Völker übernehmen

  • Könnte man einmal exemplarisch darstellen, auf welche Weisen sich ein Imkeranfänger seine ersten Völker aufbauen kann? Neben allen anderen Entscheidungen besteht die zentrale Frage, wie ein Volk übernommen (also quasi Handelsform) und anschließend erfolgreich aufgebaut werden kann.


    Ich mache mal eine typologischen Versuch (vom Einfachen zum Komplexeren):


    a) einzelne Königin - scheidet aus, da Anfänger keine Hilfsbienen hat -


    b) Königin mit Bienen < Brutstärke - scheidet aus dto. -


    c) Königin mit Bienen > Brutstärke (Bienen in der Kiste ohne Brutwaben?)


    d) Volk auf x Brutwaben


    e) die ganze Kiste (Volk im gewachsenen Brutraum)


    Kommen also in Frage c) d) und e). Findet sich jemand, der/die zu diesen Fällen praktische Kommentare und Verfahren angeben kann? Was ist möglich und was wird tatsächlich gemacht? Was muß in den einzelnen Fällen unternommen werden, um ein funktionierendes Volk zu erhalten.

  • Moin,

    Zitat

    c) Königin mit Bienen > Brutstärke (Bienen in der Kiste ohne Brutwaben?)


    Yo, nennt sich Kunstschwarm, wird jetzt im März/April wieder zu Zehntausenden aus NZ importiert, und stellen eine recht nette Möglichkeit dar.
    Anforderung: Kiste mit mindestens Rähmchen plus Füttermöglichkeit, weil die ersten Wochen stark gefüttert werden muß.
    Nachteil: Königin unbekannter Herkunft, keiner weiß was über die Völker.
    Vorteil: können noch bei geeignetem Wetter im gleichen Jahr Honigüberschuß produzieren, was für die meisten Käufer das Hauptargument ist. Dazu die Unabhängigkeit im Wabenmaß, du kannst dir frei aussuchen was du willst, und bist nicht ans Maß deines Verkäufers gebunden.


    Zitat

    d) Volk auf x Brutwaben


    Überwinterte Völker sind teuer, brauchen allerdings auch nicht die Anlaufzeit wie ein KS.
    Anforderung: Kiste im Wabenmaß des Verkäufers, recht transportaufwendig.
    Vorteil: s.o.
    Nachteil: umhängen in die eigenen Kisten macht nicht unbedingt Spaß, weite Fahrten damit auch nicht, und wenn du Pech hast, sind die Völker zum Kaufzeitpunkt doch noch recht mickrig.


    Zitat

    e) die ganze Kiste (Volk im gewachsenen Brutraum)


    Anforderung: Stellplatz und Geld.
    Vorteil: bringt wahrscheinlich gut Honig und auch noch 1-2 Ableger.
    Nachteil: Du bist gezwungen, mit dem Rähmchen & Beutenmaß des Verkäufers weiterzumachen; es ist unverhältnismäßig teuer (Imkers überschätzen gern den Wert ihrer 10 Jahre alten Kisten um das Zehnfache...) und macht nicht wirklich Spaß, weil du da nicht die Entwicklung wie beim KS beobachten kannst.



    Am allerbesten wärest du in jedem Fall mit Schwärmen bedient, die werden oft verschenkt in der Schwarmzeit, oder sehr preiswert vertickt. Freie Rähmchen/Beutenwahl, müssen allerdings auch gefüttert werden.
    Die zweitbeste Möglichkeit wären Kunstschwärme im Spatsommer, die dann auch nicht mehr so teuer sind wie im Frühjahr, allerdings dann größere Investitionen ins Futter erfordern, weil sie ja sofort bis zur Winterreife durchgefüttert werden.
    Die drittbeste Lösung sind 3-5WAbleger nach dem Raps, die sind preiswert, werden bis zum Winter richtige Völker, müssen allerdings auch gefüttert werden, da bist du aber wieder ans Wabenmaß gebunden.


    Und vorher gründlich moderne(!) Bienenlektüre zu lesen, schadet nicht.:wink:
    (Die ganz alte vom Anfang des letzten Jahrhunderts auch nicht, nur die dazwischen ist zu 90% Murks...:cool:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...vorsichtig wäre ich auch, wenn ein Imker aus Altersgründen aufgibt.
    Kann da aus eigener (schlechter) Erfahrung auch ein Liedchen singen...oder zwei..oder drei ;-)

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • Danke, Sabine! :-D


    zu d)

    Zitat

    Nachteil: umhängen in die eigenen Kisten macht nicht unbedingt Spaß

    Was passiert da? Spielt der Bien verrückt?


    Zitat

    .. weite Fahrten damit auch nicht, ..

    Warum? Ich nehme an, man muß die Zarge irgendwie verschließen, dann sollte man wenigstens im Auto vor angreifenden Bienenschwärmen sicher sein.


    zu c)
    Interessant! In was für Behältnissen werden die KS gehandelt und transportiert? - Das muß ja für die Bienen einigermaßen scheußlich sein!


    Wäre das auch eine Möglichkeit, ein gesundes bestehendes Volk (über weite Strecken) zu transportieren? - Mal angenommen, du würdest dich entschließen, mir ein funktionierendes Volk zu schenken (keinen frischen KS). Wäre es eine sinnvolle Möglichkeit, das Volk abzukehren - quasi es in einen Schwarm zu verwandeln -, zu verschicken und dann bei mir wieder auf leere Waben zu setzen?


    Kann mir nicht recht vorstellen, wie man einen Bienenschwarm verschicken kann! Das muß ja ein Tiersondertransport sein!


    Übrigens: Heiß "3-4 W Ableger", daß da noch keine Königin drauf ist?

  • Moin,
    zu d): es ist extrem zeitaufwendig, und gugelhupf mal unter Stichwort "verbrausen"....


    zu c): http://images.google.de/images?hl=de&q=package+bees&btnG=Bilder-Suche&gbv=2 
    Es passen etwa 2000 auf eine Flugzeugpalette, und sie müssen unter Druck und Heizung transportiert werden.


    Äh, nein, was würde ich dann mit meinen Waben voller Brut ohne Bienen machen?


    Und auch nein, Ableger werden für gewöhnlich MIT Königin verkauft.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen