile her", da hatte ich an einem Stand nur zwei Völker und die hatten wir "mal so fix" abends geschleudert: ein Volk hatte "Wald-und Wiesenmischung" und das andere Volk in der gleichen Zeit Linde gesammelt. Den Unterschied hatte ich schon gerochen beim Ausladen der Honigzargen im Schleuderraum.
     
    Freundlichst
    Gerold

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hmmmmmmmm...


    Nun stehen die 6 Völker im grünen Norden Berlins. Die Straßen- und Parkbäume liefern hier unsere "Massentracht". Selbst wenn nun die einen Völker die Linden im Park und die anderen die Linden an der Straße abgeerntet hätten, hieße das doch, daß die grundsätzliche Nektarzusammensetzung der Pflanzen stark voneinander abweicht. Das überrascht mich dann schon so etwas. Aber mir fällt auch nix so richtig Gescheites ein, das Phänomen besser zu erklären.


    Macht nur die Rührerei so anstrengend da ich über einen wirklich langen Zeitraum von mehr als 6 Monaten immer wieder die noch flüssigen Eimer inspizieren und rühren muß...


    Aber diesen Monat habe ich ja nun endlich meinen "Honigkurs" in Hohen Neuendorf und da werde ich das Thema auch mal anbringen...mal schauen was da für Antworten noch kommen!


    Danke Euch für die Ideen!


    Dann hoffentlich auf bald beim Foumstreffen!


    Melanie

  • Hallo, Melanie,
    vertu dich da mal nicht!:-D
    Meine Bienis haben es auch nur 2km Luftlinie bis zum Städtchenzentrum, und wenn man da mal im Sommer richtig guckt, was alles blüht an Straßenbepflanzung und in den Gärten und Balkonkästen, dann weißt du schnell, woher das kommt.
    Bei uns ist z.B. der ganze lange Bahnhof ringsum mit Rosen eingegrünt, die den ganzen Sommer über blühen - auch da hab ich meine gelbgeringelten schon drauf gesehen.
    Du hast nirgends so eine Trachtvielfalt wie in einer Stadt, so traurig das ist....

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    Bruce Springsteen