Nachteile bei Naturwabenbau?

  • Hi Leute,


    ich bitte Euch um Einschätzung von Nachteilen beim Naturwabenbau.


    Ich sehe im Naturwabenbau (ökologische Bienenhaltung hin oder her) nämlich womöglich die Möglichkeit Arbeit (Mittelwände einlöten und herstellen) und Kosten (Mittelwandherstellung) zu sparen.


    Welchen einschränkungen bzw. zusätzliche Aufwände stehen dieser Überlegung gegebüber?


    Da sind keine dogmatischen Öko-Imker gefragt, sondern offene, ehrliche und realistische Einschätzungen. ;-)


    Danke und Gruß
    Malte

  • Moin, Malte,
    wandern ist nur eingeschränkt möglich, jedenfalls im ersten Jahr.
    Naturbau ist naturgemäß sehr fragil, und wer viel und weit wandern will, sollte u.U. überlegen, alles auf Flachzargen umzustellen, weil dort die Waben doch schneller ringsum festgemacht werden.
    Ein luftgefederter Anhänger wäre trotzdem noch von Vorteil....:wink:


    Ansonsten gibt es nichts, was zu beachten wäre (außer daß Ableger das nicht hinkriegen, und du nicht mal dran denken kannst, Drohnen auszuschneiden, dann müßtest du an jeder Wabe rumschnippeln...).

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Drohn, sei froh und hab dich nicht so!
    Wir wollen es wissen, die Antwort nicht missen!


    Wer Vorteil und Nachteil erkennt,
    nicht sinnlos die Schulstund verpennt.


    :Biene:

  • Ja sorry, das war vielleicht etwas zu kumpelhaft für die Netiquette.


    Also nochmal:


    Sehr geehrter Herr Drohn,


    ich bin durchaus interessiert an Ihrer Meinung zu diesem Thema.
    Vielleicht können Sie ja doch kurz Stellung beziehen.


    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
    Malte

  • Hallo Malte und Sabi(e)ne,


    ich kann diese Aussage nicht bestätigen:


    Moin, Malte,
    wandern ist nur eingeschränkt möglich, jedenfalls im ersten Jahr.
    Naturbau ist naturgemäß sehr fragil, und wer viel und weit wandern will, sollte u.U. überlegen, alles auf Flachzargen umzustellen, weil dort die Waben doch schneller ringsum festgemacht werden.
    Ein luftgefederter Anhänger wäre trotzdem noch von Vorteil....:wink:


    Ich habe Dadant, 5 fach gedrahtet und stelle um auf Naturwabenbau. Bisher hatte ich keine Transportprobleme mit Völkern auf Naturwaben. Und meine Transportfahrzeug ist ein PickUp mit Blattfedern, also nicht gerade schonend


    Zitat

    Ansonsten gibt es nichts, was zu beachten wäre (außer daß Ableger das nicht hinkriegen, und du nicht mal dran denken kannst, Drohnen auszuschneiden, dann müßtest du an jeder Wabe rumschnippeln...).

    Das kann ich bestätigen.


    Gruß!
    Nikolaus

  • Also ich habe mit 1 1/2 DNM und Naturwabenbau begonnen - aus genau den gleichen Gedanken heraus. Aber ich habe habe es aufgegeben. Es war weniger mein Anspruch auf grade Idealwaben als der schlichte Umstand, daß die Tierchen ansonsten bei jeder Wabe das untere Drittel als Drohnenwaben ausbauen und das macht das Drohnenschneiden einfach sehr anstrengend. Selbst der Baurahmen reichte nicht um das zu dämpfen und wenn man jede Wabe ziehen muß und an jeder rumschnippeln muß, geht der Zeitvorteil der Einräumigkeit schnell wieder drauf.


    Daher werden jetzt nur noch die Honigräume (Halbzargen) mit Anfangsstreifen ausgestattet; das klappt aber problemlos und gibt auch schleuderfeste Waben.


    Melanie

  • Das Problem beim Naturwabenbau gibt es nur im Kopf des Imkers!
     
    @ Problem Drohnenschneiden:
     
    Ein Bienenvolk baut sich nun mal sein Wabenwerk wie es will, das sieht aber meistens so aus, dass um das Ei herum Drohnen und Honiglagerzellen gebaut werden, sehen gleich aus haben nur einen anderen Winkel zur Vertikalen und können vom Bien so oder so um modifiziert werden.
    Um ein kompaktes, Imker entsprechendes Brutnest zu erhalten, werden im Idealfalle Nachschwärme verwendet, diese bauen im Gegensatz zu Vorschwärmen, länger Arbeiterinenbau. Vorschwärme fangen nach zwei Wochen an "Drohnenzellen" zu bauen.
    Bei Vorweggenommenen Schwärmen ist der Bautrieb um so besser, je näher der Imker den Schwarm zu dessen natürlichen Auszug vorwegnahm.
    Das hängt mit dem Zustand der Bienen zusammen, also mit dem Fett-Eiweißkörper und welcher "Kaste" sie entsprechen.
    Wenn Schwärme dann in der Zeit dess Skelettbaues mit einem Tennschied engehalten werden und "Tracht" haben, dann ziehen sie die Waben ganz aus.
    Bei Dadant entstehen dann bis zu fünf "schöne" Brutwaben mit wenig Drohnenecken, das sind dann aber wirklich Drohnenecken ind deren Nähe irgendwann mal wieder Weiselzellen sitzen; was wichtig für den Imker ist diese Ecken zu kennen, da er dann nicht sein ganzes Volk bei einer Schwarmkontrolle, falls er das macht, durchkrempeln muss.
    Fünf Dadant Arbeiterinenbrutwaben langen jedem Volk um super in den Winter zu kommen.
    Wer Drohnen schneiden "will", der wird dies erst im nächsten Bienenjahr machen und da legen dann die Völker zu genüge reinen Drohnenbau auf frischen Waben an:cool:
     
    @Problem Stabilisierung:
     
    Wer seine Völker im ersten Jahr des Baues bewegt muss mit Edelstahldraht stabilisieren oder eine Hochwabe verwenden, Punkt!!
    Kritisch ist dabei an den Waben der Übergang von bebrütet und unbebrütet, da herrscht so eine Sollbruchstelle. Zum Wandern wären dann kleinräumige Längslagerbeuten am Idealsten, siehe Kärnter Tunnelstöcke!!
     
    @Das größte Problem, das Hirn:
     
    Imker sind geizig, haben sie mal den Umstieg geschafft, hinkt immer noch das Denken der Gewohnheit hinterher.
    Sprich: Mittelwände kann man einhängen, Waben kann man einhängen und nun habe ich so kostbare, schöne Naturwaben, die darf ich nicht verloren gehen lassen und muss die aufheben!!!
    Resultat: Uraltes Wabenmaterial, praktisch wird der Ururururenkel noch mit dem Skelett seines Opas, Onkels, Bruders, etc, bestückt, mehr als in einer Mittelwandimkerei!!!!!
     
    Das ist das größte Problem bei Naturwaben, wenn man den Kopf nicht frei bekommt.
     
    Der
    Drohn

  • Dank für die Darstellung, Drohn! :)


    Eine Frage zur Wirtschaftlichkeit. Stimmt es, daß Mittelwandbau schneller vollzogen wird als Naturbau? Ergeben sich Konsequenzen für den Honigertrag eines Jahres? - Dies betrifft also sowohl den Volksaufbau als auch die Wabenerneuerung. Kostet das den Bienen mehr Kraft oder bringt es ihnen im Gegenteil etwas (Spürbares)?


    In dem Zusammenhang stehen auch die Fragen nach dem geeigneten Rähmchenmaß für den Honigraum, ungewollten Wabenbruch und daraus sich ergebenden Konsequenzen (Verlusten) beim Honigeintrag.

  • Also Mittelwände werden spürbar schneller ausgebaut - der Naturwabenbau eines Schwarms ist natürlich auch enorm schnell aber daran sollte man das nicht messen.
    Der Naturwabenbau entspricht naturgemäß eher dem Volk; das Bienenvolk baut eben gerade soviel und eben diese Zellen, die es braucht.


    Allerdings "braucht" ein Bienenvolk eben keine Durchsicht und ignoriert leider auch jeden Ansatz zur Varroenbekämpfung mittels Drohnenbrutschneiden.


    Mag sein, daß es durch irgendwelche Maßnahmen der Betriebsführung möglich ist, reine Arbeiterinnenwaben zu bekommen und es irgendwelche Hirnprobleme des Imkers sind, die das bedingen - meine Bienen haben jedenfalls fleissig immer wieder das untere Drittel mit Drohnenzellen bestückt und das kostet mich grad zuviel Zeit und Nerven bei der Durchsicht. Im Rahmen der Bauerneuerung fliegen diese Waben jedenfalls sukzessive raus und werden durch Mittelwände ersetzt.


    Wabenbruch kenne ich bei Halbrahmen auch im Naturbau nicht; also keine Verluste...


    Melanie

  • Drohnenbau = zu weiträumige Beute?


    Ich kann bisher in den Warrebeuten keine vermehrten oder überdimensionierten Drohnenbau feststellen.


    Eine Arbeits- und Geldersparnis ist deutlich zu spüren (bei zurückgehenden Honigertrag).


    Naturwabenbau ~ wie definierst Du das, Malte? Mittlerweile wird ja vieles als "Natur" bezeichnet. Unter Naturwabenbau verstehe ich den freien Ausbau einer Höhlung mit Wabenwerk, ohne Rähmchen, Drahtung, Mittelwände, Anfangsstreifen... :daumen: