Mensch-Bien Kultur fragwürdig?

  • Hallo
     
    ich fange ganz einfach an: Was ist Kultur.
     
    Die Veränderung der Natur durch menschliche Handlungen.
    In der Biologie:
    Die Züchtung von Organismen unter normalen Lebensbedingungen.
     
    Jetzt sind wir schon bei den Bienen.
    Alles oben Beschriebene machen wir, kennt jeder Imker.
     
    Der nächste Schritt: Wir denken nach.
    Aus einfachen naheliegenden Gründen, wir haben Bienenverluste, wieso
    wirkt die Ameisensäure nicht? Ich hab doch im Dezember mit Oxalsäure
    behandelt.
    Der eingefahrene Mechanismus Bien-Mensch funktioniert plötzlich nicht.
     
    Da kommt der Bienenfreund und schreibt:
    "Kultur besteht aber darin, das Subjekt der Begegnung in seiner Erscheinung
    zu steigern um seiner selbst willen".
     
    Ich antwortete: Das heißt für mich, die Veränderung des Biens durch
    menschliche Handlungen, aus nutznießlichen Gründen ist Ausbeutung.
     
    Damit ist die Diskussion eröffnet,
    freut sich Jerome

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Keine naturwidrige Handlung bleibt ohne Folgen!!!


    Berühre eine Blume, und fühle die Sterne erzittern! (Paracelsus)
     
    Viele Grüße
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
    ----------------------------------
    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Hallo


    zu diesem Thema möchte ich einen Beitrag eingeben, den ich eben an
    Lisa Ysgawen schrieb und ich denke, er passt hierhin.


    Es sollte ein Geben und Nehmen sein.


    Speziell auf den Bien bezogen, besteht eine gewisse Abhängigkeit vom
    Menschen, verstärkt durch die Varroatose.
    Wenn ich den Bienen Honig nehme, gebe ich ihnen im Vorfeld ein Zuhause,
    sorge für Gesundheit und Hygiene, geb ihnen Futter in der Not und sorge
    dafür, daß sie sich wohlfühlen, soll heißen, sich in ihrer Art entwickeln zu können.
    Ist es verwerflich, mit dem Bien leben zu wollen, ohne ihn auszubeuten?
    Ist es nicht auch die Frage, wie ich mit der Schöpfung/der Natur umgehe?
    Daß ich jeder Kreatur Achtung entgegenbringe?
    Es gibt immer verschiedene Sichtweisen der Dinge, in der Erdenentwicklung
    ist der Mensch vielleicht eine Sekunde im Tag des Biens!


    Was die Natur uns entgegenbringt, ist so reich und viel und schön.
    Wir sollten das entsprechend würdigen-
    und nicht uns die Erde untertan machen. Sie braucht uns nicht.


    Merci, adé. Jerome

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo


  • Lieber Jerome,


    woher nimmst Du die so geäußerte Gewissheit, daß uns die Erde nicht braucht?
    Nimmst Du sie daher, daß es seit einiger Zeit gerade modern ist, den Menschen, der so übel handeln kann (siehe auch die von mir derzeit gebrauchte Signatur) als überflüssig im Lebenszusammenhang der Erde abzutun? Dies ist eine Form des suggerierten Nihilismus, der auch dazu führt, sich aus der Verantwortung zu stehlen (bitte kein Mißverständnis - ich meine jetzt nicht Dich persönlich; ich versuche die Zeiterscheinung aufzuzeigen, die versucht, uns diese Negation zu suggerieren). Aber ein Irrtum wird nicht dadurch wahrer, daß er immer wieder geäußert wird; er kann aber Einfluß auf die Wirklichkeit nehmen, wenn er geglaubt wird.


    Untertan machen, heißt verantwortlich an der Entwicklung der Erde tätig sein zu können - mit allen Fehlern, die dabei möglich sind - dies ist immerhin das grundlegende Motto des christlichen Kulturkreises (was aber meist gerne vergessen oder negiert wird).


    Was ist dann Kultur?
    Wenn man (eine) Kultur in ihrer Art erkennen lernen will, so wird man grundlegend untersuchen (studieren), wie sich die Teilhaber der Kultur begegnen, wie sie sich auf diese Begegnungen vorbereiten, was sie mit in die Begegnung einbringen, wie die Begegnung verläuft, auch, was der Begegnende dann schließlich empfängt und ggf. mitnimmt.


    Sicher kann man wohl häufig den Eindruck bekommen, daß wir aus den Begegnungen mit der Natur meist reicher beschenkt hervorgehen als festzustellen wäre, was wir ihr evtl. gegeben haben. Wir sind da meist eher egoistisch.
    Und die Handlungsmaxime "... und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt ..." ist eine der Leitlinien, aus der das menschliche Ego handelt.


    Aber das muß ja nicht dazu führen, daß man das Kind mit dem Bade ausschüttet. Wäre denn das Leben der Erde wirklich glücklicher ohne den Menschen? Wer wollte das dann aber fühlen und vor allem, sich bewußt machen? Für wen ist dann die Natur "reich und viel und schön"? Staunen und Bewunderung ist ziemlich ausschließlich eine Eigenschaft des Menschen.


    Die Natur ist aber immer Teil des jeweiligen Kulturkreises - es gibt auf dieser Erde kaum einen Fleck, der noch nie einem Menschen begegnet ist; insofern ist sie auch immer Begegnende. Und da sie als Begegnende Teil ist, ist sie auch Teil von uns. Man könnte die Schilderungen dazu so verstehen, daß sog. "Naturvölker" tief in dieser Empfindung gelebt haben und vielleicht auch manchmal noch leben, obwohl dies immer mehr verschwindet.


    Das mag man bedauern, es ist aber Teil der Entwicklung des Menschen auf der Erde. Die Erde ist unsere Chance - wir beide haben keine andere.


    Soweit einstweilen


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • ...Staunen und Bewunderung ist ziemlich ausschließlich eine Eigenschaft des Menschen. ...


    Hallo Michael!


    Staunen und Bewundern ist eine Eigenschaft des aufwachsenden Lebens, egal ob Mensch oder Pflanze oder Tier. Ich kann immer wieder feststellen, daß junge Hunde, junge Hühner, junge Schweine und auch junge Bären die Welt "erstaunen" und entdecken.


    Ich finde es immer traurig, wenn unbedingt eine Eigenschaft her muß, die uns Menschen als etwas besonderes auszeichnet! Schade! Denn Bewußtsein ist nicht uns allein vorenthalten. Auch Mitgefühl nicht. Auch Selbstlosigkeit nicht. Wir sind nichts besonderes, wir haben nichts besonderes an uns, das uns in den Königsstuhl hebt! Wir sind einfach Lebewesen wie alle anderen auch.


    Viel erstrebenswerter als das Herausarbeiten einer für uns besonderen Eigenschaft (die eh nur als Begründung herangezogen wird, um seine mißlichen Herrschafts-taten zu entschuldigen), viel erstrebenswerter ist es meiner Ansicht nach die Begegnung zwischen mir und anderen Lebewesen als freundschaftliche Begegnung, eine Begegnung des gegenseitigen Wiedererkennens und der guten Unterhaltung zu erleben.


    Es geht eben nichts über einen guten Plausch mit Tieren und Pflanzen. :daumen:

  • Lieber Bernhard,


    diese Deine Einschätzung ist meines Erachtens Teil des von mir so genannten sich schleichend immer weiter verbreitenden Nihilismus.


    Ein sich als selbst reflektierendes Bewußtsein ist alleine dem Menschen eigen.


    Alleine aus diesem kann er Dinge tun, die nicht seiner Natur sind, die nicht der Natur oder den "Naturgesetzen" entsprechen (welche letzteren er alleine als solche erkennt und definiert). Das kann kein anderes Wesen auf dieser Welt.


    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Hallo, Michael,

    Zitat

    Ein sich als selbst reflektierendes Bewußtsein ist alleine dem Menschen eigen.


    Nein, Delfine können nachweislich Selbstmord begehen, andere Wale ebenso, das setzt eine Willensentscheidung gegen den Selbsterhaltungstrieb voraus.
    Einige Primaten scheinen genau auf dieser Schwelle zu stehen...
    Wir sind nicht allein....:wink: (ich empfände es im übrigen schon wieder als Hybris, uns in absoluter Alleinstellung zu sehen...)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Liebe Sabine,


    Was hat die Fähigkeit, Selbstmord zu begehen, mit einem sich selbst reflektieren könnenden Bewußtsein zu tun?


    Schon der Begriff "Hybris" zeigt wieder die Furcht vor der Verantwortung die aus der Position des Menschen in den Naturreichen rührt - wir sind aber keine Kinder mehr, die sich hinter dem Rockzipfel der Mutter verstecken können.


    Viele Grüße


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Lieber Michael,

    Zitat

    Schon der Begriff "Hybris" zeigt wieder die Furcht vor der Verantwortung die aus der Position des Menschen in den Naturreichen rührt


    Nein, eher Demut gegenüber den unermeßlichen Wundern des Universums und der Erde, auch wenn sich das jetzt schwülstig anhört.


    Delfine haben noch ein paar andere Eigenschaften, die als menschliche Alleinstellungsmerkmale gelten, wie Altruismus und echtes Mitgefühl sowie persönlicher Freundschaften, die über bekanntes im Tierreich hinausgehen.
    Wale sind hochinteressante Geschöpfe mit allgemein weit unterschätzten Fähigkeiten...
    Ich sehe den Menschen nicht als Krone der Schöpfung, sondern wir haben durchaus ein paar ernsthafte Konkurrenten...:wink:


    Und ich kann mich selbst beim Anblick eines winterlichen Sternenhimmels nicht besonders wichtig nehmen, ich bin ein Teil von allem, aber das Leben geht auch ohne mich weiter...(wobei dann mein Lieblingsspruch zum Tragen käme: wenn *ich* sterbe, gibt es *euch* nicht mehr....:cool: leider verstehen den die wenigsten, zu schroedinger...*g*).


    Natürlich habe ich Verantwortung gegenüber meiner Umwelt, die streite ich ja gar nicht ab, aber ich sehe da nicht etwas, was deiner

    Zitat

    die aus der Position des Menschen in den Naturreichen rührt

    entspräche.
    Wenn wir Menschen die "leader" wären, würden wir unseren Mitgeschöpfen eher bei ihrer Entwicklung helfen, statt ihre und unsere Lebensräume zu zerstören....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Mir geht es ähnlich wie Sabine. Warum sollte ein Mensch nur Verantwortung übernehmen wollen, weil er sich letztlich über andere Wesen stellt? Warum soll ein Mensch nicht auch gerne Verantwortung übernehmen, wenn er sich eher als Teil der Natur sieht (nicht mehr und nicht weniger "wert" und "wichtig" als andere Wesen)?


    Fragt mit Gruß zur Guten Nacht
    Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Michael,


    da täuschst Du dich, so meine ich!


    Selbstbewußtsein bei Tieren wird durch Verhaltensforschung in der Biologie eindeutig beschrieben, da gibt es für mich keine Zweifel.


    Dieser Umstand führt nicht zwangsläufig zum Nihilismus, sondern zur Abkehr vom Bild des Menschen als Übergott.


    Ich bin kein Freund von dem Glauben, daß wir Menschen eine "höhere geistige Entwicklungsstufe" erreicht haben als alle anderen Lebewesen. Diese Denkweise kommt vor allem aus dem Christentum und nachgelagerte Versionen desselben von Rudolf Steiner. Seine Schriften enthalten viel Erkenntnis, an dieser Stelle aber irrt er meiner Meinung nach!


    Erst wenn man davon loslässt, dieses Obergeistdenken aufgibt, wird man in den Kreis der Lebewesen aufgenommen und kann ihnen begegnen.