Gärender Honig

  • Hallo Zusammen!


    Unser Honig hat sich wieder einmal selbständig gemacht und zu gären begonnen. Langsam sind wir ratlos, mit 18 % war der Wassergehalt im grünen Bereich und unsere Gläser (Bayerisches Glas) sind luftdicht. Hatte von Euch auch schon mal jemand dieses Problem? Habt Ihr Tipps zur Lösung?


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo Effendi,


    dein

    Zitat

    wieder einmal selbständig


    erweckt in mir so ein ungutes Gefühl.
    Wie lagerst Du deinen Honig?
    Ist es dort vielleicht zu warm oder feucht ?
    Honige in Eimern oder Gläsern mit Plastedeckel ziehen auch dann noch Wasser.
    Miss doch bitte einmal jetzt die Feuchte, ob es immer noch 18% oder mehr geworden sind.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Effendi
    Wenn Dein Honig mit 18 % Wassergehalt luftdicht abgefüllt wurde, sollte er bei richtiger Lagerung nicht gären. Also hast Du wahrscheinlich eines der folgenden Fehler gemacht:


    -Der Lagerraum ist zu warm und zu hell ( über 20 Grad Celsius )
    -Der Lagerraum ist sehr feucht
    -Der Honig enthielt schon beim Abfüllen viel Hefezellen ( Wenn die Bienen z.B. mit gegärtem Honig gefüttert wurden ).


    Einen anderen Grund kann ich mir nicht erklären.


    Gruss


    Jon

  • Hallo Zusammen!


    Eure Antworten lassen mich nur noch ratloser werden, unser Honig lagert im Keller kühl, trocken und dunkel, abgefüllt ins Bayerische Honigglas, also mit Twist-off-Metalldeckel, absolut Luftdicht. Bisher haben wir auch noch nie vergorenen Honig gefüttert - wir werden das auch in Zukunft bleibenlassen.


    ratlose Grüße,
    Effendi

  • Hi Effendi,


    das ist nun schon "very strange", aber irgendwo muss ja ein Knoten sein.:confused:
    Geh mal alle Arbeitsschritte in Gedanken durch, vielleicht stolperst Du dann über eine Fehlerquelle. Vergiss beim Schleudern nicht, dass Honig aus verschiedenen Wabenteilen durchaus verschiedene Wasseranteile enthalten kann.
    Ich habe mal ein Refraktometer gehabt, das hat falsch gemessen, weil fehljustiert, also immer Augen auf.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Uwe
    Nein, mit rühren kann nichts passieren. Da ist das gleiche geschehen, wie wenn der Zucker im süssen Traubensaft durch Gärung in Alkohol verwandelt wird und aus dem alkoholfreien Traubensaft Wein entstanden ist.


    Gruss


    Jon

  • Michael
    Refraktometer frisch geeicht, Feuchtigkeit im Eimer (20 kg) vor jeder Kristallisation gemessen. Wabenmessungen sind nur Momentaufnahmen und besitzen keine Aussagekraft über das Produkt, das dann im Glas landet.


    Uwe
    Waldhonig wurde nicht gerührt. Kristallisation begann erst im Glas.


    Mir ist ja klar, daß bei der Kristallisation die "Honiglösung" um die Kristalle dünner wird. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Gärung erst nach fortgeschrittener Kristallisation beginnt. Aber eigentlich dachte ich, das wäre bei der Empfehlung, nicht über 20 % Wasser zu haben, schon einkalkuliert. Deswegen haben wir uns mit den 18 % auch recht sicher gefühlt.


    Viele Grüße,
    Effendi

  • Hallo Uwe,
     
    es ist so. Zucker wird von Hefen abgebaut zu Alkohol und von Bakterien weiter zu Essig. Hefen, Einzeller, gehören zu den Pilzen, sind überall vorhanden und befinden sich auch im Honig. Im Honig, unter 18% Wassergehalt, können sie nicht aktiv werden, weil der Zucker hygroskopisch ist, das heißt er entzieht den Hefezellen Wasser. Sie können sich nicht vermehren. Deshalb kann man durch Zuckern und Salzen Lebensmittel haltbar machen. Wenn der Honig, welcher hygroskopisch (wasseranziehend) ist, durch falsche Lagerung Wasser anzieht, können sich die Hefen vermehren und den Zucker des Honigs in Alkohol veratmen (verdauen). Hefen, welche mit solchen Zuckerkonzentrationen wie Honig fertig werden, nennt man Kreuzhefen, sie geben einen übel schmeckenden Alkohol. Für die Metgärung muss der Honig verdünnnt werden und mit einer Zuchthefe beglückt werden. Würdest du deinen gärigen Honig in Met verwandeln wollen, dann müsstest du den Honig auf 80° erhitzen um die Kreuzhefen abzutöten und dann Reinzuchthefe zugeben.
     
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Moin


    Es gibt noch einen fatalen Effekt. Bei der Gährung entsteht nicht nur Alkohol, es entsteht auch CO2 und leider auch Wasser. Dieses Wasser führt sofort zur Verdünnung der Honiglösung an der Oberfläche und somit zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Hefen. Je besser es denen geht, desto mehr Alkohol und Wasser produzieren die und desto besser geht es denen.


    Ich hatte da mal ein ganz fieses Problem mit frisch abgewaschenen Twist-Off Deckeln. (250g-Gläser) Es genügen wenige Tropfen verbleibendes Wasser im Zwischenraum Deckel-Honigoberfläche und der Teufelskreis beginnt. Dabei könnte so ein Tropfen von max einem zehntel Gramm niemals den Honig eines ganzen Glases mit 18% Wassergehalt versauen - dachte ich. Kann er aber eben doch.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Ich hatte da mal ein ganz fieses Problem mit frisch abgewaschenen Twist-Off Deckeln. (250g-Gläser) Es genügen wenige Tropfen verbleibendes Wasser im Zwischenraum Deckel-Honigoberfläche und der Teufelskreis beginnt.


    Wenn man nach dem abwaschen und abtrocknen der Gläser diese gleich zuschraubt, kann man unter Umständen beobachten welche große Mengen Schwitzwasser sich noch bilden können. Deshalb lasse ich sie vor dem abfüllen noch einen 1/2 Tag oder Nacht offen stehen.
    Gruß Peter

  • Hallo
    Ich denke mir auch, das Problem ist nach dem Abfüllen entstanden.
    Habe gerade zwei Gläser reiner Blütenhonig zurückgenommen, bei welchem oben eine etwa 1cm flüssige Schicht entstanden ist. Den Honig habe ich vor 2 Jahren abgefüllt und dank meinen Aufzeichnungen nun auch den Fehler gefunden. Ich habe den Honig durch den Melitherm gelassen und weil ich Zeitdruck hatte, den Honig anschliessend abgefüllt, ohne ihn ganz Abkühlen zu lassen. Der Honig hatte unter 18% Wasser, aber trotzdem hat es nun diese Trennung gegeben. Vom Geschmack her lässt sich noch nichts negatives sagen, doch ich habe diese Gläser nun in meinem Lager und warte nun ab, ob es doch noch zur Gärung kommt.
    Freundliche Grüsse
    Hugo

  • Hallo,
    so wie ich es verstehe - laut Uwe - setzt sich gegärter oder gärender Honig ab.
    Hilfe, bei mir hat sich mein Sommerhonig -mit viel Springkraut- abgesetzt. Den Wassergehalt habe ich noch nicht gemessen, aber bis jetzt hatte ich immer "reifen" Honig, der keinerlei Probleme bereitete. Ist das Absetzen tatsächlich ein Zeichen der Gärung? Ich dachte immer, dass sich nur schneller kristallisierender Honig senkt, weil er schwerer ist.
    Rabea