Reinvasion - verkommt ein Problem zur Schindmähre?

  • Der Milb scheint insoweit im Vorteil zu sein, als der Imker die Varroen durch deren Bekämpfung auf Vitalität ausliest. An die Vitalität scheint wiederum die Förderung ihrer Überlebenskunst sowie ihrer Fruchtbarkeit gekoppelt zu sein.
    Daraus und aus anderen plausiblen Gründen resultiert die zwingende Überlegung, ob die immer heftiger beklagten Reinvasionen durch Varroen aus anderen Völkern, die vermeintlich schlecht bzw. falsch behandelt sein sollen, in dem angenommenen Maße überhaupt stattfinden. Es könnte auch sein, dass die Effektivität der Restentmilbung im Winter von Jahr zu Jahr abnimmt, durch die Anpassung der Milben an ihnen inzwischen geläufige Szenarien. Wer kennt den Restmilbenbestand seiner Völker präzise?
    Dazu kommt, dass die Völker in der Tendenz immer stärker überwintern. Somit steigt auch die absolute Anzahl überwinternder Milben an. Hingegen braucht das Bienenvolk nicht mehr so lange (weniger Brutsätze) bis zum Erreichen seiner Vollstärke. Hier spielen mehrere Faktoren zusammen, mit dem gemeinsamen Effekt, die Grenze der Existenzgefährdung des Biens immer schneller zu erreichen.

  • Guten Morgen Manne,
     
    interessanter Ansatz, deine Gedanken.
     
    Ich persönlich finde, daß wir aufs Behandeln komplett verzichten sollten um endlich mal aus diesem Kreislauf auszubrechen. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.
    Die Schreie mit Bienenverlusten werden von Jahr zu Jahr lauter und jeder sagt es liege an der schlechten Behandlung. Dabei frage ich mich, was die vielen Imker, die jetzt auf einmal soo schlecht behandeln, all die Jahre vorher getan haben, in denen es kaum Verluste gab?
     
    Sind jetzt alle zu Schlampern verkommen?
     
    Auf dem Berufsimkertag in Donaueschingen habe ich teilweise einen Vortrag über das Milben-/Virenproblem gehört. Dort wurde berichtet, daß die Milbe allein nicht der Übeltäter ist.
    Aber als Krankheitsüberträger, der die Viren direkt ins Bienenblut überträgt, ist die Milbe sehr gefährlich geworden.
    Der Bien hat sich über Jahrmilionen an die lokalen Krankheitserreger angepasst und kann damit sehr gut umgehen, solange die Umgebungsbedingungen passen.
    Jetzt kommt die Milbe dazu, die viele dieser Krankheitserreger auf einmal in sich trägt und somit auch alle auf einmal überträgt.
    Daß dies der Bien nicht mehr verträgt versteht sich von selbst.
     
    Drum sollten wir endlich damit beginnen eine tolerante Milbe herzuziehen, die dem Bien auch eine Überlebenschance lässt. Und das geht nur durch Gnadenlose Selektion.
     
    Das wiederum wird allerdings über einige Jahre heftige Bienenverluste bedeuten. Nur so merzt sich die Milbe selbst aus. Denn wenn der nicht überlebensfähige Bien fehlt, fehlen auch die Milben, die den Bien zerstört haben. In der freien Natur funktioniert es auch nicht anders.
     
    Gruß
     
    René

  • Der Milb scheint insoweit im Vorteil zu sein, als der Imker die Varroen durch deren Bekämpfung auf Vitalität ausliest.


    Und der Bien wird durch die Behandlung nicht beeinflusst? Muss er keine besondere Vitalität beweisen, um mit den Behandlungen zurechtzukommen?


    Es hört sich an, als ob Bienen und Milben beliebig formbare Knetfigürchen sind, die sich auf wundersamer Weise und Feindesliebe gegenseitig ertragen.



    Gruß
    Simon

  • Es hört sich an, als ob Bienen und Milben beliebig formbare Knetfigürchen sind, die sich auf wundersamer Weise und Feindesliebe gegenseitig ertragen.


    Dieser Schluss liegt nahe, wenn es der vorausgehenden Überlegung und dem Urteil an Substanz fehlt. Vielleicht spielt auch Abneigung eine gewisse Rolle.

  • Hallo Manne,


    ich verstehe deine Überschrift nicht, sorry.


    Schindmähre = altes Pferd, das nur noch zum Abdecker gebracht wird.


    Damit kann ich im Zusammenhang mit Reinvasion nichts anfangen.
    Oder meintest Du eventuell Schimäre = "fixe Idee", "irriger Gedankengang"?


    Das könnte ich nachvollziehen.
    Erklär dich doch bitte mal.
    Außerdem weiß ich nicht, warum Dich dieses Problem überhaupt noch interessiert, Du hast ja seit 14 Jahren keine Varroaprobleme mehr!

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Ich fragte dich nach dem tieferen Sinn deiner Überschrift, sonst doch nichts.
    Alles andere ist mir eh wurscht, Du verrätst ja doch keine Betriebsgeheimnisse.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
     
    ich vermute, die Frage soll in die Richtung deuten, daß man einen Fehler durch das deuten auf andere verdecken will.
     
    Man selbst macht ja alles richtig, ergo muß der Nachbar schuld an den eigenen Verlusten sein. Evtl. ist Schindmäre nicht das ganz richtige Wort dafür. Eher wohl Sündenbock.
     
    Daß aber ganz andere Ursachen dahinter stehen ist eher das Problem das im Moment keiner sehen will. Bekannt sind diese bestimmt schon.
     
    Zu Mannes Betriebsweise kann ich nur sagen, es ist kein Betriebsgeheimnis. Wenn du seine Texte verfolgt hast, dann wüsstest du ob seiner Betriebsweise. Auch kommt es ein wenig auf den Ton an mit dem du Fragen stellst.
     
    Auf den Punkt gebracht, er tut nichts zur Behandlung und das ist das ganze Geheimnis. Alles andere ist wohl so wie bei anderen Imkern auch, Schwarmvorbeuge/-verhinderung, Honigernte und Ablegerbildung.
     
    Seine Methode der Nichtbehandlung funktionert aber nur in seinem Mikroklima mit seinen Bienen. Wenn du deine Bienen und dein Mikroklima benutzt funktioniert das bei dir bestimmt, nach großen anfänglichen Verlusten, auch. Du musst nur konsequent aufs behandeln verzichten und die Verluste ertragen. Genügend Bienenmasse natürlich vorausgesetzt. Denn sonst hast du nur Totalverluste und nichts mehr zum vermehren. Wichtig dabei ist auch eine Standbegattung damit sich die Bienen an das vorhanden Mirkokloma anpassen können. Wandern im Großen Rahmen fällt dabei natürlich flach. Aber bei einem guten Standort braucht man ja nicht wandern.
     
    So eine Umstellung dauert, sag ich mal so salopp, bestimmt 3-4 Jahre. Zumindest ist es das was ich so aus einigen Artikeln so rausgelesen habe. Quellen kann ich leider keine angeben, da ich das was ich lese zwar irgendwo im Hinterkopf ablege, aber nicht wo ich das gelesen habe. Dafür lese ich zuviel. Sollte ich vielleicht ändern.
     
     
    Gruß René

  • Hallo, Rene,
    lies die Seite von Dennis, die großen Verluste am Anfang kann man wegdrücken, das muß nicht sein, vor allem nicht, wenn sie durch Re-Invasion entstanden sind, wie bei den meisten.
    Es ist Tierquälerei, die Bienen dann mitten im Umstellungsprozeß deswegen sterben zu lassen, da muß man zur Not eben nochmal mit Säuren dran.
    Nach dem nächsten Frühjahr brauchen sie das im allgemeinen nicht mehr.
    Ich sag es nochmal, auch wenn es viele nicht mehr lesen mögen:
    es müssen nicht überall kleine Zellen sein, aber kleiner Wabenabstand, und die KS müssen sofort in endgültiger BR-Größe eingeschlagen werden, um ein angepaßtes und harmonisches Brutnest zu erreichen.
    Mehr braucht es nicht (auch, wenn das wieder keiner glaubt).

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Zusammen,
    wir verlassen uns da auf ein Mittel, das, wenn ich mich richtig erinner, eine Wirkungsbreite von 0 bis 99 % hat.
    Unsicherungsfaktoren sind z.B. Luftfeuchtigkeit, Temperatur, offenes Futter, Brutmenge.
    Die Wirkung in die verdeckelte Brut, hat die nicht vielleicht auch negative Auswirkungen?
    Werden vielleicht geschädigte Bienen erzeugt?
    Nicht nur vielleicht äußerlich, gut erkennbare?
    Bienen mit verkümmerten Futtersaftdrüsen, um mal ein mögliches Beispiel zu nennen, wie sollen diese die noch nachfolgende Brut ausreichend ernähren?
    Das wäre so eine Art Dominoeffekt.
    Kurz gesagt, vielleicht sind die Nebenwirkungen oder dessen Nachwirkungen schlimmer als der Heilerfolg.
    Das, was wir als Reinvasion bezeichnen, das Verlassen des sinkenden Schiffes, ist dann nur noch das letzte Glied dieser Folgenkette.
    Viele, nachdenkliche Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Sabine,
    wie sieht es denn aktuell auf deinem Toleranzstand aus. Gibt es Zahlen über Verluste über die Jahre, Notbehandlungen, besondere Betriebsweisen. Meinst du, es ist absehbar, ob es ähnlich wie bei Manne funktioniert?


    Gruesse


    seb

  • Hi, seb,
    Zahlen wirst du von mir öffentlich nicht wirklich kriegen, aber

    Zitat

    Meinst du, es ist absehbar, ob es ähnlich wie bei Manne funktioniert?


    Ja. Uneingeschränkt.
    Die beiden Völker (von 18), die den Winter 05/06 mit Marder/Dachs/Spitzmäusen/wasweißichwaseswirklichwar überlebt haben, gibt es immer noch, und beide alten Königinnen von 04 sehen ihrer 4. Schwarmvorwegnahme entgegen.
    Behandelt habe ich dort gar nicht, weil sie sehr isoliert stehen, und die ach so gefürchtete Verwertung der Schwarmzellen hat bisher zu keinerlei gesteigerter Schwarmlust geführt, sondern zu einem soliden Bestand dort, der seit dem Frühjahr 07 komplett auf 32mm sitzt.
    Durch die *Standbegattung* (die ja keine ist...:wink:) sind die Töchter natürlich keine reinen Buckis mehr, aber das ist egal, sondern sogar eher gewünscht.
    Es bewahrheitet sich, daß der Wabenabstand bislang schwer unterschätzt wurde, auch bei den Völkern hier und drumrum.
    Und natürlich hab ich auch getauscht, bislang keine Probleme.
    (aktuell ist mein größtes Problem, daß ich die vollen Futterwaben fürs CB nicht über den Hobel ziehen kann, ohne daß sie kaputtgehen...:roll:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen