Biogasanlage kontra Bienen

  • Bei mir im Kreis entstanden in den letzten Jahren drei Biogasanlagen.
    Jetzt da die Stillgelegten Flächen wieder bewirtschaftet werden,bemerke ich einen rückgang an Pollen im Juli-August.Es wird überwiegend Mais angebaut.Die Biogasanlagenbetreiber bieten Landwirten sehr gute Verträge mit langen Laufzeiten.Ich finde durch Biogas wird unsere Landschaft eintöniger und verarmt.
    Hat jemand ähnliche Beobachtungen gemacht?
    Gruß Imkerjojo

  • Hallo Imkerjojo,
    ich kann Deine Beobachtungen nur bestätigen. Auch bei uns sind zwei Anlagen und die dazu gehörigen riesigen Maisflächen entstanden. Diese Flächen werden noch wachsen, da die Erweiterung der Anlagen schon geplant ist.
    Gleichzeitig ist zu beobachten, dass zunehmend Feldwege, Vorgewendestreifen und sogar Straßenränder als Grassilage gemäht werden. Die Gasanlage lebt ja nicht nur vom Mais allein...
     
    Glücklicherweise gibt es bei uns noch große Wälder und steile Hanglagen mit engen Wiesentälern, die mit den großen Maismaschinen nicht bearbeitet werden können. Wie die Gasanlagen-'Landwirtschaft' in flachen Gegenden aussieht, mag ich mir gar nicht vorstellen.
     
    Meine Meinung:
    Mit 'grüner Energie' haben Biogasanlagen absolut nichts zu tun. Diese Anlagen sind ein hoch subventionierter Etikettenschwindel. Sie führen zu einem bisher nicht bekannten und rücksichtslosen Raubbau an der Natur, dessen Folgen die gesamte Insektenwelt schwer treffen wird.
     
    Seit BSE und der Umstellung auf Silage als Leistungsfutter gibt es in unserer Gegend nur noch wenige blühende Wiesen. Das ganze nennt sich 'Grünlandwirtschaft' und ist wörtlich zu nehmen. In Verbindung mit den großen Maisflächen sind seit letztem Jahr Sommerlandschaften zu sehen, die man nur noch als 'grüne Wüste' bezeichnen kann.
    Grotesk: In diesen Landschaften sind die früher viel gescholtenen Straßenränder die einzigen Lichtblicke, wenn man nach blühenden Flächen sucht.
    Viele Grüße,
    Rudi


  • Meine Meinung:
    Mit 'grüner Energie' haben Biogasanlagen absolut nichts zu tun. Diese Anlagen sind ein hoch subventionierter Etikettenschwindel. Sie führen zu einem bisher nicht bekannten und rücksichtslosen Raubbau an der Natur, dessen Folgen die gesamte Insektenwelt schwer treffen wird.
     


    Hallo Rudi,


    darf ich fragen, wo dein Strom herkommt ?
    Beim EEG handelt es sich um KEINE Subvention, was höchst richterlich vom Europäischen Gerichtshof bestätigt wurde ! Ausserdem gibt es KEINE Stromerzeugungsart die nicht durch ein Förderprogramm entstanden ist. Ich bin keine Liebhaber der Biogasproduktion. Dennoch ist mir diese Stromerzeugungsart lieber als der Einsatz konventioneller Energieträger. Versuch doch einmal in die Richtung der Regionen zu schauen, wo Öl, Erdgas, Uran und Kohle gefördert werden. Hier haben die Insekten mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.
    Der Wohlstand hat leider seinen Preis.
    Was ich gänzlich ablehne sind Projekte, die Genveränderte Energiepflanzen einzusetzen gedenken. Alles andere sind "lediglich" Produkte unserer industrialisierten Landwirtschaft.
    In meiner Region werden neben Mais vor allem Sonnenblumen für die Biogasanlagen angebaut. Das dürfte zumindest im Spätsommer noch eine Läppertracht geben, wo vorher nur gepflügte Felder waren.


    gruesse


    seb

  • Hallo Zusammen, Hallo Windmüller,
    mit den Sonnenblumen liegt ihr ganz falsch.
    Ernteziel sind doch Stängel und Blätter, nicht die Frucht.
    Wenn denn einzelne Pflanzen schon vor dem Mähen aufblühen, ist das zwar schön für unsere Bienen, aber bestimmt nicht gewollt.
    Selbst in Biogartenbüchern findet man die Empfehlung, Gründünger vor der Blüte abzumähen, unterzuarbeiten, damit die Kraft der Pflanze nicht in die Blüte geht.
    Ähnlich wird es bei den Pflanzen für Biogasgewinnung auch sein.
    Dazu noch der Nachteil, das diese Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln fehlen.
    Folge davon wird sein, das diese teurer eingeführt werden müssen und wir am Ende dies bezahlen.
    Zweimal, wenn wir die Subventionen mitrechnen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Das sind so Dinge... wo ich dann alle versteh, wenn Bio einen üblen Beigeschmack hat... wenn Böden ausgelaugt werden, nur um beispielsweise unsere ach so geschätzte Mobilität für ein paar Jahre mehr zu erhalten... was soll daran Bio sein? Warum kriegen Leute runde Augen vor Verwunderung darüber, dass ich die paar Meter in den Markt bei jedem Wetter zu Fuß oder mit dem Rad "überwinde"? Warum versteht keiner, weshalb ich lieber die seltenen Male, die ich mich weiter weg begebe, mit Bus oder Zug hinlege? Es ist nicht nur aus Gewissensgründen... ich komm so auch zusätzlich immer noch billiger weg, als wenn wir uns ein zweites Auto zulegen würden...


    Ich möcht nicht sagen, dass das bei mir so bleibt, wenn ich mal nimmer so hoppeln kann... aber allein die Sonnenenergie, die uns ohnehin tagtäglich "trifft", kann eine Alternative sein für unumgänglichen Verbrauch, weil sie ohnehin scheint. Vor Jahren wurde ich in der Verwandtschaft veräppelt, weil ich meinte, Erdwärme könnte doch auch negative Folgen haben... nun... alle, die in den letzten paar Jahren diese Form der Energie fürs Heizen verwenden, bauen halt nix mehr an im Garten... weil die Bodenlebenwesen diesen minimalen Schock nicht packen... Neue Formen bohren tiefer... ich bin nicht überzeugt..


    Nehm mich selber ja nicht aus... ich habs gern warm, das lässt sich mit Klamotten teilweise regeln (kommt auch billig, wenn Besucher immer so frieren, dass sie gerne bald wieder gehen, seufz), wir versuchen echt sparsam zu wirtschaften, aber überzeugt bin ich von unserm Familienkonzept nicht. Das Holz stammt zwar aus dem Familienwald, aufgrund der Arbeit, die damit verbunden ist, sind wir schon bissi geizig mit Verbrauch aber ich weiß ... wenn ich das Geld hätte, würde ich skrupellos Flugreisen machen, auch wenn ich weiß, dass ich damit 10000 Jahre Radfahren in wenigen Augenblicken zerstöre... es gibt viele Dinge, die mich nicht locken, aber Reisen und Lesen... da hab ich kaum Hemmschwellen... und bei andren liegt die Achillesferse des Vergnügens halt woanders... kann ich nicht verurteilen, solang ich um meine Schwächen weiß


    Grüße von Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Hallo, Lothar,

    Zitat

    Dazu noch der Nachteil, das diese Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln fehlen.


    Und genau DAS wird in den nächsten Jahren der entscheidende Punkt sein.
    Und wir werden wieder bei 50% des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel enden...
    Und wie das endet, sieht man bei youtube, gebt mal ein "how Cuba survived peak oil", die haben das nämlich schon 17 Jahre (nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem US-Embargo) hinter sich. Genauso wird es uns auch ergehen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo, Lothar,


    Und genau DAS wird in den nächsten Jahren der entscheidende Punkt sein.
    Und wir werden wieder bei 50% des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel enden......


    Aber nicht ,weil die Energiepflanzen den Nahrungspflanzen Konkurrenz machen. Sondern weil durch den Bevölkerungswachstum in der Welt die Preise für Nahrungsmittel in der Welt steigen (und nicht wenige Menschen durch die Industriealisierung - China, Indien etc. - nun Geld haben, im größeren Umfang Nahrungsmittel nachzufragen).
    Andererseits: Die bisherigen Nahrungsmittelpreise wurden künstlich durch die EU-Agrarpolitik niedrig gehalten (und der Bauer ist abhängig von dem Staat.... ), wenn wir hätte die realen Kosten tragen müssen (haben wir durch unsere Steuern aber "hintenrum" doch bezahlt), wären Nahrungsmittel viel teurer gewesen.


    Es ist doch irre, dass die landwirtschaftlichen Urproduzenten von ihren Erlösen nicht leben können ...... sollen sie doch Energiepflanzen anbauen, wenn dadurch ihre Einkommensituation verbessert wird und sie nicht mehr von der Willkür der EU-Agrarpolitik abhängig sind......


    Alfred

    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. (Papst Gregor I.)

  • Hallo zusammen,
    ich bin neu im Forum!
    Ich lese seit ca 5 Monaten mit und bekomme 2008 meine ersten Bienen.


    Das in aller Kürze vorweg.


    - Lothar,
    da ich als Landwirt mit Biogasanlagen, Mais und Sonnenblumen etwas zu tun habe, möchte ich klarstellen, das die Sonnenblumen für Biogas in der Milchreife der Körner geerntet werden sollen (also nach der Blüte), nur manchmal reicht die Zeit nicht!


    - Sabiene,
    momentan zahlt der Verbraucher ca. 10% seines Einkommens für Lebensmittel!
    Die Fläche für 'Biogas ist politisch gewollt, und 50% des Einkommens ist politisch NICHT gewollt! Lieber lässt mann uns Bauern am Hungertuch nagen.


    Gruß
    Maisonkel aus dem nassen Dreieck

  • Hallo Zusammen, hallo seb,

    seb schrieb:

    darf ich fragen, wo dein Strom herkommt ?

    Ich bin außen vor, mein Strom kommt doch aus der Steckdose! :wink:
     

    seb schrieb:

    ... KEINE Subvention, was höchst richterlich vom Europäischen Gerichtshof bestätigt wurde!

    Faktisch ist es eine Subvention, wird von den Betreibern und den beteiligten Bauern auch gar nicht anders gesehen.
    Es ist sogar ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten.
    Als seinerzeit die Milchseen ausgetrocknet und die Butter-, Fleisch- und Getreideberge abgetragen wurden, war man sich über eine Schlussfolgerung einig: Es darf nie wieder produktionsmengenabhängige Subventionen in der Landwirtschaft geben.
    Jetzt, beim Biogas, sind sie auf einmal wieder da! Niemand darf sich wundern, wenn die Bauern wieder auf Deubel komm raus, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln und ohne Rücksicht auf die Folgen möglichst viel und möglichst billig Mais etc. erzeugen werden...
     

    seb schrieb:

    Was ich gänzlich ablehne sind Projekte, die Genveränderte Energiepflanzen einzusetzen gedenken.

    Sehe ich genau so. Aber im Umfeld der Biogasanlagen habe ich gerade in dieser Beziehung die größten Bedenken. In unserer Gegend musste bisher noch kein Bauer den Maiszünsler mit PSM bekämpfen, sein Vorkommen ist unbedeutend. Der Anbau von Energie-Mais mit seinen großen Flächen und den engen Fruchtfolgen wird das vermutlich bald ändern und dann wird auch vermehrt über Bt-Mais geredet werden. Gleichzeitig wird die Hemmschwelle bei den Landwirten sinken, weil die Produkte ja gar nicht in die Nahrungskette kommen.
    Das ist in der Beurteilung der grünen Gentechnik zwar völlig unerheblich, aber wir werden es erleben, dass die Meinungsbildung in diese Richtung angeschoben wird.
     

    seb schrieb:

    In meiner Region werden neben Mais vor allem Sonnenblumen für die Biogasanlagen angebaut. Das dürfte zumindest im Spätsommer noch eine Läppertracht geben, wo vorher nur gepflügte Felder waren.

    Die drei Wochen Sonnenblumen werden unseren Bienen und den anderen Insekten das nötige Pollen- und Nektarband - die blühenden Landschaften halt - nicht ersetzen können.
    Und selbst bezüglich Deiner bescheidenen Hoffnung bin ich aus mehreren Gründen skeptisch. Berichte bei Gelegenheit mal, was daraus geworden ist.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Maisonkel,


    vielen Dank für die wichtigen Informationen aus Insiderkreisen wie man heute so schön schlecht sagt. Glückwunsch zur Entscheidung, mit der Imkerei anzufangen. Ich habe auch erst angefangen (im Mai 07) und ich kann nur sagen: Ich bereue, nicht schon vor 10 Jahren mit dem Hoby begonnen zu haben.


    Zum Posting: Es wäre nun schön, alles, was du geschrieben hast, ein bissle genauer zu erfahren, vielleicht in einem eigenen Thread. Dass Biogasflächen politisch gewollt sind, ist klar, aber warum sind die 50 % Einkommen nicht gewollt? Verstehe ich nicht. Die Preise für Lebensmittel werden doch auf jeden Fall steigen: wegen Konkurrenz zu Biogas und wegen der Steigerung der Nachfrage aus China und Indien.


    Da es dann keine Überproduktion mehr gibt, werden die Preise und die Einnahmen der Bauern erheblich steigen! Das ist dasselbe wie bei der Arbeitslosigkeit: Gibt es nur wenige Arbeitslose, können diese jedoch gegeneinander ausgespielt werden mit der Folge, dass die Löhne stark fallen. Ist die Nachfrage nur ein wenig höher als das Arbeitsangebot, steigen die Löhne sofort stark an.


    Ich hoffe, dass die Chinesen und Inder es sich künfig leisten können, ihren eigenen Honig zu essen. Dann bekomme auch ich mehr als derzeit 4 Euro für ein Glas Honig.


    Den Landwirten stehen günstige Zeiten bevor. Nicht einmal gerechnet die Klimaverbesserung in D!


    joachim

    Anfänger, Imker seit Mai 07, 5 x Carnica, 1 x Primorski, Selbstbauholzbeuten, Deutsch normal

  • Moin Lothar,


    die Sonnenblumenfelder, die ICH meine, BLÜHEN (!) Ende August bis Oktober. Sie werden als Nachfrucht gesät. Nahrungsmittel würden so spät im Jahr zur Ernte im gleichen Jahr nicht mehr angebaut werden, weshalb die Fläche brach liegen würde. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber meine, dass die verfrohrenen Stengelchen noch immer stehen. (Zwischen Rathenow und Hohenauen im Ldk Havelland).


    Subvention bedeutet, dass der Staat Gelder in Erneuerbare Energieprojekte steckt. Das ist i.d.R. nicht so ! Die Mehrkosten der Stromkonzerne beziffern sich auf wenige Euronen pro Haushalt und Jahr. Diese langen zwar kräftig mit den Preisen nach und verweisen auf diese Mehrkosten, weisen jedoch gleichzeitig immer höhere Gewinne aus.


    gruesse


    seb

  • Aber nicht ,weil die Energiepflanzen den Nahrungspflanzen Konkurrenz machen. Sondern weil durch den Bevölkerungswachstum in der Welt die Preise für Nahrungsmittel in der Welt steigen (und nicht wenige Menschen durch die Industriealisierung - China, Indien etc. - nun Geld haben, im größeren Umfang Nahrungsmittel nachzufragen).
    Andererseits: Die bisherigen Nahrungsmittelpreise wurden künstlich durch die EU-Agrarpolitik niedrig gehalten (und der Bauer ist abhängig von dem Staat.... ), wenn wir hätte die realen Kosten tragen müssen (haben wir durch unsere Steuern aber "hintenrum" doch bezahlt), wären Nahrungsmittel viel teurer gewesen.


    Es ist doch irre, dass die landwirtschaftlichen Urproduzenten von ihren Erlösen nicht leben können ...... sollen sie doch Energiepflanzen anbauen, wenn dadurch ihre Einkommensituation verbessert wird und sie nicht mehr von der Willkür der EU-Agrarpolitik abhängig sind......


    Alfred


    Alfred, so ähnlich sehe ich das auch. Wir werden in den nächsten Jahren von unserem deutschen Luxusschimmel stufenweise absteigen. Das kann nur richtig sein, solange unser Wohlstand auf Kosten ärmerer Länder stattfindet. Lebensmittel sind einfach zu billig. Um Geld zu sparen, bestellt doch heute keiner mehr seinen Garten. Was kostet die Dose Erbsen? Der Preis einer Büchse wiederspiegelt doch nicht einmal Material und Energieverbrauch des Weissbleches. Wir wundern uns, weshalb wir unseren Honig nicht zu dem Preis loswerden, dass halbwegs die Kosten gedeckt sind und wollen gleichzeitig vom Preis eines Glases den Lebensmittelwocheneinkauf bestreiten.
    Vielleicht kommen wir wieder da hin, dass die Landwirtschaft so rentabel wird, dass Flächen nicht mehr verpachtet sondern selbst bewirtschaft werden - weg von der Monokultur.


    gruesse


    seb